Fatale Pyrotechnik: 12 katastrophale Brände in Nachtclubs
Noch sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen, doch die Hinweise verdichten sich, dass auf Champagnerflaschen angebrachte Bengalkerzen zu nahe an die Decke kamen und so den schrecklichen Brand in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana auslösten. Der schalldämpfende Schaumstoff an der Decke soll laut Augenzeugen Feuer gefangen haben.
Schon mehrmals hat Pyrotechnik in Verbindung mit heiklen Materialien – oft Deckenelementen zur Schalldämmung – zu verheerenden Brandkatastrophen in Nachtclubs und Diskotheken geführt. Nur schon seit der Jahrtausendwende gibt es ein Dutzend solcher Fälle:
«Pulse» in Kočani
Nordmazedonien, 16. März 2025
Der Nachtclub «Pulse» in Kočani war überfüllt, als 500 Personen ein Konzert des nordmazedonischen Hip-Hop-Duos DNK besuchten. Während des Konzerts kamen sogenannte Bühnenfontänen – senkrecht funkensprühende Feuerwerkskörper – zum Einsatz. Ihre Funken entzündeten Akustikschaumplatten, die aus brennbarem Material bestanden und die Dachkonstruktion in Brand steckten.
Schnell hüllten Flammen und giftiger Rauch den gesamten Veranstaltungsort ein. Es kam zu einem Gedränge, als die meisten Besucher den Raum verlassen wollten; andere beobachteten die Löschversuche. Eine Überlebende berichtete, sie habe eine Gruppe von Jugendlichen angeschrien, sie sollten flüchten, doch sie sei von ihnen ausgelacht worden. 60 Menschen kamen beim Brand ums Leben, 160 wurden verletzt.
«Birch by Romeo Lane» in Arpora
Indien, 6. Dezember 2025
Der Brand im Nachtclub «Birch by Romeo Lane» in Arpora, einem Ort nördlich von Goa in Indien, forderte 25 Todesopfer und 50 Verletzte. Das Feuer brach aus, als im Club eine Tanzparty stattfand. Die Behörden vermuten, dass elektrische Knallkörper den Brand verursachten, die als Dekoration dienende getrocknete Palmblätter entzündeten.
Die Ermittlungen ergaben, dass die Betreiber des Nachtclubs gegen mehrere Vorschriften verstossen hatten. Die Lösch- und Rettungsarbeiten wurden zudem dadurch behindert, dass der Zugang zum Nachtclub nur über eine schmale Gasse möglich war.
«Liv's» in Yaoundé
Kamerun, 23. Januar 2022
Bei einem Brand im beliebten Nachtclub «Liv's» in Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns, kamen 16 Menschen ums Leben, 8 wurden verletzt. Im Club abgebrannte Feuerwerkskörper entzündeten die Deckenverkleidung. Vom Hauptraum aus erfasste das Feuer einen Nebenraum, in dem Kochgas gelagert wurde; es kam zu zwei massiven Explosionen, die eine Panik und Massenflucht auslösten.
«Polygon» in Kostroma
Russland, 5. November 2022
Ein betrunkener Soldat, der gerade aus dem Krieg in der Ukraine zurückgekehrt war, verursachte den Brand im Café «полигон» («Polygon») in der nördlich von Moskau gelegenen Stadt Kostroma. Er hatte eine Frau umworben, Blumen für sie bestellt und dann eine Leuchtpistole auf der Tanzfläche abgefeuert. Das dadurch ausgelöste Feuer breitete sich über mehr als 3500 Quadratmeter aus und führte zum Einsturz des Dachs. 15 Menschen starben, 9 weitere wurden verletzt. Die meisten Notausgänge des Clubs waren blockiert.
«Au Cuba Libre» in Rouen
Frankreich, 6. August 2016
14 Todesopfer und 6 Verletzte forderte der Brand in der Bar «Au Cuba Libre» in der französischen Stadt Rouen. In der Bar fand eine private Geburtstagsfeier statt. Die Ermittlungen ergaben, dass das Feuer durch Kerzen auf einer Geburtstagstorte ausgelöst wurde, nachdem die Person, die die Torte trug, auf der Treppe zum Keller gestolpert war. Höchstwahrscheinlich setzten die Kerzenflammen die Styropor-Deckenplatten der Kellerdecke in Brand.
«Colectiv» in Bukarest
Rumänien, 30. Oktober 2016
Während eines Gratis-Konzerts der Metal-Band Goodbye to Gravity brach im Bukarester Nachtclub «Colectiv» ein Feuer aus. 64 Menschen starben, 26 von ihnen am Unglücksort, 38 in Spitälern. 147 Menschen wurden teilweise schwer verletzt. Für den Gebrauch im Freien vorgesehene Feuerwerkskörper wurden für die Bühnenshow verwendet und steckten eine Säule in Brand, die ein Wachmann vergeblich zu löschen versuchte. Von da aus breitete sich das Feuer auf den Polyurethan-Akustikschaumstoff an der Decke aus.
Daraufhin kam es zu einer Massenpanik, auch weil zunächst nur einer von zwei Ausgängen des Nachtclubs passierbar war. Der toxische Rauch des brennenden Akustikschaumstoffs führte bei vielen Gästen zu einem Herz- und Atemstillstand und forderte so die meisten Todesopfer. Auch vier der fünf Bandmitglieder kamen ums Leben.
«Kiss» in Santa Maria
Brasilien, 27. Januar 2013
Beim Brand im Nachtclub «Kiss» in Santa Maria im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul kamen 242 Menschen ums Leben, mindestens 630 weitere wurden verletzt. Die hohe Opferzahl ist darauf zurückzuführen, dass sich deutlich zu viele Besucher im Club aufhielten und der Strom beim Brand ausfiel, weshalb die Clubbesucher den einzigen Ausgang des Gebäudes nicht finden konnten. Es gab überdies keine funktionierenden Feuerlöscher.
Das Feuer brach aus, als die Band Gurizada Fandangueira während ihres Auftritts auf der Bühne ein pyrotechnisches Gerät – ähnlich einer Signalrakete – zündete. Dieses steckte den brennbaren Akustikschaumstoff an der Decke in Brand. Auch hier starben die meisten Opfer an den giftigen Rauchgasen.
«Lahmes Pferd» in Perm
Russland, 5. Dezember 2009
158 Menschen starben beim Brand im Nachtclub «Хромая лошадь» («Lahmes Pferd») in der russischen Stadt Perm, 94 von ihnen am Unglücksort. Bis zu 160 weitere wurden verletzt. Das Feuer brach aus, als ein Performancekünstler Kaltflammen-Pyrotechnik in die Luft warf. Diese produziert indes trotz der harmlosen Bezeichnung heisse Funken – und solche entzündeten die Kunststoffverkleidung der niedrigen Decke. Während bereits die Evakuierung der Gäste begonnen hatte, entzündeten sich auch die Holzdekorationen an den Innenwänden des Clubs, worauf sich das Gebäude mit Rauch füllte.
Einige der Clubbesucher flohen durch die Hinterausgänge. Dies führte zu einer verstärkten Zufuhr von Sauerstoff, was den Club in ein riesiges Feuerrohr verwandelte. Die Flammen beschädigten auch die elektrischen Leitungen, sodass das Licht ausfiel. Längst war Panik unter den Besuchern ausgebrochen, die nun zum Ausgang stürmten. Laut Augenzeugen blieben viele der schwer Verletzten mehr als eine Stunde bei Minusgraden vor dem Gebäude im Schnee liegen, was wohl viele Todesopfer forderte.
«Wuwang Julebu» in Shenzhen
China, 21. September 2008
Der Club «Wuwang Julebu» («König-der-Tänzer-Club») in Shenzhen war überfüllt, als das Feuer ausbrach. Ausgelöst wurde es durch die Pyrotechnik, die die Decke in Brand setzte. Auch hier füllte sich der Raum mit Rauch und das Licht fiel aus, worauf die Clubbesucher in Panik zum Ausgang stürmten. Die meisten der 43 Todesopfer wurden bei der Massenpanik zertrampelt. 88 Menschen wurden verletzt.
«República Cromañón» in Buenos Aires
Argentinien, 30. Dezember 2004
Rund 4000 Gäste – fast dreimal die erlaubte Kapazität – befanden sich in der Veranstaltungshalle «República Cromañón» in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, als die Rockband Callejeros auftrat. Während des Konzerts wurde eine pyrotechnische Leuchtfackel gezündet, die den Schaumstoff der Akustikplatten an der Decke in Brand setzte. Von der Decke hing zudem ein Sonnensegel aus Polyesterfasern, das sofort Feuer fing und zu einem Feuerregen schmolz. Auch weitere Teile der Dekoration bestanden aus brennbaren Materialien wie Holz oder Styropor. Sie produzierten toxische Rauchgase, an denen alle der 194 Todesopfer starben. Beinahe 1500 Menschen wurden verletzt.
Hinter dem Haupteingang des zweistöckigen Gebäudes befanden sich sechs Türen, die zum Hauptbereich des Nachtclubs führten. Vier von ihnen waren verschlossen, ebenso ein Notausgang. Ein weiterer Notausgang war durch einen Zaun vor der Bühne versperrt. Eine Alarmanlage gab es offenbar nicht. 10 der 15 Feuerlöscher funktionierten nicht. Der Betreiber des Clubs und weitere Personen wurden zu teils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt; der Bürgermeister von Buenos Aires wurde wegen der Mängel im Inspektionssystem der Stadt seines Amtes enthoben.
«The Station» in West Warwick
USA, 20. Februar 2003
Als die Rockband Jack Russell's Great White im Nachtclub und Musiklokal «The Station» in West Warwick im US-Staat Rhode Island auftrat, setzte der Tourmanager bereits beim Opener einen pyrotechnischen Effekt ein; es handelte sich um eine Art grosse Wunderkerzen. Deren Funken setzten Akustikschaumstoff an den Wänden und an der Decke in Brand. Dicker Rauch füllte den Raum, und innerhalb von sechs Minuten stand das gesamte Gebäude in Flammen. Die Konzertbesucher versuchten nach draussen zu fliehen, aber in der Massenpanik kam es zu einem Gedränge, das den Ausgang blockierte. 100 Menschen kamen ums Leben, 230 weitere wurden verletzt.
«'t Hemeltje» in Volendam
Niederlande, 1. Januar 2001
In der Neujahrsnacht von 2000 auf 2001 drängten rund 300 Besucher in das Café «De Hemel» («der Himmel»), auch «'t Hemeltje» («das Himmelchen») genannt, in Volendam. Das unter Jugendlichen beliebte Partycafé nahm den ersten Stock eines Deichhauses ein, in dessen Erdgeschoss an der Deichseite sich noch die «Wir War Bar» und im Untergeschoss noch das Café «de Blokhut» befanden. Im «'t Hemeltje» war die gesamte Decke mit Weihnachtszweigen aus Blaufichte geschmückt. Dies erwies sich als fatal, als ein Päckchen mit Wunderkerzen angezündet wurde. Es entstand eine Stichflamme, und die Person, die das Päckchen hielt, erschrak und bewegte die Hand so, dass die Flamme auf die völlig ausgetrockneten Zweige traf – die zudem nicht mit Flammschutzmittel imprägniert waren.
Sie entzündeten sich augenblicklich und verursachten einen kurzen, aber heftigen Brand, bei dem viel Rauch entstand. Zudem schmolz die Weihnachtsbeleuchtung, was zu einem Kurzschluss führte; das Licht fiel aus. Der Brand erlosch nach drei Minuten aufgrund von Sauerstoffmangel. Die Menschen im Café gerieten in Panik und stolperten bei der Flucht übereinander, viele verloren aufgrund des Sauerstoffmangels das Bewusstsein. Als Fluchtweg gab es nur eine Wendeltreppe; der Notausgang hatte einen falsch montierten Griff. Die Fenster an der Vorderseite waren vergittert. 14 Menschen starben; 241 wurden ins Spital gebracht, 200 von ihnen waren schwer verletzt.
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