Medien
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIV - ZUM GEWINNEINBRUCH BEI TAMEDIA STELLEN WIR IHNEN DIESES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. - Blick auf das Gebaeude der Mediengruppe Tamedia, aufgenommen am Donnerstag, 19. Januar 2017 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Zu viele Mitarbeitende: Der Tamedia-Hauptsitz an der Zürcher Werdstrasse. Bild: KEYSTONE

Zu viel Personal – jetzt will Tamedia ihre Mitarbeiter mit Geld zum Abgang motivieren

Das grösste Medienhaus der Schweiz hat ein Problem: Weil es im Rahmen einer Reorganisation alle Bezahl-Zeitungen zu einer Mega-Redaktion zusammengelegt hat, gibt es zu viele Mitarbeiter. Weil zu Wenige freiwillig kündigen, bietet Tamedia jetzt Abgangsentschädigungen.



Das Verlagshaus Tamedia geht ungewohnte Wege, um die Anzahl Mitarbeiter zu reduzieren. Derzeit werden mit 10 bis 15 Mitarbeitern der Produktionsabteilung «Tamedia Editorial Services» – welche unter anderem für Layout, Korrektorat und Bildredaktion der Tamedia-Zeitungen zuständig ist – Gespräche über «interne Wechsel in neue Funktionen» und «Aufhebungsvereinbarungen mit einem finanziellen Beitrag» geführt. Sie werden in diesen Tagen darüber informiert. Diesen Sachverhalt bestätigt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer auf Anfrage von watson. Auch in der Mantelredaktion der Tamedia-Zeitungen seien ähnliche Angebote zukünftig «in Einzelfällen nicht auszuschliessen».

Eine solche Aufhebungsvereinbarung sei ein freiwilliges Angebot, so Zimmer. Sie setzt sich aus einem finanziellen Beitrag und einer sofortigen Freistellung bereits während der Kündigungsfrist zusammen. Die Modalitäten orientierten sich an vergangenen Sozialplänen – «zuzüglich einer Prämie». Wie hoch der Beitrag ausfalle, hänge von der individuellen Situation der Betroffenen ab: «Wir können uns dazu nicht im Detail äussern.»

Ziel der Aufhebungsvereinbarungen: Dank einem finanziellen Zustupf sollen die Mitarbeitenden dazu gebracht werden, das Arbeitsverhältnis mit Tamedia im gegenseitigen Interesse aufzulösen. Hintergrund des Schrittes: Die Tamedia ist nach einer Reorganisation neu aufgestellt und hat in der derzeitigen Form zu viele Mitarbeitende. Nun sucht das Verlagshaus nach Wegen, den Personalbestand zu reduzieren.

Diese Reorganisation begann mit einem Paukenschlag für die Schweizer Medienlandschaft. Im vergangenen August präsentierte Tamedia das «Projekt 2020»: Per Anfang 2018 legte das grösste Verlagshaus des Landes sämtliche Bezahlzeitungen in der Deutschschweiz und der Romandie zu je einer Redaktion zusammen, die sämtliche überregionalen Inhalte herstellt. In der Deutschweiz etwa beziehen 12 Tages- und Wochenzeitungen wie «Bund», «Berner Zeitung», «Landbote», «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung» ihre Politik-, Wirtschafts-, Sport- und Kulturberichterstattung von der zentralen «Redaktion Tamedia».

«Kündigungen nicht ausgeschlossen»

Damals sagte Konzernchef Christoph Tonini: «Mit der Einführung der neuen Organisation sind keine Kündigungen verbunden.» Diese Aussage erstaunte. Tamedia ist bekannt für ein strenges Kostenmanagement. Und das Verlagshaus begründete das Projekt «Projekt 2020» mit dem erwarteten Rückgang der Einnahmen um 30 Prozent über die nächsten drei Jahre. Mit dem neuen Projekt sollten ausserdem Synergien geschaffen und die Prozesse in den Supportdiensten Layout, Produktion, Korrektorat, Infografik und Bild effizienter werden.

Christoph Tonini, Vorsitzender der Unternehmensleitung, links, und Pietro Supino, Praesident des Verwaltungsrats, rechts, anlaesslich der Bilanz-Medienkonferenz der Tamedia AG am Donnerstag, 12. Maerz 2015, in Zuerich. Der Medienkonzern Tamedia weist fuers Jahr 2014 sowohl ein Umsatz- wie auch ein Gewinnwachstum aus. Waehrend das Umsatzplus hauptsaechlich im Digitalgeschaeft gruendet, hat Tamedia die Gewinnmarge in allen Geschaeftsfeldern verbessern koennen.(KEYSTONE/Anthony Anex)

Tamedia-Konzernchef Christoph Tonini (vorne) mit Verwaltungsratspräsident Pietro Supino. Bild: KEYSTONE

Bereits im März 2018 – bei der Präsentation der Geschäftszahlen des Vorjahrs – tönte es anders. Mit der neuen Arbeitsweise sei zu viel Personal angestellt, sagte CEO Christoph Tonini. Man wolle zwar am Vorhaben festhalten, «die Reorganisation über die Fluktuation zu bewältigen». Diese liegt derzeit bei 4 Prozent pro Jahr. Falls es in den kommenden drei Jahren nicht mehr natürliche Abgänge gebe, sei «nicht auszuschliessen, dass es in Zukunft zu Kündigungen kommen wird».

Auch Mantelredaktion betroffen

Mit den jüngsten Gesprächen über Aufhebungsvereinbarungen bei den «Editorial Services» hält Tamedia laut Sprecher Christoph Zimmer am Ziel fest, die notwendigen Anpassungen soweit möglich über Fluktuation sowie interne Wechsel und ohne Kündigungen zu erreichen. Allerdings gehe das Unternehmen davon aus, dass das alleine nicht ausreichen wird: «Wir können deshalb Kündigungen in der Produktionsabteilung ‹Tamedia Editorial Services› nicht ausschliessen.»

Das kann man bei Tamedia offenbar auch für die Mantelredaktion nicht, wo es in Einzelfällen ebenfalls zu Gesprächen über Aufhebungsvereinbarungen kommen könnte. Allerdings schränkt Zimmer ein: «Wir rechnen derzeit nicht damit, dass es in der Redaktion Tamedia zu einer grösseren Anzahl Kündigungen kommen wird». Vielmehr gehe es um einen Umbau von Bereichen, die schrittweise weniger Mitarbeiter benötigen würden hin zu Bereichen, die ausgebaut würden, wie etwa beim Datenjournalismus. In den Titelredaktionen der Deutsch- und Westschweizer Tamedia-Blättern seien hingegen keine Kündigungen vorgesehen.

Neues Redaktionssystem

Für die verbleibenden Mitarbeiter der «Editorial Services» wie für die Journalisten steht bald eine grössere Umstellung in ihrem Arbeitsalltag bevor: Ab Juli 2018 und schrittweise bis März 2019 werden die Tageszeitungen der Tamedia neu aufs Redaktionssystem «Woodwing Enterprise» umgestellt. Damit müsse eine Seite, die mit den gleichen Texten, Bildern und Infografiken in mehreren Zeitungen erscheint, nur noch einmal produziert und gestaltet werden. Bisher musste das für die gleichen Inhalte in bis zu drei Redaktionssystemen gemacht werden.

Die geplanten Gespräche mit den bis zu 15 Mitarbeitern der Editorial Services stünden aber nicht in direktem Zusammenhang mit der Einführung des neuen Redaktionssystems, sagt Zimmer: «Aber die neue Redaktionsorganisation und die Harmonisierung der Prozesse und der Layouts führen dazu, dass wir in Zukunft  weniger einzelne Seiten produzieren müssen und deshalb weniger Mitarbeitende benötigen.»

«Basler Zeitung» geht an Tamedia

So sieht es aus, wenn ein Typ aus den 90ern ins 2018 reist

abspielen

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

Das könnte dich auch interessieren:

«Der Zug stellt einfach ab»: So leiden die Lokführer unter den SBB-Pannen-Doppelstöckern

Link zum Artikel

Bellydah: «Diesen Job nennt man ‹Rap-Video-Bitch›»

Link zum Artikel

«Familie wird mich töten»: Rahaf auf Flucht aus Saudi-Arabien in Thailand vorerst sicher

Link zum Artikel

«Gölä ist die falsche Art von Büezer» – Nico bügelt mit dem Berner Rapper Nativ

Link zum Artikel

Warum die Bezahl-App Twint bei Schweizer Teenagern gerade so richtig durchstartet

Link zum Artikel

Jetzt muss Trump die Börse mehr fürchten als Mueller 

Link zum Artikel

Trump will den Notstand ausrufen – aber darf er das überhaupt?

Link zum Artikel

Drei Lawinen fordern eine Tote und mehrere Verletzte im Wallis

Link zum Artikel

«Das Beste im Mann» – mit diesem Anti-Sexismus-Werbespot läuft Gillette voll in den Hammer

Link zum Artikel

Der Lambo-Trottel, sein High-Heels-Schrank und ich

Link zum Artikel

Nico soll Schneeketten montieren und bringt damit den Chef zur Verzweiflung 😂

Link zum Artikel

Der einzige Schweizer auf Mikronesien braut Bier und lebt auf diesem Inselcheln

Link zum Artikel

Samsung, Huawei oder doch Nokia? Diese Android-Handys erhalten am längsten Updates

Link zum Artikel

Säntisbahn muss Betrieb für Monate einstellen

Link zum Artikel

Kann man wirklich zu lange schlafen?

Link zum Artikel

7 Dinge, die dir bei diesen bekannten Weihnachtsfilmen noch nie aufgefallen sind

Link zum Artikel

Wie der Schweizer Arzt Ruedi Lüthy in Simbabwe tausende Menschen vor dem Aids-Tod rettete

Link zum Artikel

Vorsicht! Mit den Apple-Ohrstöpseln wird das iPhone zur Wanze 😳

Link zum Artikel

So cool ist es WIRKLICH, im Januar auf Alkohol zu verzichten 🤔😂

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Warum Trump plötzlich die Sowjets verteidigt

Link zum Artikel

7 Wahlen hat er analysiert – jetzt meint er: «Das System könnte aus den Fugen geraten»

Link zum Artikel

Sie wollte dieses Kleid kaufen – und brach bei der Lieferung (zu Recht) in Tränen aus

Link zum Artikel

Wenn sogar Fox News Trumps Grenz-Lüge anprangert

Link zum Artikel

Sexy Särge oder phallische Felsen – welcher Wandkalender darf's denn sein?

Link zum Artikel

«Die toten Hoden» – neue Twitter-Challenge ruiniert die Namen deiner Lieblingsbands

Link zum Artikel

Die grosse Game-Vorschau: Auf diese 50 Spiele dürfen wir uns 2019 freuen

Link zum Artikel

10'000 Schüler demonstrieren für Klimaschutz

Link zum Artikel

6 Webseiten, auf denen du dir toll die Zeit totschlagen kannst – klicken auf eigene Gefahr

Link zum Artikel

Das Beste an den Golden Globes? Diese Wasserträgerin

Link zum Artikel

So hast du die Karriere von Roger Federer noch nie gesehen

Link zum Artikel

Die bizarre Liebesgeschichte der KZ-Aufseherin, die sich in eine Gefangene verliebte

Link zum Artikel

Genfer Caritas-Lagerleiter vergriff sich an jungen Mädchen

Link zum Artikel

Die grössten Apple-Irrtümer – was nicht nur iPhone-Fans wissen sollten

Link zum Artikel

Ein ziemlich seltsames Outfit – so erklärt Serena Williams ihren Netzstrumpf-Auftritt

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

14
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Makatitom 14.06.2018 10:43
    Highlight Highlight Liebe Verwatungsratten und Chief Executing Officers der Tamedia, ich bin zwar nicht bei euch angestellt, aber wenn ihr mir 4,8 Millionen in eine Rentenversicherung einzahlt, so, dass ich die nächsten 40 Jahre jeden Monat 10'000 ChF ausbezahlt bekommen, verspreche ich euch, mich auch nicht zu bewerben. Deal?
  • Chaose 13.06.2018 23:51
    Highlight Highlight Tamedia sollte das "media" aus dem Namen streichen - um Medien gehts da schon lange nicht mehr. Und um den TA eigentlich auch nicht. Hm... "namenloser Finanzkonzern"? Passt schon.
  • karl_e 13.06.2018 23:45
    Highlight Highlight Da erzieht Tamedia die Leute mit den unsäglichen 20Minuten zum Gratislesen und beklagt sich über die Folgen für ihre Bezahlmedien. Pervers!
    Ich bin unlängst zur NZZ abgewandert, allerdings unter heftigsten seelischen Schäden. Jedoch wird auch Tamedia immer neoliberaler, nächstens soll dort sogar ein Herr Somm, ex-BaZ, tätig sein.
  • Raphael Stein 13.06.2018 22:55
    Highlight Highlight Mc Tamedia. Der Zeitungseinheitsbrei wird wahr.
  • schutt 13.06.2018 22:35
    Highlight Highlight wenn ich von solchen redakteuren sinnvolle beiträge lesen würde, hätten sie mein beileid. da aber klatsch und tratsch kopiert wird nicht.
  • Electric Elefant 13.06.2018 22:04
    Highlight Highlight Das es TA-Media nur um Kohle und nicht um Journalismus geht, haben sie ja schon mit dem unsäglichen 20min bewiesen. Dazu dann noch unsoziales Verhalten den Mitarbeitern gegenüber und unlautere Abo-Aktionen (ein Geschenk, dass sich automatisch zum bezahlabo wandelt) für Kunden!
    Unsympathischer, geldgeiles Management! Eckelhaft! Mich sind sie nach 25 Jahren als Abonnent einer ihrer Zeitungen wohl los, sobald das Abo ausläuft!
  • Gsnosn. 13.06.2018 21:57
    Highlight Highlight So eine scheiss Firma, anders kann man es nicht sagen!
  • Roman Stanger 13.06.2018 21:02
    Highlight Highlight Ich würde mich gegen eine Abgangsentschädigung von 20'000 Fr. dazu verpflichten lassen, nie mehr als Kommentarschreiber auf Seiten von TA-Medien in Erscheinung zu treten. Deal?
  • D(r)ummer 13.06.2018 19:49
    Highlight Highlight Irgendwann werden solche Manager durch die Strassen getrieben.

    Was lehren die heute an den Unis?
    Die Zukunft wird eher noch schwieriger.
  • G. Schmidt 13.06.2018 19:46
    Highlight Highlight Ganz einfach...

    Ab einer gewissen Anzahl von Entlassungen, müssen diesen einen Sozialplan vorgelegt werden. Darum lieber die Leute schrittweise (freiwillig) wegbewegen, um anschliessend den Rest ohne Sozialplan zu entlassen.
  • Lattenknaller 13.06.2018 19:39
    Highlight Highlight Vielleicht bräuchte es auch mal ein neues Geschäftssystem wo man nachher alle Geachäftleitunfsmitglier und Verwaltungsräte entlassen kann weil unnötig.
    Oder könnte man dass jetzt schon?
  • Ridcully 13.06.2018 19:25
    Highlight Highlight Es kann ja gerne auch der Eine oder Andere aus der Teppichetage freiwillig gehen... ah, doch nicht.. ist halt doch nicht so läss, gell?
    Aber sich wundern, wenn die Mitarbeiter heutzutage keine Loyalität gegenüber der Unternehmung haben... Loyalität ist eben keine Einbahnstrasse...
    • Lichtblau550 13.06.2018 20:16
      Highlight Highlight Bei allem Respekt vor dem Inserateschwund: Wenn man als Leser sein ehemaliges Leibblatt mit Widerwillen aufschlägt, ist das schon ein rechter Imageverlust.
    • Alterssturheit 15.06.2018 08:13
      Highlight Highlight Alte Managerweisheit: wer Loyalität sucht kauft sich einen Hund !

Wie der Schweizer Arzt Ruedi Lüthy in Simbabwe tausende Menschen vor dem Aids-Tod rettete

Ruedi Lüthy war einer der Pioniere der Aids-Medizin in der Schweiz. Seit 2003 lebt er hauptsächlich in Harare, wo er eine Aids-Klinik aufgebaut hat. Im Interview mit watson spricht er über seine erste Begegnung mit der Krankheit, seinen Umgang mit afrikanischem Aberglauben und die Entwicklung in Simbabwe seit dem Sturz von Diktator Mugabe. 

Anfang der 80er-Jahre war Ruedi Lüthy (77) einer der ersten Ärzte in der Schweiz, der sich mit Aids auseinandersetzte. Als Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten am Universitätsspital Zürich musste er zunächst zusehen, wie seine HIV-positiven Patienten wegstarben, ohne dass er etwas dagegen tun konnte. In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre war er mit dabei, als in der Schweiz grosse Fortschritte bei der Behandlung von HIV-positiven Menschen erzielt wurden.

2003 gründete Lüthy die Swiss …

Artikel lesen
Link zum Artikel