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epa06976919 A photo made available on 27 August 2018 shows Russian President Vladimir Putin on an outdoor trip during his visit in the Tuva region in Siberia, Russia, 26 August 2018.  EPA/ALEXEI NIKOLSKY / SPUTNIK  / KREMLIN POOL / POOL MANDATORY CREDIT

Macht nicht nur auf Bären Jagd: Wladimir Putin in seinen Sommerferien in Sibirien. Bild: EPA/SPUTNIK POOL

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Gewinnt Putin den Krieg nach dem Kalten Krieg?

Die USA werden immer mehr wie Russland. Werden die Zwischenwahlen im November diesen Trend stoppen?



Donald Trump hat einst damit geprahlt, dass er am helllichten Tag jemanden auf der Fifth Avenue in New York erschiessen könne – ohne Folgen. So weit ist es (noch) nicht gekommen. In der vergangenen Woche ist jedoch klar geworden, dass er sich problemlos wie ein Mafiaboss verhalten kann. Seiner Beliebtheit bei den Hardcore-Fans hat dies keinerlei Abbruch getan, ebensowenig sein schäbiges Verhalten nach dem Tod von John McCain.

«Was wir bei Trump und seinen Kumpels in der Grand Old Party beobachten können, ist der Anfang der ‹Russifizierung der amerikanischen Politik›.»

Thomas Friedman

Amerika hat den Kalten Krieg gewonnen. Demokratie und Rechtsstaat haben über Totalitarismus und Willkür gesiegt. Unter Trump jedoch werden die US-Institutionen brüchig. Russische Sitten haben in der amerikanischen Politik Einzug gehalten und bedrohen die viel gelobten «checks and balances».

Alles ist relativ geworden: Trumps Beraterin Kellyanne Conway spricht von «alternativen Fakten», sein Anwalt Rudy Giuliani erklärt, dass «die Wahrheit nicht immer die Wahrheit» sei. Derweil stellt Trumps Speichellecker bei Fox News, Sean Hannity, die Realität auf den Kopf und behauptet unverfroren, nicht Trump, sondern Hillary Clinton habe mit den Russen kooperiert.

Counselor to the President Kellyanne Conway, speaks to a member of the media outside the West Wing of the White House in Washington, Friday, June 29, 2018. (AP Photo/Pablo Martinez Monsivais)

Hat die «alternativen Fakten» erfunden: Kellyanne Conway. Bild: AP/AP

Angesichts dieser Entwicklung stellt Thomas Friedman, Kolumnist in der «New York Times», fest: «Die Frage, wer den Kalten Krieg gewonnen hat, stellt sich erneut. Was wir bei Trump und seinen Kumpels in der Grand Old Party beobachten können, ist der Anfang der ‹Russifizierung der amerikanischen Politik›. Wladimir Putin könnte also den Krieg nach dem Kalten Krieg gewinnen.»

Am 6. November steht die US-Demokratie auf dem Spiel

Ob die von Friedman angemahnte Entwicklung sich vom Konjunktiv zum Indikativ wandelt, hängt vom Ausgang der Zwischenwahlen ab. Gelingt es den Republikanern, ihre Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses (Abgeordnetenhaus und Senat) zu behalten, dann wird die «Russifizierung» weiter voranschreiten.

Putin macht eine Instastory

Video: watson/Emily Engkent

Ohne Pathos kann man daher sagen: Am 6. November steht das Schicksal der US-Demokratie auf dem Spiel. Der Wahlkampf wird denn auch mit ungewohnter Heftigkeit und allen dreckigen Tricks geführt.

Wie 2016 stellt sich Trump als Opfer dar und jammert, dass er von Google und Facebook unfair behandelt werde. Seine evangelikalen Anhänger hat er gewarnt, die Demokraten würden im Falle eines Wahlsieges «alles rückgängig machen, was wir erreicht haben, und zwar rasch und notfalls mit Gewalt».

Fox News lässt derweil in einer Endlosschleife ein angebliches Memorandum der Demokraten ablaufen. Die Linken würden im Fall eines Wahlsieges verlangen, dass Trump seine Steuererklärung offen legt und mehr Transparenz über seine Geschäfte fordern, heisst es unter anderem.

Die «blaue Welle» hat eine Chance

Das ist erst der Anfang, denn die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer «blauen Welle» kommen wird, ist gross. Nate Silver, der bekannteste Umfrageguru der USA, beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass die Demokraten das Abgeordnetenhaus zurückerobern, auf 70 Prozent.

Ein Wahlsieg der Demokraten würde die Dynamik in Washington völlig verändern. Devin Nunes, der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses der Geheimdienste, könnte nicht mehr wie bisher sämtliche Anliegen der Demokraten abwürgen und Scheinanklagen gegen Vertreter eines angeblichen «Deep State» vorbringen. Stattdessen würde der Demokrat Adam Schiff das Szepter übernehmen und alle Hebel in Bewegung setzen, Licht in die nach wie vor ungeklärte Russland-Affäre zu bringen.

Diese Aussicht versetzt das Weisse Haus in Panik. So berichtet die «Washington Post», Trump spiele erneut mit dem Gedanken, seinen Justizminister Jeff Sessions zu entlassen, um einen willfährigen Handlanger einzusetzen, der dann den Sonderermittler Robert Mueller feuert.

Gleichzeitig werden neue Sündenböcke bei der Strafverfolgung aufgebaut. Jüngstes Opfer ist Bruce Ohr, ein hoher und sehr verdienter Mitarbeiter im Justizdepartement. Er soll angeblich das FBI beim Steele-Dossier belogen haben.

Es wird noch viel schlimmer werden

Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass der Ton im Wahlkampf sich in den kommenden Wochen noch verschärfen wird. Unsicher ist hingegen, was geschehen wird, sollte die «blaue Welle» tatsächlich eintreten. Wird Trump einen Sieg der Demokraten akzeptieren?

Die Antwort ist alles andere als klar, die Folgen wären erschreckend: «Noch ein paar Jahre Russifizierung und das Verrotten wird allgegenwärtig sein», warnt Friedman. «Russland wird den Krieg nach dem Kalten Krieg gewonnen haben.»

So reagiert der US-Geheimdienst-Chef auf Putins Staatsbesuch

Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • TheCloud 31.08.2018 05:22
    Highlight Highlight Passt schon. Ein Land in dem knapp die Hälfte der Wähler Trump wählt, ist der Demokratie nicht würdig.
  • Sebastian Wendelspiess 30.08.2018 16:13
    Highlight Highlight Schäbig ist vorallem, wie die Medien diesen Kriegstreiber und Mörder McCain gelobt und verehrt haben. Gegen Trump scheint alles Recht...
    • Sebastian Wendelspiess 30.08.2018 17:21
      Highlight Highlight @roger.schmid nur bin ich kein Medium welches die Meinung vieler Leute beeinflusst
    • Juliet Bravo 30.08.2018 18:26
      Highlight Highlight Unterschätz dich mal nicht😉 - ich weiss ja nicht wieviele Freunde du bei FB hast oder dir sonstwo folgen kkk
    • The Destiny // Team Telegram 30.08.2018 19:18
      Highlight Highlight @Schmid, wie war das nochmal mit Whataboutismus?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Schneemaa 30.08.2018 15:56
    Highlight Highlight "die blaue Welle hat eine Chance": hoffentlich täuscht sich Nate Silver nicht wie damals, im 2016...

    https://projects.fivethirtyeight.com/2016-election-forecast/?ex_cid=2016-forecast-analysis
  • Wilhelm Dingo 30.08.2018 15:45
    Highlight Highlight Russifizierung, ein neues Wort von Herr Löpfe welches der Kriegspropaganda gegen Russland dient. Unverantwortlich. Was in den USA passiert ist tatsächlich dramatisch und sollte treffender als sich entwicklende Oligarchie o.ä. bezeichnet werden.
    • Juliet Bravo 30.08.2018 16:10
      Highlight Highlight Wäre ja dann wieder das selbe.
    • Wilhelm Dingo 30.08.2018 19:51
      Highlight Highlight Stibbs: Warum? Wie ordnest Du die Verwendung solcher Begriffe ein?
    • Juliet Bravo 30.08.2018 20:29
      Highlight Highlight In Ru ist es noch stärker eine mafiöse Struktur. Die US-Oligarchie geht unter Trump in diese Richtung. Das war wohl was Löpfe gemeint hat.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Theor 30.08.2018 14:31
    Highlight Highlight "...die viel gelobten «checks and balances»."

    Von wem, ausser den Amis selbst, werden denn die in Amerika zum Einsatz gebrachten checks and balances gelobt?

    Amerika hat für ein demokratisches System das marodeste Staats- und Parteisystem der Welt. Es existieren nur 2 Parteien, welche beidesamt zu tiefst korrupt sind und ihre Anwärter wegen Networking und Lobbysmus stellen. Der Wähler kann nur noch zwischen Scheisskandidat1 und Scheisskandidat2 wählen. Danach bestimmen diese dann jahrelang alles selber, ohne dass der Bürger noch irgendwas dazu sagen könnte.
    • MARC AUREL 30.08.2018 15:28
      Highlight Highlight Ist es bei uns wirklich besser? Unsere Politiker lassen sich schmieren und wir müssen selber schauen wie wir über die Runden kommen!
    • Sebastian Wendelspiess 30.08.2018 16:25
      Highlight Highlight @stibbd ist ähnlich bei uns mit dem Ständemehr. Anspnsten würden Kalifornien und New York den Präsident wählen, wäre auch nicht wirklich fair.
    • Sebastian Wendelspiess 30.08.2018 17:06
      Highlight Highlight @stibbs trotzdem; die Mehrheit der Staaten hat Trump gewählt, so sind die Spielregeln und die waren von Anfang an klar.

      Klar das mit CA & NY war etwas überspitzt formuliert, aber ich glaube du weisst worauf ich hinaus wollte.
  • Posersalami 30.08.2018 14:12
    Highlight Highlight "Amerika hat den Kalten Krieg gewonnen."

    Was für eine widerliche Denke, typisch für einen Transatlantiker. Den Kalten Krieg hat keine Seite gewonnen! Gewonnen hat die Menschheit, weil der Krieg ohne heiss zu werden zu Ende gegangen ist!

    Meine Güte..
  • 77 Angels 30.08.2018 14:09
    Highlight Highlight Das BIP schrumpft, das Volk murrt.

    Gewinnen sieht anders aus ...

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Anne Applebaum ist einer renommierte Geschichtsprofessorin. Sie ist amerikanisch-polnische Doppelbürgerin und galt lange als solide Konservative. Ihr Ehemann war Aussenminister in der liberalen Regierung Polens. Sie selbst hat sich mit Büchern über die Grausamkeiten in der UdSSR unter Stalin einen Namen geschaffen.

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