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In der Ukraine heizt sich die Stimmung auf: Nationalisten fordern die sofortige Einstellung der diplomatischen Beziehungen mit Russland.  Bild: EPA/EPA

«Es droht ein grossangelegter Krieg»: Poroschenko warnt vor Eskalation mit Russland

Publiziert: 28.11.18, 05:40 Aktualisiert: 28.11.18, 07:07

Im Konflikt mit Russland verschärft der ukrainische Präsident Petro Poroschenko den Ton. In einem TV-Interview warnte er vor der Gefahr eines russischen Einmarschs in sein Land.

«Die Zahl der Einheiten, die entlang unserer ganzen Grenze stationiert wurden, ist um einiges gestiegen», sagte er am Dienstag mit Blick auf das angeblich vorrückende russische Militär. Er betonte: «Dem Land droht ein grossangelegter Krieg mit der Russischen Föderation.»

Petro Poroschenko spricht Klartext. 

Konstantin Kossatschow, Chef des Aussenausschusses im russischen Föderationsrat, sagte der Nachrichtenagentur Interfax, sein Land habe einen Krieg gegen die Ukraine nie als Perspektive betrachtet. Er bezeichnete aber Poroschenko einen «Präsidenten des Krieges».

Die Ukraine hatte als Reaktion auf das russische Vorgehen im Meer vor der Halbinsel Krim bereits beschlossen, erstmals das Kriegsrecht anzuwenden. Dieses gilt etwa in den Grenzregionen zu Russland. Weil Poroschenko seinen Erlass mehrfach abänderte, war allerdings unklar, ob das Kriegsrecht bereits seit Montag gilt oder ob es erst an diesem Mittwoch in Kraft tritt.

Durch das Kriegsrecht erhält das Militär Sondervollmachten. Mit der Massnahme solle die Zeit für die Kampfbereitschaft verkürzt werden, um einen eventuellen Angriff Russlands schneller abwehren zu können, sagte Poroschenko.

Ein russisches Schiff blockiert die Passage zwischen Schwarzem und Asowschem Meer. Bild: AP/AP

Hintergrund sind neuerliche Spannungen mit Russland im seit Jahren schwelenden Konflikt. Am Sonntag hatte die russische Küstenwache Patrouillenbooten der ukrainischen Marine die Durchfahrt in der Meerenge von Kertsch vor der annektierten Halbinsel Krim verweigert. Die drei ukrainischen Schiffe wurden aufgebracht. Es fielen dabei auch Schüsse. 24 Matrosen wurden festgesetzt.

Gegen die ersten Seeleute wurde eine zweimonatige Untersuchungshaft verhängt. Ihnen wird illegaler Grenzübertritt vorgeworfen. Damit drohen ihnen bei einem Prozess in Russland bis zu sechs Jahren Haft. Die nächsten Verhandlungen sind für diesen Mittwoch geplant.

Trump droht Treffen mit Putin abzusagen

Angesichts der Krise zwischen der Ukaine und Russland stellte US-Präsident Donald Trump ein geplantes Treffen mit Putin in dieser Woche beim G20-Gipfel in Buenos Aires in Frage. Er erwarte erst einen Bericht seines Nationalen Sicherheitsteams zur Lage. «Ich mag diese Aggression nicht», sagte Trump der «Washington Post».

Trump zweifelt, ob er Putin treffen möchte.  Bild: EPA MOFA / LEHTIKUVA

Die Nato-Staaten forderten Russland im Konflikt mit der Ukraine noch einmal offiziell zu Zurückhaltung auf. «Es gibt keinerlei Rechtfertigung für Russlands Einsatz von militärischer Gewalt gegen ukrainische Schiffe und Marinepersonal», hiess es in einer am Dienstag verabschiedeten Erklärung des Nordatlantikrates.

OSZE soll vermitteln

Kanzlerin Angela Merkel setzt zur Deeskalation auf eine vermittelnde Rolle der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Die unterschiedlichen Darstellungen des Vorfalls vom Wochenende sollten an die OSZE gegeben und dort geprüft werden, sagte sie nach Teilnehmerangaben in der Sitzung der Unionsfraktion in Berlin. Die OSZE überwacht auch den Konflikt in der Ostukraine. Sie sprach am Abend von Protesten in mehreren Regionen in der Ukraine.

Pavlo Klimkin Bild: EPA/EPA

Der ukrainische Aussenminister Pavlo Klimkin verlangte indes in der Zeitung «Bild» (Mittwoch), dass der Bau der Ostsee-Pipeline Nordstream 2 gestoppt werde.

«In Anbetracht eines weiteren russischen Völkerrechtsverbrechens wie jetzt auf den Asowschen Meer gegen die Ukraine ist nun endgültig klar: Das Appeasement des Aggressors, etwa durch lukrative Gaspipeline-Projekte, ist nicht zielführend, sondern bedrohlich.» Die Pipeline soll Gas aus Russland durch die Ostsee nach Westeuropa liefern, unter Umgehung der Ukraine.

Ukraine «zu schwach für eine Konfrontation»

Die EU und viele westliche Länder hatten Russland und die Ukraine zur Zurückhaltung aufgerufen. Der SPD-Politiker Gernot Erler rechnet aber nicht damit, dass es zu einem Krieg zwischen beiden Ländern kommt. Dem «Mannheimer Morgen» (Mittwoch) sagte der frühere Koordinator der Bundesregierung für deutsch-russische Beziehungen: «Die Ukraine ist militärisch viel zu schwach, um eine ernsthafte Konfrontation mit Moskau wagen zu können.» (sda/dpa)

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Andere Bilder aus der Ukraine: Lebensfreude statt Gewalt und Zerstörung

Für einmal erreichen uns aus der Ukraine nicht Bilder von Gewalt und Zerstörung, sondern Bilder der Lebensfreude. EPA/EPA / SERGEY DOLZHENKO
Die Ukrainer feiern das Fest der Sommersonnenwende, die nach dem Gregorianischen Kalender am 7. Juli stattfindet. EPA/EPA / SERGEY DOLZHENKO
Ein Brauch ist das Springen von jungen Paaren über ein Lagerfeuer. EPA/EPA / ROMAN PILIPEY
Zu dem Iwan-Kupala-Tag, wie das Fest heisst, gehören auch junge Frauen mit Blumen im Haar. EPA/EPA / SERGEY DOLZHENKO
Iwan Kupala hat heidnische Wurzeln. EPA/EPA / ROMAN PILIPEY
Es ist üblich, dass junge Frauen mit Kerzen bestückte geflochtene Blumenkränze in Flüsse niederlassen und anhand ihres Driftens im Wasser die eigene Zukunft ablesen. EPA/EPA / SERGEY DOLZHENKO
Bis in die moderne Zeit ist die slawische Mittsommernacht als ein spektakuläres heidnisches Fest bekannt. AP/AP / Efrem Lukatsky
Viele Bräuche von Iwan Kupala sind mit dem Wasser, dem Feuer, sich entfaltenden magischen Kräften von Pflanzen und der Selbstreinigung verbunden. X03345 / VALENTYN OGIRENKO
Der Name des Festes leitet sich von dem russischen Namen für Johannes ab. X03345 / VALENTYN OGIRENKO
Lebensfreude trotz Krieg. EPA/EPA / SERGEY DOLZHENKO
Ein Blumenkind. X03345 / VALENTYN OGIRENKO
Und immer wieder der Sprung über ein Feuer. X03345 / VALENTYN OGIRENKO
Und zum Schluss die bange Frage: Wann hört der Krieg endlich auf? EPA/EPA / ROMAN PILIPEY