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Russische Eltern sind alarmiert: So genannte «Todesgruppen» im Internet treiben Jugendliche dazu, sich das Leben zu nehmen. (Symbolbild) bild: shutterstock

«Todesgruppen» im Netz treiben russische Jugendliche in den Suizid 

18.04.17, 15:05

Russische Eltern sind alarmiert: So genannte Todesgruppen im Internet treiben Jugendliche dazu, sich das Leben zu nehmen. Dutzende Suizide von Teenagern sind nach Recherchen der Zeitung «Nowaja Gaseta» auf diese Foren in sozialen Netzwerken zurückzuführen.

«Als erstes musst du Gruppen mit deprimierenden Inhalten aufbauen. Dann beginnt das Spiel»

Filipp Budeikin, Mentor einer «Todesgruppe»

VK – das russische Pendant zu Facebook bild:screenshot

«Ich habe lediglich ein paar Leuten erklärt, warum es das Beste ist zu sterben», schilderte Filipp Budeikin ganz offen, wie die Todesgruppen funktionieren. Kurz darauf wurde der 22-Jährige in St. Petersburg festgenommen. Er soll als Mentor einer versteckten Gruppe bei VK – dem russischen Äquivalent zu Facebook – 15 Jugendliche zum Selbstmord angestiftet haben.

«Als erstes musst du Gruppen mit deprimierenden Inhalten aufbauen», sagte Budeikin lokalen Medien. «Dann beginnt das Spiel». Bei diesem «Spiel» müssen die Teilnehmer bestimmte Aufgaben erfüllen, zum Beispiel sich selbst verletzen. Tun sie das nicht, würden sie erpresst, fand «Nowaja Gaseta» heraus.

Suizid ist in Russland ein grosses Tabuthema. Doch seit den Recherchen der Zeitung wird öffentlich darüber gesprochen. Präsident Wladimir Putin zeigte sich besorgt und forderte härtere Strafen für die Anstiftung zum Selbstmord.

Sonnenuntergang über St. Petersburg. Für die Menschen in Russland ist Suizid immer noch ein grosses Tabuthema.  Bild: ANATOLY MALTSEV/EPA/KEYSTONE

Die Suizidrate unter Minderjährigen ist in Russland nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation dreimal höher als im weltweiten Durchschnitt: 20 Teenager pro 100'000 Menschen nehmen sich das Leben. Nachdem die Rate rückläufig gewesen sei, sei sie im vergangenen Jahr wieder um 57 Prozent gestiegen, sagt die russische Kinderrechtsbeauftragte Anna Kusnezowa. Sie führt den Anstieg auf die «Todesgruppen» zurück.

«Wertlose Menschen»

Zwischen November 2015 und April 2016 brachten sich 130 Teenager in Russland um. Dutzende davon wurden laut «Nowaja Gaseta» von den Internetgruppen dazu angestiftet. Auch in der benachbarten Ukraine haben die Selbstmorde unter Jugendlichen deutlich zugenommen.

Die Polizei sperrte dort den Zugang zu 500 Gruppen in den sozialen Netzwerken. Von den 70 täglich als verschwunden gemeldeten Teenagern sind nach Angaben der ukrainischen Polizei 20 bis 30 Prozent Mitglieder solcher Todesgruppen.

Dennoch mahnen russische und ukrainische Experten, das Phänomen nicht überzubewerten. Manche warfen «Nowaja Gaseta» vor, Einzelfälle zu Schauermärchen aufzubauschen.

Doch die Aussagen Budeikins, des inhaftierten «Mentors» einer Todesgruppe, sind zweifelsohne erschreckend. Die Jugendlichen bezeichnete er als «wertlose Menschen» und «biologisch abbaubaren Müll». Sein Ziel sei es gewesen, die Gesellschaft davon zu «säubern». Für den Tod der Teenager fühlt er sich nicht verantwortlich: «Sie waren diejenigen, die die Entscheidung getroffen haben», sagt er. «Niemand hat sie gezwungen». (sda/afp)

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  • Matrixx 18.04.2017 16:23
    Highlight In Russland agieren solche Gruppen versteckt?
    Krass. Bei uns macht man dies offen und jeder kann mitmachen. Und es wird noch nicht mal etwas unternommen, wenn jemand zum Selbstmord getrieben wird.

    Schockierend ist das also keinesfalls... Eher traurig, dass das in Russland Tabu sein soll...
    34 50 Melden
    • BigPun 18.04.2017 17:05
      Highlight „Bei uns macht man dies offen und jeder kann mitmachen. Und es wird noch nicht mal etwas unternommen, wenn jemand zum Selbstmord getrieben wird“

      Wie oder wo wird bei uns so etwas gemacht???
      77 9 Melden
    • Jürg Müller #BringBackHansi 18.04.2017 17:25
      Highlight Matrix, ich weiss nicht, was Du meinst. Mobbing?
      47 7 Melden
    • Mischa Müller 18.04.2017 17:41
      Highlight CH hat die höchste Selbstmordrate weltweit. Die Statistiken werden dem Volk vorenthalten. Als Journalist beim TV-Sender IntroTV hatte ich anno 2003 einsickt. Glauben ist u.a. eine Legittimation, Handlungen, blindlings, zu tun, welche sozial geprägte Menschen, Behinderte in zwischenmenschlicher Abhängigkeit, zu Handlungen führen, welche im Selbstmord kulminierenn. Also. Und Spott und Satire können gleichfalls extrem verletzend sein. Sogar ein Swisscom Chef nahm sich vor zwei Jahren das Leben.
      12 48 Melden
    • Matrixx 18.04.2017 17:51
      Highlight Ja. Bei uns wird Mobbing oder Cybermobbing öffentlich gemacht und jeder kann dabei mitmachen. Hört man auch öfters. Und begeht das Opfer dann Selbstmord, weiss dann komischerweise niemand was davon. Liegt aber wohl daran, dass 9 von 10 Mobbing lustig findet...
      36 11 Melden
    • Spino666 18.04.2017 19:26
      Highlight Ich muss Matrixx leider zustimmen. Ich gehe selber noch zur Schule und kann solches Verhalten beinahe täglich beobachten. Aber im nachhinein meint man es ja nie "Ernst".
      25 4 Melden
    • Charlie Brown 18.04.2017 19:42
      35 1 Melden
    • zialo 18.04.2017 21:31
      Highlight @Charlie Brown. Erstens: Der Link bezieht sich auf Sterbehilfe. Zweitens: Es gab sicher auch hierzulande gehäuft Selbstmorde z.B. bei Landwirten in den 80ern (wie global und in der EU), doch wurde uns das vorenthalten.

      Interessantes zum Mythos aus dem Bericht: nahmen sich vor 30 Jahren jährlich 1600 Personen das Leben waren es 2014 1771 Personen (assistierter Suizid dazugerechnet). In der Statistik wird nun aber Suizid 2014 ohne assistiertem Suizid gezählt.
      Dadurch kommt man auf viel weniger Suizide, wie man es in der Schule lernt.
      1 10 Melden
    • The Destiny 18.04.2017 22:16
      Highlight Nennt sich Stockholm Syndrom und ist bei Mobbing sicher nicht weit verbreitet.
      0 2 Melden
    • Charlie Brown 18.04.2017 22:34
      Highlight @zialo: Lies doch wenigstens den ganzen Titel...

      Und weiter unten:

      Kein abnehmender Trend mehr beim Suizid

      Im Jahr 2014 starben 1029 Personen durch Suizid (ohne Sterbehilfe; 754 Männer und 275 Frauen). 1995 waren es über 1400 Personen und Mitte der 1980er-Jahre noch über 1600 Personen jährlich. Die Wahrscheinlichkeit eines Suizids hat sich somit zwischen 1991 und 2010 nahezu halbiert, bei Männern von 39 auf 20 pro 100‘000, bei Frauen von 12 auf 7. Dieser Trend scheint seit 2010 zum Stillstand gekommen zu sein, seit 5 Jahren sind die Suizidraten relativ stabil.

      Wird alles verheimlicht... 🙄
      9 3 Melden
    • Charlie Brown 18.04.2017 22:42
      Highlight ...und a propos höchste Rate weltweit:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Suizidrate_nach_L%C3%A4ndern?wprov=sfsi1

      Jene von Südkorea ist 3x höher als unsere.

      Alternative facts ahoi!
      6 2 Melden
    • zialo 19.04.2017 00:03
      Highlight @Charlie Brown: Hier gehts primär um spezielle Todesumstände. Diesen Teil haben sie nicht beantwortet.
      Sie fluten die Diskussion mit fraglichen Fakten ohne darauf einzugehen, ob man die Selbsstötungssziffer auch bei 22 pro 100000 setzen könnte. Denn wenn ein Mensch in der Schweiz assistierten Suizid begeht, wird dies vom BFS den Todesfällen der zuerst gehabten Krankheit zugeschrieben.
      Sterbehilfe und die hiesige Spezialität im Verbuchen dieser, macht Suizidzahlen nicht vergleichbar mit anderen Ländern. Ansonsten wäre sie in der Schweiz (22,9 2014) gleich hoch wie in Russland (22,3 2012)!
      0 4 Melden
    • Palmenwedler 19.04.2017 01:22
      Highlight @The Destiny: Was hat das mit Stockholm Syndrom zu tun?

      Ich muss Charlie Brown zustimmen. Die Suizidrate ist wirklich gesunken, wobei sie unter Jugendlichen im Vergleich immer noch relativ hoch ist.
      3 2 Melden
    • Charlie Brown 19.04.2017 06:01
      Highlight @zialo: Fragliche Fakten? Sind die Erhebungen des bfs und der WHO fraglicher als das Bauchgefühl von Mischa Müller und zialo?

      Sorry dass ich bei euren Verschwörungstheorien nicht mithelfe. Bin jetzt raus.
      5 2 Melden
    • The Destiny 19.04.2017 09:51
      Highlight @wedler, "Und begeht das Opfer dann Selbstmord, weiss dann komischerweise niemand was davon. Liegt aber wohl daran, dass 9 von 10 Mobbing lustig findet..."
      1 3 Melden
    • Palmenwedler 19.04.2017 11:19
      Highlight @The Destiny: Das ist kein Stockholm Syndrom.
      4 0 Melden
    • zialo 19.04.2017 14:32
      Highlight "Die Zunahme von assistiertem Suizid und die Abnahme der übrigen Suizide haben sich in der Summe der letzten 10 Jahre kompensiert."

      @Brown: Ihre direkten Quellen waren Wikipedia und ein BFS Bericht aus dem obiger Satz stammt. Genau lesen.
      1 2 Melden
    • Charlie Brown 19.04.2017 15:37
      Highlight @zialo: Meine Aussage ist bloss, dass a) die Daten entgegen der Behauptung von Mischa öffentlich sind und b) die Schweiz nicht die höchste Rate hat.

      Genau lesen.
      3 2 Melden
    • BigPun 19.04.2017 17:54
      Highlight Nein die höchste Welt weit zum Glück nicht mehr, aber immer noch in den top 10 oder 20 zu sein ist auch schlimm.
      Und dass man nie davon hört machts noch schlimmer...
      3 3 Melden
    • Charlie Brown 19.04.2017 20:32
      Highlight @BigPun: Ich bewerte das ja auch gar nicht. Nur dass man nie davon hört finde ich eigentlich nicht zutreffend. Meines Erachtens wird Suizid hier offen thematisiert. Die aktuelle Diskussion ist ein Beweis dafür.
      3 2 Melden
    • BigPun 20.04.2017 21:51
      Highlight Ok mit nie wollte ich einfach viel zu wenig sagen, aber jetzt einfach zu sagen wir haben jetzt kurz diskutiert und jetzt ist alles gut, finde ich auch nicht ganz richtig...
      2 0 Melden
    • Charlie Brown 20.04.2017 22:24
      Highlight Auch das sage ich nicht.
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  • Pinguino24 18.04.2017 15:43
    Highlight ist das krank...
    53 3 Melden
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  • giandalf the grey 18.04.2017 15:28
    Highlight So friedliebend ich auch gerne wäre... Bei Menschen wie diesem Budeikin fallen mir kreativere und schmerzhaftere Bestrafungsmöglichkeiten ein als den Herrschern des Mittelalters....
    62 16 Melden
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  • Honey Badger 18.04.2017 15:16
    Highlight Brückenbauen im übertragenen Sinne müsste heute eigentlich ein obligatorische Schulfach sein. Brücken einreissen kann jeder, aber Brücken bauen, das tun nur ganz wenige, da anstrengend...einige tun es sogar im nicht übertragenen Sinne, so z.B der Beat Anton Rüttimann aus Pontresina.
    28 12 Melden
    • Jürg Müller #BringBackHansi 18.04.2017 17:26
      Highlight Hut ab!
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