International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Abbot Phra Dhammachayo (C) arrives for a ceremony at the Wat Phra Dhammakaya temple in Pathum Thani province, north of Bangkok on Makha Bucha Day, March 4, 2015. REUTERS/Damir Sagolj/File Photo

Phra Dhammachayo: Lebt er überhaupt noch? Bild: © Damir Sagolj / Reuters/REUTERS

Phra Dhammachayo – der vermisste Mönch von Thailand

05.03.17, 08:26 05.03.17, 10:54


Der Buddhismus gilt als sanfte und freundliche Religion. In Thailand wird jetzt jedoch einer der prominentesten Mönche des Landes mit Haftbefehl gesucht. Trotz eines Massenaufgebots an Polizei und Militär fehlt von ihm jede Spur.

Der alte Abt war den grossen Auftritt gewohnt. Wenn Phra Dhammachayo früher seine Lesart des Buddhismus erläuterte, hörten ihm manchmal Hunderttausende zu. Und der vielleicht bekannteste von Thailands 300'000 buddhistischen Mönchen machte keinen Hehl daraus, dass er das genoss.

Auf den Bildern von einst steht ihm die Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben. Zum Gewand im satten Orange trug er Sonnenbrille und ein Lächeln auf den Lippen.

Doch jetzt ist der 72-Jährige seit Monaten komplett von der Bildfläche verschwunden. Grund: Der Mönch – bürgerlicher Name: Chaibul Sutthipol – wird wegen Geldwäsche und Veruntreuung mit Haftbefehl gesucht.

Insgesamt geht es um 1,4 Milliarden thailändische Baht, umgerechnet etwa 40 Millionen Franken. In dem 67-Millionen-Einwohner-Land (von denen mehr als 90 Prozent Buddhisten sind) beherrscht der Fall seit Wochen die Schlagzeilen.

Einflussreiche Sekte

Dabei geht es nicht nur um Religion, sondern auch um Politik. Thailands aktuelle Militärregierung – seit Mai 2014 an der Macht – schreckte lange Zeit davor zurück, sich mit Dhammachayos einflussreicher Sekte anzulegen.

Mehrfach schon waren Polizei und Militär vor deren Tempel-Komplex Wat Phra Dhammakaya, einer riesigen Anlage ausserhalb von Bangkok, aufmarschiert. Dann zogen sie unverrichteter Dinge wieder ab.

Mitte Februar liess Ministerpräsident Prayut Chano-cha den «Ufo-Tempel», wie er wegen seines futuristischen Aussehens auch genannt wird, dann doch durchsuchen. Über Tage hinweg waren mehr als 4000 Polizisten und Soldaten im Einsatz. Ohne Erfolg: Dort, wo der alte Abt sein sollte, fanden sie nur ein leeres Bett, mit Kissen vollgestopft.

epaselect epa05796006 Thai Buddhist monks to receive morning alms as law enforcement and military authorities make preperations to raid the Dhammakaya Temple in Pathum Thani province, Thailand, 16 February 2017. Thai authorities plan to raid the Dhammakaya temple to apprehend Dhammakaya Temple abbot Phra Dhammachayo, who is charged with alleged land encroachment, money laundering and the embezzlement of funds received from the Klongchan Credit Union Cooperative.  EPA/NARONG SANGNAK

Wat Phra Dhammakaya: Auch Ufo-Tempel genannt. Bild: NARONG SANGNAK/EPA/KEYSTONE

Kommerzielle Interessen

Manche vermuten, dass sich Phra Dhammachayo schon länger ins Ausland abgesetzt hat. Einige spekulieren, dass er gestorben sei. Aber die meisten mutmassen, dass er sich immer noch auf dem Gelände aufhält oder zumindest in der näheren Umgebung. Pikant: Einflussreiche Politiker und Würdenträger sollen Mitglieder des Tempels sein und den Abt schützen.

Die Dhammakaya-Bewegung wurde in den 1970er Jahren gegründet. Nach eigenen Angaben hat sie weltweit etwa drei Millionen Anhänger. Kritiker werfen der Sekte vor, von den Werten des Buddhismus abgekommen und allzu sehr an kommerziellen Dingen interessiert zu sein. Tatsächlich sind die Mönche beim Spendensammeln sehr aktiv.

Umstrittene Motive

Für Haftbefehl und Razzia wäre das aber natürlich längst nicht ausreichend. Der Philosophie-Professor Suraphot Thaweesak meint aber auch, dass mehr als die Veruntreuungsvorwürfe dahinter stecken: «Die Razzia ist Teil der politischen und religiösen Reformen, die die Militärregierung betreibt, um das Land von korrupten Politikern und korrupten Mönchen zu befreien.» Kritiker halten dem entgegen, dass die Militärs so hart gegen die Sekte vorgeht, weil sie Verbindungen zur Pheu-Thai-Partei hat, die mit dem Putsch von 2014 gestürzt wurde.

In dieses Bild passt, dass der neue König Maha Vajiralongkorn – im Amt seit Dezember – kürzlich für Thailands Buddhisten einen Obersten Patriarchen ernannte, der nicht der Wunschkandidat der oberen religiösen Instanzen war. Bei den Glaubens-Oberen hätte man wohl einen Mann mit guten Beziehungen zu Dhammakaya bevorzugt.

Hungerstreik als Protest

Aus Protest sind einige Mönche inzwischen in den Hungerstreik getreten. An einem Telefonmast in der Nähe der Tempelanlage erhängte sich ein 64-jähriger Mann sogar.

Dhammakaya-Sprecher Phra Sanitwong Charoenrattawong warnt deshalb: «Behandelt Buddhisten nicht, als ob wir Feinde wären, die eliminiert werden müssen.»

Auf Facebook hielt ihm daraufhin ein Dhammakaya-Kritiker entgegen: «Bitte tut nicht so, als ob orangefarbene Gewänder ein Schutz wären. Religion und Gesetz sind unterschiedliche Dinge.» (cma/sda/dpa)

Das könnte dich auch interessieren:

«Die Avocado ist keineswegs böse» – Experte räumt mit Mythen um die Teufelsfrucht auf

Simuliertes Wohnen – die Influencer-Welt ist um eine bizarre Geschäftsidee reicher

Schweizer Gerichte, die die Welt nicht versteht

So verteidigt der Vater der Selbstbestimmungs-Initiative sein «Kind»

Der Küsche, der in den Tee pisste – und andere Militärerlebnisse der watson-User

Das musst du über die von Russland finanzierten Propaganda-Kanäle Redfish und Co. wissen

Mit dem Laser gegen Jugendsünden: Tattoo-Entfernung boomt – es gibt nur ein Problem

Willkommen im Dschungel der Weltpolitik

Mann beleidigt schwarze Frau im Ryanair-Flieger rassistisch – Airline sinkt in PR-Krise

Diese Frauen haben etwas zu sagen – und der SVP wird dies nicht gefallen

Wieso, verdammt, find ich mich ein Leben lang hässlich?

«Dünne Menschen sind Arschlöcher»

Norilsk no fun? «Im Gegenteil», sagt Fotografin Elena Chernyshova

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

Abonniere unseren Daily Newsletter

2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen

Ein italienisches Dorf half Flüchtlingen und wurde dafür bestraft – ein Erlebnisbericht

Das kalabrische Dorf Riace galt als Vorbild für eine erfolgreiche Migrationspolitik – bis Italiens Innenminister Matteo Salvini genug hatte und den Bürgermeister verhaften liess. Erinnerungen an einen Besuch im August.

Ganz Italien schaut derzeit nach Riace, einem 2000-Seelen-Dorf inmitten der hügeligen Landschaft von Kalabrien. 20 Jahre lang nahm deren Bürgermeister Domenico Lucano Flüchtlinge auf, gab ihnen Häuser, eine Arbeit, Italienischkurse. Riace half damit nicht nur den Migranten, sondern auch sich selbst. Denn wie so viele Dörfer in Süditalien litt es an der Abwanderung ihrer Bewohner in den Norden. Mit der Ansiedlung der Flüchtlinge fand Bürgermeister Lucano neue Besitzer der verlassenen …

Artikel lesen