Schweiz
Wirtschaft

Primark wollte eigentlich ins Einkaufszentrum Centre Balexert in Genf

Billigmode-Riese Primark wollte in dieses Schweizer Einkaufszentrum – doch das lehnte ab

Der irische Kleiderhändler ist bei Schnäppchenjägern äusserst beliebt. Doch bisher gibt es Primark nur im Ausland. Dies hätte sich ändern können, doch ein hiesiger Einkaufstempel bockte.
27.01.2026, 10:4327.01.2026, 10:43
Benjamin Weinmann / ch media

Alles begann 1969 an der Mary Street im Zentrum von Dublin. Dort eröffnete der erste Penney's-Laden seine Tore. Heute betreibt die Firma, die ausserhalb Irland Primark heisst, knapp 500 Geschäfte voll mit Billig-Mode und Accessoires. Primark ist quasi das fleischgewordene Shein. Sprich: Kleider, Schuhe, Lippenstifte und Handykabel zu Spottpreisen made in China, Bangladesh, Kambodscha oder Sri Lanka. Der Jahresumsatz beträgt rund 10 Milliarden Franken.

Auch bei Touristen aus der Schweiz im Ausland beliebt: Der Billigmode-Händler Primark.
Auch bei Touristen aus der Schweiz im Ausland beliebt: Der Billigmode-Händler Primark.bild: imago

In der Schweiz hat die Kette noch nicht Fuss gefasst. Dazu wäre es allerdings beinahe gekommen. Das sagt zumindest Ivan Haralambof, der Direktor des grössten Einkaufszentrums der Westschweiz, dem Centre Balexert in Genf.

In einem Interview mit der «Tribune de Genève» bestätigt Haralambof, dass sich Primark bei ihm gemeldet habe. Er habe das Angebot allerdings abgelehnt – aus den selben Gründen, weshalb er auch nie eine Filiale des chinesischen Online-Moderiesen Shein in seinem Einkaufstempel zulassen würde: «Diese Art von Geschäften entspricht nicht den Qualitätsstandards von Balexert.»

Regelmässig in der Kritik

Solche Geschäfte würden möglicherweise mehr Kundinnen und Kunden anlocken. Aber diese Billighändler, so fürchtet der Chef des zweitgrössten Einkaufscenters der Schweiz, könnten das Balexert abwerten. «Wir möchten unseren Besuchern und Kunden jedoch qualitative Geschäfte bieten.»

Primark steht regelmässig für seine Fast-Fashion-Strategie in der Kritik. Moniert wurden in der Vergangenheit nicht nur die Umweltschäden durch die so genannte Wegwerf-Mode, sondern auch die Arbeitsbedingungen bei den Lieferanten. Die Iren gehörten beispielsweise zu den grössten Kunden der Rana-Plaza-Textilfabrik in Bangladesch, bei deren Einsturz 2013 über 1100 Menschen getötet und über 2400 verletzt wurden. 

Tatsächlich hätte wohl auch der eine oder andere der 140 Balexert-Mieter keine Freude an der Billig-Konkurrenz aus Irland. Denn wie Haralambof sagt, gehören die beiden Modeketten Zara und C&A zu den Zugpferden in seinem Center, das der Migros-Regionalgenossenschaft Genf gehört.

So reagiert der Glatt-Chef

Dennoch, wie so viele Einkaufscenter-Chefs, liebäugelt Haralambof mit einem anderen Moderiesen: «Persönlich träume ich davon, zwischen unseren Mauern ein Uniqlo-Geschäft willkommen zu heissen.» Auch die japanische Modemarke, für die Ex-Tennis-Spieler Roger Federer wirbt, hat hierzulande noch kein Geschäft. Zudem hätte der Balexert-Chef gerne ein Geschäft für Secondhand-Textilien und Accessoires.

Rageth Clavadetscher, Chef des umsatzstärksten Schweizer Einkaufszentrums Glatt, zeigt sich über den Primark-Flirt in der Calvin-Stadt überrascht: «Bisher hiess es seitens Primark die Schweiz sei für einen Markteintritt zu klein und aufgrund der Mehrsprachigkeit und der Nicht-EU-Zugehörigkeit zu komplex.» Trotzdem würde er ein allfälliges Angebot von Primark nicht kategorisch ausschliessen, sondern zumindest prüfen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Minnesota Proteste gegen ICE
1 / 52
Minnesota Proteste gegen ICE
quelle: fr172090 ap / adam gray
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Japanese Cheesecake: watson hat ihn getestet
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
55 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Laborant
27.01.2026 11:50registriert November 2019
Ausser dass Uniqlo aus Japan ist, unterscheidet es sich nicht wirklich von anderen grossen Ketten, deren T-Shirts werden genauso in Niedriglohnländern produziert. Möglicherweise ist die Qualitätssicherung ein bizeli besser aber unterm Strich macht es nicht viel mehr her.
Wäre mir lieber, wenn es mehr Läden geben würde, welche auf Made in Europe setzen.
647
Melden
Zum Kommentar
avatar
AdiB
27.01.2026 11:41registriert August 2014
Nach der Logik der Geschäftsführer, dürfte er gar keine Kleider verkaufen die ausserhalb von Europa hergestellt wurden.
Ob C&A oder Zara, am schluss stellen die alle unter den selben bedienungen her.
Und nach dem ON-Skandal ist Federer keine Garantie für Qualität, Nachhaltigkeit und gute Arbeitsbedienubgen als Werbeträger.
491
Melden
Zum Kommentar
avatar
Erebos_2
27.01.2026 11:15registriert Mai 2021
Sorry apropos fast fashion. Meine Primark Jeans aus Spanien halten bisher doppelt so lange wie meine C&A oder Pierre Cardin Jeans... und sie sind noch nicht auch nur ansatzweise am kaputt gehen.
So viel zu billig und fast fashion. Ich nenne das günstig und nachhaltig.
Würde mich über Primark in der Schweiz freuen.
6235
Melden
Zum Kommentar
55
Audi überrascht mit hohem Gewinn
Audi hat im vergangenen Jahr mehr verdient als erwartet. Trotzdem rechnet die VW-Tochter auch in diesem Jahr mit erheblichen Belastungen durch die US-Zölle.
Audi hat im vergangenen Jahr seinen Gewinn gesteigert und sich damit gegen den Branchentrend gestellt. Nach Steuern verdiente der Ingolstädter Autobauer 4,6 Milliarden Euro – ein Plus von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Unternehmen mitteilte.
Zur Story