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ARCHIV - ZUM TOD DES WESTSCHWEIZER KOCHS BENOIT VIOLIER STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - French chef Benoit Violier poses in front of the restaurant of the Hotel de Ville in Crissier, Switzerland, Saturday, December 12, 2015. La Liste (The List) announced today that the world's best 1,000 restaurants goes to French chef Benoit Violier, whose Restaurant de l'Hotel de Ville is in Crissier. Switzerland. (KEYSTONE/Marcel Gillieron)

Benoît Violier, Küchenchef des Hôtel de Ville in Crissier (VD).
Bild: KEYSTONE

Nicht der Leistungsdruck, der Zeitgeist treibt in den Suizid 

Nach dem Tod von Benoît Violier ergehen sich die Beobachter in Spekulationen darüber, ob die dünne Luft und der immense Druck in den obersten Sphären der Spitzengastronomie töten. Das tun sie nicht. Die Motive für den Suizid liegen in den Persönlichkeitsstrukturen der Betroffenen und wandeln sich mit dem Zeitgeist. 

02.02.16, 15:42 02.02.16, 16:27


Nach dem Selbstmord des waadtländischen Spitzenkochs Benoît Violier herrscht eine grosse Betroffenheit.

Als erste Reaktion im Umgang mit dem Freitod des Spitzenkochs ist eine hitzige Debatte über den Leidensdruck der Chefs in der Spitzengastronomie entbrannt. Der Grundtenor lautet: Die weltbesten Chefs stünden unter einem dermassen immensen Druck, ständig perfekte Produkte und Dienstleistungen anzubieten, dass dieser in vielen Fällen zu Depressionen und letztlich Suizid führe. 

Leistungsdruck und Performance-Erwartungen werden allenthalben als Mörder der Spitzenköche ausgemacht. Und gleichzeitig auch für die hohen Suizid- und Depressionsraten in der westlichen Welt.  

Die These greift jedoch zu kurz, denn objektiv erkennbare externe Faktoren und Ereignisse sind höchst selten das Motiv für Selbstmord. Angehörige und Freunde eines jeden Selbstmörders oder einer jeden Selbstmörderin fragen sich: Warum hat er oder sie das getan? Er hatte doch alles? Sie war doch so erfolgreich? 

Das Motiv, sein eigenes Leben zu beenden, kann logischerweise nur in der festen Überzeugung begründet liegen, dass dieses völlig wertlos sei, also in der kompletten persönlichen Selbstentwertung des Suizidalen. Eine andere Legitimation gibt es nicht, sich des Kostbarsten, das man hat, zu entledigen.   

Was jeweils zur dieser fixen Idee führt, man sei komplett wertlos, liegt einerseits in der Biographie und der Persönlichkeitsstruktur des Betroffenen begründet. Der Feldherr stürzt sich nach verlorener Schlacht ins Schwert, weil er sich nur als Feldherr sieht und als solcher wertlos geworden ist. Die verschmähte Liebhaberin nimmt sich nach der Zurückweisung ihres Angebeteten das Leben, weil sie nur noch und mit jeder Faser Liebhaberin und als solche wertlos geworden ist. Und der beste Koch nimmt sich eben das Leben, weil er dessen Wert nur noch im Dasein als bester Koch sieht, was er nicht immer sein und schon gar nicht für immer bleiben kann. 

Andererseits – und das ist der weit weniger gewichtige Faktor – können gesellschaftliche Normen, die sich mit dem Zeitgeist wandeln, dabei helfen, sich wertlos zu fühlen. Waren im 19. Jahrhundert eine Scheidung, Homosexualität oder Dienstuntauglichkeit subjektiv durchaus Gründe, sich wertlos zu fühlen, ist das heute nicht mehr der Fall. In der westlichen Konsum- und Leistungsgesellschaft des beginnenden 21. Jahrhunderts sind Armut und Erfolglosigkeit die grösseren Risikofaktoren für eine Selbstentwertung als gesellschaftliche Nonkonformität. 

Aber entscheidend ist und bleibt die extreme Persönlichkeitsstruktur, hier wie dort und jetzt wie früher, die solche Anforderungen von aussen dermassen verinnerlicht und übernimmt, dass bereits das geringste vermeintliche Versagen zur kompletten Selbstaufgabe führt. 

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Launedernatur 03.02.2016 07:15
    Highlight Nun kommen sie hinter den Büschen hervor, die Pseudo-Psychologen. Wer nie kurz vor einem Suizid stand oder sogar einen Versuch unternahm, soll sich auch nicht anmassen es verstehen zu können. Es ist nur peinlich und outet diese umgehend als absolute Laien.
    13 6 Melden
  • Silbermuschel 02.02.2016 22:08
    Highlight Sich wertlos zu fühlen ist nicht der einzige Suizidgrund...
    29 2 Melden
  • EvilBetty 02.02.2016 20:20
    Highlight Oje... können wir jetzt bitte aufhören darüber zu schreiben?! Und ihn ruhen lassen? Und die Angehörigen? Auch wenn niemand der Medien den Hinterbliebenen nachstellt. Muss dann jetzt auch noch mit Stammtischpsychologie «analysiert» werden? Er hat seinem Leben ein ENDE gesetzt. Ende.
    53 7 Melden
    • EvilBetty 03.02.2016 00:25
      Highlight Da bin ich ganz Deiner Meinung.
      8 0 Melden
  • azoui 02.02.2016 19:55
    Highlight Lieber Author, lieber Maurice Thiriet

    Um seinem Leben ein Ende zusetzen, und diese zu kommentieren, braucht einiges, nein vieles mehr, als diese von Ihnen geschriebenen Allgemeinplätze.
    Ich kenne einen Menschen, der seinem Leben ein Ende gesetzt hat. Selber habe ich mir schon einige Gedanken über Selbstmord gemacht. Die Quintesenz daraus, ich habe grosse Achtung vor solchen Menschen, ich suche keine Gründe für ihre Entscheidung.
    44 9 Melden
    • Triumvir 03.02.2016 08:36
      Highlight Wieso haben Sie "grosse Achtung vor solchen Menschen"? Ich ehrlich gesagt nicht, denn Suizid ist auch immer mit einer gewissen Portion Egoismus verbunden. Vor allem wenn ich an die Hinterbliebenen denke...Sie müssen mit dieser schrecklichen Tatsache umgehen und weiter leben und das kann ziemlich belastend sein...
      14 9 Melden
  • DerWeise 02.02.2016 19:14
    Highlight Oh mann... :I
    14 1 Melden
  • Charlie Brown 02.02.2016 17:55
    Highlight "Das Motiv, sein eigenes Leben zu beenden, kann logischerweise nur in der festen Überzeugung begründet liegen, dass dieses völlig wertlos sei, also in der kompletten persönlichen Selbstentwertung des Suizidalen. Eine andere Legitimation gibt es nicht, sich des Kostbarsten, das man hat, zu entledigen."

    Man kann derart unter Depressionen leiden, dass man als einzigen Ausweg den Tod und damit ein Ende seines Leidens sieht. Wenn es um Depressionen geht, greift eine "logische" Erklärung viel zu kurz. Ich bin sehr enttäuscht von diesem Kommentar.
    90 6 Melden
    • mukeleven 02.02.2016 19:26
      Highlight ... das sehe ich genauso
      33 3 Melden
  • Ratboy 02.02.2016 16:34
    Highlight Phu sich selbst zu töten, da braucht es wohl schon einiges.
    Man weiss Nie was diese Menschen im Kopf durchgemacht haben.
    Aber mit einem 12jährigen Kind ist das schon sehr egoistisch!
    Wenn es wirklich der Leistungsdruck war- Reissleine ziehen und aussteigen. Oder einfach zurückschalten!

    Und was soll das gejammere von der unmenschlichen Arbeit eines Spitzenkochs? Jammern auf Spitzenniveau!
    Keine Arbeit ist hart/oder der Leistungsdruck unmenschlich, solange man finanziell in der Lage ist auch etwas anderes zu arbeiten.
    Von Federer wurde doch auch jahrelang nur der Sieg erwartet
    11 74 Melden
    • Sloping 02.02.2016 17:08
      Highlight Wer sich in einem schwer suizidalen Zustand (evtl. ausgelöst durch eine schwere Depression) befindet, kann weder "einfach" Aussteigen noch die gravierenden Auswirkungen seiner Tag auf sein Umfeld (Stichwort Egoismus) abschätzen.
      51 11 Melden
    • Ratboy 02.02.2016 17:41
      Highlight Teil1:
      Ja irgendwann kann man nicht mehr "einfach" aussteigen, dann gibts nur noch das schwierige aussteigen-den Freitod. Aber das zieht sich schon über eine lange Zeit hin.
      Aber das baut sich alles über längere Zeit auf, und eine Depression hatte er dann auch nicht erst seit er zum besten Koch gekrönt wurde.
      Ich habe leider schon ein paar Erfahrungen in meinem engen Umfeld mit Suicid gemacht.
      Wenn jemand bereit ist sein Leben zu beenden und vor einen Zug zu springen, ist er so am Ende, da erwarte ich wirklich nicht, dass so jemand an den Lokführer denkt..



      9 7 Melden
    • Ratboy 02.02.2016 17:41
      Highlight Teil2:
      Als Vater hat man doch eine Verantwortung dem Kind gegenüber. Und wenn man in seinem Beruf, oder der Art wie man seinen Beruf ausübt, an seine Grenzen kommt, sollte man sein Leben verändern.
      Aber dann muss man bereit sein, vielleicht auch auf einen sozialen Status als Spitzenkoch zu verzichten.

      Jeder lebt sein Leben und soll sich auch selber töten dürfen. Damit habe ich keine Probleme.
      Probleme habe ich damit, dass man den "Beruf" als "Spitzenkoch" jetzt als unmenschlich darstellt. Man könnte meinen Sie haben keine andere Wahl.
      11 13 Melden
  • cassio77 02.02.2016 16:21
    Highlight ich weiss, Ihr journalisten habt einen andern ansatz. aber lasst doch die geschichte ruhn. spekulation hin, geschreibsel her, der fall ist eine tragödie, welche die familie mehr kraft kostet, als sich viele hier vorstellen können. der familie ist am meisten geholfen, wenn die medien die sache ruhn lassen. denn die zeilen bringen einen geliebten menschen nicht zurück. ehrt den künstler auf eine andere art und weise!
    113 5 Melden
  • JThie 02.02.2016 16:15
    Highlight Danke Watson, dass ihr über dieses heikle Thema schreibt. Totschweigen bringt schliesslich doch nix und am Ende habe ich bisher nur in psychologischen Sachbücher über Suizid gelesen. Ich bin zwar wie der Kommentator zuvor, nicht überall einverstanden. Trotzdem danke für diesen Bericht.
    15 31 Melden
  • Asmodeus 02.02.2016 15:57
    Highlight "Eine andere Legitimation gibt es nicht, "

    Eine schwere Krankheit? Enorme Schmerzen? Ein extremes Schuldgefühl? Liebeskummer?

    Alles dies sind Gründe weswegen Menschen Selbstmord begehen und diese haben nichts damit zu tun, dass sich die Person wertlos fühlt.

    Es gibt Menschen die schleppen sich durch jeden einzelnen Tag ihres Lebens. Sei es aus körperlichen oder seelischen Gründen.

    Es ist viel zu kurz gegriffen nur eine einfache Lösung zu präsentieren wie "alle Selbstmörder fühlen sich wertlos".
    127 6 Melden
    • Walter Sahli 02.02.2016 16:39
      Highlight Bin mit Dir vollkommen einverstanden. Natürlich kann man interpretieren, dass Suizid schlussendlich ein Ausdruck des Gefühls der eigenen Wertlosigkeit ist. Davor können aber auch gut Schuldgefühle resp. das-mache-ich-nicht-mehr-mit/dem-stelle-ich-mich-nicht-Gefühle stehen. Ein Börsenmakler, der sich aus dem Fenster stürzt, nachdem er das Geld seiner Kunden verloren hat, fühlt sich vermutlich eher schuldig und will fliehen, als dass er sich wertlos fühlt.
      29 1 Melden
    • Wolfsblut 02.02.2016 17:20
      Highlight Aus eigener Erfahrung gebe ich Maurice Thiriet im Kernrecht. Es ist die Ohnmacht, etwas, was nicht sein sollte und das für einen selber inakzeptabel ist, nicht ändern zu können. Dann übernimmt die Kontrolle der Kopf und die Gedanken drehen, drehen, drehen… Um diesen qualvoll endlosen Gedankenspiralen zu entkommen, scheint es irgendwann nur einen Ausweg zu geben, den man noch selber kontrollieren kann…
      10 0 Melden
    • lofi 02.02.2016 17:53
      Highlight ich sehe das wie asmodeus. ich finde den artikel interessant, aber die these, dass sich wertlos fühlen der einzige grund für suizid sein kann, ist sicher nicht haltbar. ich war auch mal sehr nahe an einem suizid. dabei fühlte ich mich überhaupt nicht wertlos, ich hielt nur die schmerzen, die ich in meiner depression erlebte, nicht mehr aus.
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