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Auf Twitter kursieren diverse Fotos von verlassenen Bitcoin-Farmen.
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Bitcoin wird sein China-Problem los

23.06.2021, 19:13

Der Beziehungsstatus von China und Bitcoin ist schon seit vielen Jahren kompliziert.

2013 veröffentlichte die chinesische Staatsbank eine Absichtserklärung, dass Chinas Banken der Handel mit Kryptowährungen untersagt werde. Zwei Wochen später stoppte der damals grösste Kryptohandelsplatz «BTC China» Einzahlungen in der chinesischen Währung Renmimbi. Der Preis von Bitcoin halbierte sich darauf kurzfristig von 1'100 Dollar auf 560. Es sollte danach zwei Jahre dauern, bis Bitcoin wieder dieses Preisniveau erreichte.

Im September 2017 erfolgte der nächste Schritt. Den lokalen Tauschbörsen wurde der Handel mit Kryptowährungen verboten. Nach einer Verwarnung stellte BTC China seinen Betrieb ein – der Preis fiel erneut. Von 4'200 Dollar auf 3'100. Die Wirkung war nur von kurzer Dauer – wenige Monate später wurden knapp 20'000 Dollar für einen Bitcoin bezahlt.

Und nun, 2021 – erneut vier Jahre später, reicht China definitiv die Scheidung ein. Die Bitcoin-Miner werden aufgefordert, auszuziehen. Als offizieller Grund wird die Sorge um Klima und Umwelt angegeben. Die Situation ist – wie oft im Reich der Mitte – undurchsichtig. Bis zu 90 Prozent der chinesischen Mining-Power soll in verschiedenen Distrikten bis Ende Monat vom Netz gehen. Ein Grossteil des Exodus ist bereits vollzogen. Das zeigt der Graph der Bitcoin-Mining-Power (Hash-Rate).

Bitcoins Hashrate hat sich seit Mitte April halbiert. Ein Grossteil davon ist auf den China-Exodus zurückzuführen.
Bitcoins Hashrate hat sich seit Mitte April halbiert. Ein Grossteil davon ist auf den China-Exodus zurückzuführen.
screenshot blockchain.com

Wie in den Jahren zuvor sinkt auch 2021 der Bitcoin-Preis, nach einer längeren gestern auf unter 29'000 Dollar. Die Erholung kam prompt. Aktuell steht der Kurs bei 34'000 (Stand 23.6.2021 / 11:26 Uhr).

Langfristig dürfte sich die Zäsur in China aber positiv auswirken. Denn mit der selbst verursachten Zerschlagung der Dominanz beim Bitcoin-Mining zerfallen auch diverse Kritikpunkte. Vor allem das Argument, Bitcoin werde hauptsächlich mit chinesischem Kohlestrom geschürft.

Dieses Narrativ lastete wie ein schwerer Kloss in der Brust vieler Bitcoin-Anhänger und es war zum Totschlagargument in der (meist uninformiert geführten) Energiediskussion geworden. Damit ist nun Schluss. Das dürfte auch institutionelle Anleger freuen, welche aufgrund der Klimadebatte und befürchteten Imageschäden sich nicht mit der Mutter aller Kryptowährungen eindeckten.

Berechnungen, wie viel von Bitcoins Energiekonsum ab Juli 2021 durch Erneuerbare gedeckt wird, müssen von Grund auf überholt werden. Die Vermutung liegt aber nahe: Der Anteil Erneuerbarer stieg in den letzten Tagen signifikant an – Bitcoin wurde einen schönen Block «grüner».

Die Abkehr von der Verbrennung von fossilen Brennstoffen ist grundsätzlich unausweichlich. Sie erfolgt für die chinesischen Bitcoinminer erzwungenermassen etwas früher.

Bereits im April begannen weitsichtige chinesische Miner damit, ihr operatives Geschäft in andere Länder zu verlagern. Ein Trend ist der Norden Europas, wo in Schweden und Norwegen günstiger Strom aus erneuerbaren Energien erhältlich ist. Nun sind auch die restlichen gezwungen, ihr Geschäft im Ausland zu betreiben.

Seit der Einführung von Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel in El Salvador ist auch der Kleinstaat in Zentralamerika interessant für Miner. Geothermie und ein Bitcoin-freundliches Investitionsumfeld schaffen dort hervorragende Voraussetzungen. Für Mining im grossen Stil fehlen aktuell aber die Ressourcen.

Ebenfalls hoch im Trend liegt Texas. Dort boomen Windenergieanlagen. Sie produzierten 2020 erstmals mehr Strom als die Kohlekraftwerke. Trotzdem kam es im Winter 2021 nach drei Winterstürmen zu einer massiven Stromkrise. Nicht wintertauglich gemachte Erdgasanlagen und die Liberalisierung des Strommarkts, welche Importe erschwerte, sorgten dafür, dass Millionen von Menschen Tage ohne Strom und fliessendem Wasser verbringen mussten.

Trotzdem scheint Texas bei chinesischen Minern hoch im Kurs zu sein. Das mag auch daran liegen, dass Gouverneur Gregg Abbott kürzlich an einem privaten Event des Mining-Equipment-Herstellers Bitmain in Chengdu die Strompreise in seinem Staat bewerben durfte.

Es wäre naiv zu denken, Chinas Miner würden nun ausschliesslich auf Erneuerbare setzen. Laut Insidern zieht es zahlreiche Unternehmen über die Grenze nach Kasachstan. Dort wird über 70 Prozent der Elektrizität mit Kohlestrom produziert. Aber auch im Land am Kaspischen Meer gewinnen Erneuerbare aufgrund ihrer Kosteneffizienz an Wichtigkeit. Potenzial herrscht vor allem im Bereich der Windenergie.

Im bereits erwähnten Bundesstaat Texas – in dem sich auch Elon Musk mit einer Gigafactory niedergelassen hat – wird der Strom hauptsächlich mit fossilen Energieträgern – vornehmlich Erdgas – hergestellt (46%).

Meint es China tatsächlich ernst mit der Sorge um Klima und Umwelt, dann folgt auf das Mining-Verbot die Dezimierung der Kohlekraftwerke. Sie produzieren vor allem in der Uiguren-Provinz Xinjiang enorme Mengen an ungenutztem Strom.

Wie im Science-Fiction-Film: Mann fliegt mit Hoverboard über Times Square

Video: watson
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