Schweiz

In unseren Primarschulen soll gemäss dem Bundesrat eine zweite Landessprache gelehrt werden.
Bild: KEYSTONE

Berset zum Sprachenstreit: «Länder wie Belgien warteten zu lange – dann wird es schwierig»

05.08.16, 10:14 05.08.16, 10:44

Die Kantone Thurgau, Appenzell Innerrhoden und Uri wollen ihren Primarschülern keine zweite Landessprache mehr beibringen. Dies passt dem Bundesrat nicht. Bereits vor den Sommerferien hat er den Kantonen ein Ultimatum gestellt: Lenken die Kantone nicht ein, will er sie mit einem neuen Gesetzesartikel zum Frühfranzösisch zwingen. 

Jetzt äusserst sich der als Kulturminister dafür zuständige Bundesrat Alain Berset erstmals zum Sprachenstreit. Er warnt vor Verhältnissen wie in Belgien, wo die beiden Sprachregionen arg zerstritten sind. 

«Die Sprache transportiert auch Kultur, Werte, Geschichte.»

Bundesrat Alain Berset.

Bundesrat Alain Berset.
Bild: KEYSTONE

Berset sagt im Tages-Anzeiger: «Es gibt andere mehrsprachige Länder, die heute feststellen, dass sie zu lange zugewartet haben. Dann wird das Zusammenleben schwierig.» Ähnliches wie die Situationen in Belgien dürfe in der Schweiz nicht geschehen. Wir müssten uns gegenseitig verstehen, um den Zusammenhalt unseres mehrsprachigen Landes zu verstehen, sagt Berset weiter.

Und: «Die Sprache ist nicht nur Kommunikationsmittel. Sie transportiert auch Kultur, Werte, Geschichte.» Die Welt werde immer internationaler. Vor 30 Jahren habe man die Landessprachen im Beruf oder in der Armee gelernt. Das sei heute nicht mehr so. 

Berset betont, die Kantone müssten den gültigen Sprachkompromiss respektieren und die zweite Landessprache in der Primarschule lehren. Zwar sei weiterhin das Ziel, dass die Kantone selber eine Lösung fänden. Er wäre allerdings bereit, einzugreifen. (feb)

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  • posti 05.08.2016 20:02
    Highlight Ich begreife diesen Fetisch mit dem Französisch nicht. Klar ist es nett Fremdsprachen zu können. Nur nicht alle Kinder sind sprachlich begabt. Viele leiden unter der Übermacht von Sprachfächern in der Schule. Etwas mehr Fokus auf MINT Fächer wäre sicher nicht schlecht. Immerhin fehlen uns viele Fachkräfte gerade im MINT Bereich. Französisch ist nun wirklich entbehrlich. Ich habe jahrelang nur darunter gelitten. Eine meiner grössten Freuden war es endlich mein franz Heft zu verbrennen.

    Wie dient den bitte langweiliges Wörtli lernen der nationalen Einheit? Verbentabellen sind nicht patriotisch
    1 8 Melden
    • Fabio74 07.08.2016 21:44
      Highlight Der Fetisch heisst Viersprachigkeit des Landes und entweder haben wir diese und pflegen sie oder lassen es bleiben
      0 1 Melden
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  • steinlin 05.08.2016 15:02
    Highlight Jetzt hat Herr Berset einen Fehler gemacht, sofort mit dem schlechten Beispiel Belgien kommen grenzt fast an Erpressung. Ich wäre für eine nationale Volksabstimmung dann hört diese Droherei auf.
    1 17 Melden
    • Fabio74 05.08.2016 19:35
      Highlight Berset macht das was nach Verfassung sein Auftrag ist und in seiner Kompetenz steht.
      Nur weil manche Kantone meinen machen zu können was sie wollen, sind sie nicht im Recht.
      Eine andere Meinung zu haben, ist nicht drohen
      7 1 Melden
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  • DailyGuy 05.08.2016 11:26
    Highlight Ich verstehe nicht, wieso man jetzt mit dem Französisch Unterricht aufhören sollte?
    Gibt es einen guten Grund wieso man Französisch gar nicht unterrichten sollte? Und das frage ich aus Interesse, weil ich die Argumente verstehen will! :)
    16 1 Melden
    • Amboss 05.08.2016 12:03
      Highlight @Daily Guy:
      Niemand, niemand, niemand will mit dem Französisch-Unterricht aufhören!
      Das sein einfach nochmals gesagt.
      Aber aus meiner Sicht gibt es gute Gründe, mit diesem erst später zu beginnen, nämlich in der Sekundarstufe:
      Die Kinder verstehen dann die Grammatik der Erstsprache und lernen so die Fremdsprachen viel besser.

      Es hat sich gezeigt, dass Frühfranz extrem ineffizient ist und viele Kinder überfordert sind.
      Und dass der andere Schulstoff leidet.

      Das Frühfranz ist nur eine politische Angelegenheit.
      4 10 Melden
    • DailyGuy 05.08.2016 12:53
      Highlight Amboss:
      Ich bin halb Däne / halb Schweizer. Ich beherrsche seit ich ein Kind bin, beide Sprachen fliessend (natürlich dem Alter entsprechend fliessend). Ich habe ein Wortschatz aufgebaut und begonnen Sätze zu bilden. Und so sollte man eine Sprache lernen.
      Und wenn man in anderen Ländern schaut klappt es ja problemlos. In Dänemark wird Englisch ab der 3. und Deutsch ab der 5. Klasse unterwiesen. Und die Kinder in Dänemark lieben den Englischunterricht, weil man zu Beginn einen spielerischen Zugang hat.
      11 0 Melden
    • DailyGuy 05.08.2016 12:56
      Highlight Und in der Schweiz ist es gerade umgekehrt. Zuerst mal schööön Gramatik büfflen. Last doch die Kinder zuerst ein Gehör für die Sprache entwicklen, während sie auf eine lustige Art den Wortschatz aufbauen und erste Sätze bilden. Wenn natürlich die 3. Klässler so unterrichtet wurden wie ich in der 5. Klasse, kann es ja nicht gut kommen. Den ich habe den Unterricht als extrem veraltet wahrgenommen. Erstens wurde 2005 noch Bücher aus den 80ern eingesetzt und zweitens mussten wir Wörter büffeln ohne die je zu brauchen. Da kann ich schon verstehen, dass die Lust vergeht.
      7 1 Melden
    • Amboss 05.08.2016 13:21
      Highlight @ DailyGuy:
      Du hast nach den Argumenten gefragt, ich hab geantwortet :)
      Man kann da natürlich anderer Meinung sein.

      Wobei Studien besagen, dass die Kinder nach Ende der normalen Schulzeit nicht besser Englisch/Franz können wenn sie es bereits früher in der Primarschule lernen.

      Deshalb bin ich eher der Meinung, die Zeit in der die Kinder in der Primarschule Franz lernen, sollte für etwas "schönes" genutzt werden.

      Schon möglich, dass das in Dänemark so ist. Ob es wirklich so rosig ist, wie du sagst...?



      4 3 Melden
    • Amboss 05.08.2016 14:42
      Highlight DailyGuy:
      Was du schreibst um 12:56 , da hast du wahrscheinlich schon recht.

      Gut möglich, dass man dies deutlich verbessern könnte und da wäre ich auch mit meiner Einschätzung vielleicht anderer Meinung
      0 0 Melden
    • zzZüri 05.08.2016 17:00
      Highlight Und wie haben die Schüler in den genannten Kantone noch die chance aufs gymnasium?
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    • Amboss 05.08.2016 17:16
      Highlight @Züri: Es gibt nicht überall ein Langzeitgymi.
      1 0 Melden
    • michiOW 05.08.2016 20:17
      Highlight @dailyguy

      Voices (Sekundarschullehrmittel) und auch das Primarschullehrmitel waren nach dem Schema "Spielerisch Englisch lernen" aufgebaut. Ich fand es miserabel und konnte kaum ein paar Sätze sprechen bis Ende Sek. An der Mittelschule war es Grammatiklastigeres Anglisch und siehe da: Plötzlich konnte ich es einigermassen. Wenn man ein miserables Fremdsprachengefühl hat ist hat man erst recht verloren. In Französisch mit Envol wars viel angenehmer, denn man lernte die Grammatik und baute darauf auf.
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«Frau Keller-Sutter, das ist schlicht falsch» – Berset lässt Reform-Gegner auflaufen

Die Gegner der Rentenreform wirken in der Abstimmungs-Arena bisweilen etwas gar stur. Sie reiten auf den immer gleichen Argumenten herum, während Bundesrat Alain Berset diese mit einer väterlichen Geduld anhört. Dies aber nur, um sie danach ohne Gnade zu zerpflücken. 

Die Gäste und das Publikum sitzen auf ihren Rängen, die Scheinwerfer lassen die Temperaturen im Arena-Studio ein paar Grad in die Höhe steigen. Schon vor der Sendung ist klar: Die Diskussion heute wird eine hitzige werden. Schliesslich geht es bei der Abstimmung vom 24. September um die Zukunft der Renten. 

Dementsprechend nervös ist die Stimmung auch im Vorzimmer des Studios. Hier wird die Sendung live auf einem grossen Bildschirm übertragen, was normalerweise nicht viele Interessierte …

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