Deutschland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa06181621 Martin Schulz (C), German Chancellor candidate and leader of the Social Democartic Party (SPD), arrives to the TV debate with German Chancellor Angela Merkel, in front of the TV studio in Berlin, Germany, 03 September 2017. German federal elections will be held on 24 September 2017.  EPA/CARSTEN KOALL

Hofft auf eine Wende: Herausforderer Martin Schulz Bild: EPA/EPA

Merkel is Queen – Erste Umfragen sehen die Kanzlerin als Siegerin des TV-Duells

Das TV-Duell ist ausgestanden. Am Sonntagabend haben sich CDU-Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Herausforderer Martin Schulz zum einzigen direkten Schlagabtausch vor der Wahl getroffen. Schulz zeigte sich angriffslustig, Merkel blieb unbeeindruckt. Das sind die wichtigsten Aussagen der Kandidaten.



Sie bleibt vorne. Kurz nach dem Ende des TV-Duells Merkel vs. Schulz sehen erste Umfragen die amtierende Kanzlerin als Siegerin. Nach einer ZDF-Schnellumfrage setzte sich Merkel mit 33 Prozent Zustimmung in der lange erwarteten Debatte am Sonntagabend durch. Schulz kam demnach auf 24 Prozent. 43 Prozent der Befragten waren unentschieden. Diese Umfrage wurde allerdings schon zur Halbzeit des Duells gemacht.

Auch in einer Umfrage der ARD lag die Bundeskanzlerin zur Halbzeit des Fernsehduells vor ihrem Herausforderer. 44 Prozent sagten, die CDU-Chefin sei überzeugender gewesen, nur 32 Prozent sagten dies über den SPD-Chef. Bei den unentschiedenen Wählern lag Merkel mit 36 zu 31 Prozent vorne. 

Das Wichtigste aus der Debatte:

Flüchtlingspolitik

Merkel verteidigte ihre Entscheide von 2015. Die Flüchtlingslage sei keine Bedrohung für Deutschland, sondern eine Herausforderung. «Ich halte es nach wie vor für absolut richtig», sagte sie zum EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen. «Wir haben damals eine sehr dramatische Situation gehabt», bei der man nach dem Motto «Die Würde des Menschen ist unantastbar» reagiert habe.

Schulz kritisierte Merkels Flüchtlingspolitik teilweise. Es sei richtig gewesen, die Grenzen zu öffnen, aber falsch, die europäischen Partner vor vollendete Tatsachen zu stellen. Jetzt gelte es, die Integration voranzutreiben – «eine Generationenaufgabe».

epa06181643 German Chancellor Angela Merkel (C) poses for a selfie photo during her arrival to the TV debate with Martin Schulz, Chancellor candidate and leader of the Social Democartic Party (SPD), in front of the TV studio in Berlin, Germany, 03 September 2017. German federal elections will be held on 24 September 2017.  EPA/CARSTEN KOALL

Merkel vor dem TV-Duell. Bild: EPA/EPA

Merkel räumte ein, dass es ein Versäumnis gewesen sei, dass Deutschland ebenso wie auch andere Länder lange die dramatische Lage in den Flüchtlingslagern in Nachbarländern Syriens ignoriert habe. Wichtig sei es jetzt, «bei den Ursachen anzusetzen» und stärker in die Entwicklungshilfe und Konfliktbewältigung zu investieren.

Die wichtigsten Statements im Video:

Türkei

Deutlich wurde Schulz bei der Diskussion um das Verhältnis zur Türkei. Die Türkei habe die rote Linie überschritten, sagt Schulz. «Wenn ich Kanzler werde, werde ich nicht nur das Abkommen mit der Türkei kündigen», sagte Schulz. Er wolle für einen Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit Ankara kämpfen.

Merkel ihrerseits will die finanziellen Vorbeitrittshilfen für die Türkei einfrieren. Echte Beitrittsverhandlungen gebe es im Moment ohnehin keine. «Die Türkei verabschiedet sich in einem atemberaubenden Tempo von demokratischen und rechtsstaatlichen Standards», sagte die Kanzlerin. 

Merkel plädieret dafür, wirtschaftlichen Druck auf die Türkei auszuüben, um eine Freilassung der aus politischen Gründen inhaftierten Deutschen zu erreichen. Sie sprach von einer Einschränkung von Exporthilfen und einer Prüfung «stärkerer Reisewarnungen». Die Reisehinweise sind bereits vom Aussenministerium verschärft worden.

Schulz' Schlusswort nach dem Duell:

Nordkorea und Trump

Merkel geht nicht davon aus, dass US-Präsident Trump der richtige Politiker ist, der den Nordkorea-Konflikt lösen könne. Man müsse sich mit den Gegnern im US-Kongress zusammenschliessen sowie mit anderen Partnern, sagte Merkel. Andererseits sei eine Konfliktlösung ohne Trump auch nicht möglich.

Man müsse ihm aber in aller Klarheit sagen, dass nur eine friedliche Lösung in Frage komme, sagte die Kanzlerin weiter. Im übrigen müsse sich in solchen Fällen wie der Nordkorea-Krise Europa stärker einbringen. «Da geht es auch um Krieg und Frieden.» Aber man brauche die USA als Friedensmacht, trotz «schwerwiegender Differenzen mit Trump».

Merkel kritisierte anschliessend die Positionierung Trumps bei den rechtsradikalen Ausschreitungen in Charlottesville stark. «Da stockt einem der Atem», sagte die Kanzlerin. 

Ein Kronenleuchter haengt am 03.09.2017 in Berlin in den Fernsehstudios in Adlershof beim TV-Duell von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und Herausforderer Martin Schulz (SPD), wobei Merkel auf einem Bildschirm zu sehen ist. (KEYSTONE/DPA/Kay Nietfeld)

Merkel hinter Kronleuchter. Bild: DPA

Schulz hält den US-Präsidenten nicht für fähig, den Konflikt mit Nordkorea zu entschärfen. Er glaube nicht, dass Trump eine Lösung finden könne. «Das Problem, das wir mit Trump haben, ist seine Unberechenbarkeit.»Stattdessen solle man mit Kanada, Mexiko oder auch mit Kräften in den USA wie US-Aussenminister Rex Tillerson zusammenarbeiten. Merkel betonte, es müsse unter allen Umständen eine friedliche Lösung in der Korea-Krise geben. Daran werde sie arbeiten und versuchen, die US-Regierung davon zu überzeugen.

Innenpolitik

In der Innenpolitik lehnte Merkel eine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittalters auf 70 Jahre ab. «Ein ganz klares Nein», sagte sie. «Es gibt viele Menschen, die können nicht länger arbeiten.» Schon die Rente mit 67 sei für viele Berufsgruppen eine grosse Herausforderung, etwa für Pflegekräfte.

In der Diesel-Krise warf Merkel der Autoindustrie Vertrauensbruch vor, die Umweltprobleme in Städten hätten damit aber nur indirekt zu tun. Selbst wenn die Autos genau wie angegeben Abgase ausstossen würden, bliebe hier noch einiges zu tun. Klar sei aber: «Die Autoindustrie muss das, was sie angerichtet hat, auch wieder gutmachen», sagte sie. «Ich bin stocksauer.»

Allerdings werde der Verbrennungsmotor noch Jahrzehnte gebraucht. «Es gibt zudem 800'000 Menschen, die haben kein Vertrauen gebrochen, die dürfen jetzt nicht die Dummen sein», sagte sie mit Blick auf die Arbeitnehmer in dem Bereich.

(dwi/sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

6 Kantone mit über 1000 positiv Getesteten – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

F/A-18-Absturz: Fehler von Flugverkehrsleiter

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

14
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Flughund 04.09.2017 21:17
    Highlight Highlight Ich habe mir das angesehen. Merkel wirkte auf mich wie eine Schlaftablette und Schulz war der Beipackzettel. Die armen Deutschen sind wahrlich nicht zu beneiden. Vier Jahre ein "weiter so" und "wir schaffen das".
    Ich würde wahrscheinlich nichts wählen CDU&SPD unwählbahr, links und rechts keine Alternativen.
  • naitsabeS 03.09.2017 23:11
    Highlight Highlight Sehr schwache Debatte. Es ging fast eine Stunde um Aussenpolitik, wo beide nur geredet, aber nichts gesagt haben. Die Innenpolitik (Renten, Bildung, Energiewende) verkam zu einem Nebenthema. Man fragt sich ob es um das Kanzleramt oder um dasjenige des Aussenministers ging.
  • FrancoL 03.09.2017 23:06
    Highlight Highlight Sieger waren die Gemeinsamkeiten aber auch die Fairness die zwei einander entgegenbrachten, die wissen, dass sie das Land weitere 4 Jahre miteinander regieren werden.
    • FrancoL 04.09.2017 08:03
      Highlight Highlight Schon mal gehört von Demokratie? Da steht nicht das Resultat auf dem Prüfstand sondern der demokratische Wille.
      Wenn ein Volk mehrheitlich etwas will dann steht nicht die Frage nach dem Nutzen im Raum, denn diesen können und müssen die Nutzer selbst demokratisch bestimmen und das tun sie mit dieser Wahl.
      Man kann nicht gleichzeitig die Demokratie bemühen und dann deren Resultat nicht anerkennen wollen, darum ist ihre Frage nach dem Nutzen zweitrangig.
    • FrancoL 04.09.2017 08:59
      Highlight Highlight @Wisegoat; Ich wollte nicht belehrend sein, aber muss es schon wieder! Es ist nun mal eine Tatsache, dass heute diese Pole nicht mehr in dieser Form existieren und darum eher von Sache zu Sache die Positionen definiert und gewertet werden. Wir haben heute gerade in Deutschland keine Lagerpolitik mehr, dies zeigt auch die Akzeptanz zB der Grünen im rechten Lager. Selbst die Linke hat arg mühe sich "abzusetzen".
      So gesehen trifft es eben nicht zu dass die beiden "Volksparteien" grundverschiedene Ansichten haben. Sie haben mehr gemeinsame Schnittmengen als früher als es noch ein Lagerkampf war.
    • FrancoL 04.09.2017 09:05
      Highlight Highlight @Wisegoat; Dass Leute bei der AfD landen hat mit deren Grundhaltung und deren Wut zu tun. Diese Leute und ich kenne einige davon haben das Gefühl dass wenn IHRE Partei nicht da macht was sie als vernünftig betrachten abgestraft gehört. Denen geht es nicht um Lagerpolitik oder gar Grundnormen einer Bürgerlichen Politik, diesen Leuten geht es um deren grundeigenen, persönlichen politischen Verwirklichung, weit ab von einer übergeordneten Sicht einer politischen Richtung.
      Dein Schlusssatz steht etwas schief in der Landschaft.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mafi 03.09.2017 22:40
    Highlight Highlight Zivilisiert und interessant. Amerika kann und sollte da noch was lernen ;)
  • derEchteElch 03.09.2017 22:36
    Highlight Highlight Ach kommt schon, es ist von Beginn an klar, dass Mutti wiedergewählt wird. Ist alles nur eine Scheindemokratie in BRD.

    Es gibt keine Alternativen und die grossen Parteien predigen alle das Selbe. Lösungen gibt es trotzdem keine und eine Besserung der Lage ist auch nicht in Sicht.

    Deutschland wäre ohne der EU nichts und dem Rest von Europa würde es ohne EU besser gehen. Für freien Personenverkehr und als Handelspartner braucht es die EU nicht. Man kann alles bilateral lösen. Dann haben alle was davon.
    • Raembe 04.09.2017 07:48
      Highlight Highlight Naja der Osten profitiertbextrem von der EU. Bedenke bitte auch das wir auch der EU 70Jahre Frieden in Europa haben.
  • Grundi72 03.09.2017 22:13
    Highlight Highlight Ich bin beruhigt. Der Eierkopf war so schwach, der hat keine Chance!
  • Stachanowist 03.09.2017 21:20
    Highlight Highlight Ich finde, diese Pressekonferenz der neuen deutschen Regierung ist sehr aufschlussreich. Vor allem der Vizekanzler macht gute Figur.

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Jakob Fischbacher*. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

Was hier nach Sachsen im Jahr 2016 klingt, ist Bayern im Jahr 1947. Und die Flüchtlinge, die Fischbacher hinauswerfen will, kommen nicht aus Syrien …

Artikel lesen
Link zum Artikel