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Eli Lilly: US-Konzern lanciert Abnehmmittel, das Roche entwickelt hat

US-Konzern lanciert Abnehmmittel, das eigentlich Roche entwickelt hat

Die US-Behörden haben einer neuen Abnehmpille die Zulassung erteilt. Vor acht Jahren hatte Roche die Rechte daran verkauft. Jetzt hofft die US-Firma Eli Lilly auf Traumumsätze.
03.04.2026, 17:3803.04.2026, 18:17
Pascal Michel / ch media
Statt Abnehmspritze: Für Spritzenphobiker ist die neue Abnehmpille eine willkommene Lösung.
Für Spritzenphobiker ist die neue Abnehmpille eine willkommene Lösung.Bild: getty images

Nach Novo Nordisk lanciert auch der US-Konzern Eli Lilly eine neuartige Abnehmpille. Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat dem Medikament Orforglipron am Donnerstag die Zulassung erteilt. Damit ist der Weg für den Hersteller frei, das Mittel auf den Markt zu bringen. Eli Lilly wird die Pille unter dem Namen Foundayo vermarkten.

In den klinischen Studien sorgte die Pille nach 72 Wochen für einen Gewichtsverlust von 12 Prozent. Je nach Dosisstärke kostet das Medikament in den USA ohne Versicherung zwischen 149 und 349 Dollar im Monat. Der Vorteil der Pille liegt darin, dass Patienten sich keine Spritze setzen müssen. Und die Einnahme der Arznei ist nicht an Mahlzeiten oder an eine bestimmte Tageszeit gebunden. Eli Lilly hat auch in der Schweiz ein Zulassungsgesuch eingereicht. Ein Entscheid wird noch dieses Jahr erwartet.

Das Unternehmen Eli Lilly ist bei den Abnehmmedikamenten einer der Marktführer. Letztes Jahr spülten ihm seine Medikamente Mounjaro und Zepbound einen Umsatz von mehr als 36 Milliarden Dollar in die Firmenkasse. Das ist mehr als die Hälfte des gesamten Konzernumsatzes. Nun soll die neue Pille für weiteres Wachstum sorgen: Gemäss Schätzungen könnte der jährliche Umsatz dereinst bei 14 Milliarden Dollar liegen.

Das sind Verkäufe, die auch der Basler Pharmakonzern Roche gerne in seinen Büchern hätte. Besonders bitter: Seine japanische Tochterfirma Chugai hatte die Abnehmpille ursprünglich entwickelt. Roche verzichtete allerdings darauf, sich das Mittel zu sichern. 2018 verkaufte Chugai die Lizenz für 50 Millionen Dollar an Eli Lilly.

Immerhin: Die Roche-Tochter wird Lizenzeinnahmen einstreichen. Die Höhe dieser Erträge bewegt sich von einem «mittleren einstelligen» Prozentsatz bis zu einem Wert «im niedrigen Zehnerbereich», wie es etwas umständlich in einem Formular der US-Börsenaufsicht heisst. Bei einem prognostizierten Umsatz von jährlich 14 Milliarden entspricht das im besten Fall einem Milliardenbetrag.

Der Weg zur Nummer drei ist weit

Roche-Chef Thomas Schinecker möchte Roche als Nummer 3 neben Novo Nordisk und Eli Lilly positionieren. Wegen der verpassten Chance mit Orforglipron musste Roche sich mit Zukäufen helfen, um den Anschluss nicht zu verpassen. 2023 erwarb der Konzern die US-Firma Carmot Therapeutics und damit drei vielversprechende Wirkstoffe. Letztes Jahr folgte eine Partnerschaft mit der dänischen Zealand Pharma.

Diese Mittel entwickelt Roche nun weiter und will gegen Ende des Jahrzehnts mit eigenen Medikamenten aufwarten. Der Konzern will sich gegenüber der Konkurrenz vor allem mit personalisierten Therapien abgrenzen. Soll heissen: Besser verträgliche Medikamente für Personen, die viel abnehmen wollen, aber auch für solche, die ihr Gewicht halten möchten.

Der Weg dahin ist allerdings noch weit. Zuletzt musste Roche einen Rückschlag einstecken. Ein Mittel auf Basis des Hormons Amylin zeigte in einer Studie einen Gewichtsverlust von 10,7 Prozent innert 42 Wochen. Das war weniger als bei vergleichbaren Produkten von Eli Lilly und Novo Nordisk. Analysten hegen deshalb zunehmend Zweifel daran, dass sich Roche im Wettbewerb durchsetzen kann. Und dass es die Basler überhaupt noch schaffen, sich rechtzeitig ein Stück des Milliardenmarkts abzuschneiden. (aargauerzeitung.ch)

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