Blogs
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Betender Otter
 (https://www.flickr.com/photos/tambako/11617896646)

Betender Otter: Glaubt er an Gott?
Bild: Flickr/Tambako

Beten heisst nicht, dass Gott tatsächlich existiert



Schreckensmomente bringen uns rasch an den Rand der Verzweiflung. Wenn es ganz arg kommt, flehen die meisten Menschen reflexartig Gott an, er möge die Katastrophe abwenden oder das Unglück ungeschehen machen. Gott schiesst selbst Menschen in den Kopf, die eigentlich nicht an ihn glauben.

Hugo Stamm; Religionsblogger

Hugo Stamm

Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei. Neu befasst er sich mit dem Thema wöchentlich auf watson.

Du kannst Hugo Stamm auf Facebook und auf Twitter folgen.

Für Fromme ist dieser Reflex ein Zeichen für die Existenz Gottes, der angeblich unser Bewusstsein prägt. Dies entspricht aber eher einem Wunschdenken. Der Rückgriff auf Gott ist ein Archetyp unserer christlich geprägten Mentalität. In Notsituationen hoffen wir auf ein Wunder. Da wir nicht mehr an Märchenfiguren mit dem Zauberstab glauben, kommt uns halt Gott in den Sinn.

Kann Gott im Gebet erfahren werden?

Fromme Christen – vornehmlich aus Freikirchen – sind hingegen überzeugt, im Gebet in einen realen Dialog mit Gott treten zu können. Dies nährt ihre Überzeugung, ihn authentisch zu erfahren. Ihre subjektive Erfahrung werten sie als unumstösslichen Gottesbeweis.

Die Erfahrungen zeigen auch, dass wir Menschen Meister der Selbsttäuschung sind. Wir finden, was wir suchen.

Doch dieses Phänomen hat viel mit Angst und Sehnsucht zu tun. Und mit Einbildungskraft. Das menschliche Hirn ist sehr flexibel. Es produziert Eindrücke, Bilder, Ideen und Gedanken, die wir herbeisehnen. Wir halten sie für echt und wahr und realisieren häufig nicht, dass es Täuschungen sind. 

Du hast watson gern?
Sag das doch deinen Freunden!
Mit Whatsapp empfehlen

Es gibt keinen Gottesbeweis

Gläubige vergessen gern, dass es eine unverrückbare Erkenntnis gibt, die sich durch die ganze Geistesgeschichte der Menschheit zieht: Es gibt keinen Gottesbeweis. Glauben heisst denn auch: Für wahr halten. Die Gefahr der Selbsttäuschung ist schon im Begriff angelegt.

Tatsächlich sind Gotteserfahrungen lediglich subjektive Phänomene. Doch diese blenden wir gern aus. Vielmehr sind für uns persönliche Erfahrungen meist als relevanter als psychologische oder philosophische Erkenntnisse.

Gott kann unser Gebet nicht erhören

Die Erfahrungen zeigen auch, dass wir Menschen Meister der Selbsttäuschung sind. Wir finden, was wir suchen. Und wir blenden aus, was uns missfällt. Ja, wir unterdrücken gern unangenehme Aspekte, die schmerzen oder unser Selbstwertgefühl untergraben.

Dazu gehört eben auch die Möglichkeit, dass Gott unser Gebet nicht erhört. Nicht erhören kann, weil es ihn nicht gibt.

Das könnte dich auch interessieren:

5 Dinge, die du über den Streit zwischen Trump und CNN-Journalist Acosta wissen musst

Link to Article

30 Prozent aller Nonnen werden missbraucht. Doris Wagner war eine davon, sie befreite sich

Link to Article

Der Genfer Stadtrat hat gerade die Spesen-Listen seit 2007 veröffentlicht – sie sind 😱

Link to Article

Es reicht! Sergio Ramos muss endlich gesperrt werden – und zwar für lange Zeit

Link to Article

«Weiss nicht, ob ich meinen Kindern die Lehre empfehle» – ein Maurer spricht Tacheles

Link to Article

Darum zahlst du bei Swisscom bald zu viel, wenn du diesen Preisvergleich nicht liest

Link to Article

Der alljährliche Weihnachtsknatsch ist zurück – nun macht Lidl auf sozial

Link to Article

Fleisch-Attacke! Leute im «Bachelor», was zu viel ist, ist zu viel

Link to Article
Alle Artikel anzeigen
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

Abonniere unseren Newsletter

28
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pony c 23.03.2016 00:22
    Highlight Highlight Ich verstehe das nicht ganz. Ist es nicht viel schöner, zu wissen, dass es einen Gott gibt, der einen von ganzen Herzen liebt, zu dem man immer gehen kann wenn man seine Hilfe braucht (oder auch einfach so:)) und der einen nach dem Tod erwartet?
    5 6 Melden
  • Pasionaria 19.02.2016 14:47
    Highlight Highlight Auch wenn Menschen Götter verehren, Hilfe können sie nur vom Mitmenschen, vom Zufall und vorallem von sich selbst erwarten.......
    7 2 Melden
    • Spooky 27.02.2016 23:58
      Highlight Highlight
      @Pasionaria:

      "...vorallem von sich selbst erwarten......."

      Du hast total recht. Es ist genau so, wie du es sagst. Ich erlaube mir in Zitat (mit dem ich einverstanden bin):

      „Dein eigener Wille ist das einzige, was auf deine Gebete antwortet; aber er erscheint jedem Geist in der Verkleidung verschiedener religiöser Vorstellungen. Wir mögen ihn Buddha, Jesus, Krishna, Jehovah, Allah, Agni nennen; aber er ist stets das Selbst, das Ich.“ [das höhere Selbst, nicht das Ego]
      Swami Vivekananda (1863-1902, am 2.8.1895 in USA)
      3 3 Melden
  • Maon 07.02.2016 15:06
    Highlight Highlight Ich bin überzeugter Atheist, jedoch habe ich in schwierigen Situationen auch schon gebetet, jedoch nicht an einen Gott oder eine Göttin (da ich nicht an Solches glaube). Ich habe für mich ins innere gebetet. In Schwächemomenten hilft beten sicher.
    6 7 Melden
  • olive 07.02.2016 07:05
    Highlight Highlight @Rhabarber

    Semmelweis ist ein gutes Beispiel:

    Was ihm geschah, war tragisch und ist dem Neid und der Überheblichkeit der Menschen geschuldet.
    Aber: seine Thesen haben sich bewahrheitet, andere wie Gott oder die Homöopathie nicht und das seit hunderten von Jahren .

    Es gibt auch heute Irrtümer und Versäumnisse in der Medizin, die aber über kurz oder lang korridiert werden.
    Wie auch die Ansicht, dass die Erde eine Scheibe sei.
    So arbeitet Wissenschaft, alles andere ist Glaube.
    (meist über lang )
    5 3 Melden
  • Spooky 06.02.2016 23:08
    Highlight Highlight "Tatsächlich sind Gotteserfahrungen lediglich subjektive Phänomene." (Hugo Stamm)

    Es gibt NUR subjektive Erfahrungen. Ob diese Erfahrungen Gotteserfahrungen sind oder gewöhnliche Welterfahrungen, spielt keine Rolle.

    Um objektive Erfahrungen zu machen, müsste das Bewusstsein fähig sein, die Welt (oder Gott) von einem Punkt aus zu betrachten, der ausserhalb der Welt (oder von Gott) liegt.
    Das ist bis jetzt aber noch niemandem gelungen, soviel ich weiss.

    Ob es dem Bewusstsein irgendwann einmal möglich sein wird, die Welt von aussen zu sehen, "das wissen die Götter" ;-))
    20 2 Melden
    • Lutz Pfannenstiel 09.02.2016 13:19
      Highlight Highlight Sehr schön ausgedrückt, Spooky Red.
      1 1 Melden
    • Spooky 10.02.2016 11:49
      Highlight Highlight @Lutz Pfannenstiel: Danke ;-)
      1 1 Melden
  • NatValCas 06.02.2016 22:19
    Highlight Highlight Interessante Überlegungen von Herr Hugo Stamm, ich glaube mit einem hellwachen und kritischen Geist wie dem Seinen würde ich gerne mal eine Nacht durchdiskutieren.

    Und es ist mutig von Euch, dies zu veröffentlichen, Watson.

    Das regt zum Denken an...
    9 8 Melden
  • Spooky 06.02.2016 19:12
    Highlight Highlight Das ist ein guter Artikel, aber er behandelt das Thema "Glauben" allzu oberflächlich. Glauben heisst nicht nur: Für wahr halten. Es gibt nicht nur EINE Realität, es gibt davon viele, vielleicht sogar zahllose. Und die Grundlage jeder dieser Realitäten ist ein bestimmter Glaube. Der Glaube erschafft Realität. Ein Hindu glaubt an die Wiedergeburt, und darum wird er wiedergeboren, und zwar ganz real. Die Heiden glauben ans Walhalla, und darum kommen sie nach dem Tod ins Walhalla. Die Christen glauben and den Himmel oder an die Hölle, und darum kommen sie nach dem Tod in den Himmel oder die Hölle.
    6 11 Melden
  • Elvenpath 05.02.2016 01:10
    Highlight Highlight Ein Gang durch eine Irrenanstalt zeigt sehr deutlich, dass fester Glaube an etwas kein Beweis ist.
    16 7 Melden
    • Spooky 06.02.2016 23:40
      Highlight Highlight @Elvenpath: Du hättest auch schreiben können: Ein Gang durch die Stadt zeigt sehr deutlich, dass...usw. usw.

      Die verrücktesten Irren leben nämlich nicht in der Irrenanstalt, sondern in völliger Freiheit, meistens sogar in Führungspositionen.

      ;-))
      15 1 Melden
  • Pointer 04.02.2016 19:47
    Highlight Highlight «Und mit Einbildungskraft. Das menschliche Hirn ist sehr flexibel.»: Manch einer bildet sich sogar ein, dass Gott nicht existieren würde.
    40 20 Melden
  • rodolofo 04.02.2016 16:52
    Highlight Highlight Hallo erst mal!
    Ja beten kann nur, wer sich einbildet, er oder sie werde erhört...
    Aber vielleicht ist es auch sinnvoll, eigene Wünsche zu äussern und sich so über den eigenen Willen klar zu werden!
    Der eigene Wille ist sozusagen "Plan A".
    "Gottes Wille", also das, was dann tatsächlich passiert ist für mich "Plan B".
    Der -nüchtern wissenschaftlich gesagte- "Plan B", oder der -romantisch altmodisch gesagte- "Willen Gottes" entsteht durch das Zusammenwirken aller Willenskräfte, jener der Menschen, der Tiere, der Pflanzen, der Naturgewalten und der kosmischen Kräfte.
    11 10 Melden
  • Lutz Pfannenstiel 04.02.2016 10:33
    Highlight Highlight "Nicht erhören kann, weil es ihn nicht gibt." Mit dieser Aussage disqualifiziert sich Hugo Stamm selbst, oder - um es in seinen schönen Worten zu sagen - er schiesst sich selber in den Kopf. Denn die Nicht-Existenz eines - wie auch immer gearteten - Gottes ist ebenso wenig empirisch beweisbar wie dessen Existenz. Die apodiktische Behauptung, Gott existiere nicht, ist im Grunde fundamentalistisch und in diesem Sinne stellt sich Stamm auf die selbe Stufe wie jene, die er kritisiert.
    80 22 Melden
    • Abnaxos 04.02.2016 17:33
      Highlight Highlight Dass die Nicht-Existenz Gottes nicht bewiesen ist, liegt in der Natur der Sache: Nicht-Existenz von etwas lässt sich nicht beweisen, niemals. Oder beweise mir, dass KEINE rosarote Teekanne um den Mars kreist.

      Man muss von der anderen Seite kommen: Wenn etwas existiert, hinterlässt es Hinweise auf seine Existenz. Millionen von Menschen haben es in Jahrtausenden nicht geschafft, auch nur einen Anflug eines Hinweises auf die Existenz Gottes zu liefern.

      Das ergibt grob geschätzt eine Wahrscheinlichkeit von 1:1'000'000'000'000, dass Gott existiert. Das entspricht ungefähr "unmöglich".
      31 14 Melden
    • Elvenpath 05.02.2016 01:15
      Highlight Highlight Ich kann mir ein paar Millionen Fabelwesen ausdenken, deren Nichtexistenz du nicht beweisen kannst.

      Dass man die Nichtexistenz von etwas nicht beweisen kann, bedeutet deswegen gar nichts.

      Dass man die Existenz von etwas nicht beweisen kann, sagt dagegen eine Menge aus.

      Um es klar zu sagen: Dass man die Existenz "Gottes" (welchen Gottes eigentlich? Shiva? Zeus? Osiris?), trotz aller Mühen, nicht beweisen kann, ist eines der stärksten Argumente, dass es keinen Gott gibt.
      24 7 Melden
    • NatValCas 06.02.2016 22:49
      Highlight Highlight @Abnaxos, ahhh... Ein Betrand Russell-Kenner!

      Chapeau
      3 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Simsim 04.02.2016 06:42
    Highlight Highlight Oh Mein Gott
    Ich kenne ihn nicht und habe ihn nie kennen gelernt. Eines ist aber sicher, niemand hatte einen besseren Propagandaminister wie er
    28 14 Melden
  • minsänfdezue 04.02.2016 00:43
    Highlight Highlight Dass Christen mit Gott in Verbindung treten wollen ist etwas urchristliches, das hat nichts mit "freikirchlich" zu tun, das wird in allen christlichen Staatskirchen, Freikirchen, Gemeinden und Gruppen gelehrt. Das praktizieren sogar Solochristen. Aussagen wie "Gotteserfahrungen sind lediglich subjektive Phänomene", "Gott kann unsere Gebete nicht erhören" sind reine Polemik, eine Aussage wie "Gott schiesst selbst Menschen in den Kopf..., ist eine Provokation, die ich nicht ernst nehmen kann. Wozu dient dieser "Sekten"Blog? Betende Christen als Sektierer zu betiteln? Nicht ernsthaft, oder?
    29 24 Melden
  • Yelina 03.02.2016 17:01
    Highlight Highlight Beten und Gottglaube können auch genau wie ein Placebo funktionieren und z.B. Schmerzen lindern. Persönlich glaube ich an keinen Gott oder Überwesen, aber mich stört es nicht, wenn andere glauben. Aber wer mir den Wachturm andrehen will, hört ein "ich bin Satanistin, nein danke" 😉
    31 6 Melden
    • Luca Brasi 04.02.2016 13:32
      Highlight Highlight Auch Satanistinnen wollen doch informiert sein, was die Gegenseite so denkt, nicht? Kein Luzifer ohne Gott. Der Wachturm eignet sich hervorragend für Papierflieger, etc. :D
      5 1 Melden
    • rodolofo 04.02.2016 18:45
      Highlight Highlight Guter Spruch! Den will ich mir merken.
      Religion und Placebo haben tatsächlich vieles gemeinsam. Ich denke da an den Busfahrer in den Anden, der sein Fahrzeug knapp am Abgrund vorbei manövriert und dem die aufgehängten Heiligenbildchen dabei helfen, trotzdem locker zu bleiben.
      Aber was die "Sünden" angeht, kann Religion auch sehr belastend und verkrampfend wirken.
      Summa sumarum halten sich wohl die Vorteile und die Nachteile die Waage.
      4 3 Melden
    • Spooky 09.02.2016 03:07
      Highlight Highlight @Luca Brasi

      Luzifer war der schönste der 4 Erzengel. Weil Gott der Herr nicht so schön war wie Luzifer, wurde er eifersüchtig und stürzte Luzifer in die Tiefe, genauer gesagt: er stürzte ihn auf die Erde. Seitdem durchstreift Luzifer die Erde und bringt Unruhe unter die Menschen, wo immer er kann. Luzifer hat recht. Ich würde es genau so machen, wenn ich derart fies behandelt worden wäre.
      1 2 Melden

Oh, Globuli! Dass Mediziner homöopathisch heilen wollen, ist eigentlich ein Skandal 

In Deutschland kritisieren Ärzte die Homöopathie, eine Apotherkerin verkauft keine Globuli mehr. Und in der Schweiz? Da fehlt oft die Ehrlichkeit. 

Die Fakten sind klar: Manche homöopathische Mittel sind so stark verdünnt, dass sie keine Wirksubstanz mehr enthalten. Das bestreiten auch Vertreter der umstrittenen Methode nicht.

Sie behaupten unter anderem, die Informationen oder Energien der Ursubstanz gingen auf die Trägerflüssigkeit über. Ausserdem potenziere sich die Wirkung durch die Verdünnung.

Das sind abenteuerliche Interpretationen, die jeder wissenschaftlichen Erkenntnis und allen Naturgesetzen widersprechen. Das ist etwa so, als …

Artikel lesen
Link to Article