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Der Schweizer Weg aus der Pandemie – das ist der Plan des Bundesrates

Covid-Gesetz: Am 13. Juni stimmen wir über die Behandlung der Coronavirus-Pandemie durch den Bundesrat in der Schweiz ab.
Bild: keystone/shutterstock

Der Drei-Phasen-Plan: So will der Bundesrat zurück zur Normalität

21.04.2021, 15:0021.04.2021, 16:51

Der Bundesrat geht nicht davon aus, dass vor Ende Mai weitere Lockerungen der Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus möglich sind. Längerfristig will er mit einem Drei-Phasen-Modell zur Normalität zurückkehren. Verläuft alles nach Plan, würde im August der schrittweise Weg in die Normalität gesucht.

Das war die PK vom 21. April

Video: watson

So sieht der Plan im Detail aus:

Schutzphase: Impfen der besonders gefährdeten Personen

Die letzten Senioren in den Pflegeheimen des Kantons Aargau werden mit dem Impfstoff gegen Corona geimpfen, im Seniorenheim Wasserflue in Kuettigen, Kt. Aargau, am Donnerstag, 18. Maerz 2021. Der Kant ...
Die letzten Senioren in den Pflegeheimen im Aargau werden geimpft.Bild: keystone
  • Voraussichtliche Dauer: Bis Ende Mai
  • Ziel: Alle impfwilligen besonders gefährdeten Personen mit zwei Dosen vollständig impfen
  • Mögliche Lockerungen: Keine weiteren. Bestehende Massnahmen gelten bis mindestens 26. Mai
  • Geltende Richtwerte:
    – 14-Tages-Inzidenz: 450 Neuansteckungen pro 100'000 Einwohner
    – Hospitalisierungen im 7-Tages-Schnitt: 120
    – Belegung Intensivbetten im 15-Tage-Schnitt: 300 Betten
    – R-Wert: 1.15

Die Schutzphase dauert so lange an, bis alle impfwilligen besonders gefährdeten Personen vollständig, das heisst mit zwei Dosen, geimpft sind. Bei einer Impfbereitschaft von 75 Prozent geht der Bundesrat davon aus, dass diese Phase Ende Mai 2021 beendet sein wird.

Vor Beendigung dieser Schutzphase werden «kaum weitere Öffnungsschritte möglich sein», so der Bundesrat. Der Bundesrat werde am 12. Mai 2021 eine Auslegeordnung vornehmen und dann den Kantonen allenfalls ein Öffnungspaket vorlegen. Bis dahin müssten die aktuell bestehenden Schutzmassnahmen beibehalten werden.

Der Bundesrat hat zur Beurteilung der epidemiologischen Lage Richtwerte für allfällige Verschärfungen definiert. Werden einzelne oder mehrere dieser Richtwerte überschritten, wird der Bundesrat erneute Massnahmenverschärfungen prüfen und gegebenenfalls ergreifen, teilte er am Mittwoch mit.

Stabilisierungsphase: Zugang zur Impfung für die gesamte erwachsene Bevölkerung

Zuschauer verfolgen das Fussball Meisterschaftsspiel der Challenge League zwischen dem Grasshopper Club Zuerich und dem FC Schaffhausen im Letzigrund, am Samstag, 24. Oktober 2020 in Zuerich. (KEYSTON ...
In dieser Phase wären je nach Entwicklung wieder Veranstaltungen denkbar.Bild: keystone
  • Voraussichtliche Dauer: Bis Ende Juli
  • Ziel: alle Erwachsenen Personen in der Schweiz impfen, die das wollen (voraussichtlich 60 Prozent)
  • Mögliche Lockerungen: u.a. Homeoffice-Pflicht aufheben, Lockerungen bei Bars, Clubs und Grossveranstaltungen
  • Geltende Richtwerte:
    - 14-Tages-Inzidenz: 600 Neuansteckungen pro 100'000 Einwohner
    - Hospitalisierungen im 7-Tages-Schnitt: 120
    - Belegung Intensivbetten durch Covid-19-Patienten im 15-Tage-Schnitt: 300
    Betten- R-Wert: 1.15

Während der Stabilisierungs-Phase sind noch nicht alle Personen geimpft, die sich schützen möchten. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass gerade bei einer starken Zunahme an verabreichten Impfungen nochmals mit einer Beschleunigung der epidemischen Entwicklung gerechnet werden muss, weil die Akzeptanz der Schutzmassnahmen laufend abnimmt. Deshalb hat der Bundesrat auch für diese Phase Richtwerte für allfällige Verschärfungen definiert. Dabei dürfen die Fallzahlen höher sein als in der Schutzphase; die Richtwerte für den R-Wert, die IPS-Auslastung und die Hospitalisierung sind jedoch unverändert.

Gemäss Bundesrat stehen in der Stabilisierungsphase grosse Impfstoffmengen zur Verfügung. Die gesamte erwachsene Bevölkerung erhalte in dieser Phase Zugang zur Impfung. Bei einer Impfbereitschaft der Bevölkerung von 60 Prozent (Schätzungen aufgrund von Umfragen) geht der Bundesrat davon aus, dass alle impfwilligen Erwachsenen bis Ende Juni mindestens eine erste Impfung erhalten haben.

Der Abschluss dieser Phase hänge von der Impfbereitschaft der Bevölkerung ab. Es könne aber angenommen werden, dass die vollständige Impfung (2 Dosen) der erwachsenen Bevölkerung bis Ende Juli 2021 abgeschlossen ist. Voraussetzung ist, dass es bei den Impfstoffproduzenten zu keinen weiteren Lieferproblemen kommt und die Verimpfung planmässig voranschreitet.

Wenn die Fallzahlen, die Hospitalisierungen und die Belegung der Intensivstationen stabil sind, sind in dieser Phase weitere Öffnungsschritte vorgesehen, der erste allenfalls am 26. Mai 2021. Möglich sind etwa der Präsenzunterricht an den Hochschulen und das Ersetzen der Home-Office-Pflicht durch eine Empfehlung.

Möglich sind zudem weitere Lockerungen im Sport- und Freizeitbereich, im Detailhandel und – sofern es die epidemiologische Lage erlaubt – auch die Wiedereröffnung der Innenbereiche der Restaurants.

Weitere mögliche Öffnungen in Schritten in der Stabilisierungs-Phase betreffen Orte mit hohem Übertragungsrisiko wie Grossveranstaltungen, Bars oder Diskotheken. Hat die Durchimpfungsrate rund 40 bis 50 Prozent erreicht, soll ein selektiver Zugang für Geimpfte, Getestete und Genesene eingeführt werden. Zum Nachweis wird derzeit ein einheitliches, fälschungssicheres und leicht überprüfbares Zertifikat entwickelt (Covid-Zertifikat).

Normalisierungsphase: Aufhebung der Massnahmen

ARCHIVBILD ZUR ERLAUBNIS VON VERANSTALTUNGEN MIT MEHR ALS 1000 PERSONEN AB OKTOBER DURCH DEN BUNDESRAT, AM MITTWOCH, 12. AUGUST 2020 - Fans enjoy the concert with Macklemore at the Zuerich Openair in  ...
In der letzten Phase sollen die letzten Einschränkungen aufgehoben werden.Bild: keystone
  • Voraussichtliche Dauer: Ab August bis unbekannt
  • Ziel: Alle Massnahmen aufheben
  • Mögliche Lockerungen: Keine Massnahmen mehr.
  • Geltende Richtwerte:
    - Bei drohender Überlastung des Gesundheitssystems: Nur noch einschränkende Massnahmen für nicht geimpfte Personen
    - Keine Einschränkungen für alle Personen mit gültigem Covid-Zertifikat (geimpft, genesen oder zeitnah getestet)​

Sobald alle impfwilligen erwachsenen Personen geimpft sind, beginnt die Normalisierungsphase. Die verbleibenden Massnahmen (Zugangs- und Kapazitätsbeschränkungen) sollen dann schrittweise aufgehoben werden.

An dieser Strategie soll auch dann festgehalten werden, wenn die Impfbereitschaft der Bevölkerung entgegen der Erwartungen tief bleibt. Es sei davon auszugehen, dass sich langfristig nicht-geimpfte und nicht-genesene Personen anstecken werden. Je grösser der Anteil dieser Personen ist, desto wahrscheinlicher dürften mögliche Ausbrüche sein, und desto höher wird auch die Zahl der schweren Krankheitsverläufe und Todesfälle ausfallen.

Sollte sich das epidemischen Geschehen trotz allem verschärfen und eine Überlastung des Gesundheitssystems drohen, behält sich der Bundesrat vor, bestimmte Massnahmen wie Maskentragpflicht, Schutzkonzepte, Abstandregeln oder Kapazitätsbeschränkungen für eine gewisse Zeit beizubehalten oder erneut einzuführen. Diese sollen jedoch nur noch für die Personen vorgesehen werden, die kein Covid-Zertifikat vorweisen können. (meg)

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