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Der Bund gibt die Web-Adresse holocaust.ch Ende Jahr frei – warum das heikel ist

Die Adressen www.holocaust.ch und www.shoa.ch gehörten bisher der Eidgenössischen Finanzverwaltung. Ende Jahr gibt sie die Domains ab. Dann kann sie jeder kaufen.

Leo Eiholzer / Nordwestschweiz



Wer die Internet-Adresse www.holocaust.ch oder www.shoa.ch eingibt, bekommt angezeigt: «Dieser Server ist nicht erreichbar.» Wer aber ins Register der Schweizer Webadressen schaut, sieht: Die Halterin beider Domains ist die Eidgenössische Finanzverwaltung, Bundesgasse 3, Bern. Und zwar bereits seit dem 10. Juni 1998, also seit bald zwanzig Jahren.

Auf Anfrage bestätigt Philipp Rohr, Mediensprecher der Finanzverwaltung (EFV), dass die beiden Adressen der Behörde gehören. «Das Abo für die Domains läuft Ende Jahr aus. Wir werden es nicht mehr verlängern.»

Wenn die Finanzverwaltung das Abo für die Domains per 31. Dezember 2018 nicht mehr verlängert, beginnt eine Übergangsfrist von 40 Tagen zu laufen, während der die EFV das Recht hat, die Domains doch zu behalten. Danach gilt das First-come-first-served-Prinzip.

Wer sich am 10. Februar 2019 um 0.01 Uhr eine der Domains sichert, erhält sie. Egal, ob er ein Nazi, von einer staatlichen Stelle oder einer Institution für die Erinnerung an den Holocaust ist. «Wenn ein Domain-Name nicht auf der Sperrliste des Bundesamts für Kommunikation steht, gibt es bei der Zuteilung keine Bevorteilung von Institutionen, Firmen oder Privatpersonen. Alle werden gleich behandelt», sagt Roland Eugster, PR-Manager der Stiftung Switch, die im Auftrag des Bundes alle Schweizer Internet-Domains verwaltet.

Warum die Verwaltung die Adressen kaufte

Zur Frage, wie die EFV dazu steht, dass sich Nazis «holocaust.ch» sichern könnten, sagt Rohr: «Die Finanzverwaltung ist nicht die geeignete Stelle, um sich mit möglichem Missbrauch zu beschäftigen.» Doch warum besitzt die Verwaltung die Web-Adressen überhaupt und warum gibt sie sie jetzt ab?

«www.holocaust.ch» und «www.shoa.ch» wurden laut Rohr in Zusammenhang mit dem Holocaust-Fonds, dessen Sekretariat bei der Finanzverwaltung administrativ angegliedert war, registriert. Der Fonds wurde 1997 im Zug der Debatte um die sogenannten nachrichtenlosen Vermögen von Holocaust-Opfern unter internationalem Druck gegründet.

Knapp 300 Millionen Franken, gestiftet von der Schweizer Wirtschaft, wurden vom Fonds an Überlebende des Holocausts verteilt. Damit Interessierte den Fonds auch aus dem Ausland, eventuell per Suchmaschinen, leicht finden würden, sind laut Rohr die beiden Domains mit verwandten Namen registriert worden: «Eigene Websites wurden nach unserem Kenntnisstand nicht aufgeschaltet, allenfalls wurde auf eine andere Seite verlinkt, das können wir heute aber nicht mehr genau nachvollziehen.»

«Missbrauch verhindern»

2002 stellte der Fonds seine Arbeit ein. Die Adressen blieben aber für weitere 16 Jahre bei der Finanzverwaltung. Jede der beiden Domains kostet laut Rohr 15 bis 20 Franken pro Jahr. Also haben die beiden Adressen seit 1998 den Bund zwischen 600 und 800 Franken gekostet.

Dass die Domains 16 Jahre nach dem Ende des Fonds immer noch der Finanzverwaltung gehören, hat laut Rohr seinen Grund: «Bis 2008 gingen bei der Finanzverwaltung noch ein paar wenige Gesuche um Begünstigung durch den Fonds ein.» Ausserdem wurde die öffentliche Diskussion zu den nachrichtenlosen Vermögen emotional geführt.

«Daraus hat sich das damalige Engagement abgeleitet, Missbrauch der Domains zu verhindern», sagt Rohr. «Jetzt, zehn Jahre nach dem letzten Gesuch, sehen wir den ursprünglichen Zweck als nicht mehr gegeben an. Deshalb gibt die Finanzverwaltung die Domains frei.»

Mit Liebe und Humor gegen Nazi-Schmierereien

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Roland Ruckstuhl 13.05.2018 18:07
    Highlight Highlight Dieser Artikel ist nicht gut. Man hätte das publizieren können, wenn die Domäne diskret wiedergeben wird. Und was sind schon Fr. 15.00 pro Jahr. Die Finanzverwaltungen hat schon für dümmeres Geld ausgeben. Sie sollen sich schämen.
  • pamayer 13.05.2018 11:37
    Highlight Highlight Auf keinen Fall freigeben. Und wenn, dann an jüdische Organisationen. Das ist staatliche Verantwortung. Sonst produziert min lediglich eine Plattform für rechts-aussen.


    Wobei, zum Zeitpunkt der Freigabe stürzt das Netz eh zusammen...
  • DomKi 13.05.2018 10:32
    Highlight Highlight Die könnten doch die Domänen eine jüdischen Vereinigung übertragen, das würde sicher irgendwie gehen. Aber eben weil in der Schweiz heute alles egal ist (nach uns die Sintflut) passiert es auch nicht auch wenn die jüdischen Gemeinschaft zu Schaden kommen könnte.
  • siXtreme 13.05.2018 10:16
    Highlight Highlight All die Publikationen von verschiedensten Zeitungen und Magazinen sind aber nicht gerade Förderlich um Nazis davon abzuhalten, die beiden Domains für sich zu entdecken...
  • elias776 13.05.2018 10:12
    Highlight Highlight Toll, jetzt habt ihr dem mega Aufmeksamkeit geschenkt. Jetzt lesen viele potenzielle Käufer diese Zeilen die das sonst nicht gewusst hätten.

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