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Die Uni St.Gallen lockt die Swiss-Piloten – das steckt dahinter

ZUR MELDUNG, DASS SICH SWISS-PILOTEN GEGEN DIE ZWEIPERSONENREGEL IM COCKPIT WEHREN, STELLEN WIR IHNEN AM MITTWOCH 17. FEBRUAR 2016 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. - Pilot und Kopilot fliegen das  ...
Zwei Swiss-Piloten auf dem Weg von Zürich nach Chicago.Bild: KEYSTONE

Die Uni St.Gallen lockt die Swiss-Piloten – das steckt dahinter

Die Ostschweizer Kaderschmiede ist daran, ein neues Programm zu lancieren, um Cockpit-Angestellte zu Managern umzuschulen – nicht ohne Grund.
25.09.2020, 06:5725.09.2020, 14:30
Benjamin Weinmann / CH Media

Weltweit droht Piloten das Grounding. Die Coronakrise zwingt die Fluggesellschaften ihre Personalkosten zu reduzieren. Die Swiss kommuniziert zwar nach wie vor, sie wolle Entlassungen vermeiden. Doch ob es bei diesem Optimismus bleibt, muss angezweifelt werden.

Vergangene Woche machte die «Schweiz am Wochenende» bekannt, dass die Airline mit den SBB Gespräche führt für ein mögliches Job-Sharing-Projekt. So könnten beispielsweise Swiss-Piloten eine Weiterbildung zum SBB-Lokführer absolvieren, um eine allfällige Pensumsreduktion finanziell abzufedern. Schliesslich suchen die SBB händeringend nach Nachwuchs im Lok-Führerstand.

Auch anderswo sind die Piloten begehrt. Die Universität St.Gallen hat ein Auge auf sie geworfen. Wie Andreas Wittmer, Leiter des Centers for Aviation Competence, sagt, arbeite man derzeit an einem neuen Weiterbildungsprogramm für Piloten, bei dem die Kapitäne und Co-Kapitäne zu Manager geschult würden. «Management for Pilots» nennt sich der Kurs. Im Dezember oder Januar soll er starten.

«Das Bedürfnis, sich besser abzusichern, ist gross.»

Angesichts der sich abzeichnenden Krise im Piloten-Markt rechnet Wittmer mit einer grossen Nachfrage. Das Programm richte sich an Piloten, die ein zweites Standbein oder gar einen Branchenwechsel anvisieren. Schon heute biete man den Zertifikats-Kurs «Global Aviation Management» für Fortgeschrittene an und habe regelmässig Piloten als Teilnehmende, sagt Wittmer. Denn: «Das Bedürfnis, sich besser abzusichern, ist gross.»

«Schliesslich sind Piloten schon heute praktisch Manager eines KMUs.»
Andreas Wittmer, Leiter des Centers for Aviation Competence HSG

Der Preis für die Weiterbildung ist noch nicht definiert. Doch derartige, oftmals teure Weiterbildungsprogramme für Private sind für viele Hochschulen eine wichtige Einnahmequelle.

Voraussichtlich wird der Kurs während sechs Wochen mehrheitlich abends stattfinden mit Online-Lehrstunden, aber auch mit persönlichen Treffen. Noch arbeite man aber an der Fertigstellung der einzelnen Module, sagt Wittmer.

Er betont, dass der Kurs auf den bestehenden Fähigkeiten von Piloten aufbauen wird. «Schliesslich sind Piloten schon heute praktisch Manager eines KMUs. Sie leiten je nach Flugzeuggrösse ein Team von 10 bis 20 Angestellten, haben Kundenkontakt mit den Passagieren und tätigen Verhandlungen, zum Beispiel mit den Flugsicherheitsbehörden.» Im Kurs werde es darum gehen, dieses Wissen für die Unternehmenswelt anzuwenden. Die Piloten sollen sich mit dem Erwerb des Zertifikats in anderen Industrien und bei Bewerbungen zurechtfinden.

Swiss kann sich Weiterbildungshilfe derzeit nicht leisten

Aeropers, der Pilotenverband von Swiss und Edelweiss, begrüsst denn auch die akademische Offensive aus St. Gallen: «Piloten haben es mit ihrer äusserst anspruchsvollen, aber sehr fachspezifischen Ausbildung generell schwer, eine andere Stelle zu finden», sagt Sprecher Thomas Steffen. «Insofern unterstützen wir jede Weiterbildungsmöglichkeit für unser Corps. Wenn ein Angebot speziell auf unserem bestehenden Können aufbaut, dann begrüssen wir dies umso mehr.»

Und was sagt der Arbeitgeber Swiss? Laut einem Sprecher unterstützt die Fluggesellschaft Mitarbeitende generell bei Weiterbildungen. Dies sei aber abhängig von der Relevanz für die berufliche Tätigkeit und werde im Einzelfall geprüft. Doch aufgrund der aktuellen Krisen-Lage dürfen sich die Piloten keine Hoffnungen auf einen finanziellen Zustupf machen. Die Swiss muss sparen: «Alle Unterstützungsmassnahmen für Weiterbildungen sind bis auf weiteres ausgesetzt.»

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