Wirtschaft
Christoph Blocher

Tagblatt der Stadt Zürich und weitere: Blocher verkauft Gratiszeitungen

Christoph Blocher verkauft seine Gratiszeitungen

22.04.2026, 14:5722.04.2026, 14:57

Alt Bundesrat Christoph Blocher (SVP) verkauft seine Zeitungshaus AG. Sie wird von der Interact Media Group (IMG) übernommen, zu der unter anderem das Portal nau.ch gehört. Blochers Firma steigt bei der IMG ein. Er selber zieht sich aber zurück.

«Mit der IMG haben wir eine Partnerin gefunden, welche diese Titel im Printbereich weiterführt und gleichzeitig in die digitale Zukunft begleitet», lässt sich Christoph Blocher in einer Mitteilung vom Mittwoch zitieren. Selber habe die Zeitungshaus AG keine digitalen Kanäle aufbauen wollen. Nun sei der richtige Zeitpunkt, um die Verantwortung in neue Hände zu geben.

Blocher zieht sich dabei zurück. «Mich braucht es nicht mehr», sagte er am Mittwochnachmittag vor den Medien. Die Gruppe werde durch den Verkauf gestärkt, meinte er. «Wir wollten die Firma aber nicht einfach loswerden und sind selber weiterhin dabei.»

Stillschweigen zum Verkaufspreis

Die Muttergesellschaft von Blochers Zeitungshaus AG, Robinvest, übernimmt eine Beteiligung von 15 Prozent an IMG. Zudem werden Christoph Blochers Tochter Rahel, bisher Verwaltungsratspräsidentin der Zeitungshaus AG, und Andreas Schaffner Einsitz im Verwaltungsrat von IMG nehmen. Zum Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Die Gratiszeitungen – dazu zählen das Tagblatt der Stadt Zürich, die St. Galler Nachrichten oder die Winterthurer Zeitung – haben eine Gesamtauflage von 700'000 Exemplaren. Dies inklusive des «Berner Bärs», den die IMG im vergangenen Jahr übernommen hatte. Damit machte die Firma erste Erfahrungen im Printbereich. Bei nau.ch liege die Zahl der monatlichen Nutzer bei 4 Millionen.

Keinen Einfluss auf politische Ausrichtung

Wie IMG-Chef Yves Kilchenmann sagte, ist geplant, dass alle Zeitungen eigene digitale Plattformen erhalten. Dies sei beim «Berner Bär» schon der Fall.

Alle Beteiligten betonten die Bedeutung des Lokalen. «Wir wollen unbedingt das Lokale in den Vordergrund stellen», sagte auch Blocher. Die Menschen wollten wissen, was bei ihnen passiere.

Ähnliches gelte für das Gewerbe, das Werbung platzieren wolle, sagte IMG-Verwaltungsratspräsident Olivier Chuard. «Sie suchen Ansprechpersonen in der Region.» Keinen Einfluss soll die Beteiligung auf die politische Ausrichtung von nau.ch haben. «Wir bleiben politisch neutral», betonte Kilchenmann.

«Wir sind kein Wohltätigkeitskonzert»

Nach Angaben der Blochers kam der Verkauf nicht wegen schlecht laufender Geschäfte zustande. «Wir schreiben leicht schwarze Zahlen», sagte Rahel Blocher. Zu schaffen machten der Zeitungshaus AG aber die Zustellkosten. «Wir sind kein Wohltätigkeitskonzert», ergänzte Christoph Blocher. Ein Gewinn müsse sein. (sda/awp)

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