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Wirtschaft
Schweiz

«Zwei Jahre sparen für Ferien»: Dreifache Mutter zeigt ihr Budget auf

Budgetiert das Familieneinkommen: die dreifache Mutter Jessica Ochsner aus Einsiedeln.
Budgetiert das Familieneinkommen: die dreifache Mutter Jessica Ochsner aus Einsiedeln. Bild: watson

7666 Franken pro Monat reichen knapp – dreifache Mutter zeigt, wie ihre Familie budgetiert

Jessica Ochsner zeigt in ihren TikTok-Videos, wie sie das Haushaltseinkommen ihrer Familie budgetiert. Für den Monatseinkauf rechnet sie mit 600 Franken für die fünfköpfige Familie. Um so konsequent zu werden, musste sie auch durch finanziell schwierigere Zeiten.
24.11.2022, 05:5126.11.2022, 06:15
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«Ich habe unzählige Abende damit verbracht, mir den Kopf über unsere finanzielle Situation zu zerbrechen», sagt Jessica Ochsner aus Einsiedeln SZ.

Die dreifache Mutter weiss, was es bedeutet, das Monatseinkommen einzuteilen. Damit das Geld bis zur nächsten Lohnzahlung ausreicht.

Noch härter als die Familie Ochsner trifft es tausende Eltern in der Schweiz. Knapp 14 Prozent aller Paarhaushalte mit Kindern sind armutsgefährdet, wie das Bundesamt für Statistik feststellt.

Bei Haushalten mit nur einem Elternteil ist es sogar ein Viertel, das unter oder nur wenig oberhalb der Armutsgrenze liegt. Darunter fallen etwa Einkommen von 3963 Franken pro Monat bei Haushalten mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren.

Finanziell besser aufgestellt

Familien, die sich in dieser Situation befinden, haben nur Geld für das Nötigste. Vergleichbar erging es Jessica Ochsner (29) und ihrem Ehemann Christian (34) vor knapp drei Jahren, als sie monatlich rund 4900 Franken zur Verfügung hatten.

Er arbeitete als Koch und sie war ganz für den zwei- und den sechsjährigen Sohn zu Hause. Ein drittes Kind war in Erwartung. Wie das finanziell aufgehen sollte, wusste die junge Familie damals nicht. «Wir realisierten, dass wir grundsätzlich etwas ändern mussten», erinnert sich die Einsiedlerin. So seien sie dazu gekommen, ihr Einkommen klar zu budgetieren.

Jessica Ochsner zeigt auf TikTok ihr Budget

Video: extern / rest/tiktok/budgetstudio

Das macht Jessica Ochsner bis heute. Seit diesem Jahr geht es der Familie finanziell besser. «Mein Mann wurde zum Küchenchef befördert und ich arbeite wieder zu 20 Prozent als medizinische Praxisassistentin», sagt die 29-jährige Mutter von drei Buben im Alter von 9, 5 und 2.

Mit ihrem neuen Haushaltseinkommen haben sie monatlich fast doppelt so viel zur Verfügung wie eine armutsgefährdete Familie in der Schweiz. Ihre Ausgaben müssen sie dennoch im Auge behalten, damit das Geld ausreicht. «Manchmal ist es eine Herausforderung, gerade, wenn grosse Kostenpunkte anstehen. Aber wir kommen über die Runden», sagt Jessica Ochsner, die über das Budget ihrer Familie auch auf der Videoplattform TikTok spricht.

Erfahrungen von anderen zu hören, könne hilfreich sein, habe sie festgestellt. Auch deswegen ist Ochsner dazu bereit, watson einen detaillierten Einblick in die Finanzen der Familie zu gewähren.

7666 Franken im Monat

Das Wichtigste für Jessica Ochsner sind ihre sogenannten Budget-Binder. Kleine, mit Mappen gefüllte Bücher, in denen sie das Bargeld in Rubriken einteilt. In ihrem Weekly-Binder steckt das Geld für den Wocheneinkauf.

Im Family-Binder ist das Taschengeld der Familienmitglieder, welches jeder für sich selbst ausgeben darf. Und in ihrem Budget-Binder hat sie genau aufgelistet, was sie nicht nur monatlich, sondern auch wöchentlich ausgibt.

Budget: Jessica Ochsner zeigt, wie sie für ihre Familie das Monatseinkommen einteilt.
Budget führen: Jessica Ochsner teilt das Haushaltsgeld der Familie ein.Bild: watson

Jessica Ochsner zeigt ihren Budgeteintrag von diesem November. Zusammen mit ihrem Mann verdient sie netto 6931 Franken. Hinzu kommen Alimente von 735 Franken für den ältesten Sohn, den die Einsiedlerin aus einer früheren Beziehung mit in die Ehe gebracht hat. Insgesamt landen so monatlich 7666 Franken auf den Bankkonten der Familie Ochsner.

Für ihr Monatsbudget zieht Ochsner als Erstes die Fixkosten von den beiden Salären ab. «Die Alimente zähle ich nicht zum Lohn dazu, sondern später separat», sagt sie. Der grösste Kostenpunkt ist mit 2000 Franken die Miete der 6,5-Zimmerwohnung, welche dem Vater ihres Mannes gehört. Ebenfalls teuer ist die Krankenkasse der Familie. Rund 560 Franken kostet diese nach Abzug der kantonalen Prämienvergünstigung.

Der drittgrösste Posten ist das Leasing für ihr Auto – 460 Franken. Dieses benötigt die Familie für den Einkauf oder für den Nachwuchs – wenn etwa der älteste Sohn zum Eishockeytraining muss. Und: «Ich fahre mit dem Auto zur Arbeit. Mein Mann geht meistens zu Fuss, da sein Restaurant in der Nähe liegt.»

Budget: Jessica Ochsner zeigt, wie sie für ihre Familie das Monatseinkommen einteilt.
Novemberbudget: Jessica Ochsner listet das Einkommen und die Fixkosten auf.Bild: watson

Grössere Kosten aufteilen

Ebenfalls zu den Fixkosten gehört der monatliche Betrag, der für die Steuern auf die Seite gelegt wird. «Dieses Jahr zahlen wir zum ersten Mal im Voraus, anstatt dass wir in Raten abzahlen – dank dem Budgetieren», sagt Jessica Ochsner. Nach Abzug aller Fixkosten bleiben der Familie noch rund 3200 Franken zur Verfügung, welche grösstenteils für Rechnungen benötigt werden.

«Im Oktober kam überdurchschnittlich viel zusammen», sagt Ochsner. So habe die dreimonatige Nespresso-Kaffeebestellung für rund 200 Franken angestanden. Aber auch Ratenzahlungen von Arzt- und Zahnarztrechnungen hätten sie begleichen müssen.

«Grössere Rechnungsbeträge ab 500 Franken müssen wir auf mehrere Monate aufteilen», sagt die junge Mutter. Sonst würde es zu knapp werden, um ihr Budget einzuhalten.

Ab und an liege doch etwas Luxus drin. «Etwa viermal im Jahr bestelle ich mir für rund 120 bis 150 Franken Kleider online. Auch weil ich keine Zeit habe, mit meinen drei Kindern in der Stadt einkaufen zu gehen», sagt sie. Dasselbe mache sie für ihre Kinder, damit diese nicht immer die Kleidung vom Ältesten nachtragen müssen.

Budget: Jessica Ochsner zeigt, wie sie für ihre Familie das Monatseinkommen einteilt.
Variable Kosten: So listet die dreifache Mutter die Rechnungen auf. Bild: watson

Danach bleiben 541 Franken übrig. Hinzu kommen die Alimente in der Höhe von 735 Franken. Von dieser Summe zieht die 29-Jährige jeweils 200 Franken ab für Benzin und 600 Franken für den Monatseinkauf. «Der Rest wird gespart oder kommt in den extra angelegten Geschenke-Topf, wo ich jedem rund 25 bis 30 Franken pro Monat einzahlen will», sagt die 29-Jährige.

Jessica Ochsner auf TikTok

Video: extern / rest/tiktok/budgetstudio

Durchschnittlich 120 Franken pro Kopf gibt die Familie für Lebensmittel aus. Damit das aufgehe, würden sie konsequent nur im Aldi oder Lidl einkaufen. Dies mache ihr Mann zweimal im Monat. «Das Geld nimmt er immer bar mit, um nicht aus einer Laune heraus zu viel auszugeben», sagt Jessica Ochsner.

Dieses niedrige Budget für Lebensmittel funktioniere, weil ihr Mann jeweils im Restaurant esse, wo er arbeite. «Und wir haben einen eigenen Garten, wo wir von Kartoffeln über Salat bis Bohnen und Brokkoli diverse Gemüse und Beeren anpflanzen», sagt Ochsner. Den grünen Daumen der Familie habe ebenfalls ihr Mann, gesteht die junge Mutter.

Bestellungen über TikTok

«Ich bin mir zudem sicher, dass der Kostenpunkt für Essen künftig noch höher wird. Schliesslich werden meine drei Jungs mehr essen, je älter sie werden», sagt Ochsner.

Restaurantbesuche würden auch eher selten ausfallen. «Höchstens einmal im Monat gehen wir eine Pizza essen». Dafür benötige man aber nicht mehr als 100 Franken.

Teurere Freizeitaktivitäten müssen im Voraus geplant werden. «Nach sieben Jahren Beziehung waren wir im Sommer zum ersten Mal in den Ferien», sagt Ochsner. Eine Woche hätten alle zusammen in einem Hotel am Strand in Italien verbracht und typische Familienferien genossen. «Wir haben zwei Jahre konsequent für dieses Ziel gespart, sonst hätte das nie funktioniert.»

Budget: Jessica Ochsner zeigt, wie sie für ihre Familie das Monatseinkommen einteilt.
Family-Binder: Jessica Ochsner zeigt, wie sie für ihre Familie Geld spart. Bild: watson

Die Art, wie Jessica Ochsner budgetiert und Geld spart, kommt auch auf TikTok gut an. Seit wenigen Wochen postet sie dort Videos, wo sie über ihr Budgetsystem spricht. Eines hat bereits über 160'000 Aufrufe. «Ich habe mehrere Bestellungen erhalten für die Budget-Binder», sagt sie. Die meisten seien von jungen Müttern gewesen.

«Viele waren einfach dankbar, dass jemand so offen über das Thema spricht», sagt Ochsner. Dieses Gefühl kenne sie von früher nur zu gut, als sie auch noch Abende damit verbracht habe, sich den Kopf über die finanzielle Situation zu zerbrechen. Bis sie angefangen hat, ihr Leben zu budgetieren.


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569 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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HeidiW
24.11.2022 06:06registriert Juni 2018
Fixkosten Leasing Auto? Tel. Internet 250? Lebensversicherung 200.00. Drei Punkte die viel zu hoch sind.

Variable Kosten
Nespresso 206.00?????
Arzt 435.55 pro Monat????
Zahnarzt 300.70 pro Montat???
Zebra? Was ist das?
Swisscom 194.95 WHAT???
Twint? 42.20 ????

Oh da hats viele Positionen drin. Die man ohne Einschränkungen der Lebensqualität abmelden kann.
Die Familie setzt für mich einige Prioritäten falsch!
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Umpalumpadumpa
24.11.2022 06:11registriert Oktober 2022
Ich hab jetzt mal als kinderlose Person eine Frage an die Eltern hier: Überlegt man sich vor der Entscheidung zu einem Kind nicht, ob das finanziell geht?

Mein Freund und ich haben da auch schon darüber geredet, wir uns ein Kind leisten könnten und dass man die Finanzen vorher abklären sollte🤷🏼‍♀️
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Domimar
24.11.2022 06:14registriert August 2016
Eigentlich krass, dass man mit 7'600 im Monat derart aufs Geld schauen muss. Aber einen Vorschlag hät ich hier; 460 für Leasing ist viel. Anstelle eines neueren Autos würd ich wärmstens empfehlen ein Occasionsauto zu kaufen. Gibt gute Autos für 5'000, die noch ein paar Jahre halten. Dabei spart man dann auch bei der Fahrzeugversicherung. Nach einem Jahr ist das Geld amortisiert und man kann dann vom monatlichen Freibetrag immer noch was für einen neuen Autokauf zur Seite legen. Auch würde ich den BVG-Vorsorgeplan vom Man mal anschauen, ob die Lebensversicherung überhaupt nötig ist, sonst 3a.
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