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Dimethyltryptamin (DMT) kann Depression lindern

A therapy session conducted by Imperial's Centre for Psychedelic Research
https://www.imperial.ac.uk/news/250473/psychedelic-therapy-help-break-chains-gambling/
Eine Therapiesitzung im Zentrum für Psychedelische Forschung der Imperial University.Bild: imperial.ac.uk

Kurzer Trip, lange Wirkung – psychedelische Drogen können Depression lindern

DMT ist eines der stärksten Psychedelika – und wird immer häufiger in Therapien eingesetzt. Der Stoff kann eine Depression innerhalb weniger Tage deutlich lindern.
22.02.2026, 21:0022.02.2026, 21:00

Eine einzige intravenös verabreichte Dosis der psychedelischen Substanz Dimethyltryptamin (DMT) kann depressive Symptome innerhalb kurzer Zeit spürbar lindern. Der Effekt des Psychedelikums setzt rasch ein und hält bei vielen Erkrankten über mehrere Monate an. Das zeigt eine Studie, die im Fachblatt Nature Medicine erschienen ist.

DMT ist eine starke psychoaktive Substanz, die natürlicherweise in Ayahuasca vorkommt, dem traditionellen südamerikanischen Gebräu, das für seine intensive halluzinogene Wirkung bekannt ist und oft als Teil schamanischer Rituale verwendet wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Psychedelika wirkt DMT auffallend schnell und kurz. Die Erfahrung erreicht innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt und ist in der Regel nach einer halben Stunde schon wieder vorbei. Gerade diese kurze Dauer brachte der Substanz den Spitznamen «Businessman's Trip» ein: Man kann gewissermassen während einer Mittagspause eine solche spirituelle Reise unternehmen und danach wieder nüchtern an den Schreibtisch zurückkehren.

Dimethyltryptamin (DMT)
Dimethyltryptamin ist ein potentes Psychedelikum.Bild: Shutterstock

Therapeutischer Einsatz

Beim therapeutischen Gebrauch von DMT geht es jedoch nicht um kurze Halluzinationen, sondern um die Frage, ob sich das Psychedelikum auch als mögliche Behandlung für schwere Depressionen eignet. Viele Patienten sprechen auf bestehende Behandlungen mit Antidepressiva nur unzureichend an und leiden häufig unter unangenehmen Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Schlafstörungen oder sexuellen Beschwerden.

Therapien mit Psychedelika stehen deshalb in den letzten Jahren zunehmend im Fokus des Interesses. So wird auch Psilocybin, der Wirkstoff in Zauberpilzen (auch «Magic Mushrooms», «Psylos» oder «Narrische Schwammerl» genannt), als mögliche Behandlung gegen Depressionen untersucht. Der Nachteil dabei ist, dass die psychedelische Erfahrung oft zwei Stunden oder länger dauert, was die Therapien intensiv und schwer skalierbar macht. DMT kann hier einen praktischen Vorteil bieten: Bei Verabreichung durch Injektion hält die psychedelische Wirkung etwa 30 Minuten an, während die mögliche antidepressive Wirkung monatelang dauern kann.

Struktur von Dimethyltryptamin
https://de.wikipedia.org/wiki/Dimethyltryptamin#/media/Datei:Dimethyltryptamine_2.svg
Chemische Struktur von Dimethyltryptamin.Grafik: Wikimedia

Doppelblind-Studie

Ein Forschungsteam unter der Leitung des Psychiaters und Neurowissenschaftlers David Erritzoe vom Imperial College London führte eine Studie mit 34 Erwachsenen durch, die an einer schweren Depression litten. Im ersten doppelblinden Teil der Studie erhielten die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip entweder DMT oder ein Placebo. Weder die Teilnehmer noch die Forscher wussten, wer das echte Medikament und wer das Placebo erhielt. So konnten die Forscher die Wirkung von DMT zuverlässig vergleichen.

Zwei Wochen später begann die offene Phase, in der alle Teilnehmer unter Aufsicht eines Therapeuten DMT erhalten konnten, also auch diejenigen, die zuvor ein Placebo erhalten hatten. In dieser Phase wusste jeder, welche Behandlung er erhielt. So konnte die Wirkung von DMT beobachtet und gleichzeitig die Sicherheit aller Teilnehmer weiter beurteilt werden.

DMT-Therapie am Imperial College.
https://www.imperial.ac.uk/news/articles/2026/ayahuasca-compound-has-significant-and-lasting-effect-on-depression-/
Die Teilnehmer erhielten das Psychedelikum unter Aufsicht eines Therapeuten. Bild: Thomas Angus/Imperial College

Bemerkenswerte Ergebnisse

Die Ergebnisse waren bemerkenswert. Bereits nach einer Woche zeigten die Teilnehmer, die DMT erhalten hatten, eine deutliche Abnahme ihrer depressiven Symptome, gemessen mit der Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale (MADRS), einem standardisierten klinischen Messinstrument für Depressionen. Nach zwei Wochen war der Unterschied zur Placebogruppe noch deutlicher. Während der Open-Label-Phase hielten die Effekte bei vielen Teilnehmern bis zu 12 Wochen an, bei einigen möglicherweise sogar länger. Interessanterweise machte es kaum einen Unterschied, ob jemand eine oder zwei Dosen erhalten hatte, obwohl die Studie darauf hindeutet, dass Teilnehmer, die bereits in der ersten Phase DMT erhalten hatten, womöglich etwas länger von der Behandlung profitierten.

Während der Studie wurden mögliche Nebenwirkungen besonders genau beobachtet, um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten. Die meisten Nebenwirkungen waren leicht bis mittelschwer, wie Schmerzen an der Infusionsstelle, Übelkeit oder kurze Angstzustände. Es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Behandlung gemeldet.

Studie mit Einschränkungen

Das Forschungsteam weist allerdings darauf hin, dass die Studie mehrere Einschränkungen aufweist, darunter die fehlende ethnische Vielfalt innerhalb der Teilnehmergruppe sowie der Ausschluss von Teilnehmern mit einer Vorgeschichte von schweren Suizidversuchen.

Gleichwohl zieht Studienleiter Erritzoe in einer Mitteilung der Hochschule eine positive Bilanz:

«Obwohl solche frühen Studienergebnisse stets mit einer gewissen Vorsicht interpretiert werden sollten, sind sie für die DMT-Therapie als potenzielle Behandlung von klinischer Depression sehr vielversprechend. Aufgrund der kürzeren Dosierungsintervalle dürfte sie zudem kostengünstiger sein als länger wirkende Psychedelika.»

Um genau festzustellen, wie wirksam DMT bei Depressionen ist, wie lange die Wirkung anhält und wie sich das Mittel im Vergleich zu bestehenden Behandlungen verhält, seien grössere Studien erforderlich, betonen die Forscher. Dennoch geben diese ersten Ergebnisse Anlass zur Hoffnung: Ein kurz wirksames Psychedelikum könnte eine schnelle und praktische Option für Menschen sein, bei denen herkömmliche Therapien nicht ausreichend wirken. (dhr)

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