Schweiz
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Schizophrener Bettler bedrohte und schlug Passanten in Basel

Ein 40-jähriger, drogenabhängiger Mann drohte und beschimpfte in Basel Passanten, wenn sie ihm kein Geld gaben. Das Strafgericht ordnete am Donnerstag einen stationären Aufenthalt in der Psychiatrie an.

Patrick rudin / bz Basel



ZUR PRAESENTATION DES FINANZBERICHTES ZU DEN KANTONSBUDGETS, STELLEN WIR IHNEN AM MITTWOCH, 5. OKTOBER 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - A tram on Fischmarkt street in Basel, Switzerland, pictured on April 19, 2016. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Der Bettler terrorisierte Passanten in Basel. Bild: KEYSTONE

«Ich bin jetzt klar im Kopf und will nicht mehr solchen Scheissdreck machen. Ich will etwas Soziales machen und den Leuten helfen», erklärte der 40-jährige Mann gestern im Basler Strafgericht. «Wo haben Sie denn überall gebettelt?», fragte Gerichtspräsidentin Felicitas Lenzinger. «In der ganzen Stadt», meinte er schulterzuckend.

Das Problem war allerdings weniger das Betteln, sondern die Aggressivität: Wer dem Mann kein Geld gab, erhielt Schläge, Tritte oder Ohrfeigen. Vor allem zwischen Sommer und Herbst 2016 war der Mann zwischen dem Claraplatz und dem Bahnhof SBB aktiv. Dazu kamen Drohungen auf dem Amt für Beistandschaften, weil er seiner Meinung nach zuwenig Geld erhielt.

Drogenabhängig, schizophren

Seit über zehn Jahren ist der Mann drogenabhängig, nach einer gescheiterten Beziehung psychisch vollends abgestürzt und nach Ärger in seiner Wohngruppe wurde er im Jahr 2016 obdachlos. Bereits seit längerer Zeit diagnostizierte man bei ihm eine Schizophrenie, er erhält eine Invalidenrente. Wegen seiner Aggressivität hat er sogar in der Clarakirche Hausverbot, hielt sich aber auch daran nicht. Die Bettlerei mit Nachdruck funktionierte ansonsten durchaus: Wie er gestern vor Gericht erzählte, kam er jeden Tag auf Einnahmen zwischen 300 und 400 Franken. Immer mal wieder verbrachte der Mann eine Nacht im Gefängnis, wenn Passanten die Polizei riefen, machte daraufhin aber mit derselben Methode weiter. Im Februar dieses Jahres wurde er von Polizisten in Zivil dabei beobachtet, wie er beim Bahnhof SBB von einer Passantin erneut mit Gewalt Geld forderte. Seither sitzt er wegen Wiederholungsgefahr in Haft.

Wie er selber sagte, war er über die Verhaftung gar nicht so unglücklich. «Mein Mandant ist kein böser Mensch, kein notorischer Delinquent. Wenn jemand den ganzen Tag betteln muss, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, dann ist er ganz weit unten. Die Verhaftung hat ihm wohl das Leben gerettet», betonte Verteidiger Thomas Zajac. Er wolle das Verhalten nicht rechtfertigen, indes sei sein Mandant als Bettler auch oft beschimpft worden.

Juristisch war der Fall schnell abgearbeitet: Es gab Schuldsprüche wegen versuchter Erpressung, Drohungen, Tätlichkeiten und weiterer Delikte. Das Dreiergericht beriet allerdings länger darüber, was mit dem Mann geschehen solle. Die Liste seiner Medikamente ist derzeit lang: Ein Heroin-Ersatzmittel, dazu ein Neuroleptikum, Valium zur Beruhigung, Antidepressiva, ein weiteres Neuroleptikum sowie ein Mittel gegen Blutarmut. Wie viele Drogenentzüge er schon hinter sich hat, wusste er selber nicht mehr so genau.

Stationäre Massnahme

Auch ein Gutachter äusserte sich vor Gericht nicht eindeutig, empfahl aber eine ambulante Massnahme. Das Gericht ging weiter: Es ordnete eine stationäre Massnahme an «Wir sehen bei dieser schweren Persönlichkeitsstörung keinen anderen Weg, sowohl für ihn persönlich wie auch im Interesse des Schutzes der Öffentlichkeit», sagte Felicitas Lenzinger dazu. Formell muss der Mann eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten absitzen, diese wird aber aufgeschoben zugunsten der Massnahme von unbestimmter Dauer. Das Urteil kann er noch weiterziehen, etwa um eine mildere ambulante Massnahme zu verlangen. (bzbasel.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alterssturheit 04.08.2017 13:41
    Highlight Highlight Und wie geht's jetzt mit dem Mann weiter ? Ambulante Behandlung, 3 Monate in die Psychi, Medis einstellen, etc. ? Und dann - zurück auf die Strasse - und alles geht wieder von vorne los. Traurig, eine Lösung habe ich leider auch keine.
    7 6 Melden
    • Brummbaer76 04.08.2017 13:56
      Highlight Highlight "Das Gericht ging weiter: Es ordnete eine stationäre Massnahme an «Wir sehen bei dieser schweren Persönlichkeitsstörung keinen anderen Weg, sowohl für ihn persönlich wie auch im Interesse des Schutzes der Öffentlichkeit», sagte Felicitas Lenzinger dazu. Formell muss der Mann eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten absitzen, diese wird aber aufgeschoben zugunsten der Massnahme von unbestimmter Dauer."
      Eben keine ambulante Massnahme sondern eine Stationäre Massnahme unbestimmter Dauer. Also ist er so schnell nicht wieder auf der Strasse.
      18 0 Melden
    • Alterssturheit 04.08.2017 14:01
      Highlight Highlight "Stationäre Massnahme unbestimmter Dauer".
      Was glauben Sie denn wie lange das sein wird ?
      Ich wette weniger als 1 Jahr.
      1 13 Melden
  • ohjaja! 04.08.2017 13:30
    Highlight Highlight Vor dem tod bewahrt... Bei 300.- pro tag... Hoffentlich wurde der Anwalt dafür vom Gericht ausgelacht :-P
    8 13 Melden
    • Brummbaer76 04.08.2017 13:59
      Highlight Highlight Vor dem Tod bewährt wurde er weil er höchst wahrscheinlich Suizid gefährdet ist und weil sein Verhalten gestoppt wurde.
      11 4 Melden
    • ohjaja! 04.08.2017 17:12
      Highlight Highlight Haha! Gestoppt... Genau!
      2 7 Melden
    • α Virginis 05.08.2017 10:34
      Highlight Highlight Zynismus ist in diesem Fall wohl kaum angebracht. Ich habe diesen Mann ein paar mal in der Stadt gesehen, auch seine aggressive Art zu betteln ist mir aus eigener Erfahrung bekannt. Naja, ich konnte ihn zurückweisen, was aber einigen meiner Frunde zu verdanken ist, die mir damals zur Seite standen. Wie auch immer, der Mann tut mir irgendwie leid. Er ist nicht in der Lage, seine Umwelt klar zu erkennen und vermutlich weiss er das, was ihn zu diesen "Verzeiflungstaten" treibt. Zu den CHF 300 pro tag möchte ich zu bedenken geben, dass ein Heroinsüchtiger das Geld locker brauchen kann.
      4 0 Melden
  • lucasm 04.08.2017 13:02
    Highlight Highlight Hoffentlich dieser typ, der immer mit dem bike in der stadt ist und jeden mit arschloch, wixxer etc bewirft wenn man ihn nichts gibt. Wäre angenehm, diesen zeitgenossen nicht mehr so oft anzutreffen.
    30 2 Melden
    • singhafreund 04.08.2017 13:52
      Highlight Highlight Der hat mich am Claraplatz auch schon mit Arschloch betitelt, war sehr agresiv.
      6 2 Melden
  • Calvin Watsn 04.08.2017 12:06
    Highlight Highlight ... Einnahmen zwischen 300 und 400 Frankrn.!!

    Soll nochmal wer behaupten man werde nicht reich in diesem Land.!
    15 4 Melden
  • Erarehumanumest 04.08.2017 11:17
    Highlight Highlight 300 - 400 CHF pro Tag? Krass. da kommt er ja selbst mit 20 Arbeitstagen und normalen Wochenenden auf einen nicht gerade schlecht bezahlten Bürolohn. Auch nur in der Schweiz möglich, wahrscheinlich.
    36 9 Melden
    • henkos 04.08.2017 12:01
      Highlight Highlight Und das noch steuerfrei. Wo kann ich unterschreiben?
      15 3 Melden
    • Tikvaw 04.08.2017 12:31
      Highlight Highlight Ich kenne den Typen. Er ist ein grosser "Schnurri".

      Man kann durch betteln sicher einiges zusammenbekommen in Schweizer Städten. Aber das kommt dann auch auf den Tag an (scheint die Sonne, Ferien, Feiertage und Ähnliches) und ist deshalb nicht durchgehend.

      Das traurige ist, er rennt dann mit dem Geld jeweils gleich zur nächsten "Fixerstube".

      Der Anwalt ist auch ein lustiger. Sogar mit einer minimalen (nie gearbeitet u.Ä.) IV-Rente muss man nicht betteln, wenn man nicht über 800.-/M für z.B. Drogen ausgibt.

      17 4 Melden
    • Brummbaer76 04.08.2017 14:02
      Highlight Highlight Eben darum ganz unten Angekommen. Wenn du Süchtig bist zählt nur noch die Droge und sonst nichts. Zusammen mit der Schizophrenie eine beschissene Kombination. Es Entschuldigt nichts, darum ist die Stationäre Massnahme die richtige.
      19 0 Melden
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