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Gerüchte über Credit-Suisse-Übernahme hält Finanzwelt in Atem

Die Gerüchteküche brodelt – was zur möglichen Credit-Suisse-Übernahme bekannt ist

Die Credit Suisse kommt nicht zur Ruhe. Nach einer turbulenten Woche klopfen nun Übernahme-Kandidaten an die Tür der einst stolzen Schweizer Grossbank. Eine Übersicht.
18.03.2023, 13:1618.03.2023, 14:09
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Gerücht Blackrock

epa08127746 (FILE) - A view of the New York offices of the financial firm BlackRock in New York, New York, USA, 12 January 2016 (reissued 14 January 2020). Larry Fink, CEO of the world?s largest fund  ...
Bild: EPA

Die Gerüchteküche rund um die strauchelnde Credit Suisse brodelt: Am Samstag meldete die Wirtschaftszeitung «Financial Times», dass der Fondsverwalter Blackrock an einem Übernahmeangebot arbeite. Wenig später wurde das Gerücht von der Agentur Bloomberg dementiert.

Wenig später dementierte Blackrock gegenüber der Nachrichtenagentur awp den Bericht: Man arbeite an keinerlei Plänen zur Übernahme der gesamten oder eines Teils der Credit Suisse und habe auch keine Interesse an einer solchen.

Die «Financial Times» berichtete unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person, Blackrock arbeite an einem Angebot für die Credit Suisse. Es wäre ein konkurrierendes Angebot zu der möglichen Übernahme durch die UBS.

Die Amerikaner prüften eine Reihe von Optionen und arbeiteten mit anderen Investoren zusammen, so die britische Wirtschaftszeitung. Der weltgrösste Fondsverwalter BlackRock könnte sich entscheiden, nur für Teile des Geschäfts zu bieten und habe seine Absicht der Credit Suisse mitgeteilt.

Bloomberg wiederum schrieb etwas später, BlackRock habe weder die gesamte noch einen Teil der Credit Suisse im Visier. Die Schweizer Finanzakteurinnen halten derweil über die Gerüchte dicht. Die Credit Suisse wollte am Freitagabend die Gerüchte gegenüber AWP am Telefon nicht kommentieren.

Gerücht UBS

epa10529302 The illuminated logos of the Swiss banks Credit Suisse and UBS are displayed on buildings in Zurich, Switzerland, 18 March 2023. Shares of Credit Suisse lost more than one-quarter of their ...
Bild: keystone

Gleich reagierten die UBS, die Schweizerischen Nationalbank (SNB) und Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) am Samstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Kein Kommentar», hiess es von allen Seiten. Auch das Eidgenössische Finanzdepartement «kommentiert keine Gerüchte», wie eine Sprecherin mitteilte.

Ein Sprecher der UBS bekräftigte auf Anfrage von AWP am späten Freitagabend lediglich die von CEO Ralph Hamers an einer Konferenz am Mittwoch gemachte Aussage, wonach sich die UBS auf ihre eigene Strategie konzentriere.

Die «Financial Times» hatte am späten Freitagabend berichtet, dass sich die CS und die UBS in Übernahmegesprächen befinden sollen. Geplant sei eine teilweise oder vollständige Übernahme, schrieb die Zeitung unter Berufung auf eine nicht genannte Auskunftsperson.

Die hiesigen Aufsichtsbehörden hätten ihre Kollegen aus den USA und Grossbritannien am Freitagabend informiert, dass eine Fusion der beiden Banken ihr «Plan A» sei, um einen Totalverlust des Vertrauens in die Credit Suisse zu verhindern. Am Donnerstag hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg noch berichtet, UBS und CS würden eine Zwangsfusion ablehnen.

Das sagen die Experten

Konrad Hummler, President de l' Association des Banquiers Prives Suisses, ABPS, parle lors de la 75eme Assemblee Generale de l'Association des banquiers prives suisses ce vendredi 11 juin 20 ...
Konrad HummlerBild: KEYSTONE

In jedem Fall sehen Expertinnen die Zukunft der angeschlagenen Credit Suisse (CS) kritisch. Die Prognosen reichen von mehrmonatigen Problemen bis hin zum Ende der angeschlagenen Schweizer Grossbank, wie aus am Samstag veröffentlichten Interviews hervorging.

So sagte François Savary, Anlagechef beim Genfer Vermögensverwalter Prime Partners, gegenüber «Le Temps», die CS-Krise werde «wahrscheinlich einige Monate dauern». Sie werde allerdings keinen systembedrohenden Dominoeffekt auslösen.

Der ehemalige Bank-Wegelin-Teilhaber Konrad Hummler hingegen sieht keine Zukunft für die CS, wie er zur «Neuen Zürcher Zeitung» sagte. Wenn das Vertrauen einmal weg sei, sei es weg. «Entweder wird die CS ordnungsgemäss abgewickelt, dafür gibt es ja standardisierte Methoden, die garantieren, dass die gesunden Sparten der Bank gerettet werden können. Oder die Abwicklung der CS wird auf eine andere Grossbank übertragen, und die Finma und der Staat übernehmen ohne Wenn und Aber die Garantie.»

Ob ein Zusammengehen der beiden Grossbanken überhaupt möglich wäre, war umstritten. So sagte der ehemalige Präsident der Finanzmarktaufsicht Finma, Eugen Haltiner, in einem am Samstag veröffentlichen Interview mit den «CH Media»-Titeln, die Wettbewerbskommission Weko wäre damit wohl nicht glücklich. «Im Fall von CS und UBS hätte die Weko sicher gewichtige Vorbehalte, weil beide Institute eine marktdominierende Stellung haben.»

Nervöse Börsen

epaselect epa10526579 A screen shows information about Credit Suisse stock price on the floor of the New York Stock Exchange in New York, New York, USA, on 16 March 2023. Credit Suisse shares were up  ...
Bild: keystone

Am Mittwochabend hatten die Finanzmarktaufsicht Finma und die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekannt gegeben, dass sie der Credit Suisse bei Bedarf Liquidität zur Verfügung stellen werden. Bereits einige Stunden später meldete die CS ihren Bedarf an und lieh sich bis zu 50 Milliarden Franken von der SNB, um die Liquidität sicherzustellen.

Die Milliardenhilfe hat die Sorgen der Investoren um die angeschlagene Grossbank nur wenig beruhigt. Während der CS-Aktienkurs am Freitag bereits wieder nachgab, wurden Spekulationen um eine Aufteilung des zweitgrössten Schweizer Finanzinstituts lauter. (aeg/sda/awp)

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29 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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namib
18.03.2023 14:25registriert März 2018
Der grösste Experte ist Konrad Hummler. Er hat mit seiner Fehleinschätzung vor einigen Jahren die eigene Bank in den Abgrund gestürzt, hat also eine gewisse Erfahrung🤔
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Nüsslisalat
18.03.2023 13:40registriert Januar 2021
Wichtig wäre mir nur dass das Suisse aus dem Namen verschwindet.
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Ruag räumt Mängel ein - VBS fordert «umgehend» Verbesserungen

Der bundeseigene Rüstungsbetrieb Ruag MRO gesteht von der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) in einem Bericht vom Dienstag gerügte Mängel im Zusammenhang mit dem Panzer-Deal mit Italien ein. Das Verteidigungsdepartement fordert nun von der Firma, Mängel «umgehend» zu beheben.

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