DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ausschnitt aus dem Trailer zum Film «Hurricane», inspiriert von der legendären 303. Fliegerstaffel.

Jan Zumbach aka «Mister Brown»: Das grösste aller Flieger-Asse

Wie Jan Zumbach (1915–1986) als Kampfpilot in der legendären 303. Fliegerstaffel der Royal Air Force gegen die Nazis kämpft und nach dem Weltkrieg seine Abenteuerlust als Söldner auslebt.
10.07.2021, 17:45
Claude Bonard / Schweizerisches Nationalmuseum

Seit dem 18. Jahrhundert liessen sich zahlreiche Polinnen und Polen in der Schweiz nieder. Umgekehrt gab es auch Schweizerinnen und Schweizer, die – oft aus wirtschaftlichen Gründen – nach Polen auswanderten. So hatten sich auch Jean Zumbachs Grosseltern entschlossen, die Schweiz zu verlassen, und Jean wird am 14. April 1915 in Ursynow, heute ein Aussenbezirk von Warschau, geboren. Der Junge trägt die polnischen Vornamen Jan Eugeniusz Ludwig, besitzt jedoch einen Schweizer Pass.

Nach einer wenig ereignisreichen Studienzeit beschliesst Jan 1936, Pilot zu werden. Er verheimlicht seine Schweizer Staatsbürgerschaft und schafft es, in die polnische Armee aufgenommen zu werden. Zuerst wird er der Infanterie zugeteilt, wechselt aber bald darauf zu den Luftstreitkräften. Er macht seinen Pilotenschein und absolviert die Fliegeroffiziersschule, bevor er 1938 zum Offizier befördert wird.

Hier bloggt das Schweizerische Nationalmuseum
Mehrmals wöchentlich spannende Storys zur Geschichte der Schweiz: Die Themenpalette reicht von den alten Römern über Auswandererfamilien bis hin zu den Anfängen des Frauenfussballs.
blog.nationalmuseum.ch
Jan Zumbach (dritter von links) mit weiteren Piloten der 303. Flugstaffel.
Jan Zumbach (dritter von links) mit weiteren Piloten der 303. Flugstaffel.

An den Luftkämpfen im Jahr 1939 ist er aufgrund einer Verletzung, die er sich beim Fliegen zugezogen hat, nicht beteiligt. Er will unbedingt beim Kampfgeschehen dabei sein und schafft es schliesslich nach einer abenteuerlichen Reise über Rumänien und Beirut nach Frankreich, wo er seine polnischen Kameraden wiedertrifft, die sich ebenfalls bis hierher durchgeschlagen haben. Nach der Niederlage Polens gegen die gemeinsamen Angriffe der Armeen von Hitler und Stalin gelingt es nämlich mehreren Einheiten der polnischen Streitkräfte, Rumänien zu erreichen, bevor sie nach Frankreich gebracht werden.

Jan Zumbach kämpft bis im Juni 1940. Nach der Niederlage Frankreichs gelingt rund 30'000 polnischen Soldaten die Flucht nach England. Dort stehen sie unter dem Befehl von General Sikorski, dem Oberhaupt der polnischen Exilregierung. Die polnischen Flieger werden in mehrere Staffeln (squadrons) aufgeteilt. Zumbach zeichnet sich in der 303. Staffel immer wieder durch hervorragende Leistungen aus. Seine Tapferkeit wird schnell legendär und am 17. Mai 1942 macht man ihn zum Major in dieser legendenumwobenen Jagdstaffel der Royal Air Force (RAF).

Eine restaurierte Spitfire bei einem Gedenkflug. Das Flugzeug trägt Jan Zumbach’s Insignien.
Eine restaurierte Spitfire bei einem Gedenkflug. Das Flugzeug trägt Jan Zumbach’s Insignien.
Bild: Wikimedia
Piloten der 303. Staffel der Royal Air Force. Jan Zumbach steht im Hintergrund und trägt eine Fliegerbrille auf dem Kopf. Koloriertes Foto, um 1940.
Piloten der 303. Staffel der Royal Air Force. Jan Zumbach steht im Hintergrund und trägt eine Fliegerbrille auf dem Kopf. Koloriertes Foto, um 1940.
Bild: Wikimedia
Jan «Donald Duck» Zumbach in seiner Supermarine Spitfire, auf der die Zahl der Abschüsse der feindlichen Flugzeuge markiert sind.
Jan «Donald Duck» Zumbach in seiner Supermarine Spitfire, auf der die Zahl der Abschüsse der feindlichen Flugzeuge markiert sind.
Bild: Wikimedia

Mit der 303. gelingen ihm insgesamt zwölf bestätigte Abschüsse, zwei Abschüsse gemeinsam mit anderen und fünf wahrscheinliche Abschüsse sowie Beschädigung einer feindlichen Maschine. Andere Quellen berichten sogar von 17 Luftsiegen. Nach seiner Zeit als Staffelführer bekleidet Zumbach mehrere leitende Positionen in der RAF, wo er inzwischen Heldenstatus erlangt hat und von Polen und Engländern gleichermassen bewundert wird.

Jan Zumbach wird für den Abschuss seines elften feindlichen Flugzeugs ausgezeichnet.
Jan Zumbach wird für den Abschuss seines elften feindlichen Flugzeugs ausgezeichnet.
Bild: Imperial War Museum

Nach Kriegsende verlässt er 1946 die Armee und lässt sich vorübergehend in der Schweiz nieder. Dann kehrt er nach Frankreich zurück, wo er eine Familie gründet und in Paris einen Nachtclub eröffnet. Wie vielen früheren «Flieger-Assen» fällt es auch ihm schwer, sich nach so vielen Kriegsjahren wieder an das zivile Leben zu gewöhnen. Zusammen mit einigen ehemaligen Pilotenkameraden gründet er das Lufttaxiunternehmen «Flyaway Ltd.» und betreibt Schmuggel verschiedenster Art, bevor er wie viele andere in dieser Zeit zum «Söldner» wird.

Dieses Abenteurerdasein passt zu ihm. Die Unruhen, die durch die Entkolonialisierung in Afrika entstehen, bedeuten ein «goldenes Zeitalter» für Söldner. Im Kongo erklärt Provinzpräsident Moïse Tschombé am 11. Juli 1960 die Sezession – und damit die Unabhängigkeit der Provinz Katanga – und stellt eine Armee auf. Seine Kaderleute rekrutiert er zum Teil aus Söldnernetzwerken. Unter dem Pseudonym «Mister Brown» ist Jan Zumbach unter ihnen und übernimmt den Aufbau der Luftstreitkräfte Katangas.

Einige Jahre später findet man «Mister Brown» in Nigeria wieder, wo er in den durch die Abspaltung und Unabhängigkeitserklärung der reichen Provinz Biafra verursachten Krieg involviert ist. Man bietet ihm an, Kommandant der Luftstreitkräfte Biafras zu werden. Als «Kamikaze Brown» fliegt Zumbach mehrere Kampfangriffe als Pilot einer B-26. Nach Ende des Biafrakriegs kehrt er nach Frankreich zurück, ohne jedoch sein Abenteurerleben ganz aufzugeben. Zudem verfasst er eine Autobiografie unter dem Titel «Mister Brown. Mein Leben als Flieger, Schmuggler und Abenteurer».

Buchcover von Jan Zumbachs Memoiren, 1973. Das Titelbild zeigt Zumbach mit dem «Befehlshaber der Biafranischen Luftwaffe».
Buchcover von Jan Zumbachs Memoiren, 1973. Das Titelbild zeigt Zumbach mit dem «Befehlshaber der Biafranischen Luftwaffe».

Er stirbt am 3. Januar 1986 in Paris unter ungeklärten Umständen. In Polen und Grossbritannien gilt Zumbach heute noch als Nationalheld, als «grösstes aller Flieger-Asse» aus der glorreichen Vergangenheit, als der Ritter der Lüfte, während er in der Schweiz fast vollständig in Vergessenheit geraten ist.

Serie: 50 Schweizer Persönlichkeiten
Die Geschich­te einer Region oder eines Landes ist die Geschich­te der Menschen, die dort leben oder lebten. Diese Serie stellt 50 Persön­lich­kei­ten vor, die den Lauf der Schweizer Geschich­te geprägt haben. Einige sind besser bekannt, einige beinahe vergessen. Die Erzählun­gen stammen aus dem Buch «Quel est le salaud qui m’a poussé? Cent figures de l’histoire Suisse», heraus­ge­ge­ben 2016 von Frédéric Rossi und Christo­phe Vuilleu­mier im Verlag inFolio.
>>> Weitere historische Artikel auf: blog.nationalmuseum.ch
watson übernimmt in loser Folge ausgesuchte Perlen aus dem Blog des Nationalmuseums. Der Beitrag «Das grösste aller Flieger-Asse» erschien am 5. Juli.
blog.nationalmuseum.ch/2021/07/jan-zumbach-das-groesste-aller-flieger-asse

Riesige Detonation – Briten sprengen alte Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg

Video: watson
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

73 endgeile Bilder der Jubiläums-Air-Force, die du gesehen haben MUSST

1 / 75
73 endgeile Bilder der Jubiläums-Air-Force, die du gesehen haben MUSST
quelle: epa/ana-mpa / yannis kolesidis
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Dieser Tiefflug haut dich weg

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Vom Minirock zur Burka – Frauen in Afghanistan

Nachdem der Steinzeit-Islam in Form der Taliban erneut die Macht in Afghanistan übernommen hat, tauchen in den Medien wieder vermehrt Bilder aus vermeintlich glücklicheren Tagen auf: Frauen, die in den Sechziger- und Siebzigerjahren unverschleiert und in Miniröcken über die Strassen Kabuls flanieren. Frauen, die in den Achtzigerjahren an der Universität studieren und mit offenen Haaren durch Parks schlendern.

Diese vergleichsweise liberale Phase endete mit dem Abzug der Roten Armee Anfang 1989. …

Artikel lesen
Link zum Artikel