Donald Trump
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Democratic candidate for U.S. Senate Doug Jones and his wife Louise wave to supporters before speaking Tuesday, Dec. 12, 2017, in Birmingham, Ala. Jones has defeated Republican Roy Moore, a one-time GOP pariah who was embraced by the Republican Party and the president even after facing allegations of sexual impropriety. (AP Photo/John Bazemore)

Doug Jones und seine Frau Louise lassen sich feiern. Bild: AP/AP

Nach Trumps Alabama-Pleite träumen die Demokraten vom grossen Coup

Die Wahl von Donald Trump versetzte die Demokraten in Schockstarre. Nach dem unerwarteten Erfolg bei der Senatswahl in Alabama wittern sie Morgenluft, auch im Hinblick auf die Kongresswahlen 2018.



Alles war vorbereitet für Hillary Clintons Siegesfeier, am Abend des 8. November 2016. Die Party aber fand in jenem New Yorker Hotel statt, in dem sich Donald Trump und sein Anhang einquartiert hatten. Für die Demokraten war nicht nur die Niederlage ihrer Kandidatin ein Tiefschlag, denn die Republikaner kontrollierten neben dem Weissen Haus auch beide Kammern im Kongress.

Manche US-Analysten prophezeiten der demokratischen Partei eine lange Zeit in der politischen Wildnis. Denn die Perspektiven für die Kongresswahlen 2018 waren düster. Die Demokraten müssen nicht weniger als 26 Sitze im Senat verteidigen, zehn davon in Bundesstaaten, in denen Trump gewonnen hat. Bei den Republikanern stehen nur acht Mandate auf dem Spiel.

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Es galt als fast sicher, dass die Demokraten Sitze verlieren und die Republikaner ihren knappen Vorsprung in der kleinen Kammer ausbauen werden. Die Mehrheit im Repräsentantenhaus schien ohnehin unerreichbar. Trump und die Republikaner würden die US-Politik langfristig prägen, nicht zuletzt durch die Ernennung von konservativen Richtern.

Es lockt die Mehrheit im Senat

Nach einem knappen Jahr unter Donald Trumps turbulenter Präsidentschaft sieht die Welt für die Demokraten wesentlich freundlicher aus. Die klaren Erfolge bei den Gouverneurswahlen in New Jersey und Virginia Anfang November waren ein erster Hoffnungsschimmer. Nun folgte der unerwartete, ja sensationelle Sieg von Doug Jones bei der Senatswahl in Alabama.

Man könnte einwenden, dass der Erfolg von Jones zu knapp ausfiel angesichts der gravierenden Vorwürfe gegen den Republikaner Roy Moore. Damit aber würde man die tiefe Spaltung der US-Gesellschaft ebenso ignorieren wie die speziellen Verhältnisse im erzkonservativen, evangelikal geprägten Alabama. Nicht umsonst behaupten spöttische Stimmen, in Alabama könne nicht einmal Jesus eine Wahl gewinnen, wenn er als Demokrat antreten würde.

Jesus hat nicht gewonnen, dafür aber Doug Jones. Damit schrumpft die Mehrheit der Republikaner im Senat auf eine Stimme. Und im Hinblick auf die Kongresswahlen im November 2018 halten es US-Medien für realistisch, dass die Demokraten nicht nur ihren Besitzstand halten, sondern den Republikanern Sitze abjagen und die Kontrolle über den Senat übernehmen können.

Ein blauer Tsunami

Als wackelig gelten die Mandate in Nevada, wo Hillary Clinton letztes Jahr gewonnen hat, und in Arizona, wo der Trump-Kritiker Jeff Flake auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Selbst ein Erfolg in Tennessee liegt drin. Dort will der von Trump zermürbte republikanische Amtsinhaber Bob Corker ebenfalls nicht mehr antreten, während die Demokraten einen populären Ex-Gouverneur nominieren dürften.

Zwei Faktoren sind es, die den Demokraten in die Hände spielen:

Mobilisierung

Wenn nicht gerade der Präsident gewählt wird, tun sich die Demokraten traditionell schwer damit, ihren Anhang zur Teilnahme an einer Wahl zu motivieren. Das gilt nicht länger. Schon in New Jersey und Virginia konnten die Demokraten eine hohe Wahlbeteiligung registrieren. In Alabama verdankt Doug Jones seinen knappen Sieg vor allem der schwarzen Wählerschaft.

Die Website Politico spricht von einem «blauen Tsunami, angetrieben durch Millennials, wütende Frauen und Angehörige von Minderheiten». Die Erfolge seien umso bemerkenswerter, als die demokratischen Kandidaten in allen drei Bundesstaaten einen mauen Wahlkampf geführt hätten. Für die hohe Motivation der Parteibasis steht deshalb eine Erklärung im Vordergrund: Es ist die Abscheu vor Donald Trumps Politik und seiner würdelosen Amtsführung.

Steve Bannon

Donald Trumps ehemaliger Chefstratege hat dem Establishment der Republikaner den Krieg erklärt. Er will alle Amtsinhaber bekämpfen, die nach seiner Meinung nicht zu 150 Prozent hinter der Politik des Präsidenten stehen. In Alabama trug Bannon dazu bei, dass sich Roy Moore in der Vorwahl der Republikaner gegen Luther Strange durchsetzte, den Kandidaten der Parteispitze.

Steve Bannon, left, introduces U.S. senatorial candidate Roy Moore, right, during a campaign rally, Tuesday, Dec. 5, 2017, in Fairhope, Ala. (AP Photo/Brynn Anderson)

Steve Bannon (l.) wollte Roy Moore zum Sieg verhelfen. Bild: AP/AP

Nun hat Bannons Strategie beim ersten Härtetest mit einer krachenden Niederlage geendet. Seine internen Gegner sparten nicht mit Schuldzuweisungen an die Adresse des Breitbart-Chefs. Tatsächlich hätte Luther Strange den Demokraten wohl besiegt. Ob Steve Bannon sich davon beeindrucken lässt, ist zweifelhaft. Er dürfte Moores Kinderschänder-Image für die Pleite verantwortlich machen.

Wird sich Trump mässigen?

Ob die Demokraten 2018 jubeln und vielleicht sogar die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobern können, bleibt eine offene Frage. Ein Jahr ist in der schnelllebigen Politik- und Medienwelt eine lange Zeit. Vieles hängt davon ab, ob die Republikaner die Lehren aus dem Fiasko von Alabama ziehen und mehrheitsfähige Kandidatinnen und Kandidaten aufstellen werden.

Dagegen spricht die Heftigkeit der Flügelkämpfe in der Grand Old Party. Und der Furor der Parteibasis. In den vergangenen Jahren hat sie mehrfach gerade für Senatswahlen ultrarechte Kandidaten nach oben gespült, die sich am Ende als unwählbar erwiesen.

Die eigentliche Schlüsselfigur aber ist Donald Trump. Wird er sich politisch mässigen und den Kompromiss mit der Opposition suchen? Wird er nicht länger als Kampf-Twitterer mit Beleidigungen um sich werfen, sondern den staatsmännischen Auftritt praktizieren? Solche Hoffnungen wurden bislang stets enttäuscht, weshalb der Präsident die grösste Hoffnung der Demokraten bleibt.

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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Walter Sahli 14.12.2017 20:01
    Highlight Highlight Trump wurde gewählt, weil alle Clinton hassen und jetzt werden die Demokraten gewählt, weil alle Trump hassen...die spinnen die Amis! ;-)
    4 0 Melden
  • rodolofo 14.12.2017 19:27
    Highlight Highlight ...
    Wir schauen ihnen zu, wenn sie ihre braven Bürgermasken immer öfters ablegen, die Öffentlich-Rechtlichen Medien mit der "No Billag-Initiative", die Bilateralen Verträge mit der EU mit der "Initiative Kündigung der Personenfreizügigkeit" und den Rechtsstaat mit der Initiative "Nationales Recht über die Menschenrechte und das Völkerrecht" frontal angreifen.
    Damit greifen sie auch die Institutionellen Stützpfeiler unserer Demokratie an!
    Also, wir beobachten sie dabei und beginnen, aus dem Hinterhalt Sozialer Medien verbale Giftpfeile zu schiessen, so wie moderne Dschungel-Indianer...
    3 0 Melden
  • rodolofo 14.12.2017 19:19
    Highlight Highlight Trump und Bannen sind Gefangene ihres eigenen Erfolgs.
    Damit sie ihre rechtsextreme Basis bei Laune halten können, müssen sie ständig "einen drauf setzen" und noch aggressiver gegen Ausländer und gegen den allzu sozial eingestellten Teil des Establishments zu hetzen!
    Das wiederum führt zu entsprechenden Gegenreaktionen dieser abgegriffenen Teile der Gesellschaft.
    Bei uns ist ja mit der SVP etwas ganz ähnliches im Gange.
    Je übermütiger und offensiver die "Rechtsnationalen" in ihrem Siegestaumel werden, desto deutlicher geben sie sich auch zu erkennen!
    ...
    5 0 Melden
  • Palatino 14.12.2017 14:26
    Highlight Highlight Der Ball liegt bei den Republikanern. Wenn sie die Personalrekrutierung an Bannon outsourcen, wie es geplant ist, werden die Demokraten gute Chancen haben. Wenn Bannon das Dossier entzogen wird, steigen die Chancen der Republikaner.
    2 2 Melden
  • seventhinkingsteps 14.12.2017 12:50
    Highlight Highlight "We've beat a literal pedophile by 1.5%, absolutely everything is possible now!"
    10 3 Melden
  • TanookiStormtrooper 14.12.2017 12:17
    Highlight Highlight Demokraten sind grundsätzlich strenger mit ihren Kandidaten als Republikaner, da reichen einfach ein bisschen "Gott ist auf meiner Seite" und da werden die grössten Freaks gewählt. Jetzt gilt es aber, Trump das regieren so schwer wie möglich zu machen und da ist es dann egal, ob der Demokrat nicht 110% der gleichen Meinung des Wählers ist. Es geht darum dafür zu sorgen, dass Trump in seiner Amtszeit möglichst wenig Schaden anrichten kann.
    10 2 Melden
  • Bert der Geologe 14.12.2017 12:14
    Highlight Highlight Sofern die Demokraten nur von der Schwäche des Gegners profitieren, werden sie sich auf den Lorbeeren ausruhen und die dringendst nötige Blutauffrischung wird ausbleiben. Vielleicht erfolgt diese bei den Republikanern, wenn sie dann mal am Boden liegen. Aber eher wird sich hüben wie drüben das verknöcherte Partei Establishment zurück kämpfen, sich Ämter und Spendengelder zuschanzen und auf den Schaum schlagen.
    0 1 Melden
  • N. Y. P. D. 14.12.2017 11:54
    Highlight Highlight Wer ist verantwortlich,
    dass der Demokrat Doug Jones
    gewonnen hat ?

    Die Republikaner, allen voraus Donald Trump.

    Im Lager der Demokraten bilden sie sich zuviel ein, auf den Sieg. Die Reps haben sich selber geschlagen.
    Die Demokraten sollten die Gelegenheit jetzt beim Zopf äh Schopf packen und ordentlich Gas geben..
    5 0 Melden
  • Hashtag 14.12.2017 11:42
    Highlight Highlight Es werden jeden Tag unzählige Artikel über die US-Politik verfasst, dass Kernproblem wird aber nie beschrieben. Das Zweiparteiensystem wird die USA aufreiben. Die Demokratie muss sich entwickeln und dass nicht nur in den USA sondern auch in Europa.
    6 0 Melden
  • Hades69 14.12.2017 10:56
    Highlight Highlight Hört auf mit diesem Theater, als wenn es einen Unterschied zwischen Demokrat und Republikaner gäbe.
    17 56 Melden
    • phreko 14.12.2017 11:48
      Highlight Highlight Man muss schon ziemlich weit weg von der Materie sein um dies zu behaupten. Versicherung für alle, Steuergerechtigkeit, Abtreibung, Bankenregulierung u.s.w. da bestehen gewaltige Unterschiede.
      11 3 Melden
    • Snowy 14.12.2017 12:20
      Highlight Highlight Gibt sehr wohl einen Unterschied: Man vergisst einfach häufig, dass die US-Demokraten ungefähr die Standpunkte der FDP vertreten - also nicht "links" sind im europäischen Sinne.

      Die Republikaner sind in den letzten Jahrzehnten weit rechts der SVP abgedriftet.

      Das politische Spektrum ist völlig anders.
      12 3 Melden
    • Max Dick 14.12.2017 12:24
      Highlight Highlight Die unterscheiden sich nicht? Wie kommen sie den zu dieser Schlussfolgerung? Weil beide Englisch sprechen - und Sie das nicht verstehen, unterscheiden sie sich für Sie nicht?
      9 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 14.12.2017 10:35
    Highlight Highlight Träume ist das richtige Stichwort.
    Statt hier den nächsten "Trump steht wegen X und Y kurz" vor dem Ende" oder "X könnte Trump bei der Wahl gefährlich werden"- Artikel, der auf nichts ausser Mutmahssungen baut, könnte man auch mal über die reale Politik berichten.
    In den letzten Jahren haben die Dems über 1000 Posten auf Staats und Nationsstufe verloren. Wo? Weshalb? Folgen?
    Die Republikaner können Richter an den Appellationsgerichte einsetzten und dadurch das Land führ Jahre prägen. Wo? Weshalb? Welche konkreten Folgen? Wie viele Konservative halten sich deswegen die Nase zu und wählen Trump
    33 5 Melden
    • Dinolino 14.12.2017 12:46
      Highlight Highlight ...aber doch nicht hier, clickbaits kennsch?
      0 0 Melden
  • Max Dick 14.12.2017 10:31
    Highlight Highlight Sehr optimistischer Artikel. Klar ist: Alabama ist jetzt der erste Staat , in welchem die Demokraten eine Wahl gewonnen haben, in welchem Trump letztes Jahr siegte. Und dies war auch erst möglich weil die Repuplikaner einen mutmasslichen Kindervergewaltiger ins Rennen schickten. Die midterm in einem Jahr sind eigentlich ein Pflichtsieg für die Demokraten - schon seit Jahrzehnten gewinnt die Opposition immer die midterms der ersten Amtszeit eines neuen Präsidenten. Doch da die Demokraten aus der Niederlage 2016 nichts gelernt haben (Schumer und Pelosi sind noch immer im Amt), ahne ich Böses.
    22 0 Melden
    • Max Dick 14.12.2017 12:19
      Highlight Highlight Eigenkorrektur: GWB gewann seine ersten midterms 2002 noch - wohl auch da er zu diesem Zeitpunkt ein erfolgreicher Kriegspräsident war. Erst bei denen im 2006 gewannen dann die Demokraten.
      3 0 Melden
    • Snowy 14.12.2017 12:22
      Highlight Highlight Genau!

      Und auch Hillary liebäugelt noch immer mit einem Comeback... Falls sie dies tut (und man es ihr erlaubt) werden die Demokraten erneut verlieren.
      5 1 Melden
  • FrancoL 14.12.2017 09:57
    Highlight Highlight Man soll nicht träumen. Man soll sich nicht auf einen Sieg verlassen der weitgehend auf der nachweisliche Schwäche eines Gegners basiert.
    Man soll siegen mit guten Lösungen und Ideen. Darauf müssen sich die Demokraten besinnen.
    54 0 Melden
    • rodolofo 14.12.2017 21:02
      Highlight Highlight Und was wäre die gute Lösung?
      Dass die Leute nicht mehr auf Markenartikel abfahren sollen?
      Aber sie fahren auf diese Markenartikel ab, und zwar ausnahmslos: Deutsche, Amerikaner, Italiener, Chinesen, Filipinos, Kongolesen und und und.
      All diese Homo Sapiens Konsumentus treffen einander das Angebot prüfend in den Outlet's dieser Welt!
      Vielleicht ist DAS die Weltgemeinschaft und wir sehen sie nur nicht, weil wir sie uns nicht so vorstellen!
      Malerische Orte werden ausgedehnte Enkaufszentren mit historischer Ambiance.
      Diese Einkaufszentren sind die Tempel der neuen Welt-Gesellschaft...
      1 0 Melden
  • Luca Brasi 14.12.2017 09:33
    Highlight Highlight Kurzum: Die Demokraten machen eigentlich nicht viel anders als vor den Präsidentschaftswahlen und haben auch kein wirkliches Profil oder frische Ideen, sondern profitieren davon, dass der Präsident sich nur um seine eigenen Leute kümmert und Bannon mit seinen Leuten interne Machtkämpfe bei den Republikanern und deren Establishment auslöst.
    Man wünschte sich eine 3. Partei...
    88 0 Melden

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