Schweiz

Besonders beliebte Branchen bei ausländischen Gründern sind Gastronomie, Auto und Bau. keystone

Einwanderer gründen mehr Unternehmen als Schweizer – gehen aber auch öfters konkurs 

«Scheitere oft und schnell» – genau so halten es die ausländischen Unternehmer in der Schweiz. Die Gründe sind vielfältig.

04.10.16, 05:59 04.10.16, 06:17

Das Scheitern gehört zum Unternehmertum dazu. Besonders in den USA ist es keine Schande, in Konkurs zu gehen. «Scheitere oft und schnell» – lautet die Devise. Die Idee dahinter: Mit jedem Scheitern lernt man dazu. Dem Credo folgen hierzulande besonders viele Ausländer, wie eine Auswertung des Wirtschaftsinformationsunternehmens Crif im Auftrag des Tages Anzeigers (TA) zeigt. Sie sind gemäss den Zahlen risikofreudiger als Schweizer. Denn von den 400'000 in den letzten zehn Jahren gegründeten Unternehmen, entfallen 30 Prozent auf Ausländer. Zum Vergleich: Rund 25 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung haben keinen Schweizer Pass.

Risikofreudige Balkanbürger

Die Studie legt aber auch offen, wie schwer sich die Firmen von ausländischen Gründern damit tun, sich längerfristig zu etablieren. Dies gilt besonders für manche Bürger aus Balkanstaaten. Die Daten des Crif zeigen, dass in der Schweiz viel mehr Unternehmen mit serbischen Inhabern in Konkurs gehen, als dies beim Schweizer Durchschnitt der Fall ist. Auf 4700 Gründungen kommen 1300 Konkurse. Das gilt auch für Gründungen mit Eignern aus der Türkei oder Sri Lanka. Die Zahlen zeigen aber auch, dass Einwanderer aus diesen Ländern besonders oft ein Unternehmen gründen.

«In vielen Kultur­kreisen gilt der eigene Laden als ein Garant für ein sicheres Einkommen.»

Thomas Kessler, Leiter Stadtentwicklung Kanton Basel-Stadt

Eine fundierte Erklärung dafür gibt es nicht. Der Migrationsforscher Gianni D’Amato äussert aber gegenüber dem TA die Vermutung: «Der Arbeitsmarkt der Einheimischen ist für viele Migranten verschlossen, und daher versuchen sie, sich mit einer eigenen Firma eine Existenz aufzubauen.» Aufgrund ihrer geringeren finanziellen Ressourcen können sie auch weniger eine Durststrecke überstehen – das könnte die hohe Konkursrate erklären. 

Neue Entwicklung

Beliebt bei den Migranten sind die Baubranche, die Gastronomie, Autogaragen oder Autohandelsfirmen. Das Problem: Die Margen in diesen Branchen sind tief. Oftmals verfügen die ausländischen Gründer auch nicht über das für das Geschäft nötige Know-how. Am Ende rackern sie sich oftmals ab, auch wenn sie nicht viel dabei verdienen. Das ist laut dem TA für Thomas Kessler, Leiter Stadtentwicklung des Kantons Basel-Stadt, kein Zufall: «In vielen Kultur­kreisen gilt der eigene Laden als ein Garant für ein sicheres Einkommen.» Wer einen eigenen Betrieb führe, gelte als ein Mittelständler, er habe die Stufe des Arbeitgebers erklommen und werde damit als wohlhabend angesehen. «Dafür sind viele Migranten bereit, Risiken einzugehen», erklärt Kessler.

Künftig dürften die Ladenbesitzer vom Balkan oder der Türkei durch solche aus den jetzigen Flüchtlingsstaaten abgelöst werden. So vermuten es Experten. Denn die 2. und 3. Generation ist oftmals nicht mehr bereit für kein Geld stundenlang im Laden oder in der Garage zu arbeiten. Sie verfügen oft auch über eine erheblich bessere Bildung als noch ihre Eltern und Grosseltern und steuern andere Berufe an. (rwy)

Das könnte dich auch interessieren:

Koksen und kotzen – Barbie ist im 2017 angekommen

Geheimes Chat-Protokoll aufgetaucht: Wie es wirklich zur Nordkorea-Krise kam

Frau findet Ex auf Tinder – und erlebt zunächst eine witzige, dann eine böse Überraschung

«Wir sind die grössten Loser – wenn das BGE mit uns klappt, dann klappt es überall»

Mit Hipsterbart und Hakenkreuz: 5 alte und neue rechtsextreme Bewegungen

Was diese Frau treibt, ist so grossartig wie abstossend – und ich kann nicht wegsehen

Zwei «Irre» auf Kollisionskurs: Die Angst vor der Bombe ist zurück

Zum 40. (angeblichen) Todestag: ELVIS LEBT! 20 handfeste Beweise dafür

Guck mal, was die Russen in einem ihrer stillgelegten Hangars verstecken

Wie er Nazis verteidigt und über Wein schwafelt – Trumps irre Wutrede in 7 Akten

Bürgerkrieg und Sklaverei: Die unverheilte Wunde der USA

Obamas geniale Antwort auf Rassisten schlägt alle Twitter-Rekorde

Macht, Mord und Monobrauen: Im Harem des persischen Schahs

Fanta gibt's dank den Nazis – und 12 weitere WTF-Fakten zu Cola, Limo und Co.

7 Gründe, warum die Badenfahrt das bessere Züri Fäscht ist

Deutscher kassiert Busse in der Schweiz – und findet das wenig witzig

Die Schule geht wieder los? So viel verdient dein Lehrer – der grosse Lohnreport

Warst du besoffen, Designer? 26 Kleider-Fails, die nicht mehr gut zu machen sind

Was ist der hohlste Traumjob der Welt? Influencer!

Die kreative Reaktion dieses Supermarkts auf Rassismus und Fremdenfeindlichkeit

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3Alle Kommentare anzeigen
3
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Theor 04.10.2016 10:42
    Highlight Und wie sieht es mit dem Aufenthaltsstatus von Selbstständigen aus? Dürfte ein eigenes Geschäft helfen, den Aufenthaltsbewilligung zu bekommen? Womit das Geschäft letztendlich nur als Deckmantel verwendet wird um die Migrationsansprüche beim zuständigen Amt besser durchsetzen zu können?

    Ich kenn die Praxis bei Aufenthaltsbewilligungen nicht, aber dass sie alle scheitern sollen, obwohl sie sich, wie vom Artikel suggeriert, ausnahmslos alle "abchrampfen", scheint mir dann doch ein wenig gar heroisch dargestellt.
    4 6 Melden
    • lilie 04.10.2016 16:44
      Highlight @Theor: Ich glaube kaum, dass das eine Rolle spielt. Und wenn, dann eher im negativen Sinn, da ein Selbständiger in der Regel ja zuerst Schulden machen muss und zumindest als Einzelunternehmer auch kein gesichertes Einkommen hat.

      Grundsätzlich kann ich aus den Erfahrungen in meinem Umfeld sagen, dass Selbständigkeit kein Zuckerschlecken ist. Ohne "chrampfen" kann man gleich einpacken - egal ob Schweizer oder Migrant.
      1 0 Melden
    600
  • lilie 04.10.2016 10:37
    Highlight Interessanter Artikel.

    Allerdings scheinen mir die statistischen Werte nicht soooo auffällig zu sein: 30% Neugründer mit ausländischem Hintergrund im Vergleich zu 25% in der Gesamtbevölkerung ist kein besonder frappanter Unterschied.

    Bei den Konkursen hätte ich gerne noch die Zahlen der Schweizer zum Vergleich: Bei den Ausländern sind es 1300 von 4700 Neugründungen (etwas mehr als jeder Vierte), aber wieviele sind es denn bei den Schweizern?
    7 0 Melden
    600

Immer wieder krass: Diese Luftaufnahmen zeigen, wie ein Flüchtlingsproblem wirklich aussieht 

Im Mittelmeer soll sich erneut ein Flüchtlingsunglück mit vielen Toten ereignet haben. «Es sieht so aus, als seien Hunderte Menschen gestorben», sagte Italiens Präsident Sergio Mattarella. Offiziell ist das noch nicht bestätigt. Fakt ist aber: Jeden Monat versuchen tausende Flüchtlinge aus Nordafrika und der Türkei mit Booten nach Europa zu gelangen. 2014 starben nach Angaben der International Organization for Migration (IOM) knapp 3300 Flüchtlinge auf See, 2015 …

Artikel lesen