Wirklich genau sind Wetterprognosen selbstredend nur für die unmittelbare Zukunft – und sogar diese sind nicht immer zu 100 Prozent verlässlich. Dennoch erstellen und benutzen die grossen Wetterinstitute jeweils Modelle, die versuchen, Prognosen auch über die fernere Zukunft hinweg zu generieren. Ihre Basis sind dabei weniger aktuelle Wetterereignisse als vielmehr grössere klimatische Veränderungen.
Natürlich sei an dieser Stelle gewarnt: Die Ungenauigkeit und die vielen Unsicherheiten bei solch langen Zeitabständen dürfen nicht unterschätzt werden. Das Wetterinstitut MeteoNews hat sich in seinem MeteoBlog trotzdem ans «Sommerorakel» getraut und sich die Prognosen für die Monate Juni, Juli und August näher angeschaut. (Auch watson hat sich bereits einige Male auf die Äste rausgelassen.) MeteoNews unterstreicht dabei:
Immerhin: Der trockene Hitzesommer 2022 wurde auf diese Weise relativ korrekt vorausgesagt. (Dasselbe gilt wiederum nicht für den nassen und kühlen Sommer im Jahr zuvor ...)
Betrachtet werden die neuesten Daten der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) und des European Centre for Medium-Range Weather Forecasts (ECMWF) für die Anomalien – also die Abweichungen vom Durchschnitt – von Luftdruck, Niederschlägen und Temperatur für die Monate Juni, Juli und August.
Beide Modelle zeigen in puncto Luftdruck für die Schweiz (und allgemein für Europa) keine wirklich merklichen Abweichungen vom langjährigen Trend:
In beiden Modellen liegt der Luftdruck ungefähr in der Norm. MeteoNews interpretiert das so: «Es gibt somit keinen Hinweis für extrem langanhaltende Hochs.»
Die langfristigen Temperaturprognosen werden mittlerweile beträchtlich durch den Anstieg der Temperaturen aufgrund des Klimawandels beeinflusst. Das wird auch in den Langfristmodellen für die Monate Juni, Juli und August in Europa sichtbar. Sie modellieren daher nicht überraschend gegenüber dem langfristigen Mittel deutlich überdurchschnittliche Temperaturen:
Die amerikanische NOAA rechnet mit plus 0,75 bis 1 Grad in der Schweiz, und beim ECMWF sind es zwischen 1 und 2 Grad Celsius. Hier ist zu erwähnen, dass die beiden Modelle eine unterschiedliche Basis für ihr langjähriges Mittel verwenden: Bei den NOAA-Daten sind es die Jahre 1984–2009 und bei den ECMWF-Daten 1993–2016.
MeteoNews interpretiert die Temperaturprognosen insgesamt so:
Auch beim Niederschlag scheint sich kein deutlicher oder einheitlicher Trend abzuzeichnen. MeteoNews schreibt dazu: «Im Westen und Süden wird der Sommer tendenziell leicht zu trocken und im Osten normal nass bis leicht zu nass modelliert, die Abweichungen zur Norm sind aber nur klein.»
Allerdings: Vergleicht man im NOAA-Modell die Periode mit den Monaten Juni, Juli und August mit der nächsten ausgewiesenen Periode (Juli, August und September), zeichnet sich eine etwas trockenere Phase über der Schweiz ab. Das heisst: Ist der Juni mit einberechnet, sind die Sommermonate im Osten der Schweiz (und im Süden Deutschlands) überdurchschnittlich nass. Das ändert sich leicht, besonders aber in der Westschweiz – wo sich eher unterdurchschnittliche Niederschläge abzeichnen –, wenn man die Prognose um einen Monat nach hinten verschiebt:
Weil die Prognosen über drei Monate hinweg berechnet sind, gilt auch hier: Ob die eher normalen Niederschlagsmengen durch sich abwechselnde Dürre- und Starkniederschlagsphasen oder durch immer wieder auftretende Regenfälle ohne grössere Trockenphasen zustande kommen, wissen wir noch nicht.
Abschliessend stellt MeteoNews in seinem Blog die von Meteorologe Fred Decker eigens erstelle Prognose für die Sommermonate vor. Dieser erklärt: Im Juni dürften sich zwischen den Britischen Inseln und Nordwestrussland eher Hochdruckgebiete ausbreiten, gleichzeitig herrsche tendenziell Tiefdruckwetter im Golf von Genua. Für die Schweiz könnte das bedeuten: «recht gewittriges und vor allem im Süden deutlich zu nasses Wetter, bei aber gleichzeitig eher zu hohen Temperaturen.»
Die gute Nachricht für alle, die den Sommer herbeisehnen: Auch MeteoNews prognostiziert für danach trockenere Wochen. Das Wetter hierzulande bestimmt demnach das sogenannte Azorenhoch, ein Hochdruckgebiet, das sich im Bereich der Azoren im Nordatlantik ausbildet. Das bedeute für die Schweiz: «oft trockenes und sonniges sowie überdurchschnittlich warmes Wetter». Und: Längere Hitzephasen seien durchaus auch möglich.
der Sommer kommt im Herbst