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Nach ersten Medienberichten über das Naturheilmittel Echinaforce war es in vielen Apotheken bereits vergriffen. Doch Wirksamkeit beim Menschen ist nicht nachgewiesen.
Nach ersten Medienberichten über das Naturheilmittel Echinaforce war es in vielen Apotheken bereits vergriffen. Doch Wirksamkeit beim Menschen ist nicht nachgewiesen.
Bild: keystone

Diese Medikamente wurden als Corona-Wunderheilmittel angepriesen: Das taugen sie wirklich

Echinaforce ist nicht das einzige Arzneimittel, das zur Bekämpfung der Corona-Krise als Wunderheilmittel angepriesen wurde. Immer wieder wird bestimmten Medikamenten nachgesagt, Covid-19-Patienten schneller zu heilen. Wir haben vier davon genauer unter die Lupe genommen.
15.09.2020, 19:5816.09.2020, 08:56

Zur Bekämpfung der Sars-CoV-2-Viren gibt es bis jetzt noch kein wirksames Heilmittel. Die Wissenschaft sucht weltweit nach Medikamenten, die die Vermehrung der Coronaviren hemmen oder einen schweren Krankheitsverlauf verhindern können.

Immer wieder macht ein Medikament in den Medien die Runde. Die folgende Auflistung zeigt vier Medikamente, die bereits als Corona-Wunderheilmittel angepriesen wurden und was sie wirklich taugen.

Echinaforce
Das Naturheilmittel

Das Naturheilmittel Echinaforce, gewonnen aus Pflanzenextrakt des roten Sonnenhuts, ist seit Montag in aller Munde. Eine Studie des Labor Spiez hat mittels in-vitro Versuchen gezeigt, dass das pflanzliche Heilmittel gewisse Coronaviren abtötet.

Bild: keystone

Die Versuche wurden aber in einer Petrischale in einem Labor durchgeführt. Konkret wurde Echinaforce auf menschliches Gewebe aus Zellen der oberen Atemwege verteilt. Dabei wurde festgestellt, dass der Wirkstoff einen gewissen Effekt gegen Coronaviren hat. Mehr aber nicht. Gemäss der Virologin Isabella Eckerle sind Anwendungen in der Petrischale «sehr weit weg von dem, was in einem menschlichen Körper tatsächlich passiert».

Eckerle glaubt nicht daran, dass Echinaforce zum neuen Corona-Wundermittel wird. Dafür bräuchte es zuerst Tierversuche und danach umfassende klinische Studien bei Menschen.

💊Tatsächliche Wirkung: Effekt in Petrischale nachgewiesen, Wirkung bei Menschen nicht bestätigt.

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Remdesivir
Der Ebola-Bekämpfer

Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde auf den Virenhemmer Remdesivir grosse Hoffnung gesetzt. Das Medikament wurde vom US-Biotechkonzern Gilead Sciences ursprünglich als potenzielle Ebola-Behandlung entwickelt.

Da das Medikament offiziell noch nicht zugelassen war, erhielt es von vielen Ländern eine Notfallbewilligung, unter anderem auch von der Schweiz. Anfang Juli erlaubte Swissmedic den Einsatz von Remdesivir an Schweizer Spitälern zur Behandlung von Covid-19-Patientinnen und Patienten. Swissmedic stützte sich dabei auf Untersuchungen aus den USA. Dort wiesen Forscher nach, dass sich die Krankheitsdauer bei fast einem Drittel der Probandinnen und Probanden verkürzte.

Bild: keystone

Gegen Ende August wurde eine weitere Studie im englischsprachigen Fachblatt «Jama» publiziert. An der Studie nahmen rund 600 Personen teil. Bei Covid-19-Patientinnen mit einem mittelschweren Krankheitsverlauf löste Remdesivir einen geringfügigen Effekt aus. Der Gesundheitszustand einiger Patientinnen und Patienten, denen Remdesivir verabreicht wurde, verbesserte sich am elften Tag. Die Ergebnisse waren jedoch nicht in jedem Fall signifikant und sind daher mit Vorsicht zu geniessen.

💊Tatsächliche Wirkung: Zum Teil geringfügige Wirkung bei mittelschweren bis schwer erkrankten Patienten in Studien nachgewiesen.

Hydroxychloroquin
Das Malariamittel

Das Arzneimittel mit dem komplizierten Namen Hydroxychloroquin (HCQ) wird seit Jahrzehnten gegen Malaria sowie bei dermatologischen und rheumatologischen Erkrankungen eingesetzt. Im Mai verhalf US-Präsident Donald Trump dem Malaria-Mittel zu sehr viel Aufmerksamkeit. An einer Pressekonferenz verkündete Trump, dass er HCQ als Corona-Prophylaxe einnehme.

Bild: keystone

Über dessen Wirksamkeit kamen jedoch schnell Zweifel auf, da Analysen zu widersprüchlichen Ergebnissen führten. Ende August werteten Forschende mit Beteiligung der Universitäten Neuenburg und Lausanne 29 Studien mit insgesamt 33'000 Patienten aus. Sie kamen zum Schluss, dass Hydroxychloroquin allein die Sterblichkeit von hospitalisierten Patienten nicht beeinflusst. Weder verringere noch erhöhe das Medikament das Sterberisiko. Patienten ausschliesslich mit Hydroxychloroquin zu behandeln, sei demnach nutzlos, schreiben die Autoren im Fachmagazin «Clinical Microbiology and Infection».

«Hydroxychloroquin wurde anfänglich in grossem Umfang mit oder ohne dem Antibiotikum Azithromycin verabreicht», sagte der Mitautor Matthieu Mulot, Biologe und Statistiker an der Uni Neuenburg, gemäss der Mitteilung. Aber die Studie belegt, dass die Kombination aus Hydroxychloroquin und Azithromycin das Sterberisiko um 27 Prozent erhöht.

Viele klinische Studien mit Hydroxychloroquin wurden Ende Mai gestoppt, nachdem Forscher aus der Schweiz und den USA eine negative Studie veröffentlicht hatten. Zwar wurde diese kurz darauf wegen Betrugsverdacht zurückgezogen. Aber Ergebnisse einer britischen sowie eine Basler Studie bestätigten später ebenfalls die Wirkungslosigkeit des Malariamittels.

💊Tatsächliche Wirksamkeit: Keine Wirksamkeit bei Covid-19-Patientinnen und Patienten nachgewiesen.

Dexamethason
Der Entzündungshemmer

Mitte Juni erhielt ein neues Medikament plötzliche Bekanntheit: Das Immunsuppressiva Dexamethason, das seit den 1960er Jahren zur Behandlung von Entzündungen und Entzündungskrankheiten eingesetzt wird.

Britische Studienergebnisse zeigten, dass das Medikament besonders bei Patientinnen einen Effekt hatte, die schwer an Covid-19 erkrankten. Gemäss den britischen Forschern könnte eine tägliche Dosis Dexamethason jeden achten Tod bei schwerstkranken Corona-Patienten verhindern.

Bild: keystone

Tedros Adhanom Ghebreyesus, Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), bezeichnete die Studie als «wissenschaftlichen Durchbruch». «Das ist die erste Behandlung, die nachweislich die Sterblichkeit bei Patienten mit Covid-19 senkt», so Ghebreyesus in einer Stellungnahme der WHO.

Die Schweizer Spitäler verhalten sich bei der Anwendung gewisser Medikamente eher zurückhaltend. «Die Erfahrungen mit Studien zur Behandlung bei Covid-19 sind sehr durchzogen. Es braucht eine grosse Anzahl Patienten und vor allem auch Zeit, um aussagekräftige, belastbare Studien zu verfassen und das war bisher einfach nicht der Fall», so Hans Pargger, Chefarzt Intensivstation des Universitätsspitals Basel (USB) zu medinisde.ch.

Am Inselspital in Bern kam der Wirkstoff Dexamethason bereits zum Einsatz. «Der Wirkstoff Dexamethason ist keineswegs neu. Er bremst das Abwehrsystem, das bei den schwer kranken Covid-19-Patienten oft am Überreagieren ist», so Hansjakob Furrer, Direktor und Chefarzt der Universitätsklinik für Infektiologie.

💊Tatsächliche Wirksamkeit: Klinische Studien haben gezeigt, dass Dexamethason die Sterberate bei schweren Covid-19-Verläufen senken kann.

Mit Material der sda

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