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Die Corona-Sommerwelle ist da – so unterschiedlich sind die Massnahmen in der Schweiz

848 Coronapatienten waren am Dienstag hospitalisiert – das sind 42 Prozent mehr als in der Vorwoche. Dennoch halten sich die Behörden mit neuen Massnahmen zurück. Nur Branchenverbände verschärfen die Empfehlungen zum Maskentragen.
29.06.2022, 07:36
Doris Kleck, Michael Graber / ch media

In der vergangenen Woche wurden dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) 33’108 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet. Zum Vergleich: In der vergangenen Woche waren es noch deren 24’704. Schon in den Wochen vorher waren die Zahlen stets gestiegen. Und die hohe Positivitätsrate deutet auf eine hohe Dunkelziffer hin. Wie hoch sie ist, vermag das BAG auf Anfrage nicht zu beziffern.

Auf eine Wiedereinführung der Maskenpflicht hat der Bund trotz steigenden Fallzahlen bislang verzichtet.
Auf eine Wiedereinführung der Maskenpflicht hat der Bund trotz steigenden Fallzahlen bislang verzichtet.Bild: keystone

Die Sommerwelle ist da – da gibt es keine Zweifel. Doch was soll man tun? Einfach durchrasseln lassen oder neue Massnahmen erlassen? In Frankreich etwa hat jüngst die Gesundheitsministerin empfohlen, im öffentlichen Verkehr wieder Masken zu tragen.

In der Schweiz überwacht das Bundesamt für Gesundheit die Ausbreitung des Virus. Doch für allfällige Massnahmen sind die Kantone zuständig. Und einen generellen Handlungsbedarf sehen diese derzeit nicht. Rudolf Hauri, oberster Kantonsarzt aus Zug, hält fest: «Nach unserer Einschätzung braucht es im Moment keine behördlichen Anordnungen».

Rudolf Hauri sagt, es brauche derzeit keine allgemeinen Massnahmen.
Rudolf Hauri sagt, es brauche derzeit keine allgemeinen Massnahmen.Bild: keystone

Einige Spitäler sind streng, andere lax

Das heisst aber nicht, dass alle tatenlos zusehen. So haben sowohl Swissnoso, das nationale Zentrum für Infektionsprävention, sowie die Ärztevereinigung FMH die Empfehlungen an ihre Mitglieder verschärft, weil sich die Omikron-Subvariante BA.5 rasch ausbreitet. Konkret empfiehlt Swissnoso, dass das Gesundheitspersonal, aber auch die Patienten und Besuchenden in den Spitälern eine Maske tragen – wenn sie mit anderen Kontakt haben.

Das wiederum heisst: Die Spitäler gehen unterschiedlich mit der Maskenfrage um. Im Kanton Zug etwa haben die Akutsomatikspitäler die Swissnoso-Empfehlungen übernommen. Andere haben die Maskenpflicht gar nie abgeschafft – darunter das Berner Inselspital oder das Universitätsspital Zürich. «Mitarbeitende, Patientinnen sowie Besucher tragen eine chirurgische Maske beim Gespräch oder bei der Interaktion mit anderen Personen. Im Patientenzimmer tragen Patienten die Maske, sobald sie das Bett verlassen», heisst es in Zürich. Und im Universitätsspital Basel gilt in Bereichen mit Patientenkontakt – etwa Patientenzimmern, Stationsgänge oder Wartebereichen – eine Maskenpflicht. Für Besuchende ist sie überall obligatorisch.

Die Hürden für nationale Empfehlungen sind hoch

Andere Spitäler sind weniger restriktiv. Im Kantonsspital Luzern beispielsweise müssen lediglich Mitarbeitende eine Maske tragen, sofern sie Symptome haben oder im Kontakt mit Patientinnen und Patienten mit stark beeinträchtigtem Immunsystem sind. Allerdings prüft das Spital die Wiedereinführung einer generellen Maskentragpflicht. Im Kantonsspital St.Gallen besteht keine Maskenpflicht mehr.

Die Tendenz ist aber klar: Die Maske kehrt in die Spitäler zurück – wenn auch die Anwendung teilweise unterschiedlich ist. Auch für die Westschweiz gilt diese Beobachtung. So haben die Spitäler letzte Woche in den Kantonen Neuenburg und Wallis eine generelle Maskenpflicht eingeführt.

In Spitälern im Kanton Neuenburg sind Masken wieder vorgeschrieben.
In Spitälern im Kanton Neuenburg sind Masken wieder vorgeschrieben.Bild: EPA

Die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) verweist darauf, dass das Tragen von Masken gerade im Kontakt mit besonders gefährdeten Personen angezeigt sein kann. Die Empfehlungen der Fachvereinigungen und Berufsverbände für Arztpraxen und Spitäler seien deshalb sinnvoll. Einen weiteren Handlungsbedarf sieht die GDK indes nicht. Sie wird erst Empfehlungen ausarbeiten, wenn sich die epidemiologische Lage zuspitzt respektive eine Überlastung des Gesundheitswesens droht.

Die Hürden für Massnahmeempfehlungen auf Stufe GDK sind hoch. Vor allem aber: Die Kantone können ohnehin tun und lassen, was sie wollen. Die GDK koordiniert lediglich und gibt Empfehlungen ab. «Es gibt zurzeit noch keine Anzeichen dafür, dass die Gesundheitsversorgung durch die Sommerwelle einer besonderen Belastung ausgesetzt sein wird. Der definierte Prozess, um den Kantonen Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu empfehlen, wurde deshalb bisher nicht ausgelöst», sagt GDK-Sprecher Tobias Bär.

Kantone haben mögliche Massnahmen definiert

Bund und Kantone sind sich nach wie vor nicht einig, wer in der Pandemiebekämpfung im Lead sein soll. Vor allem für den Fall, dass sich die epidemiologische Lage im Herbst nochmals verschärfen sollte. Der Bundesrat sieht die Verantwortung in den Kantonen – er hat dazu ein entsprechendes Grundlagenpapier verabschiedet. Ursprünglich war angedacht, dass die Kantone dieses Papier mitunterzeichnen, doch davon wollten die Kantone nichts wissen. Sie sind der Überzeugung, dass gewisse Massnahmen für die ganze Schweiz gelten müssen. Etwa eine allfällige Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr.

Trotzdem haben nun auch die Kantone ein sogenanntes «Rebound Papier III» verabschiedet. Es zeigt auf, wie die Kantone auf einen Wiederanstieg von Covid-19 im Herbst reagieren können. Der Instrumentarienkatalog enthält wenig Überraschendes, von repetitiven Tests, Contact-Tracing, Schutzkonzepten für Veranstaltungen oder gar Veranstaltungsverboten bis hin zum Einsatz von Covid-Zertifikaten.

Im Bezug auf die Maskenpflicht schreibt die GDK im Papier, dass die Maskenpflicht eine hohe Wirksamkeit habe und auf die epidemiologische Situation anzupassen ist. Aber auch: «Die Wiedereinführung der Maskentragpflicht im ÖV stellt bei gesamtschweizerisch steigenden Hospitalisationen eine zentrale Massnahme dar». Sie hat also einen hohen Stellenwert, deshalb auch hier die Bitte an den Bundesrat: «Nach Ansicht der GDK wär sie national einzuführen».

Die GDK hält aber auch ein «frühzeitiges Empfehlen von Masken für einen zweckmässigen Weg». Eine solche Kommunikation könne bei Menschen, die sich freiwillig schützen wollen oder besonders gefährdete Personengruppen einem geringeren Risiko aussetzen wollen, unterstützend wirken. (aargauerzeitung.ch)

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65 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mätse
29.06.2022 09:04registriert September 2015
"... beispielsweise müssen lediglich Mitarbeitende eine Maske tragen, sofern sie Symptome haben"
Ähm, sollten kranke Mitarbeitende (egal ob Covid oder nicht) nicht generell zu Hause bleiben?
Bevor wir wieder über ein obligatorisches Maskentragen streiten, sollten wir vielleicht das zuerst irgendwie in den Griff bekommen.
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Mätse
29.06.2022 09:08registriert September 2015
"Ursprünglich war angedacht, dass die Kantone dieses Papier mitunterzeichnen, doch davon wollten die Kantone nichts wissen."
Nicht euer ernst liebe Kantone? Das kennen wir schon zur Genüge: Ihr wollt mitreden und entscheiden können, aber keine Verantwortung wahrnehmen und die unpopulären Massnahmen dem Volk vermitteln.
Das hat so bisher nicht funktioniert und die Lage jeweils eskalieren lassen!
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Phrosch
29.06.2022 08:40registriert Dezember 2015
Die Kantone haben ein Papier mit möglichen Massnahmen für den Herbst. Jetzt kommt die Welle schon im Sommer und keiner weiss, was zu tun ist? Wtf?!?
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