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John Krafcik, CEO von Waymo, präsentiert ein selbstfahrendes Auto auf der Basis eines Jaguars I-Pace.
John Krafcik, CEO von Waymo, präsentiert ein selbstfahrendes Auto auf der Basis eines Jaguars I-Pace.
Bild: AP/AP

Wer gewinnt das Elektroauto-Rennen? Tesla, VW – oder Google?

VW setzt auf eine neue Plattform, Google auf ein neues System: Die Autoindustrie steht vor einer Revolution.
31.01.2019, 14:3621.02.2019, 16:45

So, du glaubst also immer noch, Google sei ein IT-Unternehmen? Dann kennst du wahrscheinlich Waymo nicht. Wie Google ist dieses Unternehmen eine Tochter der Alphabet-Mutter – und es gilt als Zukunft der Autoindustrie.

Die Investmentbank Morgan Stanley schätzt den Wert von Waymo bereits auf 70 Milliarden Dollar, ungefähr gleich hoch wie VW, der grösste Autokonzern der Welt. Aber der Reihe nach:

«Ich glaube, dass ein riesiges virtuelles Netzwerk von tausenden von Kleinunternehmen letztlich obsiegen wird. Gemeinsam werden sie jeden Monolithen in die Knie zwingen.»
Bob Lutz

Die «Financial Times» hat in zwei längeren Artikeln die Zukunft der Autoindustrie unter die Lupe genommen und ist dabei zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Ausgehend von einer Analyse der Beratungsfirma Bain müssen GM & Co. bald einen doppelten Haken verkraften: Zuerst sagen die Bain-Berater eine Rezession der US-Wirtschaft in den nächsten 12 bis 18 Monaten voraus. Danach werden so viele Babyboomer in Pension gehen, dass die Verkäufe drastisch einbrechen.

Die Autoindustrie ist nicht sehr widerstandsfähig gegenüber Schocks. GM beispielsweise war bis 2007 während 76 Jahren unangefochtener Marktleader und hatte 25 Milliarden Dollar auf der Bank. 18 Monate später war das Unternehmen pleite.

Einst wurde GM durch japanische Hersteller bedroht, die bessere und billigere Autos produzierten. Heute hingegen kommt die Konkurrenz aus dem eigenen Land, aus dem Silicon Valley. Waymo ist der Nachfolger des Google-Autos, dieses niedlichen Gefährts, das geliebt, aber nicht ernst genommen wurde. Das war dann. Inzwischen ist ein völlig neues Businessmodell entstanden, das auf selbstfahrenden Autos und selbstlernender Software basiert.

Die Bain-Studie geht davon aus, dass die Nachfrage nach selbstfahrenden Robotaxis massiv zunehmen wird. Unterstützung erhalten sie von den Autoanalysten der UBS. Sie gehen davon aus, dass 2030 der Umsatz dieses heute praktisch inexistenten Marktes zwischen 1,3 und 2,8 Billiarden Dollar liegen wird. Zum Vergleich: Heute werden weltweit jährlich Autos im Wert von 2 Billionen Dollar verkauft.

Damit hat alles angefangen: Mit dem Google-Car.
Damit hat alles angefangen: Mit dem Google-Car.
Bild: AP/AP

Das Geschäft mit Robotaxis hat wenig mit dem traditionellen Autogeschäft zu tun. Nicht mehr Motoren und Fahreigenschaften stehen im Mittelpunkt. «Die Herausforderung der Hersteller liegt darin, Expertise auf den folgenden Gebieten zu gewinnen: selbstfahrende Algorithmen, Unterhaltung im Auto, Streaming-Dienste und das Managen einer Taxi-Flotte.»

Das Knowhow der traditionellen Hersteller wird obsolet

Was diese Herausforderungen betrifft, wird Waymo allgemein als führend betrachtet. Das Knowhow der traditionellen Hersteller hingegen ist für die Google-Tochter unbedeutend geworden. Die Autos werden von Luxusherstellern wie Jaguar bestellt und danach mit der entsprechenden Software ausgerüstet.

Das Potenzial, das sich in diesem Businessmodell eröffnet, ist noch lange nicht ausgeschöpft. «Sind Robotaxis einmal im Mainstream etabliert, kann Alphabet Daten von Google Maps und Search abschöpfen, mit YouTube und Playstore Unterhaltung verkaufen, Ratschläge mit Google-Home anbieten und seine Software dazu einsetzen, die Flotte zu managen», stellt die «Financial Times» fest.

Der Autohersteller der Zukunft ist in dieser Vision jemand, der mithilfe von hoch spezialisierten Kleinunternehmen hochmoderne Autos baut. «Ich glaube, dass ein riesiges virtuelles Netzwerk von tausenden von Kleinunternehmen letztlich obsiegen wird», sagt Bob Lutz, der Grand Old Man der Autoindustrie. «Gemeinsam werden sie jeden Monolithen in die Knie zwingen.»

Und was ist mit Tesla? Elon Musk wird seine Stellung als Pionier des Elektroautos wohl nicht so schnell verlieren. Bisher hat er jedoch sein Versprechen, ein bezahlbares Auto für den Mittelstand zu produzieren, nicht eingelöst. Genau an diesem Punkt setzt VW an.

Die Basler Polizei setzt auf Tesla. Für den Mittelstand sind die Autos von Elon Musk noch nicht erschwinglich.
Die Basler Polizei setzt auf Tesla. Für den Mittelstand sind die Autos von Elon Musk noch nicht erschwinglich.
Bild: KEYSTONE

Volkswagen ist derzeit der grösste Autohersteller der Welt. Der Erfolg der Wolfsburger beruht darauf, dass sie in der Lage sind, die Modelle ihrer zwölf Marken – darunter VW, Audi, Porsche, Skoda, Seat – auf gemeinsamen Plattformen zu fertigen. Dieses Prinzip will VW nun auf die Zukunft des Elektroautos übertragen und Tesla so das Wasser abgraben.

Die Basis bildet dabei eine Plattform, genannt MEB. Bereits 2015 soll sie Ausgangspunkt von 50 Modellen sein. Es handelt sich dabei um eine Art Skateboard, das für alle künftigen Elektroautos verwendet werden kann.

VW ist bereit, Geld für diese Plattform in die Hand zu nehmen, sehr viel Geld sogar. Allein in den nächsten fünf Jahren werden für MEB 30 Milliarden Euro investiert werden. «Diese Plattform bildet das Herzstück und die Seele von allem, was Volkswagen in Zukunft auf dem Gebiet der Passagierautos machen wird», sagt Johannes Buchmann von der Beratungsfirma FEV Consulting. «Es geht dabei nicht nur bloss um das Design der neuen Autos. Es umfasst die gesamte Organisation, die Supply Chain und die Qualität der Herstellung – also praktisch alles.»

So könnte die Tesla-Konkurrenz von VW aussehen.
So könnte die Tesla-Konkurrenz von VW aussehen.

Mit MEB pokert VW hoch. Setzt sich das Elektroauto nicht durch, sind Milliarden in den Sand gesetzt worden. Doch es lockt ein grosser Gewinn. Die Wolfsburger hoffen, dass ihr Auto-Skateboard die universelle Norm der Zukunft werden wird, ähnlich wie einst VHS den Standard von allen Videogeräten bildete. Zu diesem Zweck hat VW bereits eine Allianz mit Ford geschmiedet.

Auch in Wolfsburg denkt man mittlerweile über den Tellerrand der traditionellen Autoindustrie hinaus. Zusammen mit Microsoft hat man eine Cloud erstellt, die es ermöglicht, dass Autos bald miteinander kommunizieren werden. Diese IT-Infrastruktur soll Dritten geöffnet werden.

MEB soll zudem die Herstellungskosten massiv senken. Ein klassischer Benziner braucht heute zwischen 26 und 32 Mannstunden, bis er gefertigt ist. Bei einem Elektroauto sind es bloss 16 Stunden, Tendenz sinkend. Bis 2022 sollen bereits acht Fabriken mit MEB ausgerüstet sein. VW hofft so, bereits 2023 ein Elektroauto für 18’000 Euro auf den Markt zu bringen. Das wäre ein Drittel dessen, was man heute noch für einen Tesla hinblättern muss.

Elon Musk schickt ersten Tesla durch seinen Tunnel

Video: watson/nico franzoni
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