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Solche Bilder will  definitiv niemand sehen. bild: screenshot mysports

Falsch verstandene Härte und zu milde Richter – im Hockey braucht es härtere Strafen

Niemand spricht von böser Absicht. Aber es braucht härtere Strafen, um die aufkommende Brutalität in unserem Hockey einzudämmen.

Publiziert: 14.01.19, 18:55 Aktualisiert: 15.01.19, 06:52

Zugs Garret Roe taumelt bereits nach einem Zweikampf. Da braust Berns Tristan Scherwey heran und streckt den Amerikaner mit einem Check nieder. Die Hockeygötter sind gnädig. Garret Roe bleibt unverletzt.

Zugs Trainer Dan Tangnes kommentiert nach dem Spiel diese Szene nicht und sagt bloss resignierend, es habe in letzter Zeit so viele solcher Zwischenfälle gegeben, dass darüber kaum mehr ein Wort verloren würden.

Genau so ist es. Im neuen Jahr häufen sich die Zwischenfälle. Servettes Eric Martinsson droht nach einem Bandencheck von Marc Wieser das Saisonende. Luganos Maxim Lapierre benützt bei einem Stockschlag gegen Zürichs Chris Baltisberger sein Werkzeug eher wie eine Waffe. Zugs Raphael Diaz erwischt Lausannes Torrey Mitchell mit dem Ellenbogen am Kopf. Zugs Johan Morant checkt Berns Thomas Rüfenacht kopfvoran in die Bande. Das alles in nicht einmal zwei Wochen.

Wieser vs. Martinsson:

Lapierre vs. Baltisberger:

Video: streamable

Diaz vs. Mitchell:

Morant vs. Rüfenacht:

Video: streamable

Diese Zwischenfälle sind alle unterschiedlicher Natur. Ausser beim üblen Stockfoul von Maxim Lapierre kann keinem Spieler Absicht unterstellt werden. Im juristischen Sinne ist es die «Inkaufnahme» einer Verletzung bei einem Check. Der entscheidende Punkt ist ein anderer, nicht juristischer Natur und nicht einklagbar: Es geht um den Respekt vor dem Gegenspieler.

Dummes Geschwätz von Ewiggestrigen

Das Problem ist theoretisch längst erkannt. Es gibt sowohl beim internationalen wie beim nationalen Verband seit Jahren zahlreiche «Respect»-Aktionen. Eishockey ist ein gefährliches Spiel. Auch ohne jedes Fehlverhalten kann es zu schweren Unfällen kommen. Wie beim Sturz in die Bande von Zugs Carl Klingberg im Spiel in Langnau. Versicherungstechnisch ist der Beruf des Eishockeyspielers längst dem Extremsport mit entsprechend hohen Prämien gleichgesetzt. Prämien, die die Klubkassen arg belasten.

Umso wichtiger ist es, Unfälle zu verhindern, die verhindert werden können. In dem die Spieler aus Respekt vor dem Gegenspieler auf gefährliche Aktionen verzichten. Auf Checks wie jener von Tristan Scherwey gegen Garret Roe oder jener von Johan Morant gegen Thomas Rüfenacht. Der Stockschlag von Maxim Lapierre gehört in eine andere Kategorie. Hier ist die böse Absicht erkennbar.

Korrekter Check: Zugs Diaz befördert Tigers-Topskorer Pesonen über die Bande. Bild: KEYSTONE

Die neuen Regeln sind klar und klug: Sogenannte «Late Hits», also «verspätete» Checks, wenn der Spieler nicht mehr im Besitz der Scheibe ist, sind verboten. Grundsätzlich ist der Körperangriff (der Check) nur im Kampf um die Scheibe erlaubt. Aber nicht, um ihn einzuschüchtern. Und «blinde» Checks, die der Spieler nicht erwarten oder kommen sehen kann, sind sowieso verboten.

Diese Regeln sind wichtig für die Gesundheit der Spieler. Das Spiel ist heute viel schneller geworden. Die Aufprallenergie steigt im Quadrat zum Tempo. Der Begriff der Härte bedarf einer Revision und kann nicht mehr in den Massstäben des letzten Jahrhunderts gemessen werden. Checks haben heute eine ungleich grössere Wucht und Wirkung als noch vor 15 Jahren. Deshalb steigt die Zahl der Gehirnerschütterungen.

Das Geschwätz von Ewiggestrigen (oft sind es ehemalige Spieler), die eine archaische Härte kultivieren und ein Fehlverhalten des gefoulten Spielers monieren, muss aufhören. Der Ansatz zur Lösung des Problems sind die Täter. Nicht die Opfer.

Es braucht längere Sperren

Die Regeln sind das eine. Sie durchzusetzen das andere. Nach wie vor fehlt gewissen Klubs die Einsicht, übertriebene Härte des eigenen Personals zu missbilligen. Etwa in Bern, wo diese Saison gegen eine gerechtfertigte Sperre Rekurs einlegt wurde und dafür auch noch Geld ausgegeben wurde sowie Ex-Hockey-Einzelrichter Reto Steinmann als Fürsprecher verpflichtet worden ist. Auch auf dieser Ebene ist Umdenken notwendig.

Die «Selbstjustiz», die einst in der guten alten Zeit in der NHL zelebriert worden ist – der Sünder kassierte Prügel – gibt es heute nicht mehr. Sie ist auch nicht mehr wünschenswert.

Lapierre kann einstecken, aber noch besser austeilen. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Unsere Hockeyjustiz arbeitet gut und pflückt auch die Sünder heraus, welche die Schiedsrichter übersehen haben. Was noch fehlt, ist die erzieherische Wirkung der Strafen. Drei oder vier Spielsperren während der Qualifikation kümmern eigentlich keinen Spieler und selbst die Klubs können das gut verschmerzen. Unsere Hockeyrichter sind zu milde.

Es braucht für klare Fälle härtere Strafen. Wer ganz offensichtlich die Gesundheit eines Gegenspielers durch eine vermeidbare illegale Aktion gefährdet, gehört für sieben bis zehn Spiele gesperrt. Spätestens im zweiten Wiederholungsfall für den Rest der Saison.

Die Schiri-Zeichen im Eishockey

IIHF-Regel 184 I: Spieler im Torkreis – wenn ein angreifender Feldspieler eine Position im Torraum einnimmt, wird das Spiel unterbrochen und das folgende Anspiel erfolgt am nächstgelegenen Anspielpunkt in der neutralen Zone.
IIHF-Regel 170ff: Strafschuss / Penalty – in Situationen, in welchen sich ein Spieler des verteidigenden Teams regelwidriger Mittel bedient, um einem Gegenspieler eine angemessene Torchance zu nehmen und sich der Torhüter auf dem Eis befindet, hat der Schiedsrichter die Möglichkeit, dem Gegenspieler einen Penaltyschuss zuzusprechen.
IIHF-Regel 167: Beinstellen – ein Spieler, der einen Gegenspieler mit seinem Stock, Fuss oder Bein zu Fall bringt.
IIHF-Regel 166: Zu viele Spieler auf dem Eis – ein Team darf maximal einen Torhüter und fünf Feldspieler oder sechs Feldspieler auf dem Eis haben. Eine kleine Bankstrafe wird ausgesprochen, wenn ein Team einen oder mehrere Feldspieler mehr auf dem Eis hat als erlaubt.
IIHF-Regel 161: Stockstich – ein Spieler, der mit dem Ende seines Stockblatts einen Gegenspieler sticht oder zu stechen versucht, unabhängig davon ob er den Stock mit einer oder mit beiden Händen hält. Ein Kontakt mit dem Gegner ist nicht nötig, um eine Strafe zu verhängen.
IIHF-Regel 159: Stockschlag / Slashing – ein Spieler, der seinen Stock mit einer oder beiden Händen gegen irgendeinen Körperteil oder Ausrüstungsteil seines Gegenspielers schwingt. Ein Kontakt mit dem Gegenspieler ist nicht nötig, um eine Strafe zu verhängen.
IIHF-Regel 158: Übertriebene Härte / Roughing – ein Spieler, der einen Gegenspieler während des Spiels anrempelt oder schlägt.
IIHF-Regel 153: Check mit dem Knie – ein Spieler. der sein Knie ausstreckt, um einen Kontakt mit einem Gegenspieler herbeizuführen.
IIHF-Regel 150: Behinderung / Interference – ein Spieler, der einen Gegenspieler ohne Puck blockiert oder daran hindert, Schlittschuh zu laufen, einen Pass anzunehmen oder sich frei auf der Eisfläche zu bewegen. Das gleiche Schiedsrichterzeichen wird auch für die Regel 151: Behinderung am Torhüter eingesetzt.
IIHF-Regel 146: Haken – ein Spieler, der seinen Stock einsetzt, um einen Gegenspieler, mit oder ohne Puck, am Vorwärtskommen zu hindern.
IIHF-Regel 145: Halten des Stocks – ein Spieler, der mit einer oder beiden Händen den Stock des Gegenspielers festhält, um ihn daran zu hindern, Schlittschuh zu laufen, den Puck zu spielen oder am Spiel teilnehmen zu können sowie jedes Handeln, welches den Gebrauch des Stocks einschränkt.
IIHF-Regel 144: Halten – ein Spieler, der mit einer Hand oder mit beiden Händen, mit Armen oder Beinen oder auf andere Weise das Vorwärtskommen eines Gegenspielers behindert oder ihn davon abhält, frei Schlittschuh zu laufen.
IIHF-Regel 143: Hoher Stock – ein Spieler, der seinen Stock oder einen Teil davon über der Höhe seiner Schulter führt und einem Gegenspieler mit einem Teil davon einen Schlag versetzt.
IIHF-Regel 139: Check mit dem Ellbogen – ein Spieler, der seinen Ellbogen einsetzt, um einen Gegenspieler zu foulen.
IIHF-Regel 135 und 212: Spielverzögerung – Schiessen oder Werfen des Pucks aus dem Spielfeld bzw. eine Aktion des Torhüters mit der Absicht das Spiel zu verzögern, einen Unterbruch zu erzwingen oder die Fortsetzung des Spiels zu verhindern.
IIHF-Regel 127: Check mit dem Stock / Cross-Checking – ein Spieler, der mit beiden Händen am Stock einen Check gegen den Körper eines Gegenspielers ausführt, wobei sich kein Teil des Stockes auf dem Eis befindet.
IIHF-Regel 125: Check gegen das Knie / Clipping – Clipping ist eine Aktion, in welcher ein Spieler seinen Körper eigens zu dem Zweck nach unten senkt, so einen Check gegen das Knie des Gegenspielers anzubringen.
IIHF Regel 124: Check gegen den Kopf oder Nackenbereich – ein Spieler, der mit irgendeinem Teil seines Körpers oder seiner Ausrüstung einen Check gegen den Kopf oder Nacken eines Gegenspielers ausführt.
IIHF-Regel 123: Check von hinten – ein Spieler, der einen Check gegen einen Gegenspieler ausführt, der sich in einer wehrlosen Position befindet, sich des Checks nicht bewusst ist und nicht in der Lage ist, sich vor so einem Check zu schützen oder zu verteidigen. Der Kontakt erfolgt dabei auf der Rückseite des Körpers.
IIHF-Regel 122: Unerlaubter Körperangriff – ein Spieler, der in Richtung eines Gegenspielers läuft und ihn mit unnötiger Wucht checkt oder in ihn hineinrennt oder gegen ihn springt.
IIHF-Regel 121: Stockend-Stoss / Butt-Ending – Ein Spieler, der die obere Hand am Stock nach unten Richtung Stockblatt schiebt und damit einen gefährlichen Vorsprung kreiert und diesen Teil des Stockes in den Körper des Gegenspielers stösst.
IIHF-Regel 119: Check gegen die Bande / Boarding – ein Spieler, der einen Gegenspieler mit dem Körper oder dem Ellenbogen checkt, ihn angreift oder ihm so das Bein stellt, dass dieser dadurch heftig gegen die Bande geworfen wird.
IIHF-Regel 114: Angezeigte Strafe – hat das Team, das die Strafe verursacht, keine Puckkontrolle, hebt der Schiedsrichter seinen Arm, um damit anzuzeigen, dass eine Strafe ausgesprochen wird, dabei unterbricht er das Spiel zunächst nicht.
IIHF-Regel 110: Matchstrafe – eine Matchstrafe zieht den sofortigen Spielausschluss eines Spielers oder eines Teamoffiziellen nach sich. Ein Mitspieler, der vom Coach über den Kapitän benannt wird, muss die fünfminütige Strafzeit verbüssen. Ein Ersatz des Spielers auf dem Eis ist solange nicht erlaubt, bis die fünf Minuten abgelaufen sind.
IIHF-Regel 107 und 109: Disziplinarstrafe und Spieldauerdisziplinarstrafe – eine Disziplinarstrafe bedeutet zehn Minuten der Spielzeit, allerdings ist ein sofortiger Ersatz der Spieleranzahl auf dem Eis erlaubt. Eine Spieldauerdisziplinarstrafe erfordert, dass sich der bestrafte Spieler oder Teamoffizielle unmittelbar in die Kabine begeben muss. Der Spieler kann sofort auf dem Eis ersetzt werden.
IIHF-Regel 92: Spielerwechsel.
IIHF-Regel 94: Puck im Tor.
IIHF-Regel 74: Handpass – einem Feldspieler ist es nicht erlaubt, den Puck mit der Hand zu fangen und mit ihm zu skaten, entweder, um einen Check zu vermeiden oder den Puckbesitz zu behaupten.
IIHF-Regel 61: Time-out – jedem Team ist ein 30-Sekunden-Time-out im Spiel erlaubt (in der regulären 60-minütigen Spielzeit einschliesslich Verlängerung).
Auswinken / Wash-out – Eine ausstreckende Seitwärtsbewegung beider Arme, Handflächen nach unten. Der Schiedsrichter benutzt dieses Zeichen, um «kein Tor», «kein Handpass», oder «kein hoher Stock» zu signalisieren. Der Linienrichter benutzt dieses Zeichen um «kein unerlaubter Befreiungsschuss / Icing» und in bestimmten Situationen «kein Offside» zu signalisieren.
IIHF-Regel 65: Icing – Der hintere Linienrichter signalisiert ein mögliches Icing mit ausgestrecktem Arm über Kopfhöhe. Der Arm wird in dieser Position gehalten bis der vordere Linienrichter das Icing abpfeift oder annulliert. Wird auf Icing entschieden, kreuzt der hintere Linienrichter zuerst die Arme vor der Brust und zeigt danach auf den entsprechenden Anspielpunkt.
IIHF-Regel 78: Abseits / Offside.
IIHF-Regel 82: Angezeigtes Abseits.
IIHF-Regel 169: Regelwidriger Check (Frauen) – im Fraueneishockey ist es einer Spielerin nicht erlaubt, eine Gegenspielerin mit dem Körper zu checken.

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