Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Schizophrener Bettler bedrohte und schlug Passanten in Basel

Ein 40-jähriger, drogenabhängiger Mann drohte und beschimpfte in Basel Passanten, wenn sie ihm kein Geld gaben. Das Strafgericht ordnete am Donnerstag einen stationären Aufenthalt in der Psychiatrie an.

04.08.17, 10:43

Patrick rudin / bz Basel



ZUR PRAESENTATION DES FINANZBERICHTES ZU DEN KANTONSBUDGETS, STELLEN WIR IHNEN AM MITTWOCH, 5. OKTOBER 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - A tram on Fischmarkt street in Basel, Switzerland, pictured on April 19, 2016. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Der Bettler terrorisierte Passanten in Basel. Bild: KEYSTONE

«Ich bin jetzt klar im Kopf und will nicht mehr solchen Scheissdreck machen. Ich will etwas Soziales machen und den Leuten helfen», erklärte der 40-jährige Mann gestern im Basler Strafgericht. «Wo haben Sie denn überall gebettelt?», fragte Gerichtspräsidentin Felicitas Lenzinger. «In der ganzen Stadt», meinte er schulterzuckend.

Das Problem war allerdings weniger das Betteln, sondern die Aggressivität: Wer dem Mann kein Geld gab, erhielt Schläge, Tritte oder Ohrfeigen. Vor allem zwischen Sommer und Herbst 2016 war der Mann zwischen dem Claraplatz und dem Bahnhof SBB aktiv. Dazu kamen Drohungen auf dem Amt für Beistandschaften, weil er seiner Meinung nach zuwenig Geld erhielt.

Drogenabhängig, schizophren

Seit über zehn Jahren ist der Mann drogenabhängig, nach einer gescheiterten Beziehung psychisch vollends abgestürzt und nach Ärger in seiner Wohngruppe wurde er im Jahr 2016 obdachlos. Bereits seit längerer Zeit diagnostizierte man bei ihm eine Schizophrenie, er erhält eine Invalidenrente. Wegen seiner Aggressivität hat er sogar in der Clarakirche Hausverbot, hielt sich aber auch daran nicht. Die Bettlerei mit Nachdruck funktionierte ansonsten durchaus: Wie er gestern vor Gericht erzählte, kam er jeden Tag auf Einnahmen zwischen 300 und 400 Franken. Immer mal wieder verbrachte der Mann eine Nacht im Gefängnis, wenn Passanten die Polizei riefen, machte daraufhin aber mit derselben Methode weiter. Im Februar dieses Jahres wurde er von Polizisten in Zivil dabei beobachtet, wie er beim Bahnhof SBB von einer Passantin erneut mit Gewalt Geld forderte. Seither sitzt er wegen Wiederholungsgefahr in Haft.

Wie er selber sagte, war er über die Verhaftung gar nicht so unglücklich. «Mein Mandant ist kein böser Mensch, kein notorischer Delinquent. Wenn jemand den ganzen Tag betteln muss, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, dann ist er ganz weit unten. Die Verhaftung hat ihm wohl das Leben gerettet», betonte Verteidiger Thomas Zajac. Er wolle das Verhalten nicht rechtfertigen, indes sei sein Mandant als Bettler auch oft beschimpft worden.

Juristisch war der Fall schnell abgearbeitet: Es gab Schuldsprüche wegen versuchter Erpressung, Drohungen, Tätlichkeiten und weiterer Delikte. Das Dreiergericht beriet allerdings länger darüber, was mit dem Mann geschehen solle. Die Liste seiner Medikamente ist derzeit lang: Ein Heroin-Ersatzmittel, dazu ein Neuroleptikum, Valium zur Beruhigung, Antidepressiva, ein weiteres Neuroleptikum sowie ein Mittel gegen Blutarmut. Wie viele Drogenentzüge er schon hinter sich hat, wusste er selber nicht mehr so genau.

Stationäre Massnahme

Auch ein Gutachter äusserte sich vor Gericht nicht eindeutig, empfahl aber eine ambulante Massnahme. Das Gericht ging weiter: Es ordnete eine stationäre Massnahme an «Wir sehen bei dieser schweren Persönlichkeitsstörung keinen anderen Weg, sowohl für ihn persönlich wie auch im Interesse des Schutzes der Öffentlichkeit», sagte Felicitas Lenzinger dazu. Formell muss der Mann eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten absitzen, diese wird aber aufgeschoben zugunsten der Massnahme von unbestimmter Dauer. Das Urteil kann er noch weiterziehen, etwa um eine mildere ambulante Massnahme zu verlangen. (bzbasel.ch)

Das könnte dich auch interessieren:

«Die Frage ist nur noch: Wann haben wir die Schmerzgrenze erreicht?»

So (böse) freuen sich Eltern, dass die Kinder wieder in die Schule müssen

In Liverpool muss Schnäppchen-Shaqiri beweisen, dass er der Königstransfer ist

Blutgräfin Báthory, die ungarische Serienmörderin

Aufgepasst, Männer! So vermeidet ihr «mansplaining»

Ronaldo verzückt die neuen Teamkollegen: «Es ist gar nicht möglich, mit ihm mitzuhalten»

Bauern wie zu Gotthelfs Zeiten? Per Initiative ins landwirtschaftliche Idyll

Nach Rausschmiss von «Guardians of the Galaxy»-Regisseur: Darsteller droht Disney

Blochers Zeitungsimperium druckt seinen eigenen Artikel gegen «fremde Richter»

Hipster-Bärte bedrohen die Rasierklingen-Industrie

Wie die Migros das Label-Chaos beseitigen will – und dafür kritisiert wird

So viel Geld macht Ferrari pro Auto – und so viel legt Tesla drauf

Die Erde ist bei Google Maps keine flache Scheibe mehr – das ist wichtiger, als du denkst

18 lustige Fails, die dich alles um dich herum vergessen lassen

Scheidungen sind out – und das hat seine Gründe

«Ich habe keine devote Ausstrahlung»: Tonia Maria Zindel über MeToo, Tod und Rätoromanisch

Wie das Geschwür am Hintern des Sonnenkönigs zum Trend wurde

Das sagt Osama Bin Ladens Mutter über ihren Sohn, den Terrorfürsten

Sie waren vor 10 Jahren unsere grössten Hoffnungen – das wurde aus ihnen

Die 8 grössten Kraftwerke zeigen das riesige Potential von erneuerbaren Energien

7 Mehrtageswanderungen, die sich richtig lohnen 

präsentiert von

Endlich «Weltklasse»: Wie Schalkes Max Meyer bei Crystal Palace statt Barça landete

Bruthitze und Megadürre –  Die Katastrophe von 1540 war schlimmer als der Hitzesommer 2003

Die Frau, die weltbekannt wurde, ohne es zu wissen

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

Abonniere unseren Daily Newsletter

16
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Alterssturheit 04.08.2017 13:41
    Highlight Und wie geht's jetzt mit dem Mann weiter ? Ambulante Behandlung, 3 Monate in die Psychi, Medis einstellen, etc. ? Und dann - zurück auf die Strasse - und alles geht wieder von vorne los. Traurig, eine Lösung habe ich leider auch keine.
    7 6 Melden
    • Brummbaer76 04.08.2017 13:56
      Highlight "Das Gericht ging weiter: Es ordnete eine stationäre Massnahme an «Wir sehen bei dieser schweren Persönlichkeitsstörung keinen anderen Weg, sowohl für ihn persönlich wie auch im Interesse des Schutzes der Öffentlichkeit», sagte Felicitas Lenzinger dazu. Formell muss der Mann eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten absitzen, diese wird aber aufgeschoben zugunsten der Massnahme von unbestimmter Dauer."
      Eben keine ambulante Massnahme sondern eine Stationäre Massnahme unbestimmter Dauer. Also ist er so schnell nicht wieder auf der Strasse.
      18 0 Melden
    • Alterssturheit 04.08.2017 14:01
      Highlight "Stationäre Massnahme unbestimmter Dauer".
      Was glauben Sie denn wie lange das sein wird ?
      Ich wette weniger als 1 Jahr.
      1 13 Melden
  • ohjaja! 04.08.2017 13:30
    Highlight Vor dem tod bewahrt... Bei 300.- pro tag... Hoffentlich wurde der Anwalt dafür vom Gericht ausgelacht :-P
    8 13 Melden
    • Brummbaer76 04.08.2017 13:59
      Highlight Vor dem Tod bewährt wurde er weil er höchst wahrscheinlich Suizid gefährdet ist und weil sein Verhalten gestoppt wurde.
      11 4 Melden
    • ohjaja! 04.08.2017 17:12
      Highlight Haha! Gestoppt... Genau!
      2 7 Melden
    • α Virginis 05.08.2017 10:34
      Highlight Zynismus ist in diesem Fall wohl kaum angebracht. Ich habe diesen Mann ein paar mal in der Stadt gesehen, auch seine aggressive Art zu betteln ist mir aus eigener Erfahrung bekannt. Naja, ich konnte ihn zurückweisen, was aber einigen meiner Frunde zu verdanken ist, die mir damals zur Seite standen. Wie auch immer, der Mann tut mir irgendwie leid. Er ist nicht in der Lage, seine Umwelt klar zu erkennen und vermutlich weiss er das, was ihn zu diesen "Verzeiflungstaten" treibt. Zu den CHF 300 pro tag möchte ich zu bedenken geben, dass ein Heroinsüchtiger das Geld locker brauchen kann.
      4 0 Melden
  • lucasm 04.08.2017 13:02
    Highlight Hoffentlich dieser typ, der immer mit dem bike in der stadt ist und jeden mit arschloch, wixxer etc bewirft wenn man ihn nichts gibt. Wäre angenehm, diesen zeitgenossen nicht mehr so oft anzutreffen.
    30 2 Melden
    • singhafreund 04.08.2017 13:52
      Highlight Der hat mich am Claraplatz auch schon mit Arschloch betitelt, war sehr agresiv.
      6 2 Melden
  • Calvin WatsOff 04.08.2017 12:06
    Highlight ... Einnahmen zwischen 300 und 400 Frankrn.!!

    Soll nochmal wer behaupten man werde nicht reich in diesem Land.!
    15 4 Melden
  • Erarehumanumest 04.08.2017 11:17
    Highlight 300 - 400 CHF pro Tag? Krass. da kommt er ja selbst mit 20 Arbeitstagen und normalen Wochenenden auf einen nicht gerade schlecht bezahlten Bürolohn. Auch nur in der Schweiz möglich, wahrscheinlich.
    36 9 Melden
    • henkos 04.08.2017 12:01
      Highlight Und das noch steuerfrei. Wo kann ich unterschreiben?
      15 3 Melden
    • Tikvaw 04.08.2017 12:31
      Highlight Ich kenne den Typen. Er ist ein grosser "Schnurri".

      Man kann durch betteln sicher einiges zusammenbekommen in Schweizer Städten. Aber das kommt dann auch auf den Tag an (scheint die Sonne, Ferien, Feiertage und Ähnliches) und ist deshalb nicht durchgehend.

      Das traurige ist, er rennt dann mit dem Geld jeweils gleich zur nächsten "Fixerstube".

      Der Anwalt ist auch ein lustiger. Sogar mit einer minimalen (nie gearbeitet u.Ä.) IV-Rente muss man nicht betteln, wenn man nicht über 800.-/M für z.B. Drogen ausgibt.

      17 4 Melden
    • Brummbaer76 04.08.2017 14:02
      Highlight Eben darum ganz unten Angekommen. Wenn du Süchtig bist zählt nur noch die Droge und sonst nichts. Zusammen mit der Schizophrenie eine beschissene Kombination. Es Entschuldigt nichts, darum ist die Stationäre Massnahme die richtige.
      19 0 Melden
    • α Virginis 05.08.2017 10:46
      Highlight @Brummbaer76: Da kann ich Dir nur Recht geben. Trotzdem, auch wenn es nicht zu entschuldigen ist, wie er sich aufführte und ich die Massnahmen des Gerichts durchaus begrüsse, ist es doch eine Tatsache, dass der Mann echt leidet. Deshalb ist ja auch die stationäre Behandlung unbekannter Dauer so wichtig für ihn und die "Öffentlichkeit". Das ist keine Strafe, sondern die Hilfe, welche der Mann offensichtlich selbst gesucht hat.
      Zudem muss er ja nach der Klinik seine 12 Monate absitzen, und _das_ ist dann die Strafe, aber erst nach einer eventuellen Stabilisierung seiner Persönlichkeit.
      3 1 Melden
    • α Virginis 05.08.2017 11:38
      Highlight @Erarehumanumest: Neidisch? Willst Du mit dem Mann tauschen? Obdachlos, Schizophren und Drogensüchtig? Hmm... viel Spass dabei.
      3 0 Melden

Achtung, sehr jööh! Im Basler Zolli ist dieses Schimpansen-Mädchen zur Welt gekommen

Im Zoo Basel haben die Schimpansen erneut Nachwuchs bekommen: Ende Mai kam Ponima zur Welt. Damit sind in der Basler Schimpansengruppe alle geschlechtsreifen Weibchen Mutter geworden.

Das am 22. Mai geborene Affenmädchen wachse somit in einer Grossfamilie mit anderen Jungtieren auf, wie dies in der Natur üblich sei, sagte Kurator Adrian Baumeyer am Mittwoch vor den Medien. In den vergangenen vier Jahren kamen im Zoo Basel fünf Schimpansen zur Welt.

Mutter von Ponima ist Garissa. Mit ihren neun Jahren sei sie eine junge Mutter. Es ist gemäss Baumeyer das frühestmögliche Alter, um Nachwuchs zu bekommen. Der Vater von Ponima ist dagegen noch nicht bestimmt. Die …

Artikel lesen