Noch nie haben Menschen die Mondrückseite so gesehen wie die «Artemis 2»-Crew
Gut die Hälfte der neuntägigen «Artemis 2»-Mission hat die vierköpfige Crew in der Raumkapsel Orion mittlerweile hinter sich. Kommandant Reid Wiseman, Pilot Victor Glover und die Missionsspezialisten Christina Koch und Jeremy Hansen haben bereits Rekorde gebrochen – nie zuvor waren Menschen weiter von ihrem Heimatplaneten entfernt –, und sie haben den Mond so gesehen wie noch nie jemand vor ihnen. Bei ihrem Flug um die Rückseite unseres Trabanten näherten sie sich ihm auf rund 6545 Kilometer; näher werden sie ihm zu keinem anderen Zeitpunkt ihrer Mission kommen.
Die von der Erde abgewandte Seite des Mondes konnten sie während rund sieben Stunden intensiv beobachten. Die Rückseite des Mondes ist die Hemisphäre, die wir von der Erde aus nicht sehen können, da der Mond unserem Planeten wegen der gebundenen Rotation stets dieselbe Seite zuwendet. Seine Eigendrehung ist gleich seiner Umlaufzeit, das heisst, die beiden Rotationsbewegungen sind aneinander gekoppelt.
Am Montag hat die NASA ein von der Crew aufgenommenes Foto veröffentlicht, das den Mond von der Seite zeigt, wobei rechts ein Teil der uns bekannten Vorderseite und links ein Teil der Rückseite zu sehen ist:
Make new friends, but keep the old.
— NASA (@NASA) April 6, 2026
A new photo captures the Moon's near side on the right (the side we see from Earth, identifiable by its dark splotches) and its far side on the left. The Artemis II crew are the first to see the far side with human eyes. pic.twitter.com/Z8QaZ6J9iA
Die Vorderseite ist an den dunklen Flecken zu erkennen, die ihre Oberfläche dominieren. Diese sogenannten Mare oder Mondmeere sind Becken mit erkalteter Lava, die in der Frühzeit der Mondgeschichte entstanden, als sich unser Trabant nach einer Kollision zwischen der Erde und dem etwa marsgrossen Protoplaneten Theia formte und vulkanisch äusserst aktiv war. Sie bedecken rund 30 Prozent der Mondvorderseite.
Links – also westlich – dieser Lavaströme befindet sich ein beinahe 1000 Kilometer breiter Krater, der sich über die Grenze zwischen Vorder- und Rückseite erstreckt: das Orientale-Becken oder Mare Orientale. Gemäss der NASA sind die Astronauten der «Artemis 2»-Mission die ersten Menschen, die jemals das gesamte Orientale-Becken überblicken konnten. Zwar hatte die sowjetische Raumsonde Luna 3 die Mondrückseite erstmals erkundet, und später hatten mehrere Astronauten der «Apollo»-Missionen die Rückseite mit eigenen Augen gesehen. Doch erst die «Artemis 2»-Crew sah das Orientale-Becken in seiner Gesamtheit. Die Astronautin Koch sagte, sie alle seien begeistert gewesen, dass sie dieses Privileg erleben durften.
Welche Elemente der Mondoberfläche wie gut zu erkennen sind, hängt freilich in hohem Masse vom Sonnenstand ab, denn je nach Lichteinfall sind Krater, Gebirgskämme und auch Helligkeitsunterschiede mehr oder weniger deutlich sichtbar.
Alles links des Orientale-Beckens auf dem Foto ist die Mond-Rückseite. Sie ist rauer und stärker von Kratern übersät als die Vorderseite, während die dunklen Mondmeere hier nahezu vollständig fehlen – es gibt nur vier kleine davon. Die Rückseite, die im Englischen oft als «dark side of the Moon» bezeichnet wird, ist daher in Wahrheit heller als die Vorderseite und weist ein höheres Rückstrahlvermögen (Albedo) auf. (dhr)
- Astronauten benennen Mondkrater nach gestorbener Ehefrau
- «Artemis 2» weiter von Erde entfernt als je Menschen zuvor
- Astronauten der Artemis II suchen zu Ostern Rührei im All
- «Artemis 2»-Crew erreicht Einflusssphäre des Mondes
- «Artemis 2»-Astronauten feiern Ostern auf dem Weg zum Mond
- Mondmission von «Artemis 2»: Nasa-Crew schickt Fotos von Erde
