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Schweiz
Medien

Knall bei Tamedia: Redaktionen von Bund, Berner Zeitung und Tages-Anzeiger fusionieren

Knall bei Tamedia: Redaktionen von Bund, Berner Zeitung und Tages-Anzeiger fusionieren

23.08.2017, 12:0523.08.2017, 16:56

Neue Strukturen bei den Zeitungsredaktionen von Tamedia: Die Schweizer Mediengruppe schafft zum 1. Januar je eine neue Mantelredaktion in der Deutschschweiz und in der Romandie. Zwei neue Redaktionen sollen bei Tamedia in der Deutschschweiz und der Romandie die Inlands-, Auslands-, Wirtschafts- und Sport-Berichterstattung erstellen. Vorgesehen sind Kompetenzzentren in Bern, Lausanne und Zürich. Das Recherchedesk führen die beiden Redaktionen gemeinsam.

Die beiden sprachregionalen Redaktionen Tamedia werden mit Mitarbeitenden aus allen Zeitungsredaktionen besetzt und von zwei Chefredaktionen geführt. Mit der Einführung der neuen Organisation seien keine Kündigungen verbunden, teilt Tamedia am Mittwoch mit.

Judith Wittwer übernimmt seinen Posten als Chefredaktorin des «Tages-Anzeigers».
Judith Wittwer übernimmt seinen Posten als Chefredaktorin des «Tages-Anzeigers».Bild: Handout

Neue Chefredaktorin 

In der Deutschschweiz wird Arthur Rutishauser für die Leitung der Redaktion Tamedia verantwortlich zeichnen. Daneben bleibt er Chefredaktor der SonntagsZeitung. Als Chefredaktorin des «Tages-Anzeigers» ist ab 1. Januar 2018 Judith Wittwer vorgesehen, die bereits heute Mitglied der Chefredaktion des «Tages-Anzeigers» ist. 

In der Deutschschweiz werden alle Kompetenzen im Layout, in der Textproduktion, der Bildredaktion, die Fotografen, das Korrektorat sowie weitere unterstützende Prozesse im neuen Bereich Editorial Services zusammengefasst. Die Leitung übernimmt Simon Bärtschi, bisher Mitglied der Chefredaktion von «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung».

Die Redaktion Tamedia in der Romandie wird Ariane Dayer führen. Sie bleibt weiterhin Chefredaktorin von «Le Matin Dimanche». In ihrer Mitteilung schreibt Tamedia, dass die einzelnen Zeitungstitel ihre Redaktionen und Chefredaktoren behalten werden.

Die Mediengruppe Tamedia verlegt zwölf bezahlte Tages- und zwei Sonntagszeitungen in der Deutschschweiz und in der Romandie.

«Die Frage ist, wie lange diese Zusage gilt»

Nach der Mitarbeiterinformation sagt die Präsidentin der Personalkommission (Peko) von «Tages-Anzeiger» und «Sonntagszeitung» am Mittwoch: «Wir nehmen zur Kenntnis, dass es keine Kündigungen geben soll.»
Gleichzeitig sagte Peko-Präsidentin Andrea Fischer auch: «Die Frage ist, wie lange diese Zusage gilt.» An der Mitarbeiterinformation hiess es, die Verantwortlichen gehen von freiwilligen Abgängen aus. «Wir werden deshalb sehr gut darauf schauen, dass dies nicht zu einer Überbelastung für die Verbleibenden führt», sagte Fischer gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. 

Über eine halbe Milliarde für Aktionäre und Management während zehn Jahren

Die Gewerkschaften Impressum und Syndicom sorgen sich um die Medienvielfalt in der Schweiz nach der Ankündigung von Tamedia über die Reorganisation seiner Titel. «Die aktuelle Situation ist sehr schwierig», sagte die Zentralsekretärin von Impressum, Nathalie Weber, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Impressum zeigt sich vorsichtig erleichtert über die Ankündigung, dass keine Kündigungen vorgesehen sind. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass Abgänge nicht wieder besetzt werden, sagte Weber. Syndicom warnt vor einem schleichenden Stellenabbau, welcher einen weiteren «Aderlass» für die «zusammengesparten» Redaktionen bedeute.

Grundsätzlich stellt Syndicom infrage, ob Tamedia überhaupt so viel sparen müsse. In den letzten zehn Jahren seien insgesamt 424 Millionen Franken an die Aktionäre verteilt worden sowie 100 Millionen Franken an die Unternehmensleitung und den Verwaltungsrat. Die Gewerkschaft fordert, dass ab sofort mindestens die Hälfte dieser Gelder im Unternehmen investiert werden, um Qualität und Vielfalt zu erhalten. (whr/sda)

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29 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Linus Luchs
23.08.2017 13:04registriert Juli 2014
Immer weniger Leute sind dazu bereit, für journalistische Qualitätsarbeit einen angemessenen Preis zu bezahlen. Somit gibt der Markt nicht genug her, um alle heutigen Redaktionen am Leben zu erhalten. Und eine staatlich finanzierte Presse wollen wir ja auch nicht. Für die Demokratie ist diese Verarmung des Journalismus' eine Gefahr.
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Crecas
23.08.2017 13:10registriert Februar 2014
Noch immer gehen knapp 30% der Werbeausgaben zu den Zeitungen, obwohl nur knapp 5% des Medienkonsums hier geschieht. Man braucht kein Orakel oder Wirtschaftsprofessor zu sein, um auszurechnen, wo das hinführen würde, wenn nicht Kosten eingespart werden. Solange die Redaktionen für das Lokale, Regionale, titelspezifisch und insb. Kommentare unabhängig bleiben, wie Tamedia dies schreibt, kann man wohl ein paar Zeitungen und ein grosses Stück Medienvielfalt zumindest teilweise retten. Es braucht ja nicht 15 Sportredaktoren die das gleiche Spiel Barca gegen Real zusammenfassen.
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The_ugly_truth
23.08.2017 12:56registriert April 2017
Die Medienkonzentration wird ungebremst weitergehen.

Die klassische Einnahmequelle "Inserate" bricht weg, und durch Onlinewerbung lässt sich dies nicht kompensieren.

Natürlich geniesst insbesondere bei Tamedia und Ringier die publizistische Qualität keine Priorität - es geht um den Gewinn. Deshalb sind einerseits Projekte wie watson.ch oder Republik extrem wichtig. Andererseits braucht es eine starke SRG, auch wenn das nicht alle gerne hören wollen.

Es werden noch unruhige Zeiten auf uns zukommen. Leute wie Blocher werden die Medienkrise gnadenlos ausnutzen.
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