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Beim Trinkgeld in der Schweiz könnte es eine grosse Veränderung geben

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Die Zeiten, in denen meistens in bar einkassiert wurde, sind vorbei.Bild: KEYSTONE

«Ein Umdenken muss stattfinden» – beim Trinkgeld könnte es eine grosse Veränderung geben

07.04.2024, 07:4207.04.2024, 17:44
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Viele haben es schon einmal bekommen, viele geben es regelmässig: Trinkgeld. In der Schweizer Gastronomie ist es normal, dass der Gast dem Personal nach einem guten Service ein paar Franken zusätzlich gibt. Früher passierte dies meistens in bar, heute oft auf elektronischem Weg. Das hat weitreichende Konsequenzen: «Die ganze Branche hat Angst», sagt ein Restaurantbetreiber gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Rund eine Milliarde Franken Trinkgeld fliesst in der Schweizer Gastronomie pro Jahr. Mit der zunehmenden Ablösung des Bargelds durch digitale Zahlungsmittel wird dies nun zum Problem, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Denn die Gelder tauchen in der Abrechnung auf und müssen korrekt verbucht werden. Erste Restaurants deklarieren die Trinkgelder deshalb auf den Lohnausweisen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

«In der Branche muss ein Umdenken stattfinden», sagt der Zürcher Gastro-Unternehmer Manuel Wiesner. Er verweist auf die Vorteile: Angestellte erhielten im Alter eine höhere Rente, seien besser versichert bei Arbeitslosigkeit, Krankheit und Unfall.

GastroSuisse will kein Umdenken

Beim Personal stösst die Deklaration allerdings oftmals auf Ablehnung. Denn durch die Steuern und Sozialabgaben sinkt ihr verfügbarer Lohn. Auch der Verband GastroSuisse will nichts wissen von einem Umdenken.

Präsident Casimir Platzer glaubt, dass das Trinkgeld in den meisten Fällen nicht mehr als zehn Prozent ausmache und somit nicht sozialversicherungspflichtig sei. Platzer gibt zu bedenken, dass den Unternehmen durch die Lohnabzüge Mehrkosten entstünden, wenn sie das Trinkgeld deklarieren müssten. Gleichzeitig würden die Mitarbeiter weniger verdienen. Der Präsident von GastroSuisse sagt gegenüber der «NZZ am Sonntag»: «Bei einer Integration der Trinkgelder in den Lohn gibt es nur Verlierer.»

Anders sieht dies Gastronom Manuel Wiesner. Er sagt, es komme vor, dass Angestellte zu einem Lohn von 4000 Franken noch 1500 Franken Trinkgeld dazu verdienen würden. «Da müssen wir doch nicht mehr darüber diskutieren, ob das zum Lohn gehört oder nicht.» (cma/sda)

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325 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ribosom
07.04.2024 08:05registriert März 2019
Da Trinkgelder sowieso versteuert werden müssen, finde ich es gut, wenn sie auf den Lohnausweisen deklariert werden.
Logisch haben die Angestellten ein Problem damit! So müssen sie mehr Sozialabgaben und mehr Steuern bezahlen - wie alle anderen im gleichen Lohnsegment auch. Ich kenne einige aus der Gastro, die mit ihren unversteuerten Trinkgelder prahlen, was sie sich alles leisten können. Und ich Tubel zahle auf meinen ganzen Lohn Steuern und Sozialabgaben.
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sowhat
07.04.2024 08:14registriert Dezember 2014
Ja klar, Platzer wieder. Bloss nichts ändern.
Naturlich gehören Trinkgelder versteuert und sie sind ebenso abzugspflichtig. Es sind Einnahmen. Dass die Arbeitnehmer und Wirteschaft bisher keine AHV und ALV darauf bezahlt haben, ist nur, weil sie sie der Kontrolle entzogen haben. Nicht weil das korrekt war.
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bcZcity
07.04.2024 07:57registriert November 2016
1974 wurde das Trink- bzw. Service Geld, abgeschafft. Es ist also absolut freiwillig und kein fixer Lohn Bestandteil mit dem man rechnen muss. Dennoch…..

Ich gebe auch gerne mal was, aber natürlich rundet man vor allem die Rechnung auf. Da erwarte ich auch dass dies sauber deklariert und verteilt wird.

Und die Betriebe sollten dennoch anständige Löhne bezahlen. So wie in den USA, wo ich als Gast auch noch Geldgeber für das Personal bin (ob dies guten Service fördert ist fraglich), muss es ja nicht sein!
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