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Autoindustrie: Gewinne von BMW, Mercedes und VW schmelzen dramatisch

FILE - The logo of German car manufacturer BMW is fixed at the headquarters in Munich, Germany, Friday, May 14, 2021. (AP Photo/Matthias Schrader, File)
Massiver Gewinneinbruch bei BMW: Der Konzernüberschuss sank im dritten Quartal um 84 Prozent. Den Rivalen in Deutschland geht es ähnlich.Bild: keystone

Autobauer in der Krise: Gewinne von BMW, Mercedes und VW schmelzen dramatisch

Die deutschen Autobauer stehen vor einem Berg an Herausforderungen. Nun meldet auch BMW einen drastischen Einbruch. Ein Insider erklärt die Fehler der Konzernlenker – und die einzige Lösung.
06.11.2024, 21:5906.11.2024, 22:46
Markus Abrahamczyk / t-online
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Ein Artikel von
t-online

Die Gewinne der deutschen Autohersteller gehen stark zurück. Vor allem BMW hat im dritten Quartal mit einer Marge von nur noch 2,3 Prozent einen Tiefstand im Autogeschäft erreicht – nochmals weit unter dem Niveau von Mercedes. Die Stuttgarter hatten bereits im September mit einem Rückgang der Umsatzrendite auf 7,5 bis 8,5 Prozent gerechnet. Wo liegen die Ursachen? Und wo die Lösung?

Verluste in China als gefährliches Signal

Der deutsche Branchenkenner Prof. Ferdinand Dudenhöffer beschreibt die Situation in drastischen Worten: «Die Gewinne der deutschen Autobauer schmelzen wie Schnee in der Sonne». Besonders dramatisch sei der 30-prozentige Absatzrückgang von BMW in China. Auch Mercedes und Volkswagen kämpfen mit ähnlichen Problemen. Sie alle hätten ein Riesenproblem, sagt Dudenhöffer: Ihre Autos seien in China zu unattraktiv.

BMW-Zahlen brechen ein

BMW musste im dritten Quartal einen Gewinnrückgang um fast 84 Prozent auf 476 Millionen Euro hinnehmen. Der Umsatz sank wegen technischer Probleme mit Bremssystemen und der schwachen Nachfrage in China um 16 Prozent auf 32,4 Milliarden Euro.

Dagegen gewinnen Unternehmen wie Tesla und chinesische Marken wie BYD, Geely und Nio mit neuen Technologien schnell Marktanteile. Dudenhöffer: «Während Tesla und die chinesischen Autobauer sich mit neuen Technologien immer stärker etablieren, brechen die deutschen Autobauer nahezu in Rekordgeschwindigkeit ein.»

Veraltete Produktionsprozesse als Hemmschuh

Ein zentrales Problem seien die veralteten Produktionsprozesse der deutschen Hersteller. Technologien wie das «Giga-Casting», die die Produktionskosten senken, würden von ihnen kaum genutzt, während chinesische Unternehmen solche Innovationen vorantreiben. Auch im Bereich des «Software Defined Car» seien chinesische Unternehmen, unterstützt von Technologiegiganten wie Huawei und Tencent, deutlich weiter.

  • Giga-Casting: Bei dieser Fertigungstechnik werden grosse Teile eines Autos in einem einzigen Guss hergestellt statt aus vielen Einzelteilen. Das geht schneller und ist billiger. Kritiker warnen aber davor, dass diese Methode im Schadensfall für den Autobesitzer teurer werden kann: Besteht beispielsweise das gesamte Heck nur aus einem einzigen Bauteil, kann nach einem Auffahrunfall kein Einzelteil ersetzt werden. Stattdessen müsste das gesamte Heck ausgetauscht und neu lackiert werden – ein Aufwand, der schnell zum wirtschaftlichen Totalschaden führt.
  • Software Defined Car: Ein Auto, das hauptsächlich durch Software und nicht nur durch herkömmliche Hardware gesteuert wird. Navi und weitere Assistenten können durch Software-Updates verbessert werden.

Hinzu kämen infrastrukturelle Schwächen, wie die unzureichende digitale Infrastruktur. Sie führt im Vergleich zu China zu höheren Kosten und einer langsameren Entwicklung, kritisiert der Branchenkenner.

Schnelles Umsteuern gefordert

Dudenhöffer fordert ein schnelles Umsteuern: «Die deutschen Autobauer müssen reagieren, sonst wird es nicht besser.» Dabei müsse man vor allem von Tesla und den Entwicklungen in China lernen. «Dazu muss man in der Fahrzeugentwicklung nach China gehen.»

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48 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Upupa
06.11.2024 23:05registriert Januar 2014
Mir tut das nur beschränkt leid. Im Frühling wollte ich einen Mercedes EQA kaufen. Am Ende der Konfiguration versuchte ich, das Head-up-display einzugeben. Das war nicht möglich. Die Auswahl des Displays hat zwingend die AMG-Linie erfordert, inklusive der Änderung der Sitze (!). Wie wenn das etwas mit den Display zu tun hätte. Ich habe mich beim Leiter der Filiale, bei Mercedes Schweiz und beim Hauptsitz in Stuttgart beschwert darüber. Keine dieser Stellen hielt es für notwendig, mir eine Antwort zu schicken. Das versteht man dort unter Kundenorietierung. So verzichte ich halt auf Mercedes!
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MRDL
07.11.2024 07:08registriert August 2020
“Ihre Autos seien in China zu unattraktiv.”
Hoffe BMW und Co. merken bei der Gelegenheit auch, dass ihre Autos auch in Europa nicht mehr ankommen....
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Tante Karla
06.11.2024 23:21registriert März 2024
Elon Musk und BYD werden der deutschen Verbrennerindustrie den Rest geben.

Die deutsche Verbrennerindustrie hat viel zu sehr auf hiesige Diesel-Opas gesetzt und die sich abzeichnenden Trends am Weltmarkt komplett verschlafen.

Kein Wunder, ist Tesla schon zwanzigmal mehr wert als der grösste deutsche Verbrennerhersteller.
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