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Balkanisch für Anfänger mit «Kajt Mos» und «Majli Sairus» 

In Sachen Grammatik setzt der Jugo ganz auf «Keep it simple». Ludmila könnte nicht glücklicher darüber sein. Vor allem dann, wenn sie mit ihrer Familie chattet. Oder Promi-News liest.

01.06.17, 09:21 01.06.17, 17:50

Ich schreibe wie eine Erstklässlerin, sagt meine Mutter. Es hat sich so eingependelt, dass ich, wenn ich ihr SMS schreibe, mir die Mühe mache und diese auf Jugo verfasse. Fallfehler, sonstige Fehler und Mischsätze inklusive.

Mischsätze sind die, die auf Jugo beginnen, mich dann aber so überfordern, dass ich sie auf Deutsch beende. So geht es mir auch, wenn ich mit meinen Eltern rede. So geht es allen, die zweisprachig aufgewachsen sind.

Ein Salat, der in einem Lachflash endet

Meine Freunde, die meine Familie und mich sprechen hören, sagen, das klinge lustig. Ich selber finde was anderes enorm lustig: Den englisch redenden oder schreibenden Jugo.

Der Grund könnte nicht simpler sein: Der Balkaner gibt sich a) keine Mühe, um englische Ausdrücke englisch zu betonen und gibt b) noch viel weniger auf englische Grammatik. Der Schlawiner schreibt englische, deutsche, und wenn ich es mir recht überlege, auch eigene Ausdrücke und Namen genau so, wie er sie ausspricht.

Neulich sass ich mit einem Freund in einem Jugo-Resti in Winterthur. Er zeigte auf die Karte und fragte mich, was das sei. Ich forderte ihn dazu auf, laut vorzulesen, was da steht. Er las vor, verstand und verlor sich in einem Lachflash. Den Ajsberg/Eisbergsalat hat er dann doch nicht bestellt.

bild: ludmila Balkanovic

Aus Miley mach Majli, aus Kate Kejt

Noch skurriler und drum noch besser wird es jeweils, wenn ich in den Promi-Magazinen stöbere, auf die meine Mutter on- und offline schwört. Würde ich ihr eine SMS schreiben, in der ich ihr was von «Miley Cyrus» erzähle, hätte die Gute keine Ahnung, um wen es geht. Komme ich mit «Majli Sajrus», ist la Mama im Bilde.

bild: ludmila Blakanovic

Englische Rechtschreibung findet meine Mutter «mega kompliziert und unlogisch», sagt sie, während wir uns durch ihre Lieblings-Nachrichtenseite im Netz klicken. Sie kann und will einfach nicht verstehen, warum die Amis Kate Moss schreiben, wenn die Gute doch «Kejt Mos» heisst.

Bild: Screenshot novosti.rs

Und weil wir nun so schön drin sind, anbei ein kleines Best-of.

Kleine Lektion in Sachen Jugo-Grammatik: ein «S» mit kleinem Vögeli-«v» drauf, wird wie ein «sch» ausgesprochen. Und schon ist klar, wie man Prinzessin Charlotte auch schreiben kann. Bild: Screenshot novosti.rs

Bei ganz genauer Betrachtung erkennst du hier neben der Polizei und der Feuerwehr einen ganz besonderen Joke. Bild: facebook.com

Als Zugabe an dieser Stelle ein etwas älteres Original-SMS von mir an meine Mutter zur Veranschaulichung. Inhaltlich geht es um meine Grippe, meinen Waschtag, einen Arzttermin und darum, sie davon abzuhalten, mir alles abnehmen zu wollen, indem sie für mich putzt. Mütter halt <3!

Ein bisschen Italienisch kann ich auch.

Die italienischen Ausdrücke sollen meine Mum an ihre Zeit erinnern, als sie im Alter von 17 in die Schweiz eingewandert ist und als erstes ihre beste Freundin kennenlernte, die ihr Italienisch beibrachte. Ich hingegen tu nur so, als ob ich's ein bisschen könnte.

bild: screenshot ludmilas handy

Wobei: Ein bisschen kann ich's im Fall auch.

Ich weiss, was «Figlio di puttana» heisst. Oder wie wir schreiben würden: «Filijo di Butana».

Das wars für heute. Man soll ja aufhören, wenns am schönsten ist. Oder wenn man abdriftet. In diesem Sinn «over and out». Oder «ower änd aut».

Eure Ludmila

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Gestatten, mein Name ist Balkanovic!

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Brikne, 20.7.2017
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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • smota 16.06.2017 08:03
    Highlight Die erste und wichtigste Sprachregel im Serbischen:

    Schreibe alles, wie du es sagst und sage alles wie du es schreibst!!!

    PS: Sh gibt es bei uns nicht, as ist bei uns das š.

    1 0 Melden
  • eddie_dee3 04.06.2017 06:00
    Highlight Auch zweisprachig aufgewachsen und schreibe meinen Eltern auch einen Mix zwischen Deutsch und Portugiesisch. Aber Hauptsache man versteht sich 😉
    7 0 Melden
  • Spooky 03.06.2017 23:23
    Highlight Ludmila ist Literatur.
    11 0 Melden
  • rodolofo 02.06.2017 08:51
    Highlight Das ist jetzt aber keine exklusiv "Balkanische" Spezialität.
    Ich mache das mit meinen Mundart-SMS ebenso.
    Da ich mich regelmässig verspäte (Südländer-Verhalten?), aber die anderen Personen (Kollegen, Freunde, Arbeitgeber) nicht warten lassen will (Nordisches Pflichtbewusstsein?), habe ich einen Gutschweizerischen Kompromiss gefunden:
    Ich melde die Verspätung kurz vorher per Mundart-SMS:
    Entweder schreibe ich "Chumenufdi fiertelapp/halbi", oder "Chumenumdi fiertelapp/halbi", oder "Chumenöppenam fiertelapp/ halbi".
    Manchmal muss ich dann noch ein "Es wirt fiertelfoor" folgen lassen.
    10 2 Melden
    • Lichtblau 06.06.2017 00:13
      Highlight Ist ja alles nachvollziehbar und eigentlich vorbildlich - aber warum das Fucking-F anstatt das Vögeli-V?
      5 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 02.06.2017 01:40
    Highlight


    Und da sind sie, meine Brüder und Schwestern, stimmen ein in das Lied der Freiheit. Von hoch im Norden bis Tief im Süden, höre ich sie mit einer Stimme singen!!!
    7 5 Melden
    • rodolofo 02.06.2017 08:53
      Highlight Dieser Nordkorea-Propagandafilm ist doch aber wohl nicht Dein Ernst, oder?
      5 2 Melden
  • pamayer 01.06.2017 16:03
    Highlight Da macht ajne guut ardjikl.
    27 2 Melden
    • ludmila 01.06.2017 22:12
      Highlight ;-)
      12 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 01.06.2017 15:34
    Highlight Wizo komplicirt wen get aifach?
    29 1 Melden
    • Dä Brändon 01.06.2017 20:37
      Highlight Erinnert mich an...
      21 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 01.06.2017 20:44
      Highlight Kenne ich von FB... Aber er (Urheber der Seite) ist nicht sehr konsequent... Scheiss/e anstatt Shajze. Kein anstatt Kajn.
      6 2 Melden
    • Dä Brändon 01.06.2017 20:52
      Highlight Tu biš filajht piceli pingelik
      32 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 01.06.2017 21:02
      Highlight Ja sho bicali precize.
      11 1 Melden
  • Dä Brändon 01.06.2017 14:31
    Highlight Interessant und lustig zugleich. Andersrum sprechen Engländer unsere Wörter komplett falsch aus. AAn unserer Schule hat mal ein Literturhistoriker ein Referat über östliche Literatur gehalten, was unglaublich interessant war. Die serbo-kroatische Sprache gehört im slawischen Raum zu der komplexesten. Im Vergleich zur deutschen Sprache besitzen sie drei weitere Fälle und können sich desswegen präziser ausdrücken ohne endlose Sätze zu bilden.
    19 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 01.06.2017 17:04
      Highlight das ist so. zudem hat das kyrilische alphabet 30 buchstaben, nicht 26 wie das lateinische...
      10 2 Melden
  • sheimers 01.06.2017 14:10
    Highlight In Serbien gibt es ein Getränk, das heisst Naeks. Ich habe mich erst gewundert was das für ein komischer Name ist, bis mir aufgefallen ist, dass es wohl na - eks ("auf ex", auf einmal austrinken) heissen muss. http://www.naeks.rs/srpski
    9 0 Melden
    • Dä Brändon 01.06.2017 20:12
      Highlight Ha! Der Typ im Werbevideo ist doch der Darsteller bei "Parada".
      Film war super :-D
      7 0 Melden
  • kupus@kombajn 01.06.2017 13:11
    Highlight Die Sache mit den Promi-Namen ist allerdings eher eine serbische Spezialität und gilt nicht in ganz ex-YU. Fremdsprachige Personennamen aber auch z.B. Städte- oder Markennamen wie Zürich (serbisch: Cirih) oder Nike (serbisch: Najki) werden z.B. in Kroatien original geschrieben, was allerdings zur Folge hat, dass die meisten den Namen dann falsch aussprechen, wenn sie ich nicht schon einmal gehört haben. In Serbien wird der Name drollig geschrieben, dafür dann richtig ausgesprochen (vom Akzent natürlich abgesehen).
    19 4 Melden
  • Filzstift 01.06.2017 12:11
    Highlight Interessant, die serbische Wikipedia schreibt die Namen tatsächlich auch so...: Und entdecke dort eine Doris Lojthard, einen Johan Šnajder-Aman oder einen Alen Berse. Gut ist auch Mišlen Kalmi-Re, vgl. https://sr.wikipedia.org/sr-el/%D0%9C%D0%B8%D1%88%D0%BB%D0%B5%D0%BD_%D0%9A%D0%B0%D0%BB%D0%BC%D0%B8-%D0%A0%D0%B5
    53 0 Melden
    • sheimers 01.06.2017 13:57
      Highlight Fremdwörter und ausländische Namen werden dort konsequent phonetisch geschrieben. Das scheint offiziell zu sein und nicht nur eine Angewohnheit der hiesigen Migranten.
      25 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 01.06.2017 11:48
    Highlight Lud(o)mila for President.


    herrje...als ich das letzte mal in Belgrad war ind serbisch sprach, hat man mich immer mal wieder nicht verstanden, da ich verjugte utschwörter benutze.

    bsp. na feriju sam tu.

    ferije versteht nur ein jugo schweizer
    echte jugos so: hää

    jugo ist halt phonetik live.
    22 3 Melden
  • zhgr1989 01.06.2017 11:47
    Highlight Evt. kann mir ja jemand von euch hier helfen... Ich suche ein leckeres Restaurant mit Balkanspezialitäten, am besten Stadt Zürich. Im voraus bereits ein herzliches Dankeschön :)
    18 2 Melden
  • Binnennomade 01.06.2017 11:00
    Highlight Hotfac? Hot fuck? 😮

    ..ah ..Notfal 😅
    16 4 Melden
    • pamayer 01.06.2017 16:01
      Highlight Eher Notfall.

      Aber vielleicht auch ein Hot Fuck für den Notfall.
      8 1 Melden
    • Binnennomade 01.06.2017 17:02
      Highlight Ich hätte auch gern 'nen Hot Fuck für den Notfall.. 😟
      7 2 Melden
    • pamayer 01.06.2017 23:03
      Highlight Binnennomade
      Einfach auf post-it schreiben. Natürlich in KORREKTEM Jugo Slang. Das nützt immer. Frag Ludmilla.
      4 1 Melden
  • Eksjugo 01.06.2017 10:50
    Highlight Der Joke beim Notizzettel wird wohl das "heklanje" sein. Oder? :-)
    4 2 Melden
  • sheimers 01.06.2017 10:32
    Highlight Habt ihr gewusst, dass es in Kroatien früher Herbst wird als in Tschechien? Es ist nämlich so, dass der Oktober auf Kroatisch listopad heisst. Wörtlich übersetzt heisst das der Blatt-Fall. Den listopad gibt es auch auf Tschechisch, kurioserweise ist es dort aber der November.
    13 5 Melden
    • Whitebeard 01.06.2017 12:50
      Highlight Das mit den kroatischen Monaten verstehe ich immer noch nicht ganz genau.. Wieso zur Hölle müssen sie ihre Monate ganz anders nennen als der Rest Europas?
      14 2 Melden
    • sheimers 01.06.2017 16:25
      Highlight Viele slavische Sprachen haben eigene Monatsnamen, sogar von Sprache zu Sprache verschiedene. z.B. Tschechisch, Polnisch, Ukrainisch. Allerdings unterscheiden die sich untereinander.
      4 0 Melden
  • sheimers 01.06.2017 10:25
    Highlight Serbisch ist eigentlich ganz einfach, man muss nur alle anderen Sprachen können. z.B. Tomate = paradajz (österr. Paradeiser), Kartoffel = krompir (schwäbisch Grundbirne), Schrank = ormar (franz. armoire), Orange = narandža (ital. arancia), Nase = nos (engl. nose), ... OK, mit den slavischen Wörtern tue ich mich noch schwer, aber die lerne ich auch noch! :-)
    24 4 Melden
    • Danikam 03.06.2017 06:21
      Highlight hier noch ein paar....😊 šifonjer = fr. chiffonier, šrafciger = de. schraubenzieher, stomak = engl. stomach....usw.
      5 1 Melden
  • Radesch 01.06.2017 10:25
    Highlight Das ist wirklich interessant, dass das auch anderern passiert. Wir reden Zuhause eigentlich auch ein Mischmasch aus Deutsch und Serbokroatisch bzw. Goranski (kann man ja googlen).

    Das wird dann bei anderen Kulturen bzw. Sprachen wohl ähnlich sein. Dabei kommen immer wieder so lustige Sätze raus wie:

    "Komm hajde na Einkauf"
    (Komm las uns einkaufen gehen)

    Das nennt man wohl Multi-Kulti ^^
    27 3 Melden
  • Pond 01.06.2017 09:41
    Highlight hahahah das ist so herzig und lustig. Danke für den schönen Beitrag.
    28 4 Melden

«Um 5 Uhr Nachmittags bin ich besoffen, um halb 8 am Ende» – Jugo-Musik for ever!

Wenn Ludmila die Jugo-Mucke aufdreht, drehen nicht nur ihre Nachbarn, sondern auch ihre und die Gefühle ihrer Mutter am Rad.

Seit ich denken kann, ist mein Vater der grösste Party-Bro, den ich kenne. An Festen ist er der Erste, der kommt und der Letzte, der geht. Auch mit 63 trinkt er locker mein Umfeld unter den Tisch.

Nicht nur deswegen halte ich Dad für den Grössten. Ihm verdanke ich auch meine Begeisterung für Volksmusik aus der alten Heimat. Papa hatte früher einen Plattenspieler. Und eine riesige Plattensammlung. Bei uns lief immer Musik.

Sowohl daheim als auch im Auto. Da dreht er heute noch gerne mal auf, …

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