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Diese Frau ist eine lausige Gotte, aber Gotte ist sie trotzdem gern. kafi freitag

Kafi, braucht ein Kind Gotti und Götti?

Ich finde es natürlich richtig, dass ein Kind eine Beziehung aufbauen kann ausserhalb der Familie. Ich finde aber, dass es in die unreflektierte «weil es sich gehört»-Schublade gehört und Zwangsersatz dafür ist, dass solche Beziehungen hierzulande oft nicht natürlich entstehen. Von mir wird erwartet, dem Neffen (dem Gottekind) Geschenke zu machen und mich ihm zuzuwenden, nicht aber seinem Bruder. Das Gotti quasi als exklusive Berechtigung zum Beziehung-Aufbauen. Regula, 37

20.06.17, 06:32

Liebe Regula

Spannende Frage. Früher hatte das Götti-Gotte-Konzept ja den tieferen Sinn, dass man das Kind zu sich nehmen würde, sollte den Eltern etwas geschehen. Heute hat es diesen Sinn vollkommen verloren, obwohl ich mir diese Frage bei beiden meinen Gottekindern gestellt habe. Würde ich in so einem Fall das Kind bei mir aufnehmen? Ich konnte es bei beiden mit vollem Herzen bejahen. Ob es mich als Gotte braucht, kann ich nicht beurteilen, ob ich eine brauchbare bin, schon eher; nein (dem einen Mädchen habe ich zum ersten Geburtstag am falschen Tag gratuliert und dem andern ein Namensgravur-Goldarmband geschenkt, allerdings ohne Gravur).

Mir persönlich gefällt der Gedanke, dass man einem Kind eine oder zwei weitere Bezugspersonen zur Seite stellt. Allerdings hinterfrage ich auch, ob es die wären, die das Kind sich aussuchen würde, wenn es denn dürfte. Vermutlich werde ich für meine Gottemeitli eine gute Bezugsperson sein, sobald sie in die Pubertät kommen, aber davor würden Sie von einer anderen vielleicht mehr profitieren. Und dann gibt es neben der Beziehung zum Gottekind ja auch noch die zu den Eltern und die kann sich im Laufe der Zeit verändern. Und was passiert dann?

Bleibt der Götti oder die Gotte noch in Charge, wenn die Eltern die Wahl nicht mehr nachvollziehen können oder sogar bereuen? Oder kann sich eine Beziehung unabhängig davon entwickeln? Das sind alles Fragen, die man sich im Angesicht der Aussage: «Wir würden uns freuen, wenn du Gotte bist!» vermutlich nicht überlegt, mit denen man aber später konfrontiert werden kann.

Ob die Beziehung zwischen Gottekind und Gotte/Götti eine wertvolle wird, hängt an vielen Dingen, die man nicht im Voraus abschätzen kann. Meine Freundin hat trotz erschwerter Umstände ein sehr enges und wunderbar vertrautes Verhältnis zu ihrer Gotte, ich habe meine seit ungefähr 20 Jahren nicht mehr gesehen. Die Chancen sind vermutlich gleich hoch wie die, dass eine Ehe Bestand hat; den einen gelingt es, den anderen nicht. Trotzdem wird weiter geheiratet, der Wunsch nach Zusammengehörigkeit ist stärker als jede Statistik.

Und das ist es wohl auch, was sich Eltern für ihr Kind wünschen: Menschen, die sich ihrem Kind nah fühlen und die da sind, wenn man sie braucht. Mag sein, dass dieser Brauch eine veraltete Tradition und der Wunsch nach Verbindlichkeit ist. Aber deswegen muss es kein schlechter sein. Und wie man die Funktion der Gotte erfüllt, ist nicht in Stein gemeisselt.

Ich weiss, dass da zwar klare Vorstellungen bestehen und erwartet wird, dass man wenigstens zu Geburtstag und Weihnachten ein Geschenk überreicht. Aber wenn man erst einmal den 1. Geburtstag verschlafen hat (weil falsch eingetragen), dann flachen die Erwartungen an einen schnell ab und man kann fast nur noch positiv performen. Geben Sie dem Amt den Inhalt, der für Sie stimmt. Denn die Beziehung wird schlussendlich nicht von der Geschenkefrequenz beeinflusst, sondern lediglich davon, ob Sie sich für das Kind interessieren und dieses Sie sympathisch findet, oder nicht. Man kann sein Gottekind lieben, ohne den Firlefanzideen der Eltern gerecht zu werden. Das mag die Beziehung der ersten Jahre vielleicht trüben, aber sobald das Kind eigene Entscheidungen treffen kann, wird es selber entscheiden, ob die Beziehung wichtig ist, oder nicht.

Und die Aussage, dass Sie sich nur dem Gottebueb zuwenden dürfen, nicht aber seinem Bruder, finde ich höchst verstörend. Sie dürfen beschenken, wen Sie sollen und mit was Sie wollen. Lassen Sie sich da keinen Millimeter von Ihrem Weg abbringen, sonst wird das Ganze wirklich nur furchtbar anstrengend und anstrengend ist nie eine gute Basis für ein entspanntes Zusammensein.

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi

PS: Mein eigenes Kind muss mit einem einzigen Götti aufwachsen und gedeiht trotzdem prächtig, ich wollte ihm im Laufe des Jahres immer mal wieder eine Gotte unterjubeln, aber es zeigt keinerlei Interesse.

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Kafi Freitag (41!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 12-jährigen Sohn in Zürich.

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  • Benot 24.06.2017 19:48
    Highlight "Früher hatte das Götti-Gotte-Konzept ja den tieferen Sinn, dass man das Kind zu sich nehmen würde, sollte den Eltern etwas geschehen. Heute hat es diesen Sinn vollkommen verloren,"

    Kann mir das jemand erklären? Kommt es heute nicht mehr vor, dass beide Elternteile bei der Heimfahrt von einem Theaterbesuch bei einer Frontalkollision mit einem besoffenen Lenker umkommen?

    Frage nur. Was ist heute anders als früher? Die KESB vielleicht?
    0 0 Melden
    • virus.exe 26.06.2017 20:13
      Highlight Die Familie kommt vor den Göttis und Gotten dran.
      4 0 Melden
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  • Kiakira 22.06.2017 06:15
    Highlight Und was ist, wenn man als Gotti nach ein paar Jahren feststellt, dass man sein Gottikind nicht (mehr) mag?
    7 1 Melden
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  • Sherlock64 20.06.2017 15:51
    Highlight Ich war zweimal Götti, und in beiden Fällen kam nach 2 oder 3 Jahren der Punkt, an dem ich sagen musste: Sucht euch für euren Balg einen anderen Deppen, den ihr ausnehmen könnt. Kein einziges Mal haben mich die Eltern zum Essen eingeladen, das war ihnen zuviel. Aber Geschenke fordern, das konnten sie.
    31 5 Melden
    • WhoRanZone 21.06.2017 12:27
      Highlight Du scheinst ein lustiger Götti zu sein.
      12 3 Melden
    • strange 23.06.2017 09:19
      Highlight Die Fragen nach dem "warum" stellt sich mir jedoch nicht.
      2 0 Melden
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  • Bruno Wüthrich 20.06.2017 12:29
    Highlight Grossvater, du warst mein erster Freund, und das vergess ich nie...

    S.T.S -


    Jetzt einfach - für diesen Fall - Grossvater mit Götti (oder Gotte) ersetzen. Dann wärs ideal.

    Doch in Zeiten von Smartphones, Games, Eltern-Kind - Management, schulischem und vorschulischem Druck, etc. sind dies eher Gedanken eines verklärten Romantikers.

    Die Zeiten haben sich geändert. Wo spatzieren heute noch Grossvater und Enkel/in (oder Götti/Gotte mit Patenkind) durch die Gegend oder sitzen auf dem Bänkli vor dem Haus und sprechen über das Leben und Werte...
    11 17 Melden
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  • pamayer 20.06.2017 10:53
    Highlight "nein (dem einen Mädchen habe ich zum ersten Geburtstag am falschen Tag gratuliert und dem andern ein Namensgravur-Goldarmband geschenkt, allerdings ohne Gravur)."
    kafi, ich liebe dich schon nur wegen dieser entwaffnenden ehrlichkeit.

    dein text zu gotte/götti gefällt mir. so vielfältig wie unser leben in sachen beziehungen.
    21 5 Melden
    • Pasionaria 20.06.2017 19:20
      Highlight ..... kann aber auch ein Zeichen von Gleichgueltig-, Interessenlosigkeit und Ignoranz sein!
      Trotzdem ist der Text ganz beschwingt und hat was auf sich.
      15 5 Melden
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  • Gummibär 20.06.2017 09:11
    Highlight Ausgerechnet dem Atheisten fällt es zu, auf die Rolle der Taufpaten hinzuweisen:
    Sie verpflichten sich bei der Taufe dafür zu sorgen, dass das Kind im rechten Glauben aufwächst. Früher bemühte sich Eltern zudem, dem Kind möglichst angesehene und wohlhabende Paten zu verschaffen, die bei Erziehung und Berufskarriere beitrugen, und wenn nötig als Ersatzeltern einspringen konnten. Die Geschenke sind dabei eher eine Nebenerscheinug (Uhr zur Konfirmation etc.)
    Schön, wenn Gotte/Götti zur lebenslangen Bezugspersonen werden. Kann man aber auch ohne Taufe, Titel und Religions-Verpflichtung sein !
    30 4 Melden
    600
  • Gelöschter Benutzer 20.06.2017 08:01
    Highlight Viele Fragenstellende suchen eine externe Bestätigung ihrer Ansichten.

    Woher rührt diese Unsicherheit?
    64 6 Melden
    • Spooky 20.06.2017 18:34
      Highlight @Joël
      Das hat nichts zu tun mit Unsicherheit, schon eher mit Reife. Man möchte wissen, was andere Leute über eine Sache denken, bei der man sich nicht sicher ist. Sogar Donald Trump hat Dutzende von Beratern. Da kann sich Regula getrost von Frau Freitag beraten lassen.
      10 11 Melden
    • Gummibär 20.06.2017 20:44
      Highlight Auch Donald Trump liesse sich wohl besser von Frau Freitag beraten ;-) und wir alle könnten erst noch unseren Senf dazu geben.
      22 2 Melden
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  • lilas 20.06.2017 07:45
    Highlight Liebe Kafi, finde den Vergleich mit der Ehe sehr gut. Bei unsern mittlerweile schon grossen Kindern kam alles vor. Gute Beziehung zur Gotte/keine Beziehung zum Götti, super Beziehung zum Götti/Gotte ausgewandert, erst super Beziehung zum Götti und kaum einezur Gotte und plötzlich umgekehrt..Menschen eben, wer weiss denn schon was in fünf Jahren ist?
    56 1 Melden
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  • Kuunib 20.06.2017 07:43
    Highlight Warum ist Frau Freitag am Dienstag???
    45 1 Melden
    • Spooky 24.06.2017 00:34
      Highlight Weil Frau Freitag am Freitag frei hat.
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  • Imfall 20.06.2017 06:53
    Highlight ich hatte eine super gotte und einen super götti! für mich war das während der ganzen kindheit (bis heute, 32jahre jung/alt 😁) eine wahnsinns bereicherung! eine tolle ergänzung zu mami und papi ( oder ähnlich )

    auch unsere tochter bekommt götti/gotte! aber die wurden nicht irgend einer tradition ausgesucht! wir haben das für uns frei entschieden!
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Freitag, du geile Sau! 

Eine Liebeserklärung.

Es. Ist. Freitag, meine Herrschaften. AHHH YEAH!

Ich liebe Freitag. So richtig. Könnte man ihn heiraten, wir hätten zusammen ein Vorstadthäuschen, einen VW Golf und einen Labrador. Ehrlich wahr.

Freitag ist die Vorband, die sich als besser herausstellt als der Hauptact. Freitags passieren Dinge, die nicht geplant waren, weil man nicht wusste, ob man überhaupt noch raus mögen würde – und dann erwacht man «samstagmorgens» um 15.50 und denkt: War da ein nackter Australier auf dem Frauenklo in …

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