Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Image

Um unerkannt zu bleiben, mussten P-26-Mitglieder auch im Bunker eine Maske tragen. rts

Mit der Sturmhaube in die Mensa – so ging es bei der Geheimarmee «P-26» zu und her

Frühere P-26-Mitglieder wagen sich in einem neuen Film an die Öffentlichkeit. Der hat es in sich. 

antonio fumagalli / Aargauer Zeitung



«Geheimarmee», «Spiontruppe», ja gar «Staat im Staat» – die landläufigen Bezeichnungen für die P-26 sind vielfältig. 1990 wurde die klandestine Widerstandsorganisation enttarnt und löste damit einen Skandal aus, der die Schweiz noch jahrelang beschäftigen sollte (siehe Infotext unten). Was viele der rund 400 P-26-Mitglieder als ungerecht empfanden: Sie fühlten sich und ihre Mission öffentlich diskreditiert, konnten sich aber nicht dagegen wehren – denn bis 2009 unterlagen sie der Schweigepflicht. Einige wagten sich seither an die Öffentlichkeit, viele andere nahmen ihr Geheimnis mit ins Grab.

«Das ist für mich der schwierigste Tag, seit ich P-26-Mitglied bin. Denn ich breche ein Versprechen.»

Bevor es zu spät ist, lässt das Westschweizer Fernsehen RTS in einem Dokumentarfilm nun mehrere ehemalige P-26-Mitglieder zu Wort kommen, unter anderem die frühere Nummer 2. «Germain», so sein Tarnname, bleibt in dem Film jedoch anonym – aus Rücksicht auf Personen, die er damals teilweise direkt ab Arbeitsplatz rekrutiert hat und die weiterhin unerkannt bleiben wollen.

Alles gut, wenn Pfeife im Mund

Mit neuen Fakten wartet der handwerklich sauber gemachte Film nicht auf. Aber er gibt einen detaillierten Einblick in den Geheimtruppen-Alltag, der gut auch einem Agententhriller entlehnt sein könnte. So erzählt «Durisch», wie sich zwei Mitglieder an einem öffentlichen Ort zu begrüssen hatten: Als Erkennungsmerkmal diente eine Zeitung in der rechten Hand. War die Luft rein, hatte die Kontaktperson eine Pfeife im Mund – bei Gefahr hielt sie diese in der Hand. Dann folgte die zuvor vereinbarte Prüffrage: «Sind Sie Herr Meier von der Verzinkerei Zug?»

Arbeitsraum in einer unterirdischen Bunkeranlage der Geheimarmee P-26 bei Gstaad im Berner Oberland, aufgenommen am 7. Dezember 1990 anlaesslich einer Pressefuehrung zur Information ueber die geheime Widerstandsorganisation. Der Stuetzpunkt diente der Geheimorganisation als Waffenlager und Ausbildungsanlage. (KEYSTONE/Str)

Ein Arbeitsraum von P26 bei Gstaad. Bild: KEYSTONE

Erst wenn das Gegenüber mit «Nein, Herr Meier ist krank – ich vertrete ihn» geantwortet hatte, durften sich die P-26-Mitglieder, die sich zuvor noch nie begegnet waren, vertrauen.

Die geheime Truppe

Das «Projekt 26» – kurz: P-26 – war eine ab 1979 aufgebaute geheime Kaderorganisation, die im Fall einer feindlichen Besetzung der Schweiz Widerstand aufbauen und leisten sollte. Sie verfügte dafür auch über Waffenmaterial. Über ihre jeweilige Zelle hinaus kannten sich die Mitglieder der P-26 nicht. Ihr Chef, der Basler Jurist und Oberst im Generalstab Efrem «Rico» Cattelan, war nur einem kleinen Kreis von Personen bekannt. Nicht einmal der Gesamtbundesrat war im Bild – was Zweifel an der Rechtmässigkeit der Organisation nährte. Finanziert wurde die von Armee und Verwaltung unabhängige P-26 aus Kreditrubriken des damaligen Militärdepartements. Als die geheime Kaderorganisation aufflog – und kurz später aufgelöst wurde –, hatte sie rund 400 Mitglieder. (FUM/SDA)

Nach dem Begrüssungsritual steuerten die Milizsoldaten – ihr «normales» Leben hielten sie bewusst unspektakulär – den «Schweizerhof» an, eine Bunkeranlage bei Gstaad. Sie erhielten dort ein karges Einzelzimmer und allerlei Ausbildungen – unter anderem im Umgang mit Feuerwaffen. Wer aus dem Zimmer trat, musste sich vermummen. Essen holte man sich in der Sturmhaube, um nicht erkannt zu werden. Die Regionalchefs hätten im Ernstfall zudem Zugang zu speziellem Material, das grösstenteils in Zentrallagern gebunkert war, gekriegt: ein Dechiffriergerät, Landeskarten, Operationsbesteck. Und, für Handel und Bestechung, Goldplättchen.

ZUM TOD VOM CHEF DER EHEMALIGEN WIDERSTANDSORGANISATION P-26, EFREM CATTELAN, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - frem Cattelan, alias

Der verstorbene Chef von P26, Efram «Rico» Cattelan. Bild: KEYSTONE

Die Namen blieben geheim

Eindrücklich sind auch die Schilderungen von Kadermitglied «Germain», der bis anhin nicht öffentlich über sein langjähriges Doppelleben sprach. Er erzählt, wie er kurz nach der Enttarnung der Geheimtruppe vom damaligen Militärvorsteher Kaspar Villiger ins Bundeshaus zitiert wurde – mit der Aufforderung, die vollständige Mitgliederliste mitzubringen. Er tat es, allerdings nur widerwillig. «Das ist für mich der schwierigste Tag, seit ich P-26-Mitglied bin. Denn ich breche damit ein Versprechen», sagte er Villiger. Dieser antwortete: «Für mich ist es der schwerste Tag, seit ich Bundesrat bin.» Kurz darauf musste er den Medien Auskunft geben, die Namen der P-26- Leute hielt er aber unter Verschluss. Es sind Zeitzeugen-Schilderungen wie diese, die den Dokumentarfilm wertvoll machen. Man spürt, wie die Protagonisten keine Sekunde an der Richtigkeit ihrer Mission zweifelten – so inpraktikabel sie aus heutiger Optik auch erscheint. Und er ist ein Beweis dafür, wie sehr sich die Welt und ihre Dogmen innerhalb von nur einer Generation verändern.

«Il était une fois l’armée secrète suisse» läuft am Donnerstagabend, 20.10 Uhr auf RTS Un.

Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur

Play Icon

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Danach suchen Schweizer und Schweizerinnen auf Pornhub am meisten

Link to Article

In diesem Land wohnt nur ein einziger Schweizer. Wir haben mit ihm gesprochen

Link to Article

«14 Uhr: Claras Haut ist rot»: Kitas informieren Eltern neu per Liveticker über ihre Kids

Link to Article

Selbst Trump spricht nun von einem Impeachment

Link to Article

«Hi-Tech-Roboter» in russischer Fernsehshow entpuppt sich als verkleideter Mensch

Link to Article

Tumblrs neuer Pornofilter ist ein riesiger Fail – wie diese 19 Tweets beweisen

Link to Article

Netflix' zweite deutsche Original-Serie ist da – und ein riesiger Fail

Link to Article

Miet-Weihnachtsbäume sind in Hipster-Hochburgen in – doch die Sache hat einen Haken

Link to Article

Welche dieser absolut dämlichen Studien gibt es tatsächlich?

Link to Article

Brennende Leichen und blühender Aberglaube – ein Besuch in Indiens heiligster Stadt

Link to Article

Jetzt ist es da! Das geilste Polizeiauto der Schweiz

Link to Article

Viva la nonna! – weshalb ich mega Fan vom neuen Jamie-Oliver-Buch bin (dazu 5 Rezepte)

Link to Article

Über Zürich fliegen jetzt Viren-Drohnen

Link to Article

«Meine 20 Jahre ältere Affäre erniedrigt mich»

Link to Article

Diese 13 Bilder zeigen, wieso «Doppeladler» völlig zu Recht das Wort des Jahres ist

Link to Article

Ade Pelz: Schweizer zeigen Canada Goose die kalte Schulter

Link to Article

Doch noch geeinigt! 30 Minuten vor Ablauf der Deadline rief Nylander in Toronto an

Link to Article

Queen Ariana Grande singt sich mit neuem Song auf den YouTube-Thron 👀

Link to Article

11 Dinge, die du schon immer von einem orthodoxen Juden wissen wolltest

Link to Article

So läuft das Weihnachtsessen mit den Arbeitskollegen ab. Immer. Jedes Jahr. Die Timeline

präsentiert vonBrand Logo
Link to Article

Warum die Chinesen die Amerikaner im KI-Wettrennen schlagen werden

Link to Article

Der Super-Beau, der in weniger als 15 Minuten alles verkackt!

Link to Article

Netflix killt die nächste Superhelden-Serie

Link to Article

Die Weihnachtswünsche dieser alten Leute sind so bescheiden, dass es dir das Herz bricht

Link to Article

7 ausgefallene Punsch-Rezepte, die du diesen Winter unbedingt ausprobieren solltest!

präsentiert vonBrand Logo
Link to Article

Herzschmerz pur! 15 Leute erzählen, wie sie vom Seitensprung ihres Partners erfuhren

Link to Article

7 Duschmomente, die uns (vermutlich) allen bekannt vorkommen 

Link to Article

Du regst dich über die Migros-Suppe auf? Dann kennst du diese Gender-Produkte noch nicht!

Link to Article

Wutbürger nehmen Grossrätin wegen Baby ins Visier– und so reagiert der Grossvater 

Link to Article

Nach SBI-Niederlage: Jetzt beginnt der nächste Streit in der Aussenpolitik

Link to Article

Das Sexismus-Dinner des FC Basel sorgt weltweit für Schlagzeilen

Link to Article

«Es war alles ein verdammter Fake»: Schweizer Adoptiveltern packen aus

Link to Article

Führerscheinentzug nach 49 Minuten – so witzelt die Polizei über den «Tagesschnellsten»

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

Themen
45
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
45Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Balikc 20.12.2017 13:12
    Highlight Highlight P 26 inspirierte sogar die Pioniere des Mundart-Hiphops:
    Play Icon
  • Bucky 20.12.2017 09:42
    Highlight Highlight "... so inpraktikabel sie aus heutiger Optik auch erscheint." Taktisch war das Konzept ausgefeilt. Rechtlich allerdings hätte der Einsatz der P26 Staatsterrorismus entsprochen: der Einsatz kriegerischer Mittel NACH DER FORMELLEN KAPITULATION einer militärisch besetzten Schweiz hätte rechtlich gesehen nichts anderes als Terrorismus gegen die Siegermacht darstellen können, wäre klar illegal gewesen. Man kann die P26 schon als "inpraktikabel" bezeichnen: rechtlich wäre ihr Einsatz ein Desaster gewesen. Taktisch hingegen war sie wohl trotzdem vom Feinsten.
    • Roterriese 20.12.2017 12:08
      Highlight Highlight In solchen Notstandsituationen (Besetzung) sollte man nicht mehr am Recht festhalten, oder finden Sie, dass die Partisanen in Italien, Frankreich und Deutschland Kriminelle sind?
    • derEchteElch 20.12.2017 13:10
      Highlight Highlight Rechtlich ist deren Arbeitsweise völlig egal, wenn es darum geht, unsere Schweiz zu befreien.

      Sie gehören genau zu jenen die der EU in den Arsch kriechen würden, auch wenn diese uns aufs gröbste ausnehmen würde.
    • fräulein sarahs gespür für den Islam 20.12.2017 15:01
      Highlight Highlight Bucky
      Währe also wärend des Krieges, unser Land von den Nazis besetzt worden, währen sie eine gewesen, der, aus rechtlichen Gründen natürlich, sofort mit der feindlichen Besatzungsmacht kooperiert hätte.
      Solche waren ja besonders beliebt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • just sayin' 20.12.2017 08:28
    Highlight Highlight inpraktikabel? ich glaube nicht.
    ich gehe davon aus, dass die meisten länder solche geheimen commandos haben.

    dass sich die welt und ihre dogmen innerhalb einer generation stark verändert hat, stimmt aber. leider nicht zum guten.
  • Laut_bis_10 20.12.2017 08:00
    Highlight Highlight Zeitung? Pfeife? Zinkerei Zug? Altmodischer könnte die Tarnung heute wohl nicht sein.

    Heute müsste der Agent Tindern, bei Gefahr nach rechts wischen und sein Gegenüber mit den Worten: "I bims der Agent vong Geheimhaltung her" begrüssen 😂
    • Augur81 22.12.2017 18:03
      Highlight Highlight Es geht ja im Film auch um früher.
  • Linus Luchs 20.12.2017 07:32
    Highlight Highlight „Ein Beweis dafür, wie sehr sich die Welt und ihre Dogmen innerhalb von nur einer Generation verändern.“ Was hat sich verändert?

    Als 1989/1990 die „Staatsschutzfichen“ aufflogen (Fichenskandal) und die P-26 enttarnt wurde, war die Bevölkerung entsetzt. Man war wütend darüber, wie der Staat heimlich schnüffelt, Informationen sammelt und eine geheime Armee unterhält.

    Heute stimmt eine Mehrheit für eine geheimdienstliche Überwachung, von welcher die damaligen Schnüffler nur träumen konnten. Diese Mehrheit hat kein Bewusstsein mehr dafür, wie gefährlich eine geheime staatliche Machtausübung ist.
    • fräulein sarahs gespür für den Islam 20.12.2017 08:14
      Highlight Highlight Na ja, aus ihrem Kommentar spricht jetzt aber schon etwas der Verfolgungswahn.
    • Ohniznachtisbett 20.12.2017 08:40
      Highlight Highlight Danke danke danke. Noch besser ists in der ex-DDR. Die gleichen Leute die damals STASI raus riefen sind heute für mehr Schnüffelstaat wegen den ach so bösen Terroristen...
    • Hierundjetzt 20.12.2017 10:23
      Highlight Highlight Komplett Falsch. Bis in die 90gern wurden bei 400‘000-500‘000 Menschen ohne Rechtsgrundlage und auf Verdacht hin Karteikarten angelegt. Meist Menschen die nie (!) was unrechtes getan hatten.

      Da reichte es schon wenn ein Lehrer dass falsche Buch in der Bibliothek auslieh oder jemand im falschen Land Ferien buchte.

      Danach wurden aktiv Karrieren zerstört. Menschen sozial isoliert und vom Staat her aktiv alles unternommen, diese Existenzen zu zerstören

      Heute muss der Bundesrat, sein Stv und das Bundesverwaltungsgericht ok für 1 Überwachung geben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • derEchteElch 20.12.2017 07:11
    Highlight Highlight Wieder eine Geschichte voller falschen Fakten; die P-26 war weder geheim, noch illegal. Sie wurde einfach von allen vergessen, weil sie sehr gut arbeitete.

    Ich zitiere;
    „1973 und 1981 hatte das Parlament von den Vorbereitungen des Projekts 26 zustimmend Kenntnis genommen und dabei die Rechtmässigkeit der Organisation bestätigt. Sie war als Teil der Gesamtverteidigung verfassungskonform.“

    • Hierundjetzt 20.12.2017 10:24
      Highlight Highlight Die 400-500‘000 Karteikarten waren aber NIE Gegenstand des Auftrages.

      Ebensowenig die P27.
    • Snowy 20.12.2017 11:29
      Highlight Highlight Danke für diese Richtigstellung.
    • derEchteElch 20.12.2017 13:07
      Highlight Highlight @Hierundjetzt;
      Die Fichen wurden aber von der Polizei und den bekannten Bundesbehörden (Fedpol, DAP etc.) angelegt.

      Die P27 war faktisch ein Auslandsgeheimdienst wie die CIA und hatte auch seine rechtlichen Grundlagen.

      Hat ihr Kommentar sonst noch eine Daseinsberechtigung oder Kritik zu bieten, welche direkt mit der P26 zu tun hat?

      Nein? Verbreiten Sie bitte keine Fakenews auf Basis von Unwissen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • RacKu 20.12.2017 06:20
    Highlight Highlight Hat Ganser diese Geschichte erfunden? 😂✌️
    • pat86 20.12.2017 07:32
      Highlight Highlight welche geschichte soll er erfunden haben?

Über 400 Millionen zu viel verrechnet? Schwerer Verdacht gegen die Ruag

Der Rüstungskonzern des Bundes soll der Schweizer Luftwaffe über Jahre viel zu viel verrechnet haben. Die Rede ist von Hunderten von Millionen Franken, viel mehr als in der Postauto-Affäre.

Die Ruag leistet sich ebenso prominente wie teure Rechtsvertreter, wenn es um den Umgang mit den eigenen Mitar­beitern geht. Einem ehemaligen Kadermann hetzte sie die Anwaltskanzlei Kellerhals Carrard auf den Hals, die unter anderem in der Postauto-Affäre engagiert war, und den Zürcher Rechtsanwalt Thomas Fingerhuth, der etwa auch den Vierfachmörder von Rupperswil verteidigt hatte. Im Auftrag des Bundes-Rüstungsunternehmens reichte er bei der Bundesanwaltschaft Strafanzeige gegen den …

Artikel lesen
Link to Article