Wirtschaft
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Bald wieder in der Luft? Tuifly lenkt im Mitarbeiterstreit ein



epa05150105 A Boeing 737-800 of Tuifly standing at Hanover Airport in Hanover-Langenhagen, Germany, 08 February 2016. The world's biggest tourism group Tui welcomes his shareholders for the general assembly in Hanover. Tui has more than 76,000 employees worldwide with roughly 1,000 in Germany, half of which work in Lower Saxony.  EPA/HOLGER HOLLEMANN

Grounding bei Tuifly: Am Freitag waren fast alle Flüge ausgefallen.  Bild: EPA/DPA

Nach den massiven Ausfällen beim Ferienflieger Tuifly lenkt der Konzern ein. Die Entscheidung über eine Neuordnung der Airline soll auf Mitte November verschoben werden. Der Aufsichtsrat der Tui AG werde nicht, wie ursprünglich geplant, schon am 26. Oktober entscheiden, teilte Personalvorstand Elke Eller am Freitagabend mit.

Zugleich gab der Konzern den Tuifly-Mitarbeitern eine mindestens dreijährige Tarif- und Standortgarantie. «Wir hoffen, dass dies unmittelbar zur Entspannung der Situation beiträgt.»

Vor einer Woche war bekanntgeworden, dass Tuifly in eine neue Dachholding unter Führung von Etihad integriert werden soll. Arbeitnehmervertreter befürchten Job-Verluste und kritisierten zu unkonkrete Angaben.

Verdeckter Streik

Seitdem führen kollektive Krankmeldungen der Besatzungen zu Flugausfällen und massiven Verspätungen. Betroffen ist auch Air Berlin, denn ein Drittel der Tui-Flotte fliegt samt Besatzung für die Berliner.

Der Touristikkonzern Tui teilte nun mit, die Airline Tuifly solle für die Dauer von mindestens drei Jahren eine deutsche Gesellschaft mit Sitz in Hannover bleiben. Die heutigen Arbeitsverträge blieben solange bestehen und es gebe keine Einschnitte bei den Gehältern. Weitere Gesprächstermine mit den Arbeitnehmervertretern seien, beginnend ab Montag, für die nächste Woche vereinbart.

Gestutzte Flügel

Bei Tuifly waren am Freitag fast alle Flüge ausgefallen. Die Airline versuchte mit gemieteten Maschinen und Crews einen Teil der Ausfälle aufzufangen. Tausende Passagiere waren betroffen. Auch Air Berlin musste nach eigenen Angaben 50 von 90 Flügen streichen.

Etwa 45 Prozent des Flugprogramms hätten durch freiwillige Crews von Air Berlin und den Einkauf von Subcharterflügen aufgefangen werden können, teilte die Airline mit. Mehr als 1000 Mitarbeiter hätten sich freiwillig bereit erklärt, Sonderschichten zu leisten, um Fluggäste zu betreuen.

Wegen der Ausfälle sitzen rund 900 Gäste der Thomas Cook-Veranstaltermarken Thomas Cook, Neckermann Reisen, Bucher Last Minute und Öger Tours in verschiedenen Urlaubsgebieten fest. Das teilte Thomas Cook am Abend mit. Um alle Gäste von den Kanarischen Inseln und aus Griechenland zurück nach Deutschland zu befördern, werde das Unternehmen kurzfristig acht zusätzliche Flüge, vor allem mit der konzerneigenen Airline Condor organisieren.

Genervte Kunden

Nach den massiven Ausfällen mehrt sich die Kritik am Tui-Konzern, der keine Entschädigungen an betroffene Passagiere zahlen will. Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt empfahl geschädigten Touristen, Schadenersatzansprüche bei dem Ferienflieger anzumelden.

Er könne allen Kunden nur raten, ihre rechtlichen Ansprüche geltend zu machen, sagte der CSU-Politiker am Rande der Verkehrsministerkonferenz in Stuttgart. Tui beruft sich auf höhere Gewalt und will Betroffene nicht entschädigen.

Dobrindt forderte alle Beteiligten zu raschen Gesprächen auf. Es sei keine akzeptable Situation, die man gerade vorfinde, sagte er. Der Konflikt dürfe nicht auf dem Rücken der Kunden ausgetragen werden. Am Abend gab es ein Krisengespräch im niedersächsischen Wirtschaftsministerium. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies sagte vorab: «Es gibt eine Einigung; Ich hoffe, dass am Sonntag wieder ein geregelter Flugbetrieb möglich ist.»

Auch Justizminister Heiko Maas pocht auf ein schnelles Ende der Flugausfälle bei Tuifly und forderte im Gespräch mit den «Ruhr-Nachrichten» (Samstag), den Konflikt nicht auf dem Rücken der Passagiere auszutragen. Kritik kam auch vom Tourismusexperten Torsten Kirstges, der den Tuifly-Mutterkonzern Tui vor einem Imageschaden warnte.

Mehr Kulanz gefordert

Mit Blick auf die Entschädigungsfrage sagte er der Deutschen Presse-Agentur: «Da hätte man sich besser bedeckt gehalten.» Er gehe davon aus, dass die Gesellschaft entsprechende Prozesse verlieren werde und dann doppelt am Pranger stehe. Nach seiner Einschätzung liegt die ausreichende Personalausstattung in der Verantwortlichkeit des Arbeitgebers.

Mehr Kulanz fordern die Reisebüros, die für Reisende Stornierungen oder Umbuchungen vornehmen müssen, ohne dass der Mehraufwand vergütet wird. Die aktuellen Probleme dürften nicht auf dem Rücken der Reisebüros ausgetragen werden, erklärte der Branchenverband DRV. Mitarbeiter der Büros seien Leidtragende bei der Tuifly-Krise. (sda/dpa)

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