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Einige NFL-Stars waren mit der Entscheidung der NFL unzufrieden – DeAndre Hopkins stellte sogar seine Zukunft im Profisport infrage.
Einige NFL-Stars waren mit der Entscheidung der NFL unzufrieden – DeAndre Hopkins stellte sogar seine Zukunft im Profisport infrage.
Bild: keystone

NFL führt De-Facto-Impfpflicht ein – grosse Aufregung bei den Football-Stars

Die NFL hat ihre Teams gestern informiert, dass es im Falle von Corona-Ausbrüchen bei ungeimpften Spielern zu Forfait-Niederlagen und ausbleibender Bezahlung der Spieler kommen kann. Die Aufregung im Spielerlager ist gross, Star-Receiver DeAndre Hopkins dachte sogar über einen Rücktritt nach.
23.07.2021, 12:0324.07.2021, 07:36

Die Mitteilung der American-Football-Liga NFL vom Donnerstag schlug ein wie eine Bombe. Sollten Spiele aufgrund von Corona-Ausbrüchen bei ungeimpften Profis zu Spielabsagen führen, wird den verantwortlichen Teams eine Forfait-Niederlage angerechnet. Zudem werden die Spieler beider an der abgesagten Partie beteiligten Mannschaften nicht bezahlt.

In der letzten Saison gab es eine Menge Spiele, die aufgrund von infizierten Teammitgliedern verschoben werden mussten. Dennoch konnten alle Partien schlussendlich durchgeführt werden und es gab keine Spielabsagen. Dieses Jahr soll die Regular Season zum ersten Mal über 18 Wochen verteilt werden, in denen jede Franchise 17 Partien austragen soll. Eine 19. Woche ist nicht geplant – kann ein Spiel also nicht während dieser 18 Wochen ausgetragen werden, kommt es zu einer Absage und zu einem dementsprechenden Lohnausfall.

Der NFL gehe es darum, den Staff und die Athleten vor möglichen Infektionen zu schützen. Der Trainingsbeginn steht kurz bevor und bei vielen Teams ist es die erste Zusammenkunft der gesamten Mannschaft seit Saisonende. Dabei sollen Ausbrüche der Krankheit durch eine hohe Impfquote verhindert werden. Zudem sollen die gegnerischen Teams während der Saison keinen Nachteil durch verschobene Spiele erfahren, wenn beim Gegner ungeimpfte Teammitglieder positiv getestet werden.

Stars drohen Millionenverluste

Rund drei Viertel der NFL-Profis haben sich bislang impfen lassen und mindestens eine Dosis verabreicht bekommen. Der Chefarzt der NFL, Dr. Allen Sills, sagte dazu: «Wir sind glücklich mit den Zahlen, aber noch nicht zufrieden. Die Quote ist besser als im Rest der Gesellschaft und vor allem höher als bei der Altersgruppe, in der sich die meisten unserer Spieler befinden. Trotzdem müssen die Zahlen weiter steigen.»

Doch noch drohen Spielabsagen: Im Falle der Top-Quarterbacks wie Patrick Mahomes oder Aaron Rodgers mit Jahresgehältern von rund 40 Millionen Dollar, könnte dies zu Verlusten in Millionenhöhe führen. Dies hängt damit zusammen, dass die NFL-Profis ihr Gehalt in 36 Tranchen ausbezahlt bekommen. Eine dieser Tranchen würde im Falle eines Spielausfalls somit wegfallen.

Will ein Spieler nicht dafür verantwortlich sein, dass rund 100 Teamkollegen und Gegner auf eine Bezahlung verzichten müssen, sollte er sich demzufolge impfen lassen. So ist die Vorgabe der NFL zwar keine feste Impfpflicht, doch übt sie starken Druck auf die Profis aus, die sich bisher noch keiner Impfung unterzogen haben. Dies löste bei einigen NFL-Stars grosse Aufregung aus.

Die NFL zwinge sie, sich impfen zu lassen, selbst wenn sie das nicht wollten. Raiders-Running-Back Jalen Richard sprach sogar davon, dass sie dieses Jahr in einem Gefängnis spielen würden. DJ Reed von den Seattle Seahawks schrieb dazu: «Eigentlich wollte ich mich nicht impfen lassen. Nun habe ich es getan, um meinem Team nicht zu schaden. Ich weiss nicht, wie ich mich dabei fühlen soll.» Reed fürchte sich vor den Langzeitfolgen, die man noch nicht kenne. Auch Leonard Fournette vom Super-Bowl-Champion Tampa Bay möchte sich nicht impfen lassen.

Leonard Fournette nannte keinen Grund, weshalb er die Impfung verweigere.
Leonard Fournette nannte keinen Grund, weshalb er die Impfung verweigere.
Bild: keystone

Rücktrittsgedanken bei Hopkins

Weitere Spieler äusserten sich zu der Mitteilung der Liga. Jalen Ramsey, Cornerback der LA Rams, antwortete auf die Aussagen eines Quarterback-Trainers. Quincy Avery bezeichnete alle, die sich jetzt nicht impfen lassen würden, als schlechte Teamkollegen. Ramsey wollte das nicht gelten lassen: «Ich kenne zwei Personen, die trotz Impfung positiv getestet wurden. Ich würde niemanden als schlechten Teamkollegen ansehen, nur weil er sich nicht impfen lässt.»

Besonders überraschend kam ein Tweet von Wide Receiver DeAndre Hopkins. Der Star der Arizona Cardinals äusserte sogar Rücktrittsgedanken und stellte die Freiheit der NFL-Spieler infrage. In einem später gelöschten Tweet schrieb er: «Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so etwas sage. Aber die Möglichkeit, meinem Team zu schaden, nur weil ich mich keiner Impfung unterziehen will, lässt mich an meiner Zukunft in der NFL zweifeln.»

Hopkins kann in den nächsten beiden Jahren rund 55 Millionen Dollar verdienen. Darauf zu verzichten, wäre eine sehr drastische Entscheidung. Später ruderte er etwas zurück und schrieb, dass er noch neun Jahre weiterspielen könnte.

Wide-Receiver-Kollege Stefon Diggs von den Buffalo Bills hat eine andere Ansicht. Er setzte einen einfachen Tweet bestehend aus zwei Worten ab: «Rechenschaftspflicht» und «Verfügbarkeit». Wer sich also nicht impfen lasse, sei im Falle einer Infektion verantwortlich für den Schaden am ganzen Team, da er nicht verfügbar sei. Besonders brisant dabei ist, dass sich sein Teamkollege Cole Beasley mehrmals offen gegen die Impfung ausgesprochen hat.

Die NFL ist die erste Liga, die so klar Stellung für die Impfung bezieht und ungeimpften Spielern sowie ihren Teams mit finanziellen Strafen droht. Trotz der bereits grossen Impfquote, setzen sie weiter Anreize für zusätzliche Impfungen. Das Ziel sei, dass nahezu alle Profis vollständig geimpft würden. Die Reaktionen einiger Spieler zeigen, dass dies ein langer und schwieriger Weg werden könnte. (nih)

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