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So steht das Rennen um einen Covid-19-Impfstoff



Die weltweite Pharmaindustrie forscht fieberhaft an Impfstoffen und Medikamenten gegen das Coronavirus. Laut WHO werden 23 potenzielle Impfstoffe bereits an Menschen getestet, fünf davon inzwischen in gross angelegten Studien mit tausenden Probanden.

Diese sogenannte Phase III ist das letzte Stadium der klinischen Entwicklung eines jeden Medikaments, bevor bei den Behörden ein Antrag auf Zulassung gestellt werden kann. In klinischen Studien der Phase I wird die Sicherheit eines Arzneimittels erstmals an einer kleinen Gruppe gesunder Menschen getestet, die sich freiwillig zur Verfügung stellt. In Phase-II-Studien mit meist 100 bis 300 Teilnehmern wird getestet, wie sicher ein Medikament ist und wie gut es wirkt.

Es folgt eine Auswahl der Impfstoff-Kandidaten in der klinischen Entwicklung und in welchem Stadium sie sich befinden:

ASTRAZENECA

FILE - In this file photo dated Jan. 29, 2009, reflections are seen in the sign at the global headquarters of AstraZeneca in London.  Shares in Anglo-Swedish drugmaker AstraZeneca plunged 16 percent on Thursday July 27, 2017, after a new lung cancer drug trial did not prove as successful as the company had hoped. (AP Photo/Kirsty Wigglesworth/FILE)

Bild: AP/AP

Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet den Impfstoff-Kandidat, der von dem britischen Pharmakonzern zusammen mit der Universität Oxford entwickelt wird, als einen der führenden Kandidaten im globalen Wettlauf gegen die Corona-Pandemie. Er befindet sich in der klinischen Studie der Phase III und wird in Grossbritannien, Brasilien und in Südafrika getestet. Eine weitere Studie soll bald in den USA starten.

Der Wirkstoff mit dem Namen AZD1222 hat in einem Test mit mehr als 1000 Freiwilligen positive Ergebnisse erzielt - die Probanden bildeten Antikörper und sogenannte T-Zellen, die die Immunabwehr unterstützen. Dabei traten keine ernsthaften Nebenwirkungen auf. Der Wirkstoff verwendet ein modifiziertes Erkältungsvirus, um genetisches Material vom neuen Coronavirus in den menschlichen Körper zu transportieren - eine Methode, die auch Wettbewerber anwenden. Der Impfstoff könnte den Forschern zufolge zum Jahresende bereitstehen.

BIONTECH/PFIZER

epa08172742 (FILE) - A file image dated 26 June 2006 showing a woman walking past a sign in front of the world headquarters building of Pfizer Inc. in New York, USA (reissued 28 January 2020). New York-based Pfizer Inc. is to release their 4th quarter 2019 results on 28 January 2020.  EPA/JUSTIN LANE *** Local Caption *** 53222260

Bild: EPA

Die beiden Unternehmen haben den Impfstoff-Kandidaten BNT162b2 entwickelt, der bei einer insgesamt 60 Personen umfassenden Studie der Phase I/II zur Bildung von Antikörpern und T-Zellen bei den Probanden führte. Die Mainzer BioNTech und der US-Phamakonzern starteten inzwischen eine breitangelegte, globale Studie zur Untersuchung der Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffes mit mehr als 30'000 gesunden Menschen im Alter von 18 bis 85 Jahren.

Bei einem Erfolg soll im Oktober ein Zulassungsverfahren beantragt werden. Die Partner setzten dabei auf einen Impfstofftyp, der Ribonukleinsäure (RNA) verwendet. Dieser chemische Botenstoff weist Körperzellen an, Proteine zu produzieren, die die äussere Oberfläche des Coronavirus nachahmen. Der Körper erkennt diese virusähnlichen Proteine als Eindringlinge und kann dann eine Immunantwort gegen das eigentliche Virus auslösen.

MODERNA

This July 13, 2019 photo provided by Guangzhou Wolbaki Biotech shows containers where Aedes albopictus mosquito larvae are being raised at the company's lab in Guangzhou, China. Researchers zapped the insects with a small dose of radiation and infected them with a virus-fighting bacterium called Wolbachia. Males and female mosquitoes with different types of Wolbachia won’t have young that survive. So researchers intentionally infect males with a strain not found in the area and then release the insects. (Guangzhou Wolbaki Biotech via AP)

Bild: AP

Der US-Biotechkonzern hatte als erstes Unternehmen Mitte März eine klinische Studie der Phase I mit einem potenziellen Impfstoff auf mRNA-Basis gestartet.

Bei allen 45 Freiwilligen, die an der Untersuchung teilnahmen, habe der Impfstoff eine Immunantwort hervorgerufen, teilte Moderna Mitte Juli mit. Nun begann eine entscheidende Wirksamkeitsstudie der Phase III mit 30'000 Teilnehmern. Getestet wird in 30 US-Bundesstaaten, darunter die vom Virus stark betroffen Staaten Texas, Kalifornien und Florida. Die US-Regierung unterstützt das Projekt mit nahezu einer Milliarde Dollar.

SINOVAC

Der chinesische Impfstoffentwickler befindet sich mit seinem potenziellen Wirkstoff gegen das Coronavirus ebenfalls in der klinischen Phase III. Tests mit tausenden Freiwilligen laufen in Brasilien, einem der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder. Der Gouverneur von Sao Paulo, Joao Doria, erklärte, die Produktion des Impfstoffes könne Anfang nächsten Jahres beginnen, falls die Tests erfolgreich verliefen.

SINOPHARM

A medical staffer works with test systems for the diagnosis of coronavirus at the Krasnodar Center for Hygiene and Epidemiology microbiology lab in Krasnodar, Russia, Tuesday, Feb. 4, 2020. Russia has closed its land border with China and suspended most train traffic between the countries. (AP Photo)

Bild: AP

Der staatliche chinesische Biotechkonzern hat Mitte Juli in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 15'000 Freiwilligen mit der Phase-III-Studie begonnen. Dabei setzt die Firma auf einen inaktivierten Impfstoff, also auf abgetötete Krankheitserreger. Diese werden vom Körper als fremd erkannt und regen das körpereigene Abwehrsystem an, damit Antikörper und T-Zellen gebildet werden. Solche Impfstoffe kommen unter anderem gegen Influenza und Masern zum Einsatz.

JOHNSON & JOHNSON

epa07796035 (FILE) - A screen shows the logo for the pharmaceutical company Johnson and Johnson on the floor of the New York Stock Exchange in New York, New York, USA, 29 May 2019 (reissued 26 August 2019)  A judge in the US state of Oklahoma on 26 August 2019 found US pharmaceutical company Johnson & Johnson (J&J, JNJ) liable related to an opioid epidemic and ordered the company to pay 572 million US dollars in damages. Johnson & Johnson said they will appeal the ruling.  EPA/JUSTIN LANE *** Local Caption *** 55233445

Bild: EPA

Der Pharma- und Konsumgüterkonzern will Tests mit seinem potenziellen Corona-Impfstoff am Menschen in dieser Woche starten, im September dann eine Phase-III-Studie. Die US-Regierung fördert die Entwicklung und Produktion des Mittels, das ebenfalls abgeschwächte Viren als Anreger für die Bildung von Antikörpern benutzt, mit einer Milliarde Dollar. Das Unternehmen ist auch mit Japan, der Europäischen Union und der Bill and Melinda Gates Stiftung in Gesprächen über eine Liefervereinbarung.

CUREVAC

Der Tübinger Impfstoffentwickler hat im Juni mit der klinischen Erprobung seines Covid-19-Impfstoffkandidaten begonnen. Ergebnisse daraus erwartet das Unternehmen im vierten Quartal 2020. Bis Mitte nächsten Jahres soll der Impfstoff marktreif sein, wenn alle Studien erfolgreich sind. Die Tübinger setzen bei ihren Forschungsarbeiten ebenfalls auf Impfstoffe auf Basis der sogenannten Boten-RNA(mRNA).

CANSINO BIOLOGICS

Je besser eine Person informiert ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie sich impfen lässt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie. (Symbolbild)

Bild: KEYSTONE

Der chinesische Entwickler will seinen Impfstoff-Kandidaten nach vielversprechenden Testdaten in einer frühen Studie weiter entwickeln. Kandidat Ad5-nCOV wurde an 508 Probanden getestet und zeigte eine Wirkung bei den meisten der Freiwilligen. Rund 77 Prozent hatten leichte Nebenwirkungen wie Fieber oder eine Reizung der Einstichstelle. Der Impfstoff verwendet ein modifiziertes Erkältungsvirus, um genetisches Material vom neuen Coronavirus in den menschlichen Körper zu transportieren, eine Methode, die auch im AstraZeneca-Impfstoff verwendet wird. Allerdings zeigte die Studie auch, dass Personen, die zuvor schon einmal mit diesem spezifischen Virus infiziert worden waren, eine gedämpfte Reaktion aufwiesen.

NOVAVAX

Das amerikanische Biotechunternehmen will seinen Impfstoff-Kandidaten ab Oktober in einer grossen klinischen Studie der entscheidenden Phase III testen.

INOVIO

Der US-Pharmakonzern hat in einer frühen Studie vielversprechende Ergebnisse erzielt. Der Impfstoff rief bei 34 der 36 gesunden Freiwilligen im Alter von 18 bis 50 Jahren Immunantworten hervor. (aeg/sda/awp/reu)

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Vinu 29.07.2020 07:46
    Highlight Highlight Ich bin keinesfalls ein Impfgegner oder ähnliches, aber krass, dass man so schnell einen Impfstoff auf den Markt bringen könnte - ohne Langzeitstudien...
  • Kenshiro 28.07.2020 23:54
    Highlight Highlight Der schnellere und effektivere ohne grossen Verluste, wird die Welt retten. Auf die Sino Lösungen verzichte ich aber dankend, und warte lieber auf einheimische oder westliche Lösungen.
  • Joe Smith 28.07.2020 23:42
    Highlight Highlight Mir geht diese tägliche aufgeregte Wasserstandsmeldung um einen möglichen Covid-19-Impfstoff, entschuldigung, langsam auf den Senkel. Zumal man ja noch gar nicht weiss, ob und wie zuverlässig dieser Virus überhaupt einer Impfung zugänglich ist. Kann man sich nicht einfach mir dem Wissen begnügen, dass in diversen Labors rund um die Welt intensiv daran geforscht wird, und dass wir dann schon informiert werden, sobald tatsächlich ein Impfstoff vorliegt?
  • Kubod 28.07.2020 22:59
    Highlight Highlight Das sind noch fünf Monate.
    Ich hab beschlossen, ich vögel nur noch mit den Leuten, die ich schon kenne und von denen ich weiss, sie können sauber bleiben.
    Bars und Clubs etc. seh ich nächstes Jahr wieder.
    • swisskiss 29.07.2020 12:13
      Highlight Highlight Kubod: Da möchte man lieber nicht wissen, wo Du vor Corona überall drübergerutscht bist. AIDS schon mal gehört?
    • Kubod 29.07.2020 17:36
      Highlight Highlight @swisskiss
      Alles in Deiner Vorstellung.
      So denkst Du also. Tja. Dein Problem.
  • take5 28.07.2020 21:03
    Highlight Highlight Hmmmm...
    ...und was ist aus den drei Schweizer Projekten geworden?

    In den Verhandlungen mit dem Bund vom Beamtenvirus lahmgelegt worden?
  • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 28.07.2020 20:58
    Highlight Highlight Naja, es beschleunigt rein gar nichts, wenn man jetzt jede Woche einen weiteren nichtsaussagenden Artikel bringt, in dem ein weiteres Mal die aktuelle Lage der Impfstoffforschung aufgekocht wird. Denn im Endeffekt wird er sowieso zu spät kommen und für die mutierten Varianten wirkungslos sein. So ist das Leben.

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