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FILE - In this Monday, June 10, 2013, file photo, developers look over new apps being displayed on iPads at the Apple Worldwide Developers Conference in San Francisco. After Apple reported financial results Tuesday, July 26, 2016, expect to hear a lot more from the company about the virtues of mobile apps and online services in coming months. And for good reason: They're just about the only part of Apple's business that's growing right now. (AP Photo/Eric Risberg, File)

Szene von der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC. Apps bringen immer mehr Geld, aber es profitieren längst nicht alle Entwickler. Und auch die User gehören zu den Leidtragenden. Bild: Eric Risberg/AP/KEYSTONE

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Der App Store von Apple hat ein Zombie-Problem – und du bist auch betroffen

Über 50 Milliarden Dollar hat Apple bereits an App-Entwickler ausbezahlt. Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Was nur die wenigsten iPhone- und iPad-User wissen dürften: 90 Prozent der Apps bekommen sie nicht zu Gesicht.



Der 2008 von Apple lancierte App Store hat sich zu einer Geldmaschine entwickelt.

Konzernchef Tim Cook verkündete am Mittwoch via Twitter, dass mit dem Juli ein Rekordmonat verzeichnet worden sei. Noch nie habe man so viel Geld an die Entwickler ausbezahlt.

Dann «verriet» Cook eine unglaublich klingende Zahl...

Das Internet reagierte prompt

Und natürlich gab es auch Spott an die Adresse des grossen Rivalen

Zwar werden auf der von Google betriebenen Android-Plattform Google Play doppelt so viele Apps heruntergeladen wie in Apples App Store. Der Umsatz soll jedoch nur halb so hoch sein.

Was der Apple-Chef anlässlich des jüngsten App-Store-Rekordes nicht speziell betonen wollte, was aber das Top-Management und die Investoren umso mehr freuen dürfte:

Dank der App-Entwickler hat Apple bislang über 21 Milliarden Dollar verdient

Bekanntlich kassiert die Plattform-Betreiberin 30 Prozent des Umsatzes, der über den App Store gemacht wird.

Dass Apple bei den Apps ausgerechnet im Juli 2016 einen neuen Umsatz-Rekord verzeichnen konnte, dürfte nicht zuletzt auf Pokémon Go zurückzuführen sein. In der vergangenen Woche wurde die Marke von 100 Millionen Downloads erreicht.

Das neue Kultspiel schlägt alle Download-Rekorde für das iPhone und iPad und spült dank In-App-Verkäufen nicht nur der Entwicklerfirma richtig viel Geld in die Kasse.

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Die Nummer 1 bei den Gratis-Apps...

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...und der grösste Umsatzbringer. screenshots: watson

Selbstverständlich kassiert Apple als Plattform-Betreiberin auch bei allen Pokémon-Go-Deals 30 Prozent.

Die Analysten der US-Investment-Firma Needham machten schon im Juli zu Beginn des Hypes eine eine krasse Prognose:

Apple könnte dank Pokémon Go innert zwei Jahren über 3 Milliarden Dollar verdienen.

Das sind natürlich prächtige Aussichten für das reichste Unternehmen der Welt, das sich in den vergangenen Wochen mit weniger erfreulichen Prognosen beschäftigen musste. Kritiker und Analysten sehen Apple nach dem Rückgang der iPhone-Verkaufszahlen wieder mal im Niedergang.

Fest steht: Wenn die Einnahmen durch Hardware-Verkäufe zurückgehen, werden die so genannten «Services» – darunter eben der App Store – immer wichtiger.

Allerdings hat Apple diesbezüglich noch einige Hausaufgaben zu machen. iTunes und der dazugehörende App Store stehen seit Jahren unter Beschuss. Und zwar wegen...

Zombie-Apps

Im App Store sind 2 Millionen Apps verfügbar. Doch nur ein relativ kleiner Prozentsatz davon ist gut aufzufinden. Laut einer aktuellen (und unabhängigen) Studie der international tätigen Marktforschungsfirma Adjust «versanden» 90 Prozent aller Anwendungen in den Tiefen des App Stores. 

Gemäss der Klassifikation von Adjust ist eine App dann ein Zombie, wenn sie es nie in irgendwelche App-Rankings für mindestens zwei Tage geschafft hat. «Sprich, sie ist für die meisten Nutzer fast unsichtbar, weil sie auch bei der Suche im Store nicht dargestellt wird», hält das deutsche Apple-Fachmagazin Macwelt fest.

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Das Problem der Zombie-Apps habe sich in den letzten zwei Jahren verschärft, konstatiert die aktuelle Adjust-Studie mit dem Titel «The Zombie Uprising» (das PDF-Dokument kann hier über die Adjust-Website kostenlos angefordert werden).

Tatsächlich werden die App-Ranglisten von bekannten Namen dominiert. Was Facebook und die anderen mächtigen App-Anbieter freut, macht sich bei kleinen Entwicklern schmerzlich im Portemonnaie bemerkbar: Anwendungen, die gar nicht wahrgenommen werden, bringen keinen Umsatz.

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Die App-Zombie-Rate variiert leicht nach Ländern, am höchsten ist sie in den USA und Australien. screenshot: adjust-studie «the zombie uprising»

Aufgrund der hohen Zombie-Rate kommt «Macwelt» zum Fazit, dass die App-Entwickler selber gefordert seien:

«Hier wird klar, dass Apple trotz dem Versprechen von 2014, die Suche im App Store intuitiver zu machen, es dennoch nicht geschafft hat, einen funktionierenden Mechanismus zur Entdeckung (oder Empfehlung) der neuen Apps zu bringen. Hier bleibt wohl den App-Entwicklern und -Betreibern wohl nur eine Lösung: sich um das Marketing der eigenen Programme selber zu kümmern.»

Einen kleinen Trost gibt es aus Sicht der Entwickler und User: Apple hat das Problem erkannt und arbeitet an Lösungen. So soll die nächste Version des mobilen Betriebssystems, das für Herbst erwartete iOS 10, einige Verbesserungen bringen.

Im Herbst kommt App-Werbung

Eine kleine, aber gewichtige Änderung: Neu sollen keine Apps mehr in Listen wie den «Highlights» aufgeführt werden, falls sie bereits auf dem jeweiligen Gerät installiert sind.

Eine grössere Veränderung betrifft die Entwickler. Sie können neu im App Store für ihre Produkte werben. Ob die zu den Suchresultaten eingeblendeten Anzeigen eine spürbare Verbesserungen bringen, muss sich zeigen.

Zu begrüssen ist auf jeden Fall, wenn die Apple-Ingenieure die in den App Store integrierte Suchfunktion endlich aufmotzen. Wünschenswert wäre etwa eine erweiterte Suche, bei der sich die Ergebnisse nach verschiedenen Kriterien filtern lassen.

Wie zufrieden bist du mit der Suchfunktion im App Store?

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