Wirtschaft
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Baden – oder: Was passiert mit einer Kleinstadt, wenn plötzlich 1100 Stellen fehlen?

General Electric baut im Aargau 1400 Stellen ab – 1100 davon in Baden. Das wird für die Stadt spürbare Folgen haben.

08.12.17, 07:23 08.12.17, 08:19

Pirmin Kramer / az Aargauer Zeitung



Für den stolzen Industriestandort Baden war es ein schwarzer Donnerstag. Der US-Konzern General Electric gab bekannt, dass er am Schweizer Hauptsitz 1100 Stellen abbauen wird. Auf einen Schlag gehen vier Prozent aller Arbeitsplätze in Baden verloren (laut aktuellem Stand arbeiten 28 000 Menschen in der Stadt).

Der Stadtrat zeigte sich «erschüttert» über den Stellenabbau, wie er in einem Communiqué mitteilte. «Der Stellenabbau ist für Baden ein harter Schlag. Die angespannte Energiemarktsituation und die damit weltweit verbundenen Restrukturierungsprogramme treffen nun auch Baden mit voller Wucht.»

Die Badener Regierung erwartet, dass die Entlassungen gemeinsam mit dem Kanton und der Stadt so sozialverträglich wie nur möglich erfolgen und den Betroffenen mit den bestmöglichen Bedingungen entgegengekommen wird.

   Video: © TeleM1

Um 11 Uhr wurden die GE-Mitarbeiter ins Hauptgebäude bestellt, wo sie über den Stellenabbau informiert wurden. Einer von ihnen, Clemens Good aus Nussbaumen, sagte im Anschluss an den rund einstündigen Infoanlass: «Dass es zu einem Stellenabbau kommt, ist leider keine Überraschung. In Zeitungen war davon zu lesen. Unsere Branche befindet sich in einer sehr schwierigen Phase.»

Die Gesamtzahl sei aber schon sehr hoch. Neben den 1100 Stellen in Baden fallen weitere 50 Jobs in Oberentfelden und 250 Jobs in Birr weg. Welche Abteilungen – und welche Angestellten – konkret betroffen sind, ist unklar. «Das wird sich im neuen Jahr zeigen», sagte Good.

Klumpenrisiko in Baden

Der Badener Stadtammann Geri Müller ist sich sicher: «Der Stellenabbau wird Auswirkungen auf die Stadt und die Region haben. Für Restaurants, Läden und Kinos wird der Abbau spürbar sein. Das war auch vor zwei Jahren der Fall, als General Electric im ganzen Aargau 900 Stellen abbaute.»

In Baden habe es in der Vergangenheit schon mehrere Erdbeben mit Jobverlusten gegeben, beispielsweise in den 1980er-Jahren beim Zusammenschluss von BBC und Asea zur ABB. «Immer wieder hat sich die Region erholt, und ich bin zuversichtlich, dass dies erneut gelingen wird», sagte der Stadtammann.

The Alstom / General Electric site is pictured in Baden Canton Aargau in Switzerland on Wednesday 13 January 2016. General Electric Co. said on Wednesday it plans to cut 6,500 jobs in Europe as it moves to integrate Alstom SA’s power business and push through cost savings from the acquisition. 1300 job cuts will fall in Switzerland the company said, with other reductions scattered across the continent. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Der Schweizer Sitz der Alstom / General Electric GE in Baden im Kanton Aargau fotografiert am Mittwoch, 13. Januar 2016. Der franzoesische Industriekonzern Alstom plant in der Schweiz bis zu 1300 Stellen abzubauen. Betroffen sein duerften in erster Linie die Standorte in den aargauischen Gemeinden Baden, Birr, Daettwil, Turgi und Oberentfelden. Der Abbau ist eine Folge davon, dass der US-Konzern General Electric (GE) die Energiesparte von Alstom uebernimmt. Der Deal war im letzten Jahr beschlossen worden. Alstom konzentriert sich nach dem Ausstieg aus dem Energiegeschaeft auf seine Zugsparte. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hat am Dienstagabend vom geplanten Stellenabbau bei Alstom erfahren. Er zeigte sich betroffen, hat aber auch ein gewisses Verstaendnis fuer den Entscheid. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Das GE-Gebäude in Baden Bild: KEYSTONE

Schon vor vier Jahren habe der Stadtrat Massnahmen ergriffen, um das Klumpenrisiko zu vermindern. Die drei grössten Firmen in der Stadt – ABB, Axpo und General Electric – sowie auch Ansaldo und seit diesem Herbst Doosan sind in der Energiebranche tätig. Entsprechend sinken bei einer Depression in der Energiebranche die Steuereinnahmen für die Stadt. Vor zehn Jahren bezahlten die drei Grossfirmen Aktiensteuern in Höhe von 23.92 Millionen Franken.

2016 betrug die Summe noch 5.3 Millionen Franken. Geri Müller: «Wir bemühen uns mit zunehmendem Erfolg, Firmen aus anderen Branchen anzulocken. In Dättwil hat sich bereits ein kleiner Cluster von Medizinaltechnologie-Firmen angesiedelt.» Es handle sich bei diesem Cluster noch um ein Pflänzchen, das in den nächsten Jahren aber durchaus zu einer Pflanze anwachsen könnte.

Auch Michael Wicki von der City Com, der Innenstadt-Vereinigung der Detaillisten, ist überzeugt, dass der Stellenabbau weitreichende Folgen für Baden haben wird. «Der Abbau ist ein schwerer Schlag für das Kleingewerbe. Er wird beispielsweise für Detaillisten mit Sicherheit spürbar sein.»

Kritik üben die Gewerkschaften. Kurt Emmenegger, SP-Grossrat aus Baden und Regio-Leiter der Unia Aargau, war am Donnerstag mit dabei, als die GE ihre Mitarbeiter über den Stellenabbau informierte. «Die Zahl ist noch höher, als aufgrund der Gerüchte der vergangenen Wochen zu befürchten war.» Der Restrukturierungsplan sei völlig unausgegoren, kritisiert er. «Es ist völlig unklar, in welchem Bereich wie viele Stellen gestrichen werden.» Emmenegger bereitet es Sorge, «dass GE offenbar keine mittelfristige Strategie hat».

Die Firma setze weiter auf Dampf- und Gasturbinen, obwohl diese Branche in einer Depression stecke. «Neue Ideen fehlen. Dass auch bei der Entwicklungsabteilung abgebaut wird, ist kein gutes Zeichen für die Zukunft. Darum befürchte ich, dass es in nicht allzu ferner Zukunft bereits die nächste Abbaurunde geben könnte.»

Es würde ihn nicht überraschen, wenn die Zahl der Mitarbeiter in Baden in den kommenden Jahren noch einmal radikal sinken würde. Er schätzt, dass aktuell noch rund 1500 bis 2000 Mitarbeiter in Baden angestellt sind. Seit gestern ist klar: Bald werden es weniger als die Hälfte sein. (aargauerzeitung.ch)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • murrayB 08.12.2017 12:15
    Highlight Geri Müller? Jetzt hat er mit der Abwahl endlich die Quittung für sein deplatziertes Verhalten erhalten und nun muss er noch in seinen letzten Tagen nochmals erwähnt werden?

    Vielleicht hätte er sich eher um GE kümmern sollen als um seine Affären...
    1 13 Melden
  • Posersalami 08.12.2017 09:02
    Highlight Mir tuts leid für die Betroffenen.

    Aber was genau hat der Staat / Kanton dafür gemacht, hier zukunftsfähige Industrie anzusiedeln? Es ist abzusehen, das alles was mit Steinzeittechnologie zu tun hat in den nächsten 10-20 Jahren verschwinden wird und Gasturbinen gehören nunmal dazu. Alle haben damit Probleme, auch grosse Player wie Siemens oder Caterpillar bauen ab. Das zukunftsträchtige wie PV Fabrikation hat man nach China verkauft. Das ist / war wirtschaftspolitisches Totalversagen des Staates.
    17 10 Melden
    • Tsunami90 08.12.2017 12:01
      Highlight Sehe ich genau so! Der Staat trägt die Schuld, da die Planwirtschaft ohne weitblick geplant wurde.......

      Wer findet den Fehler? Scheint gerade ungeheuer in Mode zu sein den Staat zu Verteufeln für alles negative...
      5 0 Melden
    • Posersalami 08.12.2017 15:06
      Highlight Ich verteufle nichts, ich stelle nur Fakten fest. Mit Planwirtschaft hat das alles nichts zu tun. China, alles andere als eine Planwirtschaft, hat es doch auch geschafft. Wir sind halt einfach zu blöde dazu. Während hier über eine moderate Förderung der E-Mobilität debattiert wird haben andere Länder E-Auto Quoten und Ausstiegsszenarien aus dem Verbrennungszeitalter. Das gibt Planungssicherheit und fördert die Investitionen in die richtige Richtung. Aber für sie ist das alles Planwirtschaft nach sowjetischem Vorbild und die ist ja gescheitert! Der Markt kann das alles viel besser!!1!1
      1 1 Melden
    • Midnight 09.12.2017 00:39
      Highlight @Postersalami Da hast Du völlig recht, bis auf den einen Punkt: Dass man die Fabrikationen nach Asien verkauft hat, ist das Totalversagen der westlichen Privatwirtschaft. Der Staat hat damit nichts zu tun. Auch hier in diesem Fall mit GE trägt nicht der Staat die Schuld. Einzig die mit Sicherheit eingeräumten Steuergeschenke hätte der Staat sich sparen und so die Arbeitslosenkassen vorgängig aufstocken können.

      Die Neoliberalisten stellen sich schon verdammt clever an.Sie können machen was sie wollen und wenn es in die Hose geht,ist einfach der Staat Schuld. Und dann glaubt es auch noch jeder!
      1 0 Melden
  • Donald 08.12.2017 09:00
    Highlight Ich vermute, dass viele der betroffenen Mitarbeiter gar nicht in Baden wohnen. Baden, die "Kleinstadt", gehört zum 10 grössten urbanen Gebiet der Schweiz...
    18 2 Melden
  • Maragia 08.12.2017 08:51
    Highlight Wir bräuchten in der Schweiz halt auch solch einen Arbeitnehmer Schutz wie in Frankreich. Da kriegst du relativ schnell 1-2 Jahreslöhne bei einer Massenentlassung! Besser als jedes BGE
    14 24 Melden
    • raues Endoplasmatisches Retikulum 08.12.2017 10:00
      Highlight Frankreich hat einen relativ kleineren Industriesektor und die Arbeitslosigkeit, gerade unter den Jungen ist deutlich höher als in der Schweiz.
      16 1 Melden
    • Judge Dredd 08.12.2017 10:27
      Highlight @Maragia, na ja, subjektiv gesehen wäre das toll für den einzelnen betroffenen Arbeitnehmer. Nur kann befürchtet werden, dass bei solchen Bedingungen jeder Konzern bei seiner Standortwahl abgeschreckt wird.
      Alles hat immer zwei Seiten.
      17 0 Melden
    • meine senf 08.12.2017 12:45
      Highlight Das wäre zwar gutgemeint.

      Aber dann werden einfach viel mehr Leute nur noch befristet eingestellt, um das zu umgehen und die Firmen überlegen sich zweimal, ob sie eine neue Stelle schaffen wollen oder doch lieber die bestehenden mehr Überstunden machen sollten.

      Für Junge würde es so schwieriger einen Job zu finden und wenn doch, müssten sie alle paar Monate zittern, ob ihr Vertrag verlängert wird oder nicht. Profitieren würden nur jene, die schon vor Inkrafttreten dieser Regelung eine feste Stelle hatten.
      3 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dä Brändon 08.12.2017 08:49
    Highlight Mit GE hätte man keine 5 Minuten diskutieren müssen. Es war von Anfang an klar das sie Standorte schliessen werden. Es gab andere Interessenten, aber das waren ja Chinesen und keine Amis, uj nein Chinesen.
    17 6 Melden
    • Tsunami90 08.12.2017 12:02
      Highlight Vorallem lag der Entscheid ja nicht bei einer Privaten firma, sprich alstom. 😉
      1 0 Melden
  • BRO 08.12.2017 08:14
    Highlight Spätestens dann, wenn alle AKWs stillgelegt wurden, alle Kohlekraftwerke vom Netz sind, die Stauseen leer und es Nacht wird merkt man: so ein Gaskombikraftwerk mit ultrahohen Wirkungsgraden von 61% wäre schon super zum kurz anzuschmeissen.
    (In nur 15min mit 350-500MW am Netz)
    18 15 Melden
  • Pasch 08.12.2017 08:08
    Highlight Leider ist die Schweiz zu einem Spielball der Konzerne geworden und die Bevölkerung wird an allen Ecken und Enden nur noch Betrogen. Links wie Rechts ist mir völlig egal, dennoch hat sich ein Konstrukt gebildet welches nur noch das Beste von uns will, nämlich unser Geld und unseren Lebensstandard. Nicht für uns!

    Am deutlichsten merke ich das wenn ich mit Rentnern rede, die sagen es wurde viel geschuftet, aber dennoch war irgendwo noch das Zwischenmenschliche und für den normalen Arbeiter das Verständliche vorhanden.

    Würde mich intressieren wieviele gegen das BGE waren denen gekündigt wird!
    61 11 Melden
    • Posersalami 08.12.2017 09:08
      Highlight Früher gab es ja auch noch so etwas wie eine soziale Marktwirtschaft und Zusammenhalt. Das war in einer Zeit, bevor die neoliberale Ideologie (Selbstoptimierung, Konkurrenzdenken, Zerstörung des Klassenbewusstseins, Atomisierung der Gesellschaft, Unterordnung unter "den Markt", usw.) in die Köpfe der Menschen geprügelt wurde.
      36 5 Melden
    • raues Endoplasmatisches Retikulum 08.12.2017 10:02
      Highlight @Pasch
      Mal eine Frage, wem haben sie bei der letzten Wahl die Stimme gegeben?
      9 1 Melden
    • saukaibli 08.12.2017 11:44
      Highlight Nicht die Schweiz ist zum Spielball der Konzerne geworden. Die ganze Welt ist zum Spielball der Konzerne geworden. Dank der neoliberalen Revolution im letzten Jahrhundert regieren heute die Konzerne, entweder durch Geld oder durch Erpressung. Gewinne, die auf Kosten der schlechtbezahlten und überforderten Arbeiter und der geschädigten Umwelt erwirtschaftet werden, werden auf einige Wenige verteilt. Geht es wirtschaftlich mal etwas schlechter, werden eben diese Arbeiter entlassen und so die Verluste an den Sozialstaat outgesourced, genau wie die Umweltschäden.
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