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Bild: wikipedia

Die spektakulärsten Gefängnisausbrüche – erzählt in 9 unfassbaren Geschichten

Was haben Miso-Suppen, Helikopter und Bettwäsche gemeinsam? Richtig, sie sind alles wunderbare Utensilien, um aus dem Gefängnis auszubrechen.



In Kalifornien gelang es zwei Männern spektakulär aus einem Gefängnis auszubrechen. Sie bohrten ein im Durchmesser 55 Zentimeter breites Loch in einer Toilette.

Die beiden Häftlinge im Alter von 20 und 21 Jahren schienen sich sehr gut im Gefängnis auszukennen: Sie nutzten eine Sicherheits-Schwachstelle für ihre Flucht aus. Konkret gab es in der Toilette einen sogenannten «blinden Fleck» – eine Stelle, die von den Gefängniswärtern nicht überwacht werden konnte. Dieser befand sich an einer bestimmten Stelle in der Decke. Genau dort bohrten die Kriminellen das kleine Loch.

Was die zwei können, haben andere schon lange drauf. Voilà, wir präsentieren euch die spektakulärsten Gefängnisausbrüche aller Zeiten. Oder einfach Geschichten von Leuten, die es immer wieder raus geschafft haben. Was auch ziemlich spektakulär ist. Los geht's!

Jack Sheppard

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Im 18. Jahrhundert hatte man in den Gefängnissen noch Stil. Bild: infopt

Fangen wir ganz vorne an. Jack Sheppard erblickte 1702 das Licht der Welt in London und war bereits früh ein notorischer Tunichtgut. Jack, der sich wahlweise auch «Gentleman Jack» oder «Jack the Lad» (Bursche Jack) nannte, wuchs in einem Arbeitshaus auf, da sein Vater bereits früh verstarb.

Er wurde zum Schreiner ausgebildet, fing allerdings schon im jungen Alter an, seinen Lohn mit Einbrüchen und Diebstählen etwas aufzubessern. Sehr geschickt ging er dabei nicht vor, denn er wurde immer wieder eingesperrt. Sein wahres Talent lag jedoch im Entkommen aus den Haftanstalten.

Ein erstes Mal konnte er fliehen, indem er sich durch eine Holzdecke im St.Giles-Gefängnis sägte. Als er wieder geschnappt wurde, steckte man ihn in das gefürchtete New-Gate-Gefängnis. Doch Jack wäre nicht auf dieser Liste, wenn er es nicht geschafft hätte, auch dort auszubrechen. Nicht nur einmal, nein, ganze dreimal. In einem Jahr.

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Das Newgate-Gefängnis in London galt als eine der berüchtigsten Haftanstalten der englischen Geschichte. bild: wikipedia

Beim ersten Mal feilte er seine Ketten durch und seilte sich mittels zusammengeknüpfter Bettwäsche an der Aussenwand hinab. Sheppard gilt deswegen auch als Erfinder der durch Filme und Mythen bekannten Bettwäsche-Zusammenknüpf-Taktik.

Er wurde wieder geschnappt, brach wieder aus, wurde wieder geschnappt und dann – ihr werdet's nie erraten – brach er wieder aus.

Das letzte Mal gefasst wurde er bei einer Sauftour durch die Gassen Londons. Sheppard war zu dieser Zeit bereits stadtbekannt. Er wurde zum Tode verurteilt, torkelte an seinem letzten Tag betrunken zum Galgen und hielt noch eine fröhliche Abschiedsrede. 200'000 Leute sollen seiner Erhängung zugesehen haben.

Yoshie Shiratori

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Bild: Wikimedia

Yoshie Shiratori schaffte es, viermal in drei Jahren aus dem Gefängnis auszubrechen. Sein Werkzeug: Miso-Suppe.

miso suppe japan japanisch essen trinken asiatisch vegetarisch food

Mhhh. Miso-Suppe. Bild: shutterstock

Shiratori wurde 1933 wegen Mordes zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verdonnert. 1936 gelang es ihm jedoch ein erstes Mal auszubrechen. Damals noch ganz konventionell mit einem Stück Draht, um seine Handschellen zu öffnen. Er wurde jedoch wieder gefasst und in das Gefängnis von Akita gesteckt.

1942 schaffte er es erneut, zu fliehen. Immer noch nicht sehr kreativ stieg er durch einen Luftauslass in Richtung Freiheit. Nach seiner abermaligen Verhaftung musste sich Shiratori jedoch etwas anderes ausdenken. Und so nutzte er Miso-Suppen, um seine Handschellen und ein Inspektionsloch in der Türe zu verrosten.

Sehr coole Doku über Shiratoris Leben:

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Video: YouTube/Kento Bento

Bei dem Versuch, einem Bauern Tomaten zu stehlen, wurde Shiratori 1946 von ebendiesem angegriffen. Es kam zu einer Rauferei, wobei der Bauer getötet wurde. Shiratori wurde wieder verhaftet und vom Gericht in Sapporo zum Tode verurteilt.

Doch der notorische Delinquent brachte es erneut zustande, auszubrechen. Mit einem Stück Blech durchsägte er die Dielen seiner Zelle und mit einer Schüssel schaufelte sich Shiratori einen Tunnel in die Freiheit.

Im Jahre 1948 – Shiratori war bereits 41 Jahre alt – war er zu erschöpft, um ein Leben auf der Flucht fortzusetzen. Er stellte sich der Polizei, die ihn zwar begnadigte, jedoch auch zu 20 Jahren Gefängnis verurteilte. Dort blieb er auch bis 1961, als er auf Bewährung entlassen wurde. Er starb 1979 an einem Herzinfarkt.

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Nachbildung von Shiratoris Flucht aus dem Abashiri-Gefängnis im Abashiri-Gefängnismuseum. Bild: wikipedia

In Japan ist Shiratori eine Art Anti-Held. Im Gefängnismuseum von Abashiri befindet sich ein Denkmal von ihm.

John Dillinger

13 Verbrecher von anno dazumal, die irgendwie, naja, ziemlich heiss sind, halt ...
da fehlt noch John Dillinger

Bild: userinput

John Herbert Dillinger Jr. war ein berüchtigter US-amerikanischer Gangster. Er war die erste Person, die je zum «Staatfeind Nr. 1» erklärt wurde. Sein Leben wurde mehrmals verfilmt, darunter auch im Streifen «Public Enemies» mit Johnny Depp und Christian Bale in den Hauptrollen.

Für einen Gangster von seinem Format gehört es natürlich zum guten Ton, aus Gefängnissen auszubrechen. Zweimal tat er dies während seiner Karriere als Mobster.

Wegen mehrerer Überfällen auf Banken sass Dillinger und seine Bande 1933 im Staatsgefängnis in Lima, Ohio. Ein Teil seiner Gefolgschaft konnte mithilfe von geschmuggelten Gewehren ausbrechen. Kurze Zeit später kamen sie zurück, um auch Dillinger zu befreien. Drei Wächter kamen bei den beiden Aktionen ums Leben.

Nach unzähligen weiteren Überfällen und Toten wurde Dillinger in Arizona wieder verhaftet, entkam jedoch im März 1934 schon wieder. Er behauptete, die Wachen mit einer Pistolen-Attrappe, gefertigt aus Holz und Schuhcreme, überlistet zu haben.

Im Juli 1934 starb Dillinger im Kugelhagel vor einem Kino in Chicago.

Alfred George Hinds

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Alfred George Hinds, auch bekannt als «Houdini Hinds», war ein britischer Krimineller, der erfolgreich aus drei Hochsicherheitsgefängnissen ausbrach. Ursprünglich verhaftet wurde er wegen Raubes.

Hinds' erste Flucht gelang ihm 1958 aus einem Gefängnis in Nottingham, wo er es schaffte, geschlossene Türen und eine sechs Meter hohe Gefängniswand zu überwinden. Diese Leistung brachte ihm seinen Spitznamen Houdini Hinds in den Medien ein.

Während seiner Zeit auf der Flucht reiste er durch ganz Europa, arbeitete als Maler und Dekorateur, bevor er nach 248 Tagen Freiheit festgenommen wurde. Hinds, ein sehr gescheiter Mann, verklagte die Behörden und fand so einen Grund, vor Gericht erscheinen zu müssen.

Komplizen schmuggelten für Hinds ein Vorhängeschloss und Schrauben ins Gefängnis, die sie an einer Toilette befestigten. Am Tag der Verhandlung schaffte es Hinds, während er zur Toilette begleitet wurde, die beiden Wachen in der Kabine einzusperren. Er floh, wurde aber fünf Stunden später am Flughafen gefasst.

Hind's dritte und letzte Gefängnisflucht kam weniger als ein Jahr später. Er floh nach Irland, wo er zwei Jahre lang unter einem Decknamen lebte, jedoch wieder verhaftet wurde, als er von einer Polizeistreife für das Fahren eines nicht registrierten Autos angehalten wurde.

Hinds studierte im Gefängnis das britische Recht und schickte Dutzende Appelle und Memoranden an Gerichte und britische Abgeordnete. Immer plädierte er auf Unschuld. Es brachte nichts. Er verbrachte weitere sechs Jahre hinter Gittern.

Später verkaufte er seine Lebensgeschichte an eine Zeitung. Für 40'000 Franken. Auch wurde er Mitglied von Mensa International, einem Club für Menschen mit einem sehr hohen IQ.

Frank Lee Morris, John Anglin, Clarence Anglin

criminal encylopedia

bild: criminal encyclopedia

Einer der berühmtesten Gefängnisausbrüche der Geschichte. Die Flucht von Alcatraz.

Im Juni 1962 entkamen drei Gefangene der berüchtigten Insel Alcatraz in der Bucht von San Francisco und verschwanden auf mysteriöse Weise. Allen West, ein vierter Gefangener, war ursprünglich auch mit von der Partie.

Die vier Männer Frank Morris, John Anglin, sein Bruder Clarence und Allen West gruben zwei Jahre lang an einem Tunnel und bauten sich ein Floss, um in die Freiheit zu segeln.

Am Tag der Flucht legten sie Puppen in ihre Betten. Ausser Allen, dieser verspätete sich und wurde zurückgelassen. Er verstarb im Gefängnis. Das Verschwinden der anderen drei wurde erst am nächsten Morgen bemerkt.

Haben sie überlebt?

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Video: YouTube/The Infographics Show

Teile des Flosses und der Rettungsringe wurden später in der Bucht vor San Francisco zusammen mit einigen persönlichen Gegenständen der Gefangenen gefunden, was die Ermittler zu dem Schluss veranlasste, dass die Männer ertrunken waren.

Das FBI schloss den Fall am 31. Dezember 1979 offiziell ab und kam zu dem Schluss, dass «keine glaubwürdigen Beweise dafür auftauchten, dass die Männer noch am Leben waren.» Allerdings wurden nie Leichen entdeckt.

Seamus Twomey, J.B. O'Hagan und Kevin Mallon

IRA Gefängnis

O'Hagan, Mallon und Twomey. Bild: AP/Conroe Courier/montage watson

Kommen wir zu einer wahrlich spektakulären Flucht. Es wurde sogar ein Song darüber geschrieben ... doch dazu später mehr.

Es geht um die «Mountjoy-Prison-Helikopterflucht». Sie fand am 31. Oktober 1973 in Dublin statt. Zu dieser Zeit wütete gerade die Irish Republican Army, besser bekannt als die IRA, in Irland, Nordirland und dem Rest von Grossbritannien. Mit Waffengewalt wollten sie ein Vereintes Irland schaffen und Nordirland von Grossbritannien trennen.

Um den Aufständischen Herr zu werden, führte eine Mitgliedschaft bei der IRA anno dazumal automatisch zu einer mindestens einjährigen Haftstrafe. Im September 1973 wurde IRA-Stabschef Seamus Twomey deswegen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er sass im Mountjoy-Gefängnis in Dublin ein, genau wie J.B. O'Hagan und Kevin Mallon, zwei weitere ranghohe Mitglieder der IRA.

Nach der Verurteilung Twomeys entschied die IRA, dass man die drei Herren aus der Haftanstalt befreien möchte. Also wurde ein Plan geschmiedet, bei dem man per Helikopter ins Gefängnis fliegt und Twomey, O'Hagan und Mallon einfach hinausfliegt.

Coole Retro-Berichterstattung mit genialer Musik und dem Fluchthelikopter:

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Video: YouTube/Oisín Dolan

Gesagt, getan. Am 31. Oktober 1973 zwangen zwei IRA-Mitglieder den Hubschrauberpiloten Thompson Boyes dazu, nach Dublin zu fliegen. Die geplante Route durfte er der Flugverkehrskontrolle nicht melden.

Die Gefangenen sahen sich gerade ein Fussballspiel an, als kurz nach 15:35 Uhr der Hubschrauber im Gefängnishof landete. Ein Aufseher dachte zuerst, dass es sich bei den Insassen des Hubschraubers um eine Delegation rund um den Verteidigungsminister Paddy Donegan handelte und schöpfte deswegen keinen Verdacht.

Kurz nach der Landung kamen die Häftlinge in den Hof und begannen, die acht anwesenden Aufseher anzugreifen. Während die Rauferei ihren Lauf nahm, stiegen Twomey, O'Hagan und Mallon einfach in den Helikopter und flogen davon. Der Hubschrauber flog gen Norden und landete auf einer stillgelegten Rennstrecke in der Gegend von Baldoyle in Dublin, wo Mitglieder der IRA die Flüchtigen in Empfang nahm. Der Pilot Boyes wurde übrigens unversehrt freigelassen.

Die Flucht machte weltweit Schlagzeilen. Es war eine riesige Blamage für die damalige irische Koalitionsregierung. Der Fall schlug so hohe Wellen, dass die Folk-Band «The Wolfe Tones» einen Song darüber schrieb. Die Platte verkaufte sich 12'000 Mal in der ersten Woche und das Lied hielt sich, obwohl von vielen Radiostationen verbannt, vier Wochen an der Spitze der Charts.

The Wolfe Tones mit «The Helicopter Song»:

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Video: YouTube/kildress39

Twomey schaffte es, sich bis zum 2. Dezember 1977 zu verstecken. An diesem Tag wurde er jedoch von Polizisten in einem Auto entdeckt. Er lieferte sich eine Verfolgungsjagd durch die Stadt und wurde schliesslich festgenommen. Daraufhin sass er bis 1982 im Gefängnis.

O'Hagan wurde bereits im Januar 1975 in Dublin geschnappt und in das Gefängnis von Portlaoise gesteckt. Dort sass er für drei Jahre.

Mallon hingegen schaffte es gerade mal zwei Monate. Am 10. Dezember 1973 wurde er gefasst und ebenfalls in das Portlaoise-Gefängnis gesteckt. Er schaffte es jedoch, gemeinsam mit 18 (!) anderen Insassen, sich aus dem Gefängnis zu bomben. Sie haben die Wachen überwältigt und die Tore der Haftanstalt gesprengt. 1975 kehrte er jedoch in ebendieses Gefängnis zurück.

Apropos Massenflucht von IRA Mitgliedern ...

The Maze Prison Escape

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Zu viele Flüchtige, deswegen hier das Gefängnis von aussen. bild: wikimedia

Kommen wir zur grössten Gefängnisflucht der britischen Geschichte. Ort des Schauspiels war das Maze-Gefängnis in Nordirland, ein Hochsicherheitsgefängnis, das als eine der ausbruchsichersten Haftanstalten Europas galt.

Daran störten sich die 38 IRA-Insassen nicht, als sie am 25. September 1983 in die Freiheit wollten. Alles was sie dafür machen mussten, war, die fünf Meter hohen und fünf Meter dicken, mit Stacheldraht gesicherten Gefängniswände zu überwinden. Und die massiven Stahltüren natürlich auch.

Das Maze war in mehreren H-förmigen Blöcken angelegt. Im Block H7 waren die IRA-Insassen angesiedelt. Die Häftlinge planten die Flucht über mehrere Monate. Zwei Komplizen, Bobby Storey und Gerry Kelly, begannen als Aufseher zu arbeiten, um Schwachstellen im System zu identifizieren. So konnten sechs Pistolen in das Gefängnis geschmuggelt werden.

Die Karte des Maze-Gefängnisses

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bild: wikimedia

Am Fluchttag, kurz nach 14:30 Uhr, übernahmen die Gefangenen die Kontrolle über den Block. Sie griffen das Gefängnispersonal an und nahmen sie als Geiseln, wobei einem Aufseher in den Kopf geschossen wurde. Er überlebte den Angriff jedoch.

Zwölf Insassen zogen sich die Kleidung der Aufseher über und als ein Lastwagen mit einer Essenslieferung in den Block H7 fuhr, wurde dieser gekapert. Daraufhin fuhr man bis zum Torhaus des Gefängnisses, wo man wiederum die Aufseher als Geiseln nahm. Nach mehreren Anläufen, unterbrochen durch Flucht- und Alarmversuche seitens des Personals, schafften die IRA-Mitglieder es, das Haupttor zu öffnen.

Wer mehr Infos will und 70 Minuten Zeit hat, bitteschön:

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Video: YouTube/Stuart Steib

Draussen errichteten die mittlerweile alarmierte Polizei eine Strassensperre, weshalb die Gefangenen aussteigen mussten und über einen Zaun kletterten. Draussen sollten eigentlich 100 bewaffnete IRA-Mitglieder warten, doch wegen einer Fehlkalkulation verpassten sich die beiden Gruppen um fünf Minuten, weswegen die Gefangenen über Felder flohen oder vorbeifahrende Autos kaperten.

Während der Flucht wurden 20 Gefängnisaufseher verletzt, einer starb an einem Herzinfarkt während der Flucht.

In den darauf folgenden Tagen wurden 19 Ausbrüchige wieder gefangen. Der Rest wurde in den nächsten Jahren entweder gefangen, getötet oder sie sind in die USA gereist, um dort unter neuen Identitäten zu leben.

The Texas Seven

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George Rivas, Joseph Garcia, Michael Rodriguez, Donald Newbury, Patrick Murphy, Larry Harper und Randy Halprin. Bild: screenshot dailybeast

Widmen wir uns einer Flucht, die bis heute Wellen schlägt. Bekannt unter dem Namen «The Texas Seven» geht es um den Ausbruch von sieben verurteilten Strafgefangenen, die im Dezember 2000 aus dem Hochsicherheitsgefängnis John B. Connally bei San Antonio in Texas flohen.

Der Mastermind des Ausbruchs und zugleich Anführer der Gruppe war George Rivas. Er sass wegen mehrfachen Raubes und Entführung hinter Gitter. Er verbüsste eine lebenslange Freiheitsstrafe. Zwei weitere Mitglieder sassen wegen Mordes, die restlichen vier wegen Raub- und Sexualdelikten.

Am 13. Dezember 2000 überwältigten und fesselten sie in der Gefängniswerkstatt elf Wärter und sperrten sie in einen Schaltraum. Als Elektriker verkleidet drangen sie anschliessend in ein Wachhaus ein und überwältigten das dortige Personal. Sie öffneten das Gefängnistor und flohen mit einem Pick-up und einer Vielzahl gestohlener Waffen.

Die sehr empfehlenswerte Folge von «Prison Breaks: Die wahren Geschichten» über die Texas Seven

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Video: YouTube/Prison Breaks: Die wahren Geschichten

Nach tagelangem Verstecken in Motels überfielen sie aus Geldnot einen Laden in Irving bei Dallas. Dabei erbeuteten sie mehrere Schusswaffen sowie 70'000 Dollar. Noch während des Überfalls traf Polizist Aubrey Hawkins am Tatort ein. Die Gruppe erschoss ihn, während er noch in seinem Streifenwagen sass. Danach wurde er aus dem Auto gezerrt und vom Fluchtwagen der Täter überfahren.

Fünf der Gesuchten konnten am 22. Januar 2001 auf einem Campingplatz bei Colorado Springs ausgemacht werden. Sie gaben sich dort in einem Wohnmobil lebend als Missionare aus. Erkannt wurden sie durch einen Mann, der ihre Gesichter bei der Fernsehsendung «America's Most Wanted» gesehen hat.

Beim Übergriff auf die fünf Männer nahm sich Larry Harper das Leben. Zwei Tage später konnten auch die letzten beiden Mitglieder der Texas Seven festgenommen werden. Alle sechs Verhafteten wurden bis November 2003 zum Tode verurteilt. Vier wurden bereits durch die Giftspritze hingerichtet, zuletzt Joseph Garcia am 4. Dezember 2018. Als nächstes soll Patrick Murphy am 13. November, also in wenigen Tagen, exekutiert werden.

Stalag Luft III

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Modell des Gefangenenlagers Stalag Luft III. bild: wikimedia

Zu guter Letzt begeben wir uns in die Zeit des Zweiten Weltkrieges nach Sagan in Polen, damals noch Teil des Deutschen Reiches. Dort stand das Kriegsgefangenenlager Stalag Luft III. Der Name ist eine Abkürzung für «Stammlager der Luftwaffe».

Es war eines von sechs deutschen Gefangenenlagern und war speziell für die Internierung von gegnerischen Luftwaffenangehörigen vorgesehen. Zu Spitzenzeiten befanden sich bis zu 10'500 Offiziere und Unteroffiziere der Luftwaffen im Lager.

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bild: wikimedia

Es sollte die bis heute grösste Gefängnisflucht aller Zeiten werden. Federführend war der Brite Roger Bushell. Er befehligte das Fluchtkomitee auf dem nördlichen Gelände, wo die britischen Flieger untergebracht waren. Sein Plan für die grosse Flucht beinhaltete den Bau von drei «bloody deep, bloody long» (verdammt tiefen, verdammt langen) Tunnel unter den Lagerzäunen. Die Tunnel wurden Tom, Dick und Harry genannt.

Mehr als 600 Häftlinge waren am Bau der Tunnel beteiligt, wobei Bushell 200 Häftlinge in die Freiheit führen wollte. Die Tunnel befanden sich 9 Meter unter dem Fussboden und waren nur 60 Zentimeter breit. Die Wände wurden mit Holzstücken gestützt, die hauptsächlich aus den Betten der Gefangenen stammten.

Für den Bau der Tunnels wurden Blechdosen verwendet. Kerzen wurden aus Fettablagerungen von Suppen hergestellt, während die Dochte aus alter Kleidung gefertigt wurden.

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Der Anfang des Tunnels, heute ein Denkmal. bild: Wikimedia

Die 200 potentiellen Ausbrecher wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste, die 100 Personen umfasste, bestand aus Leuten, die gut Deutsch sprachen oder bereits Erfahrungen mit dem Ausbrechen aus Gefängnissen hatten. Sie übernahmen den grössten Anteil an den Vorbereitungen. Die zweite Gruppe bestand aus Männern, die per Los gewählt wurden.

Am 24. März 1944 war es soweit. Die Männer begaben sich in die Tunnels und liefen in Richtung Freiheit. Um 22:30 Uhr tauchte der erste Gefangene aus dem Boden auf und stellte fest, dass der Tunnel zu kurz gekommen war. Anstatt in einem nahegelegenen Wald zu führen, endete der Tunnel kurz vor der Baumgrenze und gefährlich nahe an einem Wachturm. Dennoch krochen 76 Männer durch den Tunnel in die Freiheit, bevor der 77. am 25. März um 4:55 Uhr von den Wachen entdeckt wurde.

Von den 76 Ausreissern wurden 73 geschnappt. Hitler wollte ein Exempel an ihnen statuieren und liess deshalb im April 1944 50 Gefangene von einem Gestapokommando erschiessen.

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • wasihrnichtsagt 10.11.2019 07:16
    Highlight Highlight Der Schweizer Ausbrechekönig fehlt:

    Walter Niklaus Stürm war in der Schweiz in den 1970er- und 1980er-Jahren als Ausbrecherkönig bekannt.

    Walter Stürm sorgte zwischen 1974 und 1995 nicht nur mit acht geglückten Ausbrüchen aus Zuchthäusern und Gefängnissen für grosses Aufsehen, sondern auch mit seinen schelmischen Aktionen, die ihm bei Teilen der Bevölkerung Popularität als eine Art Robin Hood verschafften. Landesweite Belustigung herrschte etwa, als Stürm an Ostern 1981 aus der Strafanstalt Regensdorf ausbrach und einen Zettel mit den Worten „Bin beim Ostereier suchen, Stürm“ hinterliess. WP
  • Bläsnkufo 09.11.2019 15:28
    Highlight Highlight Bärnhard Matter aus dem Aargau nicht vergessen
  • ma.de1990 09.11.2019 11:29
    Highlight Highlight Aubrey Hawkins war ein Mann.
    • Viktoria 09.11.2019 11:42
      Highlight Highlight Upsi. Danke für den Hinweis! Ist korrigiert :) Liebe Grüsse aus der Redaktion!
  • niklausb 09.11.2019 11:01
    Highlight Highlight 1. Zum letzten gibt es einen durchaus sehenswerten Film mit Steve McQueen auf deutsch "Gesprengte Ketten"

    2. Wo ist der Ausbrecherkönig der Schweiz Walter Stürm? Zumindest eine erwähnung hätte diese tragische Figur auch verdient.
    • broccolino 09.11.2019 11:56
      Highlight Highlight Der Artikel über Schweizer Ausbrecher ist im Text verlinkt.
  • Ohniznachtisbett 09.11.2019 11:01
    Highlight Highlight Woo bleibt Walter Stürm?
  • 370000 Flugmeilen hinter dem Mond 09.11.2019 10:56
    Highlight Highlight Zugriff statt Übergriff.
  • Füdlifingerfritz 09.11.2019 10:39
    Highlight Highlight Interessante Geschichten. Es scheint aber, als sollten sich einige Verbrecher neben dem Ausbrechen besser auch mal in Sachen Draussen-nicht-geschnappt-werden" weiterbilden. :-D
    • humpfli 09.11.2019 12:29
      Highlight Highlight Wieso? Auch Kriminelle gönnen sich mal Ferien.
    • Füdlifingerfritz 09.11.2019 13:37
      Highlight Highlight Je länger die Ferien, desto besser, nicht? ;-)

«Liebe Frau Badran, jetzt braucht es eine alte, weisse Frau ...»

Die SP steht nach der Rücktrittsankündigung von Christian Levrat vor einer Weichenstellung. Wird die Partei den Weg der deutschen SPD gehen? Oder den nordischen Weg?

Liebe Frau Badran

Sie waren ja einmal bei watson für eine Blattkritik. Da habe ich Ihnen ein bisschen widersprochen. Ihre Antwort: «Solange du so ein Baseldeutsch redest hier, diskutier' ich gar nicht mit dir.» Ich habe mich sehr daheim gefühlt in dieser Abkanzelung. In Basel lässt man Zürcher nicht mal «Bap» sagen, ohne sie zu verhöhnen. So bin ich aufgewachsen.

Nun dreht das Kandidatinnen-Karussell für die Nachfolge von Christian Levrat, und die Agenda heisst jetzt ganz imperativ: Eine …

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