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Kiffer-Frey schlägt No-Drugs-Herzog: Eins zu Null für die Cannabis-Legalisierung

In der SRF-«Arena» vom Freitagabend stand zur Frage, ob in der Schweiz das Kiffen legalisiert werden soll. Die Gegnerinnen versteckten sich hinter den immer gleichen Argumenten: Einstiegsdroge, gefährlich, gesundheitsschädigend. Kabarettist Patrick Frey parierte diese Angriffe geschickt und punktet mit seiner nüchternen Art. Dies obwohl er gestand, zur Entspannung gerne nicht-nüchtern zu sein. 

Publiziert: 13.05.17, 04:16 Aktualisiert: 14.05.17, 15:48

Hatten die Techniker gekifft vor der Sendung? Arena-Moderator Jonas Projer wollte mit dem Schweizer Reggae-Sänger Cali P die Stimmung im Studio zu Beginn ein wenig auflockern. Doch mitten in seiner Performance, seine bodenlangen Dreadlocks schwingend, hängte sich der Bildschirm auf. Projer, ganz der Unterhalter, versuchte das kurzzeitige Chaos mit einer Witzrunde zu überbrücken. Doch den geladenen Nationalrätinnen Verena Herzog (SVP) und Ruth Humbel (CVP) war nicht nach Scherzen zumute. Humbel fiel so spontan keinen Witz ein und Herzog sagte: «Ich kann keine Witze erzählen.»

Vielleicht hätte es da den vier Studiogästen gut getan, vor der Sendung gemeinsam einen Joint zu rauchen. Patrick Frey, Kabarettist und Verleger wäre wohl nicht abgeneigt gewesen. Er gibt offen zu, seit 36 Jahren rekreativ zu kiffen, zur Entspannung also. Herzog betont, sie brauche keine Drogen, um abzuschalten. Wenn sie sich erholen wolle, gehe sie gerne in die Natur, in den Wald zum Beispiel. Frey antwortet, auch dort lasse es sich hervorragend Cannabis rauchen.

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Die Entzweiung zwischen Kiffer-Frey und No-Drugs-Herzog spitzt sich schnell zu. Frey plädiert auf Eigenverantwortung und Regularisierung. Herzog warnt, Cannabis sei eine gefährliche Droge, die schlimme gesundheitliche Schäden anrichte und bis zur Schizophrenie führen könne. Doch die Politikerin zitiert mehrheitlich aus Studien, Berichten und auswendig gelernten Statistiken. Damit wirkt sie bisweilen etwas gar steif. Etwa, als sie Frey darauf aufmerksam macht, dass Cannabis THC enthalte.

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Die Frage, wie gefährlich Cannabis tatsächlich ist, wird zum wichtigsten Diskussionspunkt der Sendung. Als meistkonsumierte Droge in der Schweiz kiffen täglich Tausende. Zwar ist das Rauchen von Cannabis immer noch illegal, doch seit 2013 wird man nicht mehr verzeigt, wenn man beim Kiffen erwischt wird, sondern erhält nur noch eine Ordnungsbusse von 100 Franken.

Das ist nicht genug liberal, findet Bastien Girod, Nationalrat der Grünen. Cannabis müsse legalisiert werden, nur so könne der Schwarzmarkt eingedämmt und die Kontrolle über die Droge gewonnen werden.

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Eine neue Initiative vom Verein «Legalize it» will darum jetzt den Konsum und Handel von Cannabis in der Schweiz legal machen. Eine ähnliche Initiative wurde vom Volk 2008 verworfen. Herzog ist darum der Meinung, dass das Thema schon längst vom Tapet genommen werden sollte. Frey versteht die Welt nicht, ab so viel Ignoranz. Klar und deutlich bringt er es auf den Punkt: Es sei eine Tatsache, dass Jugendliche kiffen. Mehr Repression richte dagegen nichts aus. Darum sei es an der Zeit, neue Wege zu gehen.

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Doch Herzog will nicht hören und will keine neuen Wege gehen. Lieber will sie noch mehr Studien und Statistiken zitieren. Damit verwirrt sie dermassen, dass nicht einmal mehr Moderator Projer den Überblick behält.

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Unterstützung erhalten Humbel und Herzog aus dem Publikum. Marc Früh ist EDU-Politiker und arbeitet bei der Stiftung Drogenabstinenz Schweiz. Er will die zwei Nationalrätinnen darin bekräftigen, dass Cannabis eine schlimme Droge ist. Doch die Geister, die er heraufbeschwört, sind so böse, dass selbst der sonst so coole Sänger Cali P kurzzeitig etwas erstaunt blickt.

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Frey wähnt sich indessen im Kindergarten. Er nervt sich zunehmend über die Ammenmärchen, die über Cannabis erzählt werden. Er selbst habe nie so viel gesoffen und gekifft, wie in seiner Jugend. Und trotzdem sei aus ihm ein anständiger Mensch geworden. Probleme habe er mit Drogen deswegen keine.

Das will Herzog nicht gelten lassen. Sie unternimmt nochmals einen Versuch, auf die Gefahr von Cannabis hinzuweisen. Doch Frey und Girod sind inzwischen zur Höchstform aufgelaufen und wollen die Politikerin nicht ausreden lassen. Völlig absurd wird das Theater, als Herzog über Schizophrenie sprechen will und Girord dazwischen hept, ob denn Babies vom Stroch gebracht würden.

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Das beste kommt kurz vor Schluss. Frey, der während der Sendung stets die Contenance bewahrt, macht darauf aufmerksam, dass durch die Versteuerung von Cannabisprodukten wieder in die Prävention investiert werden könne. So passiere dies auch schon bei alkoholischen Getränken und Zigaretten. Da platzte Herzog der Kragen. Kurzerhand erklärte sie Frey zum Drogendealer.

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Selbst Cali P vermag mit seinem Auftritt am Ende der Sendung nicht, die beiden Damen aus dem Anti-Drogen-Lager etwas aufzulockern. «Arena keep it real», singt er und nur die Jugendlichen in den Publikumsreihen nicken scheu mit den Köpfen.

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Der internationale Marihuana-Marsch wird weltweit in über 100 Städten durchgeführt. Jedes Jahr gibt es einen, der es ein wenig übertreibt ... EPA/EFE / LUIS EDUARDO NORIEGA
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Dieser junge Mann aus Bogotá, Kolumbien, treibt es während der Demonstration schon ein bisschen weiter: Marihuana aus dem Apfel. X02467 / JOHN VIZCAINO
Das ist aber nichts gegen diese Wassermelone-Pfeife – diesmal in Medellín, Kolumbien. Dabei ist die Stadt eigentlich wegen einer anderen Droge bekannt geworden. Einst hatte hier das berüchtigte Medellín-Kartell seinen Sitz, das mit dem Verkauf von Kokain Millionen verdient hat. X02140 / FREDY BUILES
Jetzt haben sich die Kolumbianer offensichtlich aufs Rauchen mit exotischen Früchten spezialisiert: die Ananas-Pfeife. X02140 / FREDY BUILES
Sie, auch in Medellín, serviert Joints auf dem Silbertablett. EPA/EFE / LUIS EDUARDO NORIEGA
Dasselbe auf Afrikanisch: In Südafrika demonstriert ein Mann mit einer riesigen Hasch-Pfeife für die Legalisierung von Cannabis. Als medizinisches Heilmittel darf es hier bereits eingesetzt werden. EPA/EPA / NIC BOTHMA
Was für eine Hanfblüte! EPA/EPA / NIC BOTHMA
Und nun zu den Statement-Joints: Dieser Mann hat für die Demonstration in Mexico City schon ein recht grosses Stück gefertigt. X90174 / HENRY ROMERO
Er hier setzte in São Paulo, Brasilien, eher auf den Durchmesser. EPA EFE / CARLOS VILLALBA R.
Dieser überdimensionierte Joint in Rio de Janeiro ist hingegen nicht zum Kiffen da. AP/AP / Silvia Izquierdo
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