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epa06234166 A Tesla car is seen charging at a Tesla charging station at the wind and solar battery plant outside of Jamestown, South Australia, 29 September 2017.  EPA/MORGAN SETTE  AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

So sieht die Zukunft aus: eine Tesla-Aufladestation im Abendlicht. Bild: EPA/AAP

Interview

«Auch Trump wird mit Elektroautos leben können»

Die Tesla-Revolution wird kommen. Sie wird zu einer ernsten Bedrohung für die europäische Autoindustrie und zu einem Problem für moderne Staaten werden. Wie man als Investor davon profitieren kann, erklärt Stephen Jones, Chief Investment Officer von Kames Capital.



Der neue Tesla begeistert die Kritiker und hatte mehr als 400'000 Kunden, bevor er überhaupt auf dem Markt war. Ist das der Anfang einer Revolution in der Autoindustrie?
Stephen Jones: Es ist nicht mehr zu leugnen, dass wir eine massive strukturelle Veränderung dieser Industrie erleben, einer Industrie, die sich während rund 100 Jahren kaum verändert hat. Ja, Tesla ist, was man heute einen Disrupter nennt, und hat die gleiche Wirkung wie etwa Amazon im Detailhandel.  

Kritiker von Tesla wenden ein: Es ist etwas ganz anderes, ein paar Luxusmodelle herzustellen, als in der Massenproduktion zu bestehen. Tatsächlich verspricht Elon Musk gelegentlich ein bisschen mehr, als er einhalten kann. Wird er die Herausforderung der Produktion meistern?
Er geht sicher an die Grenzen, und die Kritiker wünschen sich sehnlich, dass er dabei scheitert. Aber wenn man bedenkt, was Musk bisher erreicht hat, dann ist es wahrscheinlich keine gute Idee, gegen ihn zu wetten. Er ist nicht nur ein genialer Ingenieur, es gelingt ihm auch immer wieder, genügend Geld für seine Projekte aufzutreiben.  

Bild

Stephen Jones ist Chief Investment Officer bei Kames Capital, einer renommierten schottischen Investmentgesellschaft. Er hat Jus studiert und ist seit 25 Jahren in der Finanzbranche tätig.

Wo liegt die grösste Herausforderung für Tesla?
Bei den Batterien und der Massenproduktion. Wenn es gelingt, genügend zuverlässige Batterien zu produzieren, dann ist das die halbe Miete.  

«Benzin- und Dieselautos werden nicht vollständig verschwinden, aber sie werden irgendwie altmodisch wirken.»

Was ist mit politischen Widerständen? Präsident Trump ist nicht wirklich ein Freund von nachhaltigen Energien und Musk hat seine Beraterfunktion für ihn niedergelegt, weil Trump aus dem Pariser Klimaabkommen austreten will.
Solange der Tesla in den USA hergestellt wird, sehe ich keine grossen Probleme. Auch Trump wird mit Elektroautos leben können. Er interessiert sich ja mehr dafür, wie elektrischer Strom produziert wird – deshalb seine Begeisterung für Kohle –, als dafür, wie er verwendet wird. Zudem ist Tesla ein machtvolles Symbol für die Überlegenheit von amerikanischer Technologie.  

Neue Transportvision von Tesla-Gründer Elon Musk

Video: watson/Nico Franzoni

Warum sind gerade die konservativen Amerikaner gegenüber Musk skeptisch und nicht stolz?
Wahrscheinlich ist es Nostalgie. Die traditionelle Autoindustrie ist nach wie vor ein Symbol von Grösse, von gut bezahlten Jobs auch für einfache Arbeiter. Tesla wird daher als Bedrohung wahrgenommen und als Symbol einer neuen digitalen Wirtschaftsordnung, die alles auf den Kopf stellen wird.  

China macht Ernst und will Elektroautos massiv fördern, schon ab 2019. In Indien dürfen spätestens ab 2030 keine Autos mehr mit Verbrennungsmotoren hergestellt werden, Grossbritannien und Frankreich haben dieses Ziel für 2040 in Aussicht gestellt. Was bedeutet das für die traditionelle Autoindustrie?
Es ist äusserst gefährlich für sie, vor allem für die Europäer. Sie haben zu lange auf Diesel gesetzt und einige können auch heute noch keine wettbewerbsfähigen Hybridmodelle anbieten. Die Japaner sind diesbezüglich weit voraus. Nun macht Tesla den Europäern auch im Premiumbereich das Leben schwer.  

epa06064158 A handout photo made available by Tesla Motors on 03 July 2017 shows an exterior view of Tesla Gigafactory in Sparks, Nevada, USA, 03 January 2017.  EPA/HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Teslas Gigafactory in der Wüste von Nevada. Bild: EPA/TESLA MOTORS

VW, BMW, Mercedes & Co. überschlagen sich doch förmlich mit neuen Modellen von Elektroautos?
Sie beherrschen jedoch die neuen Herstellungsmethoden dieser Autos noch nicht. Und das neu entstehende Transportsystem der digitalen Welt kommt ihnen nicht entgegen.  

«Der sich abzeichnende Strukturwandel in der Autoindustrie wird sehr viele Chancen schaffen, die erst auf den zweiten Blick sichtbar werden.»

Was meinen Sie konkret?
Die Menschen passen sich sehr schnell den neuen Umständen an. Vergessen wir nicht: Das iPhone ist erst zehn Jahre alt – und hat alles verändert. Auch das Elektroauto wird die Industrie verändern. Dazu kommt, dass stets neue Player in diesem Markt auftauchen. Soeben hat der englische Staubsaugererfinder Dyson bekannt gegeben, dass er künftig ebenfalls Elektroautos herstellen will.  

Wird auch die Entwicklung der Infrastruktur mithalten können?
Diese Frage beschäftigt mich als Investor ganz speziell. Was wird beispielsweise mit den Tankstellen passieren? Werden sie wertvoller oder überflüssig werden? Der sich abzeichnende Strukturwandel in der Autoindustrie wird sehr viele Chancen schaffen, die erst auf den zweiten Blick sichtbar werden. Es ist wie seinerzeit beim Goldschürfen. Die Verkäufer von Schaufeln und Bluejeans wurden reicher als die Goldgräber.  

Als Investor kaufen Sie daher nicht mehr Tesla-Papiere, weil die ohnehin überbewertet sind, sondern halten Ausschau nach Aktien, die von der Tesla-Revolution profitieren werden?
Ja, ich gebe Ihnen ein Beispiel: In Elektroautos wird die Beleuchtung sehr wichtig sein. Daher interessiere ich mich für Hersteller von sehr effizienten Glühbirnen. Oder es wird eine Explosion von Kameras in diesen Autos geben, vor allem, wenn sie auch noch selbstgelenkt sind. Wer wird diesen Markt beherrschen?  

Wird die Tesla-Revolution auch die Politik beeinflussen?
Aber sicher. Treibstoff-Steuern sind eine wichtige Einnahmequelle für alle Staaten geworden. Was wird geschehen, wenn sie nur noch spärlich oder gar nicht mehr fliessen? Und wenn die Autos dereinst von Robotern produziert werden. Erheben wir dann Steuern auf Roboter?  

Werden wir überhaupt genügend Strom haben, um diese Autos zu betreiben?
Wir Europäer bilden uns ein, wir seien sehr umweltbewusst, wenn wir auf Elektroautos setzen. Doch seien wir ehrlich: Ohne Atomstrom wird es nicht gehen. Die erneuerbaren Energien allein werden es nicht richten.  

A SpaceX Falcon 9 rocket carrying the Formosat-5 satellite lifts off from Vandenberg Air Force Base, Calif. on Thursday, Aug. 24, 2017. This is the 15th successful landing of a Falcon 9, which successfully landed its first stage on a drone ship in the Pacific Ocean as the second stage continued on and deployed the satellite. (Matt Hartman via AP)

Eine Falcon-Rakete von SpaceX. Weil sie auf einer Plattform im Meer landet, kann sie mehrfach verwertet werden. Bild: AP/FR171313 AP

Wie wird die Welt aussehen, wenn die Tesla-Revolution dereinst vollendet ist?
Es wird weniger Autos geben, und sie werden geteilt werden. Benzin- und Dieselautos werden nicht vollständig verschwinden, aber sie werden irgendwie altmodisch wirken. Unser gesamtes Transportsystem wird umgekrempelt werden, denken Sie an ultraschnelle Transportmittel oder Drohnen.  

Wer wird der Motor dieser Revolution sein?
China möchte es gerne sein, doch ich glaube nicht, dass es den unternehmerischen Geist dazu aufbringen wird. Europa müsste es sein, weil es am stärksten auf Ökologie setzt. Doch letztlich werden es die Vereinigten Staaten richten. Die Amerikaner haben das Kapital und die notwendige unternehmerische Risikokultur.

Neue Transportvision von Tesla-Gründer Elon Musk

Video: watson/Nico Franzoni

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