Bürki verkürzt im Duell mit Costa geschickt den Winkel.
Bild: Martin Meissner/AP/KEYSTONE
Ist BVB-Torhüter Bürki nun der «Bayern-Blocker» oder eben doch ein Sicherheitsrisiko?
Der Bundesliga bleibt im Titelkampf zumindest ein wenig Spannung erhalten. Dank Torhüter Roman Bürki kämpft sich Borussia Dortmund gegen Bayern München zu einem 0:0. Doch der Schweizer Nati-Keeper kriegt nicht nur positive Kritiken.
In Dortmund haben sie auf einen Sieg gehofft. Sechs von sieben Spielen der Rückrunde hatten sie zuvor gewonnen. Ein weiterer Erfolg hätte das Duell um den Titel endgültig neu lanciert. Am Ende aber mussten sie froh sein, als der Schiedsrichter das Spiel beim Stande von 0:0 abpfiff.
Der eine Punkt war das Maximum, das sich die Borussia verdient hat. Die Bayern waren klar besser. Sie gewannen letztlich nur deshalb nicht, weil der Schweizer Torhüter Roman Bürki einige herausragende Szenen hatte und mit zwei starken Paraden das 0:0 festhielt.
In der 27. Minute verhinderte er das 0:1 gegen den auf ihn heran stürmenden Douglas Costa mit einer Fussabwehr. Kurz vor der Pause hielt er einen perfiden Schuss von Arjen Robben, obwohl ihm von Robert Lewandowski die Sicht verstellt war. Die beste Aktion hatte Bürki dann in der 63. Minute: Er lenkte einen hammerharten Schuss aus acht Metern von Arturo Vidal mit einem Riesenreflex an die Latte.
Bürkis Parade gegen Costa.
streamable
Der Reflex beim Gewaltsschuss von Vidal.
streamable
«Ich bin stolz auf die Mannschaft und auf mich, dass wir gegen Bayern München zu null gespielt haben», sagte Bürki. Trotz der starken Paraden: Die Dortmunder Fans mussten wegen ihrem Keeper auch immer wieder zittern. Weil er komplizierte Flachpässe in enge Räume spielte, die bisweilen auch zu Ballverlusten und heiklen Situationen führten. «Es gab auch ein paar Aktionen, auf die ich nicht stolz bin», so Bürki selbstkritisch.
Bürki sieht bei einer Costa-Flanke schlecht aus.
streamable
Lewandowski rückt Bürki gefährlich auf die Pelle.
streamable
Wegen seiner spielerischen Schwächen werden ihn seine Kritiker wohl nie ganz aus der Schusslinie nehmen. Die «Süddeutsche» schreibt in ihrer Einzelbewertung:
«Der Schweizer kam mit grossen Vorschusslorbeeren aus Freiburg: Ein unheimlich starker und mitspielender Torhüter sei dies, doch das hat Dortmunds Nummer 1 bislang noch nicht durchgängig nachweisen können. Auch bei der Hinspiel-Niederlage in München patzte Bürki, beim Wiedersehen zeigte er in der Anfangsphase enorme Schwächen, als er an einer Flanke vorbeisegelte und kurz darauf gegen Lewandowski beinahe den Ball vertändelte.»
«Focus» streicht zwar das Positive heraus, hat die spielerischen Unzulänglichkeiten aber ebenfalls bemerkt:
«Der BVB-Keeper hat seiner Mannschaft den Punkt gerettet. Riesenparade im Eins-gegen-Eins gegen Douglas Costa. Noch riesigere Parade beim Schuss aus kurzer Distanz von Vidal. Zwar zeigte der Schweizer nach Rückpässen ein paar Wackler, doch alles in allem war es eine grossartige Leistung des Dortmunders.»
Dabei hat Bürki durchaus starke statistische Wert vorzuweisen. In der Rückrunde hat er beispielsweise in acht Partien erst zwei Tore kassiert hat. Doch immer wieder diese Aussetzer: Im Hinspiel gegen die Bayern im Oktober hatte Bürki gegen die Bayern besonders schlecht ausgesehen; 1:5 verlor Dortmund damals und Bürki hatte mehrmals richtiggehend danebengegriffen.
Von der «Bild»-Zeitung wurde er deshalb als «Gürki» verspottet. Nun sieht es wieder etwas anders aus. Als «Bayern-Blocker Bürki» wird er nun von der Boulevard-Zeitung gefeiert. Doch was ist die Wahrheit? Entscheide selbst ...
(pre/spon/az)
Die 11 überraschendsten Fussball-Meister
Leicester City, 2015/2016: Die wohl grösste Sportsensation aller Zeiten. Leicester – vor der Saison mit einer Meisterquote von 5000:1 (gleiche Quote wie dass der heisseste Tag des Jahres auf Weihnachten fällt) – wird englischer Meister. Riyad Mahrez und Jamie Vardy sind die grossen Figuren beim Märchen, Gökhan Inler spielt als Tribünengast eine Nebenrolle. Drei Runden vor Schluss ist der Titel gesichert. Unfassbar. X01095 / Craig Brough
Nottingham Forest, 1977/78: Mit dem legendären Trainer Brian Clough düpieren die «Tricky Trees» den damaligen Serienmeister Liverpool. Dank nur drei Niederlagen in 42 Spielen distanzieren sie die «Reds» um sieben Punkte auf Rang zwei. AP PA
Hellas Verona, 1984/85: Juventus mit dem grossen Spielmacher Platini dominiert den italienischen Fussball. Inter Mailand hat Rummenigge. Und Hellas Verona? Unter Trainer Osvaldo Bagnoli besteht Verona mit bescheidenen Mitteln gegen die illustre Konkurrenz und holt den bislang einzigen «Scudetto». (Bild: Wikipedia) wikipedia
Nantes, 1994/95: Mit einer blutjungen Mannschaft gewinnen «les canaris», die Kanarienvögel, die Meisterschaft mit elf Punkten Vorsprung auf Lyon. Unter anderem sind die späteren Weltstars Christian Karembeu (damals 23-jährig) und Claude Makelele (damals 21-jährig) im Kader.
(Bild: lequipe.fr) lequipe.fr
Wladikawkas, 1994/95: Mit Spartak-Alanija aus der Stadt Wladikawkas im Nordkaukasus rechnete Mitte der Neunziger in Russland niemand. Doch den Ossetiern gelang es als erste nicht aus Moskau stammende Mannschaft, die russische Premier League zu gewinnen. Sie wurden Meister mit sechs Punkten Vorsprung auf Lok Moskau. In der Tabelle folgend die weiteren Hauptstadtklubs: Spartak, Dynamo, Torpedo und ZSKA.
Kaiserslautern, 1997/98: Zum ersten und bisher einzigen Mal wird ein Bundesliga-Aufsteiger Meister. Im Mittelfeld ziehen Ciriaco Sforza und der 20-jährige Michael Ballack die Fäden. Vorne sorgen Flügel Ratinho und Knipser Olaf Marschall für Gefahr. «So etwas wird es nie wieder geben», sagt Trainer Otto Rehhagel. MICHAEL PROBST
Aarau, 1992/93: Aus Prügelknaben werden Himmelstürmer. Die Saison zuvor fast abgestiegen, spielt die Truppe von Trainer Rolf Fringer unbekümmert, variantenreich und mit aggressivem Pressing. Hinten ist Goalie Andreas Hilfiker eine Bank. Verteidiger Roberto Di Matteo, Mittelfeldspieler Ryszard Komornicki und Stürmer Petar Aleksandrov bilden eine starke Achse. KEYSTONE / WALTER BIERI
Montpellier, 2011/12: Die Südfranzosen verfügen nur über das 13.-höchste Budget. Nicht Stars kaufen, sondern Stars machen, ist das Motto. So geht in der Saison 2011/12 etwa der Stern von Olivier Giroud auf, der mit 21 Toren am bislang einzigen Meistertitel beteiligt ist. EPA / GUILLAUME HORCAJUELO
St.Gallen, 1999/2000: Der FCSG startet als klarer Abstiegskandidat in die Saison, überwintert jedoch sensationell als Tabellenführer. Die Finalrunde lancieren die «Espen» mit einem denkwürdigen 4:4 gegen GC, bei dem Charles Amoah in letzter Sekunde den Ausgleich erzielt. Es ist die Initialzündung zum zweiten Meistertitel nach 1904. KEYSTONE / WALTER BIERI
Atlético Madrid, 2013/14: Nach 18 Jahren Unterbruch gewinnen «los colchoneros» wieder die Liga. Bemerkenswert: Erstmals seit zehn Jahren heisst der spanische Meister nicht Real Madrid oder Barcelona. AP / ANDRES KUDACKI
Alkmaar, 2008/09: Als «sein kleines Meisterstück» bezeichnet Louis van Gaal den unerwarteten Titel mit AZ. Die Spielzeit 2008/09 beendet Alkmaar mit elf Punkten Vorsprung auf das zweitplatzierte Twente. EPA / MARCEL ANTONISSE
Wolfsburg, 2008/2009: Zwei Jahre zuvor wird Trainer Felix Magath bei den Bayern trotz Meistertitel vom Hof gejagt, der Coup mit Wolfsburg deshalb umso süsser. «Vielleicht haben wir nicht die beste Mannschaft, aber wir haben am besten gespielt», erklärt Magath das einfache Erfolgsrezept. EPA / MARCUS BRANDT
Deportivo La Coruña, 1999/2000: «Super Depor», ein Fussballmärchen, das dem Geldhahn von Präsident Augusto César Leondoiro entspringt. Trotzdem ist Deportivos Titel eine faustdicke Überraschung. Mit Spielern wie Roy Makaay (26 Saisontore), Pauleta, Walter Pandiani und Flavio Conceicao übertölpeln die Galicier das grosse Real Madrid. AP / DELMI ALVAREZ
Das könnte dich auch interessieren: