Der Ständerat diskutiert heute über den Uno-MIgrationspakt.
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Ständerat debattiert heute über den Uno-Migrationspakt – das musst du dazu wissen
Seit Wochen wird über den Uno-Migrationspakt gestritten. Heute Donnerstag ist dieser Thema im Ständerat.
Die Ausgangslage
Der Migrationspakt, der Grundsätze im Umgang mit Migranten festlegt, wird an einer Konferenz vom 10. und 11. Dezember in Marrakesch verabschiedet. Dass die Schweiz nicht teilnehmen wird, steht bereits fest: Der Bundesrat hat vergangene Woche entschieden, dem Pakt vorerst nicht zuzustimmen. Er befürwortet diesen zwar, will aber die Debatte im Parlament abwarten.
Dem Ständerat liegen drei Vorstösse vor. Die Aussenpolitische und die Staatspolitische Kommission fordern, dass nicht der Bundesrat, sondern das Parlament über die Zustimmung der Schweiz entscheidet.
Die Gegner des Migrationspakts
Die SVP möchte bereits einen inhaltlichen Entscheid fällen. Sie fordert mit ihrem Vorstoss, dass die Schweiz dem Pakt definitiv nicht zustimmt. Unterstützung erhält die SVP aus den Reihen der FDP, deren Fraktion den Migrationspakt mehrheitlich ablehnt. Die Gegnerinnen und Gegner befürchten, der rechtlich nicht verbindliche Pakt könnte zu politischen Forderungen führen.
Mitglieder der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz AUNS versammelten sich am 20. November 2018 in Bern.
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Der Bundesrat beantragt dem Parlament, die Vorstösse abzulehnen. Er zeigt sich aber bereit, innerhalb von sechs Monaten einen Bericht vorzulegen über die wachsende Rolle von «Soft Law». Das wird mit einem vierten Vorstoss gefordert.
Die Ziele des Uno-Migrationspakts
Auf der Suche nach Frieden und einem besseren Leben verlassen immer mehr Menschen weltweit ihre Heimat. Mit dem «Globalen Pakt für Migration» legten die Vereinten Nationen im Sommer erstmals Grundsätze für den Umgang mit Flüchtlingen fest. Daraus neun Ziele: EPA/EFE / Esteban Biba
Politiker sollen stärker auf Grundlage nachweisbarer Fakten entscheiden. Dazu müssen Erhebung, Analyse und Verbreitung von Daten zur Migration geschärft werden. EPA/EFE / Nacho Gallego
Die Lebensbedingungen sind weltweit so zu verbessern, dass Menschen auch in ihrer Heimat bleiben können. Neben sozialen Faktoren steht der Kampf gegen Klimawandel und Umweltzerstörung im Fokus. AP/AP / Eric Gay
Arbeitende Migranten sollen besser gegen Ausbeutung, Missbrauch und die Verletzung von Menschen- und Arbeitsrechten geschützt werden. EPA/EPA / FELIPE TRUEBA
Beim Bezug von unterstützenden Leistungen sind Migranten nicht zu benachteiligen. Der Anspruch darauf ist ein Menschenrecht. AP/AP / Manu Fernandez
Die Uno fordert die vollständige Eingliederung von Migranten in die Gesellschaft – auf Basis gegenseitigen Respekts. AP/AP / Jacquelyn Martin
Rettungseinsätze will die Uno international besser koordinieren, «um den Tod und die Verletzung von Migranten zu verhindern». EPA/EPA / CHRISTOPHE PETIT TESSON
Schleuserbanden sollen grenzübergreifend stärker verfolgt und bestraft werden, geschmuggelte Migranten aber straffrei bleiben. EPA/EFE / Esteban Biba
Die Staaten verpflichten ihre Konsulate zu internationaler Zusammenarbeit, um Rechte und Interessen aller Migranten zu schützen. EPA/EFE / ROMAN G. AGUILERA
Gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz strebt die Uno eine öffentliche Debatte über Migranten an, die auf «nachweisbaren Fakten» beruht, und unterstreicht «das Recht der freien Meinungsäusserung». AP/AP / Jim Mone
Die Befürworter
Für eine Zustimmung der Schweiz zum Migrationspakt sind SP und Grüne. Die SP-Fraktion appellierte am Mittwoch an die FDP und die CVP, sich «aus der Geiselhaft der SVP zu lösen». Die bürgerlichen Parteien in Europa seien bereits zur Vernunft gekommen und stellten sich hinter den Pakt, schrieb sie in einer Mitteilung.
Einzig die politische Mitte in der Schweiz geselle sich zu den rechtspopulistischen Parteien. «Mit ihrer Haltung helfen FDP und CVP mit, das trumpsche Narrativ von FPÖ, Front National oder AfD in der Schweiz salonfähig zu machen», schrieb die SP.
Was sagt der Bundesrat?
Mit der Zustimmung bekräftigen die Staaten ihren politischen Willen, die globalen Herausforderungen der Migration gemeinsam anzugehen. Laut dem Bundesrat erfüllt die Schweiz die Empfehlungen des Paktes bereits.
Der Bundesrat widerspricht auch Behauptungen der Gegner, der Pakt fördere Migration und führe zu offenen Grenzen. Viel mehr bekräftige er das souveräne Recht der Staaten, ihre nationale Migrationspolitik selbst zu bestimmen, schrieb er in den Antworten auf die parlamentarischen Vorstösse.
Nur in einem Punkt weicht das Schweizerische Recht laut dem Bundesrat von den Empfehlungen des Migrationspaktes ab: In der Schweiz ist Ausschaffungshaft für Minderjährige ab 15 Jahren möglich, der Pakt empfiehlt, davon abzusehen. Diese Abweichung wollte der Bundesrat in einer Erklärung festhalten. Aus seiner Sicht ist sie aber kein Grund, dem Pakt nicht zuzustimmen.
Immer weniger Ausländer kommen in die Schweiz:
Video: srf
Was regelt der Migrationspakt genau?
Der Migrationspakt enthält Leitprinzipien, Ziele und mögliche Umsetzungsinstrumente. Unter anderem geht es dabei um Hilfe vor Ort, Bekämpfung des Menschenhandels und Menschenschmuggels, sichere Grenzen, Beachtung der Menschenrechte, Rückführung und Reintegration sowie nachhaltige Integration.
Deshalb will Portugal mehr Migranten:
Video: srf
Wie sieht es bei anderen Nationen aus?
Dem Migrationspakt eine Absage erteilt haben die USA, Israel, Australien, Österreich, Bulgarien Polen, Ungarn, Slowakei und Tschechien. In Estland hatte die Regierung zunächst beschlossen, den Pakt nicht zu unterstützen. Nun zeichnet sich ein Umschwenken ab. In Deutschland haben sich am Dienstag die Unions- und die SPD-Fraktion im Bundestag fast einmütig hinter den Migrationspakt gestellt. (sda)
Frankreich räumt den «Dschungel» von Stalingrad in Paris:
Nach der Auflösung des «Dschungels» von Calais hat die französische Polizei am 31. Oktober mit der Räumung eines Flüchtlingslagers in Paris begonnen. AP/AP / Christophe Ena
In der Nähe der Metrostation Stalingrad ist in den letzten Monaten eine Zeltstadt von Migranten entstanden. EPA/EPA / ETIENNE LAURENT
Rund 2500 Migranten halten sich derzeit in dem Camp zwischen dem 10. und 19. Pariser Arrondissement im Norden von Paris auf. EPA/EPA / ETIENNE LAURENT
Die Polizei führte Kontrollen in der Zeltstadt durch. EPA/EPA / ETIENNE LAURENT
Mit einem Schaufellader wurden erste Zelte und Matratzen weggeräumt. AP/AP / Christophe Ena
Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo beklagte aber, es stünden bei Weitem nicht genug Unterkünfte für die Flüchtlinge bereit. EPA/EPA / ETIENNE LAURENT
Hidalgo schrieb in einem am Montag bekannt gewordenen Brief an die Regierung: ... AP/AP / Christophe Ena
... «Die humanitäre und sanitäre Lage der Migranten, die seit mehr als zwei Monaten um die Metrostation Stalingrad herum lagern, ist dramatisch.» AP/AP / Christophe Ena
Der Zustand sei für die Flüchtlinge wie die Anwohner unhaltbar, die Menschen müssten dringend untergebracht werden. AP/AP / Christophe Ena
Hidalgo verwies auf das neue Aufnahmezentrum, das in Kürze im Norden von Paris eröffnen soll. AP/AP / Christophe Ena
Dies biete jedoch nur Platz für 400 Menschen, betonte die Bürgermeisterin. Vor der Eröffnung müsse der Staat eine Lösung für die anderen Flüchtlinge finden. AP/AP / Christophe Ena
Präsident François Hollande hatte am Wochenende gesagt, es würden keine weiteren «Dschungel» in Frankreich geduldet. Untergebracht werden könnten aber nur Asylberechtigte. EPA/EPA / ETIENNE LAURENT
Die Zeltstadt ist seit Beginn der Räumung in Calais vor einer Woche deutlich angewachsen. EPA/EPA / ETIENNE LAURENT
Die französische Regierung bestreitet aber einen Zusammenhang und verweist auf die vielen Flüchtlinge, die weiterhin nach Europa kommen. EPA/EPA / ETIENNE LAURENT
Ein Afghane im Lager sagte der Nachrichtenagentur AFP angesichts der Polizeiaktion: ... EPA/EPA / ETIENNE LAURENT
«Wenn sie uns keine Unterkunft geben, warum zerstören sie unsere Zelte?» EPA/EPA / ETIENNE LAURENT
In dem Lager hausen neben Afghanen auch zahlreiche Sudanesen und Eritreer. EPA/EPA / ETIENNE LAURENT
Migranten stehen für eine kostenlose Mahlzeit an. X00217 / CHARLES PLATIAU
Bereits im September hatten die Behörden ... X02011 / BENOIT TESSIER
... ein improvisiertes Flüchtlingscamp im Quartier geräumt. X02011 / BENOIT TESSIER
Hier werden Flüchtlinge mit offenen Armen aufgenommen:
Video: srf
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