International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

«Schiesst nicht auf ihn, er hat keine Waffe!» – Das zeigen die Handyvideos der Schüsse in Charlotte

23.09.16, 23:08 24.09.16, 10:16

Die Witwe des in der US-Stadt Charlotte erschossenen schwarzen Familienvaters Keith Lamont Scott hat ihre dramatischen Smartphone-Aufnahmen der tödlichen Auseinandersetzung mit der Polizei veröffentlicht.

Das Video wurde am Freitag von den Anwälten von Rakeyia Scott an die «New York Times», den Sender NBC News und die Nachrichtenagentur AFP weitergegeben. Die zwei Minuten und 16 Sekunden lange Aufnahme zeigt die Momente um die tödlichen Schüsse.

Der Vorfall führte zu teils friedlichen und teils auch gewalttätigen Protesten. Bild: Gerry Broome/AP/KEYSTONE

Rakeyia Scotts Stimme ist auf dem Video wiederholt deutlich zu hören. Sie schreit die Polizisten an: «Schiesst nicht auf ihn!» «Er hat keine Waffe!» Dann ruft sie: «Er hat ein TBI (für: traumatic brain injury, Schädel-Hirn-Trauma), er wird euch nichts tun!» Mehrere Nachbarn des 43-Jährigen beschrieben ihn als Behinderten, der unter anderem stotterte.

Achtung: Das Video enthält Gewaltszenen!

Video: YouTube/NBC News

«Habt ihr ihn erschossen?»

Die Polizisten rufen auf der Aufnahme mehrfach: «Wirf die Waffe weg!» Erneut schaltet sich Rakeyia Scott ein, die ihrem Mann zuruft: «Lass sie nicht die Fenster aufbrechen! Komm aus dem Wagen raus!» Danach ruft sie: «Keith, mach das nicht! Keith, komm aus dem Wagen!»

Dann sind vier schnell aufeinander folgende Schüsse zu hören. Das Smartphone wurde in dieser Phase weggedreht. Dann ist Scott bäuchlings und reglos auf dem Boden liegend zu sehen. Rakeyia Scott ist ausser sich. «Habt ihr ihn erschossen?», ruft sie, noch ungläubig. «Er sollte besser nicht tot sein! So viel weiss ich, er sollte besser nicht tot sein!»

Seit dem tödlichen Vorfall am Dienstag im US-Bundesstaat North Carolina steht die Frage im Raum, ob Scott bewaffnet war. Nach Polizeiangaben trug der 43-Jährige eine Handfeuerwaffe und stellte eine Bedrohung dar. Nach Angaben seiner Familie und seiner Nachbarn trug Scott ein Buch – keine Waffe – und wollte seinen kleinen Sohn abholen.

Polizei soll eigene Aufnahmen zeigen

Am Freitag wurden die Rufe lauter, die Polizei müsse ihre eigenen Video-Aufnahmen veröffentlichen, die von Kameras an den Uniformen und auf dem Armaturenbrett des Polizeiautos gedreht wurden. Angehörige des Opfers konnten die Video-Aufnahmen der Tat am Donnerstag ansehen. Anwälte der Familie sagten aber, dies habe bei ihnen «mehr Fragen als Antworten» ausgelöst.

Viele Protestierende liefen trotz der am Donnerstagabend verhängten nächtlichen Ausgangssperre auf die Strasse. Bild: AP/The Charlotte Observer

Der Anwalt Justin Bamberg sagte dem Sender CNN, auf den Aufnahmen sei keine Schusswaffe zu sehen. Scott sei rückwärts gegangen, als der Schuss auf ihn abgefeuert wurde. «Seine Hände sind neben seinem Körper nach unten gerichtet. Er verhält sich ruhig. Man kann etwas in seiner Hand sehen, aber nicht erkennen, was es ist», sagte Bamberg.

Die Proteste in Charlotte gehen indes weiter. Auch am vierten Abend hintereinander zogen Menschen durch die Stadt im Bundesstaat North Carolina. Nach einem Augenzeugenbericht beim TV-Sender CNN blieb die Lage friedlich.

Ab Mitternacht in der Nacht auf Samstag gilt erneut eine Ausgangssperre, die Polizei wolle sie aber nicht durchsetzen, solange die Demonstrationen friedlich bleiben, sagte ein Polizeioffizier CNN.

In der Nacht zu Freitag waren ebenfalls etliche Menschen unterwegs gewesen. Es sei weitgehend friedlich geblieben, berichtete die Zeitung «Charlotte Observer». Auf Bildern war zu sehen, wie Demonstranten Polizisten und Mitglieder der Nationalgarde umarmten. (wst/sda/dpa)

Das könnte dich auch interessieren:

10 Fragen, die dem SBB-Kundendienst im Internet tatsächlich gestellt wurden 🙈

Stoppt die Essensdiebe! 9 Etiketten, die du brauchst, wenn du im Büro arbeitest

Vergesst Russland und USA: In Syrien droht ein Krieg zwischen Iran und Israel

Dreht Obama durch? Dieses Video zeigt eine der grössten Gefahren für Demokratien

«Ohne Fiat Money wäre unser Wohlstand undenkbar»

Liebe Baslerinnen und Basler, das passiert jetzt mit eurer BaZ ...

John Oliver attackiert die Schweiz – das sagt der Steuerexperte dazu

«Sitz, du Sau!» – Als Hockeybanausin am Playoff-Finalspiel

Hätten die Echo-Verantwortlichen doch diesen Film gesehen ...

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Vinnie 24.09.2016 08:56
    Highlight Sterben eigentlich wirklich soviele schwarze in Amerika? Ist das wirklich ein Problem? Langsam zweifle ich dran, es kann ja nicht sein das eine Demokratie solche schiesswütigen Polizisten nicht bestraft.
    4 6 Melden
    • Vinnie 24.09.2016 10:08
      Highlight "Insgesamt sind im vergangenen Jahr 1.134 Menschen in den USA von Polizisten erschossen worden. Davon waren 577 weiß, 300 schwarz und 193 hispanischer Abstammung. Schwarze und hispanische Menschen machen zusammen weniger als 38 Prozent der US-amerikanischen Gesamtbevölkerung aus.
      Junge schwarze Männer (im Alter von 15 bis 34 Jahren) werden demnach neunmal so oft Opfer von tödlicher Polizeigewalt wie der Durchschnitt der Bevölkerung."

      Also ja, ist wirklich ein Problem. Vorallem gibt es mehr weisse als schwarze.
      6 0 Melden

Giftangriff auf Duma – wer sagt die Wahrheit?

Eine knappe Woche nach dem Angriff auf Duma sind die Fronten klar: Für den Westen steht fest, dass Syriens Armee Chemiewaffen eingesetzt hat – Russland bestreitet das kategorisch. Ein Blick auf die Fakten.

Duma, ein Vorort von Damaskus mit rund 100'000 Einwohnern, gehört zum Gebiet Ost-Ghuta. Im Februar startete das syrische Regime einen Grossangriff auf das rund hundert Quadratkilometer grosse Gebiet, das seit April 2013 von Regierungstruppen belagert wurde. In den vergangenen Wochen rückten die Truppen von Diktator Baschar al-Assad weit auf das Rebellengebiet vor und kesselten Duma ein. Daraufhin verhandelten Vertreter des russischen Militärs mit der Rebellengruppe «Armee des …

Artikel lesen