Basel

Bei Zustandekommen und Annahme der Initiative müsste der Basler Zolli einiges ändern. 
Bild: APA DPA

Schluss mit Affen-Versuchen: Basler Tierschützer fordern Gleichstellung von Mensch und Affe

Basler Tierschützer sammeln seit gestern Unterschriften für eine Initiative, die Grundrechte auch für nicht-menschliche Primaten fordert. Für Zoo und Forschung würde sich einiges ändern.

23.06.16, 05:41 24.06.16, 16:29

Jane Goodall bei den Schimpansen, Dian Fossey bei den Gorillas, Biruté Galdikas bei den Orang-Utans – seit 50 Jahren sammeln Forscher Belege dafür, dass Menschenaffen uns ähnlich sind. Die genetische Ähnlichkeit, das nachgewiesene Selbstbewusstsein, die Fähigkeit zu denken, zu planen und zu fühlen – das alles sind Gründe, warum immer mehr Biologen, Philosophen und Tierrechtler fordern, den vier Großen Menschenaffen endlich (über)lebenswichtige Grundrechte zu geben. Genau das fordert auch Meret Schneider von «Sentience Politics».

Schluss mit Affen-Versuchen

Schneider ist einer der Köpfe des Komitees, das seit gestern für die kantonale Initiative «Grundrechte für Primaten» im Kanton Basel-Stadt Unterschriften sammelt. Die Forderung: Affen dürfen nicht getötet werden, und sie haben ein Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit.

Konsequenzen hätte das für rund 180 Primaten, die in der Forschung eingesetzt werden und für die 130 Zolliaffen, wie die «Tageswoche» schreibt. Der Zoo Basel müsste bei der Zucht und wohl auch bei den Gehegen grössere Änderungen vornehmen. Für die Forschung hätte das Zustandekommen und die Annahme der Initiative weitreichendere Folgen. So wären Beobachtungen zulässig, aber kaum medizinische Versuche. 

Für die Pharmabranche kommt ein Verbot von Affenversuchen nicht infrage. 
keystone

Schneider fordert gegenüber dem «Regionaljournal Basel», dass die heutigen Praxis geändert wird: Versuche mit Primaten sollen nicht mehr davon abhängig gemacht werden, wie gross der medizinische Nutzen für die Gesellschaft ist. 

Weltweit strengsten Tierschutzgesetze

Stichwort Forschung an Universitäten. In Zürich sollen Versuche an Affen Aufschluss über psychische Krankheiten wie Schizophrenie geben. Der Versuch ist umstritten. So sollen den Affen Elektroden ins Gehirn gepflanzt werden, auf welche dann millisekundenlange Stromstösse geschickt werden. Basel will sich nicht zur Initiative äussern.

Anders die Pharmabranche. Für die kommt ein Verbot von Tierversuchen nicht infrage. «Gemäss einer Umfrage von 2014 akzeptieren über 70 Prozent der Stimmberechtigten Tierversuche, wenn es um die Patientensicherheit oder die Entwicklung neuer Medikamente geht», sagt Interpharma-Sprecherin Sara Käch gegenüber «20 Minuten Online». Einer der Gründe für diese Akzeptanz ist, dass die Schweiz über die weltweit strengste Tierschutz-Gesetzgebung verfüge.

Rückgang von Forschung an Affen

Laut Käch dürfen Studien mit Primaten nur durchgeführt werden, wenn die Erkenntnisse nicht über Versuche mit anderen Tierarten gewonnen werden können. In den letzten zehn Jahren habe sich der Einsatz von Primaten in der Forschung mehr als halbiert, zudem seien 2014 nur gerade zwei Tiere der höchsten Belastungsstufe ausgesetzt gewesen.

Bis zum Herbst sollen nun mit Unterstützung der Jungen Grünen und der Tierrechtsorganisation Tier im Fokus die nötigen 3000 Unterschriften gesammelt werden. (rwy)

Umfrage

Sollen Affen Grundrechte zugestanden werden?

  • Abstimmen

136 Votes zu: Sollen Affen Grundrechte zugestanden werden?

  • 63%Ja, die können denken, fühlen und die Zukunft planen wie wir.
  • 15%Nein, wir brauchen Affen-Versuche, um unsere Krankheiten auszumerzen.
  • 21%Nein, aber ich finde es gut, dass darüber diskutiert wird.

Das könnte dich auch interessieren:

Ein Polaroid-Foto, jeden Tag, 18 Jahre lang – bis Jamie stirbt

Junge Eritreer und das Alkoholproblem

So konsumieren Zürcher ihre Drogen – 11 Fakten zu Kokain, MDMA und Co.

Aus diesen 7 Gründen ist Trump der Chancentod aller Rechtspopulisten

Europa aus Schweizer Sicht – böse, böse, böse, böse, böse

17 Momente, in denen die Migros einfach zu weit gegangen ist

Jep, Xenia Tchoumi(tcheva) gibt es immer noch – und sie ist äusserst erfolgreich

9 falsche Vorurteile, die Menschen ohne Katze leider immer noch haben

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

User-Review:
Micha-CH, 16.12.2016
Beste News App der Schweiz. News und Unterhaltung auf Konfrontationskurs.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
5 Kommentare anzeigen
5
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • _kokolorix 23.06.2016 07:32
    Highlight Eigentlich geht das ja zu wenig weit. Wir sollten die Grundrechte von Tier und Mensch angleichen und vielleicht sogar Pflanzen miteinbeziehen. Aber das wird politisch nicht umsetzbar sein, bei soo vielen vernünftigen Christen hier. Wo doch klar ist, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist...
    1 1 Melden
    600
  • Anam.Cara 23.06.2016 07:28
    Highlight Jetzt habe ich auch mal Mühe mit einem Titel. Grundrechte für Primaten und "Geichstellung von Mensch und Affe" hat etwa die gleiche Qualität wie Eisfischen am Äquator oder Springflut im Zugersee.
    Und ja, wenn der Titel nicht masslos übertrieben wäre, hätte ich den Artikel wahrscheinlich übersprungen. Dennoch habe ich mich kurz geärgert, weil der Titel suggeriet, dass Primaten eine Parlamentarier-Quote und Anspruch auf AHV erhalten sollen.
    1 1 Melden
    • _kokolorix 23.06.2016 19:43
      Highlight Ähh, Parlamentarier-Quote?
      Dann wären ja Primaten besser gestellt als Frauen!
      1 2 Melden
    600
  • Bowell 23.06.2016 07:18
    Highlight Den Absatz bezüglich Versuchen an der UZH hätte man um einiges neutraler schreiben können. Die Versuche sind nicht grausam, sondern müssen nach den Richtlinien der Schweizer Tierschutzgesetzgebung durchgeführt werden, die eine sorgfältige Güterabwägung voraussetzt.
    1 0 Melden
    • _kokolorix 23.06.2016 19:41
      Highlight Da die Versuche ja nicht grausam sind, könntest du dich mal zur Verfügung stellen.
      Ich bin dann schon interessiert, ob du nach den Versuchen immer noch der Meinung bist, dass sie nicht grausam sind!
      0 1 Melden
    600

Nazi-Partei wird wegen Nichteinhaltung von «Scherz-Gutschein» verklagt

Der Ticker für super-nice, fröhliche und motivierende News.

Im letzten Jahr erhielten viele linke Politiker und Flüchtlingshelfer in Deutschland eine niveaulose Postkarte zugesendet. «Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!», hiess es auf der Postkarte, versendet von der rechtsradikalen Partei «Der Dritte Weg».

«Gutschein» steht groß auf der Postkarte. Auf der Rückseite soll der Empfänger ankreuzen, ob er per Schiff, Flugzeug oder über die Balkanroute Richtung Afrika ausreisen will.

Der Olper Stadtrat Kai Blitzer (Nordrhein-Westfalen) nahm …

Artikel lesen