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Hopfendolden profifoto.ch - Michael Kessler

Hopfen ist eng mit Cannabis verwandt, enthält aber kein THC (Tetrahydrocannabinol). Bild: profifoto.ch/Michael Kessler

Potz Hopfen und Malz! Das Reinheitsgebot wird 500. Zeit, das bayrische Biergesetz zu würdigen ...

Den Bayern verdanken wir das älteste Lebensmittel- und Konsumentenschutz-Gesetz der Welt: das Reinheitsgebot. Dieses Wochenende wird in Deutschland das 500-Jahr-Jubiläum gefeiert, am nächsten Freitag ist Tag des Schweizer Bieres.



Die deutsche Braubranche sticht an diesem Wochenende ein Fass an: Am Samstag feiert das bayerische Reinheitsgebot seinen 500. Geburtstag. Aber auch auf die Schweiz hat das älteste Konsumentenschutz-Gesetz der Welt, das noch in Kraft ist, seine Auswirkungen gehabt. Dazu gleich mehr.

Das Reinheitsgebot hatte in Deutschland zweierlei Zwecke zu erfüllen:

Das bayerische Reinheitsgebot strahlte auch auf andere deutsche Länder wie Baden oder Württemberg aus. Auch die Schweizer Braubranche blickte nach Norden.

Sudhaus

Das Sudhaus ist der Teil einer Bierbrauerei, in dem die Würze produziert wird. bild: schweizer brauerei-verband

Nicht wenige Brauereien hierzulande wurden im 19. Jahrhundert mit oder durch deutsche Brauer gegründet. Deutsches Bier genoss seit jeher einen hervorragenden Ruf und gerade um 1900 versuchten die Schweizer Brauer, die deutschen Bierstile zu imitieren, wie der Direktor des Schweizer Brauerei-Verbands (SBV), Marcel Kreber, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA festhält.

So gab es in Oberdorf BL ein Bayerisches Brauhaus und in Winterthur wurde von der Brauerei Haldengut ein «Wiener Märzen & Bayrisch-Bier» hergestellt, wie der Zürcher Wirtschaftshistoriker Matthias Wiesmann in seinem Buch «Bier und wir» schreibt. Andere Schweizer Brauer produzierten «Münchner Bier» oder «Pilsener Bier».

«Das Reinheitsgebot prägte auch die Schweizer Bierlandschaft massgeblich, ohne dass dieses je Gesetzescharakter entwickelte»

Marcel Kreber, Brauerei-Verband

«Tag des Schweizer Bieres» am 29. April

Am kommenden Freitag, 29. April, findet der Tag des Schweizer Bieres statt. An dem Aktionstag mit vielen Veranstaltungen wird jedes Jahr der Gerstensaft zelebriert sowie die «Bierkultur und Brauereitradition» erlebbar gemacht. Die Brauereien des Schweizer Brauerei-Verbandes warten mit verschiedenen Aktivitäten auf und bringen das jahrtausendealte Handwerk der Braukunst und das Bier mit seiner ganzen Vielfalt als Kulturgut der Bevölkerung näher. Am Abend wird im festlichen Rahmen der Bierorden «ad gloriam cerevisiae» einer bekannten Persönlichkeit verliehen. Eine Liste der diesjährigen Aktivitäten ist auf dieser Webseite zu finden.

Massnahme gegen Panscher

Die Schweizer Brauereien machten sich um 1900 für die Aufnahme eines Surrogatverbots in den Beratungen über ein neues Lebensmittelgesetz stark. Als Surrogate bezeichnete man vor allem Ersatzstoffe für Gerstenmalz, etwa ungemälzte Gerste, Mais, Reis, Sirup oder Zucker.

Die Schweizer Bierbranche hatte erkannt, dass die deutschen Brauereien mit dem Reinheitsgebot gut gefahren waren. Gleichzeitig hatte der hiesige Wein unter der Weinpanscherei stark in der Gunst der Konsumenten gelitten. Dieses Leid wollten die Brauer unbedingt vom Bier fernhalten, wie Wiesmann schreibt.

Gegenwärtig zählt die Schweiz 667 Brauereien, die biersteuerpflichtig (ab 400 Liter Ausstoss) sind.

Der Bundesrat lehnte aber die Aufnahme des Surrogatverbots ins Lebensmittelgesetz mit dem Hinweis auf die Handels- und Gewerbefreiheit ab. Da griff die Braubranche zur Selbsthilfe und schrieb 1900 die einzig erlaubten Zutaten für Bier – Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser – kurzerhand in die Statuten des Schweizerischen Bierbrauervereins (SBV, heute Schweizer Brauerei-Verband). Fehlbare Brauereien sollten aus dem Verband ausgeschlossen werden.

Image

Ueli Maurer mit der aktuellen Trägerin des Bierordens, der Schweizer Schauspielerin Kiki Maeder.

Gründung des Bierkartells

Ein zweiter Anlauf für ein Surrogatverbot gelang mit der Gründung des Schweizer Bierkartells 1935. Die Biervielfalt war zu Kartellzeiten nicht gross. «In der Schweiz hat man im Prinzip nur die Sorten Bier gebraut, die das Kartell festgelegt hat», sagt Wiesmann. Schlagwörter wie «Kartellbier» und «Einheitspfütze» waren bei den Konsumenten weit verbreitet. Ausländisches Importbier gewann Marktanteile.

Allerdings wurde mit dem Ende des Bierkartells nicht alles schlagartig anders. Zwar entstanden in der Folge viele neue Brauereien in der Schweiz. «Aber auch die neuen Brauereien stellten zunächst vor allem die bekannten Sorten wie Lagerbier her», sagt Wiesmann.

Erst in den letzten Jahren fassten von den USA her die so genannten Craft Beers, also handwerklich hergestellte Biere wie beispielsweise das Indian Pale Ale auch in der Schweiz immer mehr Fuss.

Untergärig und obergärig:

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Wer mehr über die Inhaltsstoffe erfahren möchte, wird hier fündig. screenshot: bier.ch

Gegenwärtig zählt die Schweiz 667 Brauereien, die biersteuerpflichtig (ab 400 Liter Ausstoss) sind, wie die Eidg. Zollverwaltung (EZV) auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda bekannt gibt.

Diese Zahl beinhaltet bereits die Brauereien, die im zweiten und dritten Quartal (April respektive Juli 2016) mit dem Brauen beginnen werden. Allerdings ändere sich die Zahl infolge Neuanmeldungen und Brauaufgaben nahezu täglich, heisst es.

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(dsc/sda)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Karl Müller 23.04.2016 20:25
    Highlight Highlight Sobald es um Bier geht, sei es im Internet oder privat, entsteht immer dieselbe Diskussion: Bierliebhaber bemängeln, dass Grossbrauereien die Biervielfalt unterdrücken. Aber will denn die grosse Masse überhaupt diese Vielfalt? Die meisten wollen doch einfach ein süffiges Getränk mit Alkohol. Die Vielfalt muss da zwangsläufig im Kleinen stattfinden.
  • Schema 23.04.2016 18:26
    Highlight Highlight Wieso sollte man etwas feiern, dass die Vielfalt nachhaltig eingeschränkt hat?
  • Tsetse 23.04.2016 15:48
    Highlight Highlight Das wird gefeiert 🍻
    User Image
  • SVARTGARD 23.04.2016 13:48
    Highlight Highlight Ein ganz feiner Gaumenschmaus, mein Begleiter seit vielen Jahren. Einfach lecker, ohne geht es nicht mehr. 🍺🍺🍺😂😂😂
  • Mehmed 23.04.2016 13:41
    Highlight Highlight schweizer bierlandschaft?
    mit ausnahme von lokalen kleinstbrauereien sind das doch 3-4 globale firmen, die alles besitzen.
    • Oban 23.04.2016 14:04
      Highlight Highlight Lägernbreu,
      Müllerbreu,
      Falken Bier,
      Doppelleu,
      Baarerbier,
      Stadtguet,
      Schützengarten,
      usw.
      Es ist also nicht so, dass wir hier keine guten regionalen Biere haben.
    • Charlie Brown 23.04.2016 14:18
      Highlight Highlight @Mehmed: Und wenn? Fakt ist, dass es neben den drei, vier grossen über 600 mittlere und kleine gibt.
    • Hoppla! 23.04.2016 14:23
      Highlight Highlight Ich gebe beiden recht: Wir haben viele regionale, unabhängige Brauereien. Das führt aber noch nicht zu einer vielfältigen Bierlandschaft.

      Beispiel: Egger Bier, Aare Bier oder Felsenau Bier aus dem Kanton Bern. Das Sortiment besteht (fast) nur aus obergärigen 08/15-Bieren. Charakter- und innovationslos.

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