Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Ein eher mittelmässig gelungenes Stock-Foto, das eine Frau beim Frühstück in ihrem Bett zeigen soll. Wenn sie nur nichts auf das weisse Laken schüttet ... bild: shutterstock

Diät-Mythos: Wer morgens viel und abends wenig isst, nimmt ab

Tim Kröplin / watson.de



Iss morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein Edelmann und abends wie ein Bettler. Wer abnehmen möchte, sollte sich einfach an diese Faustregel halten. Also gibt es zum Frühstück ein, vielleicht zwei Croissants, paar Semmeln mit Schinken und Käse und, sofern noch Platz ist, ein hartgekochtes Ei.

Das füllt den Magen für die nächsten Stunden und sorgt für Energie. Ausserdem soll ein umfangreiches Frühstück Hungerattacken vorbeugen und eine unnötige Kalorienzufuhr vermeiden, wodurch wir wiederum abnehmen sollen – zumindest lautet so die Annahme. Leider hat sie einen Haken. Doch eins nach dem anderen.

Der Energiebedarf entscheidet

Damit unser Körper funktioniert, müssen wir ihm Energie in Form von Nahrung zufügen. Essen ist für uns also sowas wie Tanken fürs Auto. Je nachdem, wie aktiv wir sind, brauchen wir mal mehr, mal weniger Nahrung. Arbeitet jemand etwa körperlich hart und treibt zusätzlich Sport, hat er einen hohen Energiebedarf. Pendelt er dagegen zwischen Bürostuhl und Couch, fällt dieser geringer aus.

Daraus ergibt sich eine einfache Formel: Essen wir mehr als wir verbrauchen, nehmen wir auf Dauer zu. Andersherum verlieren wir Gewicht, wenn wir unseren Kalorienbedarf eine gewisse Zeit unterschreiten. Ein ausgiebiges Frühstück soll das erleichtern. Sollen wir doch laut Theorie von vornherein wenig zum Mittag sowie Abend essen, wenn wir uns bereits morgens den Magen vollschlagen.

Animiertes GIF GIF abspielen

Schon am Morgen voll reinbuttern und damit abnehmen – funktioniert das? gif: giphy.com

Wirkt sich das Frühstück auf spätere Mahlzeiten aus?

Ein Forschungsteam aus München überprüfte diese Annahme. Dabei prüfte es das Essverhalten von 380 Personen, von denen rund 280 übergewichtig waren. Der Rest hatte Normalgewicht. Von den Probanden verschlangen manche über 600 Kalorien zum Frühstück. Andere assen morgens hingegen nichts.

Überraschenderweise kamen die Forschenden zu dem Ergebnis, dass es keinen Unterschied machte, wie viel die Probanden zum Frühstück assen. Demnach verpuffte der Sättigungseffekt eines ausgiebigen Frühstücks bereits zum Mittag.

Nehmen wir zu, wenn wir morgens nichts essen?

Entsprechend blieben die Probanden ihrer Ernährungsroutine treu und nahmen das gleiche Mittag- sowie Abendessen zu sich wie immer – unabhängig davon, was sie frühstückten. Dass wir über den Tag hinweg weniger Hunger verspüren, bloss weil beim Frühstück übertreiben, ist also bisher nicht bestätigt worden.

Ein britisches Forschungsteam ging noch einen Schritt weiter und wertete rund 600 Studien zum Thema aus, die zwischen 1990 und 2018 erschienen. Auch dabei gab es keine Belege, dass Menschen zunehmen, wenn sie morgens nichts essen oder eben abnehmen, wenn sie beachtliche Kalorienmengen zum Frühstück vertilgen.

Foodporn für Ordnungsfanatiker: Frühstücks-Symmetrie vom Feinsten

Rumprobieren hilft

Beide Untersuchungen zeigen vor allem eins: In Sachen Ernährung gibt es kaum allgemeingültige Regeln. Klar, wenn wir weniger essen als wir verbrauchen, verlieren wir Gewicht. Aber wie wir das angehen, hängt auch stark von unserem Körper und seinen Bedürfnissen ab.

Allerdings ist es Quatsch, zu glauben, dass wir abnehmen, bloss weil wir morgens drei Croissants und eine Wagenladung Eier verputzen. Wer die Gewohnheit hat, morgens viel zu essen, kann das Frühstück ein wenig reduzieren und den Rest des Tages weitermachen wie bisher – wenn er abnehmen will.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Mit diesen 5 Tricks gewinnst du jedes Eiertütschen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

14
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zabbel 13.02.2020 07:49
    Highlight Highlight Habe vor drei Wochen meine Ernährung um eine Komponente erleichtert. Zucker. Seither habe ich 4kg abgenommen. Und ich mache nichts anderes als bewusst auf den Zucker zu achten. Ich verzichte nicht gänzlich auf Zucker. Ist mit gekauften Lebensmitteln auch so gut wie unmöglich. Aber ich kaufe bewusst Produkte mit wenig bis kein Zucker. Sehr zu empfehlen die Doku: „Voll verzuckert“.
  • TomTomZH 13.02.2020 00:32
    Highlight Highlight Es macht für mich wenig Sinn, auf eine Mahlzeit zu verzichten oder nur sehr wenig zu sich zu nehmen. Wenn der Körper zu wenig Kalorien bekommt geht er in den „Krisen-Modus“ und hält an allem fest was er bekommt, d.h weniger ausstösst. Um effektiv Gewicht zu verlieren sollte man sich gesund und regelmässig ernähren (viel Gemüse), möglichst viel/genug schlafen und einigermassen regelmässig Sport machen (Nur schon sachen wie 10 Liegestütze pro Tag können helfen) um via Schweiss Fett zu verlieren und Muskeln aufzubauen. Sehr guter und motivierender Kanal auf Youtube für Übungen: Sascha Huber.
  • Piwi 13.02.2020 00:14
    Highlight Highlight Übergewicht ist ein hormonelles Problem, verursacht durch Insulinresistenz und oft auch durch hohe Cortisol-Werte (Stress). Die Insulinresistenz ist eine Folge von zu häufigem Essen (mehrere Haupt- und Zwischenmahlzeiten pro Tag) und falscher Ernährung (prozessierte Kohlenhydrate, zu wenig Fasern/Balaststoffe, zu viel Protein, zu wenig gesunde Fette).
    Frühstück ist unnötig und hilft definitiv nicht beim Abnehmen.

    Weitere Diätmythen: "Eat less, move more", und "a calorie is a calorie".

    Langfristig Erfolg erzielt man mit Intermittierendem Fasten (am Besten OMAD) und ketogener Ernährung.
    • beautyq 13.02.2020 00:39
      Highlight Highlight Stimmt mehrheitlich - den langfristigen, vor allem nachhaltigsten und zufriedenstellendsten Erfolg schafft man jedoch mit einer ausgewogenen und vielseitigen Ernährung, wobei Verzicht nicht nötig, Mass jedoch extrem wichtig ist.
      Dies kombiniert mit täglicher Bewegung (intenisve Arbeitstätigkeit oder sportliche Aktivität).

      Die Fortschritte sind bei diesem Lebensstil nicht überragend, allerdings wie gesagt, langfristig und nachhaltig.
    • Mad Heidi 13.02.2020 05:07
      Highlight Highlight Oh, Gott ...
    • Til 13.02.2020 08:02
      Highlight Highlight Insulinresistenz wird durch Übergewicht, resp. Verfettung ausgelöst, nicht umgekehrt! Wer zu dick ist sollte seiner Gesundheit zuliebe abnehmen, egal wie.
      Es geht definitiv sehr gut ohne Keto und IF, diese Mode-Diäten sind nicht für jeden das richtige. Wer damit glücklich und erfolgreich ist: herzlichen Glückwunsch. Alle anderen: es geht auch ohne.
  • Garp 12.02.2020 23:35
    Highlight Highlight Wenn ich frühstücke, bin ich den ganzen Tag richtig hungrig und kann andauernd futtern, egal was das Frühstück beinhaltet. Ich schaff dann locker zum Mittag und Abendessen noch eine Hauptmahlzeit dazu. Soviel Kalorien verbrauch ich aber nicht.

    Ich lass es lieber weg. Wollte schon als Kind nie frühstücken, irgendwie passt das nicht zu meinen Körper/mir. 🤷🏻‍♀️
  • Til 12.02.2020 22:54
    Highlight Highlight Ich nehme am besten ab, wenn ich Morgens nur wenig frühstücke. Ein Toast mit Hüttenkäse ist optimal. Ich habe das Gefühl, dass mich ein grosses Frühstück sogar hungriger macht bis zum Mittagessen, auf jeden Fall aber ist die Kalorienbilanz am Ende des Tages dann einfach ungünstiger.
    Also ich finde das Ergebnis der Studie gar nicht überraschend. Jedem der abnehmen will, kann ich nur Kalorienzählen per App als ersten Schritt empfehlen, dann gut beobachten, was für einen selber funktioniert. Keine Diät machen, sondern Gewohnheiten ändern. Braucht ein bisschen mehr Geduld, ist aber nachhaltiger.
  • N. Y. P. 12.02.2020 22:44
    Highlight Highlight Arbeitet jemand etwa körperlich hart und treibt zusätzlich Sport, hat er einen hohen Energiebedarf.

    Stimmt. Kann ich so bestätigen. Ich habe aus exakt diesen Gründen einen hohen Energiebedarf.

    Bei einem hohen Energiebedarf und trainierten Muskeln, lässt es sich relativ leicht abnehmen.

    Man nimmt dann bewusst zuwenig Kalorien und das Gewicht purzelt und purzelt.

    P.S. Radprofis brauchen auf einer Bergetappe bis zu 8000 Kalorien, Flachetappen 4000 Kalorien, nehmen aber kein Gramm zu.
  • Flötenzauber 12.02.2020 22:20
    Highlight Highlight 8/16
    Zwischen 12 Uhr Mittags und Abends 20 Uhr und dann Pause bis am nächsten Mittag.
    • Til 13.02.2020 08:04
      Highlight Highlight Kann man machen, muss aber nicht sein.
    • Flötenzauber 13.02.2020 11:36
      Highlight Highlight Ernährung umstellen, intervallfasten und Sport... 20 Kg. weg in 12 Monaten.
    • Til 13.02.2020 22:54
      Highlight Highlight Und ich habe 30kg abgenommen mit Kalorienzählen und später noch Krafttraining dazu. So what?
  • dumbiiidou 12.02.2020 22:06
    Highlight Highlight Ich frühstücke morgens nie! Dafür hatte ich jetzt um 22 Uhr ein Stück Käsekuchen 😭


    Benutzer Bildabspielen

Jean Nuttli strampelt um sein Leben, bis er tot ist

Jean Nuttli wog einmal 125 Kilogramm, dann trainierte er jeden Tag sechs Stunden auf dem Heimtrainer. Ein Jahr später war er Radprofi. Heute ist Nuttli 46-jährig und trainiert noch immer wie damals. Weil er nicht mehr aufhören darf.

Das Leben hat Jean Nuttli nicht mehr viel zu bieten. Er zählt Kalorien und macht Sport. Bis zu sechs Stunden trainiert er täglich auf einer Rolle, die auch ein Sinnbild ist: Jean Nuttli kommt nicht vom Fleck. Es ist ein Treten an Ort.

Man sieht es ihm nicht an, aber der hagere Mann, das Gesicht kantig, 65 Kilogramm leicht, gilt als krankhaft übergewichtig. Zu diesem Schluss kommt der Stoffwechselexperte Fritz Horber 2006 in einem Film des «Schweizer Fernsehens», der Nuttlis Leidensweg …

Artikel lesen
Link zum Artikel