Billigmode-Riese Primark wollte in dieses Schweizer Einkaufszentrum – doch das lehnte ab
Alles begann 1969 an der Mary Street im Zentrum von Dublin. Dort eröffnete der erste Penney's-Laden seine Tore. Heute betreibt die Firma, die ausserhalb Irland Primark heisst, knapp 500 Geschäfte voll mit Billig-Mode und Accessoires. Primark ist quasi das fleischgewordene Shein. Sprich: Kleider, Schuhe, Lippenstifte und Handykabel zu Spottpreisen made in China, Bangladesh, Kambodscha oder Sri Lanka. Der Jahresumsatz beträgt rund 10 Milliarden Franken.
In der Schweiz hat die Kette noch nicht Fuss gefasst. Dazu wäre es allerdings beinahe gekommen. Das sagt zumindest Ivan Haralambof, der Direktor des grössten Einkaufszentrums der Westschweiz, dem Centre Balexert in Genf.
In einem Interview mit der «Tribune de Genève» bestätigt Haralambof, dass sich Primark bei ihm gemeldet habe. Er habe das Angebot allerdings abgelehnt – aus den selben Gründen, weshalb er auch nie eine Filiale des chinesischen Online-Moderiesen Shein in seinem Einkaufstempel zulassen würde: «Diese Art von Geschäften entspricht nicht den Qualitätsstandards von Balexert.»
Regelmässig in der Kritik
Solche Geschäfte würden möglicherweise mehr Kundinnen und Kunden anlocken. Aber diese Billighändler, so fürchtet der Chef des zweitgrössten Einkaufscenters der Schweiz, könnten das Balexert abwerten. «Wir möchten unseren Besuchern und Kunden jedoch qualitative Geschäfte bieten.»
Primark steht regelmässig für seine Fast-Fashion-Strategie in der Kritik. Moniert wurden in der Vergangenheit nicht nur die Umweltschäden durch die so genannte Wegwerf-Mode, sondern auch die Arbeitsbedingungen bei den Lieferanten. Die Iren gehörten beispielsweise zu den grössten Kunden der Rana-Plaza-Textilfabrik in Bangladesch, bei deren Einsturz 2013 über 1100 Menschen getötet und über 2400 verletzt wurden.
Tatsächlich hätte wohl auch der eine oder andere der 140 Balexert-Mieter keine Freude an der Billig-Konkurrenz aus Irland. Denn wie Haralambof sagt, gehören die beiden Modeketten Zara und C&A zu den Zugpferden in seinem Center, das der Migros-Regionalgenossenschaft Genf gehört.
So reagiert der Glatt-Chef
Dennoch, wie so viele Einkaufscenter-Chefs, liebäugelt Haralambof mit einem anderen Moderiesen: «Persönlich träume ich davon, zwischen unseren Mauern ein Uniqlo-Geschäft willkommen zu heissen.» Auch die japanische Modemarke, für die Ex-Tennis-Spieler Roger Federer wirbt, hat hierzulande noch kein Geschäft. Zudem hätte der Balexert-Chef gerne ein Geschäft für Secondhand-Textilien und Accessoires.
Rageth Clavadetscher, Chef des umsatzstärksten Schweizer Einkaufszentrums Glatt, zeigt sich über den Primark-Flirt in der Calvin-Stadt überrascht: «Bisher hiess es seitens Primark die Schweiz sei für einen Markteintritt zu klein und aufgrund der Mehrsprachigkeit und der Nicht-EU-Zugehörigkeit zu komplex.» Trotzdem würde er ein allfälliges Angebot von Primark nicht kategorisch ausschliessen, sondern zumindest prüfen.
